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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5918
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Verfasst am: 19.Jan 2008 16:36 Titel: Aktienmärkte unter Druck |
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Die Aktienmärkte sind derzeit in keiner guten Verfassung. Die Finanzkrise fördert immer wieder neue Milliarden-Löcher zutage und lässt Rezessionsängste wachsen.
Dabei haben die Blue Chips noch von ihrem Status als Schwergewichte profitiert. Viele Nebenwerte, aus Anlegersicht zumeist mit höheren Risiken verbunden, sind ins Bodenlose gefallen. Die Arcandor -Aktie zum Beispiel ist um 32 Prozent eingebrochen. Ebenso tief sind die Papiere der Baumarktkette Praktiker gefallen. Die Aktien des Solarmodul-Produzenten Q -Cells sind um 28 Prozent abgestürzt - alles innerhalb von nur zwölf Handelstagen.
Die von der Kreditkrise in den Vereinigten Staaten ausgelösten Konjunktursorgen konnte auch US-Präsident George W. Bush mit der Ankündigung eines Programms zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht zerstreuen. "Das belastende Umfeld hat weiterhin Bestand, in dieser Einschätzung bestätigt uns auch die negative Aufnahme des Konjunkturpaketes an den Märkten", sagte LBBW -Aktienstratege Steffen Neumann.
Zur Abwehr einer Rezession werden Steuererleichterungen und die Unterstützung von Unternehmen bei Investitionen diskutiert. Die Details können sich die US-Investoren in Ruhe auf sich wirken lassen, da wegen des Feiertages Martin-Luther-King-Day am Montag die Börsen erst am Dienstag wieder öffnen.
Investoren am Aktienmarkt werden sich nach Einschätzung von Börsianern auch in der nächsten Zeit warm anziehen müssen. "Die Flut schlechter Nachrichten setzt die Aktienmärkte weiter unter Druck", prognostiziert Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Zu den grassierenden Rezessionssorgen gesellt sich Analysten zufolge Unsicherheit über das weitere Vorgehen der US -Notenbank Fed. "Das ist alles kein erfreuliches Umfeld. Der Markt wird sich bei hoher Volatilität seitwärts entwickeln oder eher leicht nach unten gehen", erwartet Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB. Etwas Entspannung erhoffen sich Börsianer von Nachrichten zu den Unternehmensgewinnen.
In der abgelaufenen Woche verlor der Dax knapp vier Prozent. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste im deutschen Leitindex auf inzwischen neun Prozent. Finanzmarktkrise und Rezession waren die Schlagwörter der vergangenen Wochen. Wie Schnee in der Sonne ist die Marktkapitalisierung der 30 Dax-Unternehmen geschmolzen - allein seit Jahresbeginn um deutliche 65 Milliarden Euro.
Außerdem wird einmal mehr gelten: Warten auf die US -Notenbank. "Vor allem eine aggressive Geldpolitik der Fed sollte eine deutliche Kurserholung an den Aktienmärkten auslösen", erwartet Commerzbank -Beobachter Krämer. Skeptischer sieht hingegen Basse die die Möglichkeiten der Zentralbank, den Aktienmärkten wieder Aufwind zu geben. "Die US -Notenbank bleibt im Fokus. Sie bewegt sich auf einem schmalen Grad zwischen mutigen Handlungen und überschäumendem Aktionismus", sagt Basse von der NordLB.
Die nächste reguläre Sitzung der Fed ist erst für Ende Januar terminiert. Mittlerweile wird aber über eine vorgezogene Zinssenkung spekuliert. "Die amerikanische Notenbank hat im Grunde genommen schon eine Leitzinssenkung vorweggenommen, indem sie den Kreditinstituten wieder mal eine Liquiditätsspritze zu einem niedrigen Satz von 3,75 Prozent zur Verfügung stellt", schreiben die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart".
Sie können sich mehrere Zinsschritte vorstellen, bis der US-Leitzins sogar auf drei Prozent fällt. "Dagegen wird sich die EZB bemühen, trotz Ankündigungen keine Zinserhöhung vorzunehmen, sondern den Leitzins von derzeit vier Prozent unverändert zu belassen", glauben die Stuttgarter.
An der Wirksamkeit von Zinssenkungen als bewährtes Heilmittel gegen Unpässlichkeit an den Aktienmärkten gibt es indes zunehmend Zweifel. "Die Frage ist doch, ob selbst massive Zinssenkungen in den USA das Rezessionsgespenst überhaupt noch vertreiben können", sagt ein erfahrener Aktienhändler einer schweizerischen Großbank.
An den Euro-Geldmärkten, wo sich Banken untereinander Liquidität verschaffen, sind die Zinssätze jüngst stark gefallen. Da können die EU-Notenbanker noch so oft die Inflationsrisiken beschwören - die Märkte preisen Zinssenkungen ein. Geholfen hat das den Aktien aber nicht.
Die Frage ist nun: Wohin geht der Trend?
In der nun schon fünf Jahre währenden Hausse wurden vorübergehende Rücksetzer stets mit Schnäppchenkäufen gekontert. Niedrigere Bewertungen ließen Aktien immer wieder günstig erscheinen im Vergleich zu anderen Anlagen. Denn die Konjunkturlokomotiven standen weltweit unter Volldampf, die Gewinnaussichten waren rosig.
Doch dieses Argument geht ins Leere, wenn die hohen Gewinnschätzungen stärker revidiert werden müssen, als die Kurse fallen.
Bleiben noch Fusionen und Übernahmen als mögliche Stütze für eine neue Aktieneuphorie. Doch auch dieser Rückenwind für Aktien ist zu einem lauen Lüftchen abgeflaut. Mit Beginn der Krise an den Kredit- und Hypothekenmärkten ist das Geschäft mit Akquisitionen und Verschmelzungen von Unternehmen quasi von einem Tag zum anderen zum Erliegen gekommen - und dümpelt seitdem auf niedrigem Niveau.
So dürfte es also auch in den nächsten Wochen mit den Aktien Richtung Süden gehen.
"Die internationalen Aktienmärkte scheinen sich zurzeit einig zu sein, in welche Richtung der Trend verläuft - nämlich nach unten", resümieren die Börsenexperten von Ellwanger & Geiger, "eine Ausverkaufsstimmung macht sich breit, die Märkte befinden sich bereits in einer Überverkauft-Situation".
Für Investoren am deutschen Markt steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Krise aus den USA in die "alte Welt" überschwappt. "Das Risiko einer kräftigeren Abkühlung der US-Wirtschaft dürfte die Furcht schüren, dass auch die Konjunktur hierzulande stärker in Mitleidenschaft gezogen wird", schreiben die Analysten der Postbank.
Quelle: HB |
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