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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5911
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Verfasst am: 16.Dez 2006 11:51 Titel: Anlegerakademie: Aktien - Der Pfeffer für jedes Depot |
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Sie ist zwar schon 400 Jahre alt, trotz ihrer Berg- und Talfahrten sehen Experten für die Aktie aber eine rosige Zukunft. An den Papieren kommt kein Geldanleger vorbei: Aktien finanzieren den wirtschaftlichen Fortschritt und bilden so die Basis für materiellen Wohlstand.
„Auf Dauer kommt an der Aktie niemand vorbei, da sie langfristig einen Renditevorsprung vor anderen Anlagen wie beispielsweise festverzinslichen Wertpapieren hat“, sagt Rüdiger von Rosen, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts (DAI). „Strukturell befindet sich die Weltwirtschaft im Aufschwung. Das Unternehmenswachstum wird im wesentlichen über den Kapitalmarkt finanziert, deshalb gewinnt die Aktie als Finanzierungsinstrument an Bedeutung“, schätzt Werner Plumpe, Professor und Wirtschaftshistoriker an der Uni Frankfurt. Aktien dürften laut Michael Keilholz, Vorstand im Verband unabhängiger Finanzdienstleister BCA, neben festverzinslichen Papieren und Immobilien ein wesentlicher Pfeiler der privaten Vermögensbildung bleiben. „Ihre Bedeutung wird in Form von Investmentfonds und Zertifikaten, die sich auf Aktien beziehen, weiter zunehmen“, sagt er.
Aktien sind Wertpapiere, die den Anteil an einer Gesellschaft verbriefen. Wer Aktien kauft, wird also zum Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens. Dieses kann über die Börse Anlegergeld einsammeln, um Großprojekte zu verwirklichen und um das Risiko auf viele Schultern zu verteilen.
Hier zu Lande stehen noch immer viele Menschen der Aktie skeptisch gegenüber. Nach Angaben des DAI besitzen 15,3 Prozent der Bevölkerung Aktien oder Fondsanteile. Das ist im Vergleich zu den USA, Großbritannien oder den Niederlanden ein nur geringer Anteil. Wer sich jedoch von der Geschichte der Aktie faszinieren lässt und dadurch besser versteht, wie diese Anlageform funktioniert, dürfte seine Vorbehalte verlieren.
Die ersten Aktien der Welt gab 1602 die niederländische Kolonialhandelsgesellschaft „Vereenigde Oost-Indische Compagnie“ (VOC) aus, ein Zusammenschluss von sechs Amsterdamer Gewürzhändlern, die schon Ende des 16. Jahrhunderts jährlich bis zu 70 Schiffe zu den indonesischen Gewürzinseln schickten. Die Idee: ein Kaufmann alleine wäre finanziell ruiniert gewesen, wenn sein einziges Schiff bei der Überfahrt im Sturm gesunken wäre – nicht aber, wenn er einer von vielen Teilhabern einer über 100 Schiffe umfassenden Flotte ist. Das neue an der Aktie gegenüber bisherigen Beteiligungsformen war, dass sich der Investor durch Verkauf von ihr trennen konnten, ohne dass das den Fortbestand der Aktiengesellschaft beeinflusste.
Die VOC-Aktien waren bei wohlhabenden Kaufleuten, Provinzen und Städten begehrt: Schon wenige Tage nach ihrer Ausgabe wurde die VOC-Aktie zu 116 Prozent ihres Ausgabepreises weitergereicht. Die Entdeckungen und Eroberungen in Übersee beflügelten den Transport und den Handel, so dass die VOC-Aktie Jahrzehnte später bereits das Fünffache wert war. Da insbesondere der Handel mit Pfeffer lukrativ war, hießen die VOC-Aktionäre im Volksmund bald „Pfeffersäcke von Amsterdam“.
Die Idee, Großprojekte durch viele Anteilseigner zu verwirklichen, machte Schule: Der Abbau von Bodenschätzen wurde auf diese Weise ebenso finanziert wie das Schienennetz der Eisenbahn in den USA.
Ein Blick in die Geschichte zeigt aber auch, dass Aktienmärkte immer wieder zu Übertreibungen neigen. Wer das weiß kann seinen Blick schärfen, denn das Muster ist immer gleich: Hohe Kursgewinne verleiten immer mehr Investoren, auch Kleinanleger, zum Spekulieren an der Börse. Viele wagen Aktienkäufe auf Kredit, auch wenn sie das Geschäft eines Unternehmens nicht richtig verstehen, die Firmen an der Börse mit einem Vielfachen ihrer zukünftigen Gewinne bewertet werden oder die Aussicht auf irgendeinen Gewinn von vorn herein fraglich ist. Dabei pumpen sich spekulative Blasen auf, deren plötzliches Platzen vermeintlich steinreiche Anleger von einem zum anderen Tag bettelarm werden lässt.
Wichtig zu wissen: Bis jetzt ist noch jede Blase geplatzt! Das war bei der holländischen Tulpenmanie im 17. Jahrhundert so, als die Preise für Tulpenzwiebeln innerhalb von 18 Monaten bis auf heute umgerechnete 530 000 Euro stiegen, ehe sie wieder abstürzten. Das war 1720 in England bei der so genannten South Sea Bubble so, als im Fahrwasser der erfolgreichen South Sea Company mehrere hundert, zum Teil sehr abenteuerliche Unternehmen beispielsweise mit dem Haarhandel, der Versorgung Londons mit Kohle aus dem Meer oder eckigen Kanonenkugeln (die übrigens niemals auch nur ein Kanonenrohr verließen) ebenfalls Anlegergeld einsammelten. Und das war Anfang des Jahrtausends an der deutschen Wachstumsbörse Neuer Markt so, als Technologiewerte atemberaubende Kurssprünge vollzogen, ohne dass die Firmengewinne mitwuchsen. Überall gab es ein böses Erwachen. Bis heute haben viele Anleger die Kurseinbrüche des Neuen Marktes und die damit verbundenen Verluste nicht vergessen – und nicht verwunden.
Das Verhältnis der Deutschen zur Aktie gilt aber schon länger als gespalten. Eine mögliche Erklärung, wenn auch nicht die einzige, sehen Experten im Floppen vermeintlicher Volksaktien wie der Preussag – der heutigen Tui – Ende der 50er-Jahre, von VW Anfang der 60er-Jahre und der Telekom-Aktie im jüngsten Crash. In all diesen Fällen privatisierte der Staat Unternehmen, deren Aktien vorrangig Kleinanlegern zugeteilt werden sollten, um sie an diese Anlageform heranzuführen und zu einer eigenständigen Altersvorsorge zu ermutigen. Jedesmal folgte auf die erste Euphorie die Enttäuschung, denn entweder nahm der Staat noch zu viel Einfluss auf das Unternehmen, oder ineffizient arbeitende Firmen wurden zu früh in den Börsenalltag gestürzt. Beispiel T-Aktie: Sie dümpelt derzeit ungefähr auf dem Niveau ihres Ausgabepreises von damals – 1996 – 28,50 Mark (14,57 Euro) herum. Zwar wurde das Papier Anfang 2000 für bis zu 104,90 Euro gehandelt; wer jedoch zu den damaligen Höchstständen nicht verkauft hat, ärgert sich noch heute.
Grundsätzlich gilt, dass Aktien produktiv arbeitender und Gewinne erwirtschaftender Unternehmen ihren Anlegern langfristig Freude machen. Ist ein Unternehmen hingegen zahlungsunfähig und gibt es keine Rettung durch eine Übernahme, verschwinden seine Aktien vom Kurszettel.
Lediglich besonders seltene und schön gestaltete Anteilsscheine bringen es als historische Wertpapiere noch auf einen beachtlichen Sammlerwert – darauf sollten sich Anleger aber nicht verlassen.
HB |
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