Verfasst am: 29.Aug 2006 5:42 Titel: Die Affäre um die Zürcher Bank Swissfirst
Die Affäre um die Zürcher Bank Swissfirst zeigt, wie sich einflussreiche Manager in der Schweiz Geschäfte zuschanzen. Ein löchriges Finanzsystem ermöglicht dieses dreiste Vorgehen, das von Experten mittlerweile als „Schweiz AG“ bezeichnet wird.
Die Goldküste bei Zürich trägt diesen Namen nicht, weil der See hier besonders goldig glänzt oder die Weinreben im Herbst goldener leuchten als anderswo. Das Gold steht für den Reichtum ihrer Bewohner.
Hier residiert Christoph Blocher, der millionenschwere Chemie-Unternehmer, der derzeit als Justizminister die Schweiz regiert. Hierhin hat es Theo Müller aus Ärger über die deutschen Steuerbehörden verschlagen. Hier lässt sich auch Martin Ebner wieder sehen, der Bankier, der wegen seines Aufstiegs, Niedergangs und Wiederaufstiegs ebenso belächelt wie bewundert wird.
Da ist es als Privatbankier praktisch Pflicht, an diesem Fleckchen Erde seinen Sitz zu haben. So wie Swissfirst-Chef Thomas Matter, der sich in Küsnacht an der Goldküste mit seinem Institut niederließ.
Der Besuch von den Ermittlern der Staatsanwaltschaft bei Matter und seine Kollegen schlug da in der vergangenen Woche wie eine Bombe ein.
Er markiert den vorläufige Höhepunkt in einer Affäre, die im vergangenen Jahr mit der Fusion der Zürcher Banken Swissfirst und Bellevue begonnen hat.
Zu seiner Zeit wollte Matter den Kauf ohne Kapitalerhöhung bezahlen, weswegen er vorher größere Aktienpakete der eigenen Bank zurückkaufte. Der Swissfirst-Chef persönlich rief Investoren an und überredete sie zum Verkauf.
Auch die in der Schweiz mächtigen Pensionskassen, über die jeder Angestellte seine private Altersvorsorge abwickeln muss, darunter. Nach dem Zusammenschluss legten die Swissfirst-Aktien um rund die Hälfte zu. Ein privater Investor, der erst an Matter verkauft hatte und dem dann dadurch der Gewinn entgangen war, fühlte sich getäuscht und klagte.
Von den Pensionkassen-Managern war jedoch kein Sterbenswörtchen des Unmuts zu hören, obwohl auch sie schlecht abgeschnitten haben mussten.
So keimte der Verdacht auf, dass die Anlagestrategen persönliche Vorteile aus dem Geschäft gezogen hatten. Die Vermutungen erhärteten sich, als Zeitungen vertrauliche Papiere zugespielt wurden. Daraus wurde klar, dass einige Pensionskassen-Manager ihre privat gekauften Swissfirst-Aktien behalten und vom Kursgewinn profitiert hatten.
An dieser Stelle müssten auch die Grillfest-Gänger der Goldküste zugestehen, dass der Fall eine andere Dimension bekommt und bedenklich nach Insiderhandel aussieht. Doch er ist ein Beispiel für die Schweiz AG, in der die Reichen unter sich Geschäfte abwickeln, die sie noch reicher machen. Martin Janssen, selbst Berater für Vorsorgeeinrichtungen und als Experte inzwischen in Zürcher Zeitungen wie dem „Tagesanzeiger“ ein gern gesehenen Interviewpartner, drückt es so aus: „Wenn man keine Ehre im Bauch hat, dann bietet unser System viele Möglichkeiten, Spielchen zu machen.“
Janssen verfügt über einen wahren Fundus von Geschichten in dieser Richtung und berichtet von einem Pensionskassenverwalter, dem eine Bank großzügig Aktien einer Firma zuteilte, die erfolgreich an die Börse ging. Ein anderer erhielt eine günstige Hypothek, nachdem er eine Anlageentscheidung zu Gunsten einer Bank getroffen hatte. „Das ist nicht verboten. Es ist nur unethisch“, sagt Janssen.
Einer, auf den sich angesichts solcher Äußerungen alle Blicke richten, ist in der Swissfirst-Affäre Jürg Maurer. Der Mann mit der hohen Stirn, der runden Brille und der Luxusvilla am Bodensee ist Anlagechef des Schweizer Industriekonzerns Rieter.
Er hat im Land inzwischen den Titel „frechster Pensionkassenmanager“ erhalten, nachdem bekannt wurde, dass er sein eigenes Vermögen in kurzer Zeit vervielfacht hat, das seiner Kasse aber nur moderat wuchs. Maurer selbst hält das für eine „bösartigen Rufmordkampagne“. Dass sein Vermögen dank persönlichen Börsendeals zu Stande gekommen ist, bestreitet er nicht.
Den Verdacht, Insidergeschäfte gemacht oder gar den Versicherten der Pensionskasse irgendwelchen Schaden zugefügt zu haben, weist Maurer zurück. Allerdings gehört die Pensionskasse Rieter zu jenen Vorsorgeinrichtungen, die Swissfirst-Chef Matter kurz vor der Fusion mit der Bellevue Bank größere Aktienpakete angedient hatten. Sie machte dadurch zwar einen Gewinn, der aber deutlich größer ausgefallen wäre, wenn sie nicht verkauft hätte. Das streitet auch Maurer nicht ab.
Hat der Manager also schlicht eine falsche Strategie gewählt? Diese Ansicht vertritt Jean-Pierre Roth, Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Er verweist auf die hohe Zahl von 8 000 Pensionskassen die es in der Schweiz gibt und sagt: „Ich zweifele sehr, dass es genügend kompetente Leute gibt, um so viele Pensionskassen zu führen.“ Er plädiert für weniger Kassen, die dafür branchenweit organisiert sein könnten.
Thomas Matter und seiner Bank helfen solche Vorschläge nicht mehr. Der Kurs der Swissfirst-Aktie ist nach der Durchsuchung in der vergangenen Woche weiter auf Tauchstation gegangen. Und auch seine Strategie, die als Befreiungsschlag gedacht war, dürfte jetzt kaum noch aufgehen. Matter hatte vor zehn Tagen angekündigt, eine Investmentbank zu beauftragen, die einen Verkauf von Swissfirst prüfen sollte. Ziel ist Matter zufolge, „unbelastete Strukturen“ zu schaffen.
Mächtige Kassen:
Die 8 000 Pensionskassen in der Schweiz verwalten umgerechnet 400 Mrd. Euro. Diese Gelder sind Teil der Altersversorgung, die in der Schweiz überwiegend privat organisiert ist. Allein im Kanton Zürich gibt es rund 1 000 solcher Kassen, die damit zur Gruppe der größten Investoren in der Schweiz gehören. Entsprechend intensiv werden sie von Banken und anderen Finanzdienstleistern umworben. Dazu gehört auch die Swissfirst Asset Management AG, obwohl es ihr Chef Thomas Matter eher auf vermögende Privatanleger abgesehen hat.
Mangelnde Aufsicht:
Die meisten Kassen sind als Stiftungen organisiert und unterliegen der Schweizer Stiftungsaufsicht. Kritiker monieren jedoch, dass allein schon die große Zahl der Kassen verhindert, dass die Aufsichtsbehörde die Kassen ernsthaft kontrolliert. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Insiderregeln in der Schweiz relativ schwach. Justizminister Christoph Blocher plant eine Verschärfung.
Die aktuelle Ausgabe der Weltwoche.ch befasst sich ausgiebig mit dem Thema und stellt fest:
"Die angebliche Affäre um die Bank Swissfirst droht zu einem Medienskandal zu werden. Die Vorwürfe lösen sich in Luft auf. Aller Voraussicht nach liegt kein Verschulden vor."
und führt weiter aus:
Seit Monaten dröhnt die Kampagne. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Boulevardpresse, allen voran der Blick und die NZZ am Sonntag, mit schäumender Vehemenz neue Erörterungen zum Fall um die Schweizer Privatbank Swissfirst präsentieren.
Die Berichterstattung über den Finanzdienstleister, einen Kleinbetrieb unter den Schweizer KMU, sprengt alle Proportionen.
Selten haben die medialen Gerichtshöfe der Moral gnadenloser und erfolgreicher zugeschlagen.
Der Blick rief die Justiz vergangenen August zum Handeln auf («Herr Bundesrat Blocher, jetzt sind Sie gefordert!»). Wenige Tage später folgte die Zürcher Staatsanwaltschaft dem Befehl und durchsuchte die Büroräumlichkeiten der Swissfirst im Zürcher Enge-Quartier, in Küsnacht und in Zug sowie Matters Privatwohnung.
Selbst seriöse Blätter wie die NZZ übernahmen die Sprachregelungen des Boulevards und schreiben seither vom «Swissfirst-Skandal» und von der «Swissfirst-Affäre» ohne juristisch greifbare Beanstandungen.
Nicht nur Zeitungen, auch unverdächtige Vertreter des Schweizer Wirtschaftsestablishments liessen sich vom Empörungsvokabular anstecken.
Noch am letzten Wochenende gab der freisinnige Finanzminister Hans-Rudolf Merz in einem erstaunlichen Akt der Vorverurteilung den Satz von sich, die «Swissfirst-Affäre» sei ein wesentlicher Grund für die Beschleunigung der neuen, verschärften Schweizer Insiderstrafnorm.
Tatsächlich?
Erstens ist der Swissfirst bis heute keinerlei Insidervergehen nachgewiesen worden. Zweitens hat der Swissfirst-Fall mit der Gesetzesrevision sachlich nichts zu tun. Auf der Homepage des Blicks rattert seit Monaten die Berichterstattung unter dem Label «Swissfirst-Sumpf».
Zusammengefasst kommt die Weltwoche in dem Artikel zu folgendem Schluss:
Aus heutiger Sicht ist festzuhalten: Namhafte Gutachter bescheinigen Matter einwandfreies Verhalten in Bezug auf die Insidergesetzgebung. Die Transaktion war nach der festen Überzeugung Matters legal und ist nach allen Regeln der Kunst erfolgreich abgewickelt worden.
Die beteiligten Pensionskassen und Versicherungen haben an der Transaktion viel Geld verdient und sind wie gewünscht einen Teil ihrer Aktien losgeworden.
Interne Untersuchungsberichte der institutionellen Anleger loben die Arbeit ihrer Vermögensverwalter. Ein schwarzes Schaf allerdings wurde gefunden. Roland Rümmeli, Anlagechef der Siemens-Pensionskasse, ist wegen Verdachts auf Entgegennahme von Schmiergeld inhaftiert worden. Nicht die Swissfirst allerdings zahlte die «Kickbacks», sondern die Bank Jefferies im Zusammenhang mit Erich von Dänikens gescheitertem Mystery Park.
Massgeblich beteiligt bei der Aktien-Platzierung des Weltraum-Parks: Hranov-Intimus T. T.
Für die Swissfirst ist der Schaden beträchtlich. Alle Private-Banking-Aktivitäten mussten in einer Art Notverkauf zu einem Tiefpreis veräussert werden.
Durch den Abgang zahlreicher Brokerage-Kunden entgehen der Firma für die nächsten drei bis fünf Jahre geschätzte fünf Millionen Franken pro Jahr. Im Vermögensverwaltungsgeschäft dürfte sich der Ausfall auf rund 2,5 Millionen Franken jährlich belaufen.
Firmengründer Matter sieht nicht nur sein Lebenswerk zerstört. Ihm dürfte neben einem Einkommensausfall ein Schaden von mindestens 50 Millionen Franken entstanden sein aufgrund des Kursverfalls der Swissfirst-Titel. Den Bellevue-Partnern sind insgesamt rund 150 Millionen Franken abhanden gekommen.
Gern stelle ich fest dass ich Euch - Moderatoren- endlich mal loben kann.
Habe im Sommer vom Manager Magazin ein Buch geschickt bekommen, mit dem Titel "Tatort Zürich", im Mai/Juni 2006 ganz frisch erschienen, ich glaub im ECON Verlag - das passt inhaltlich zu dem was ihr hier dokumentiert.
Das Buch habe ich einer Klientin zur Verfügung gestellt (geliehen), die ihr Geld oft arglos den "Gnomen von Zürich" anvertraut hat. Buch weg, Klientin auf Tauchstation. Geld weg? Sagt sie nicht, heult bloss rum, antwortet nicht. Ich behielt Recht, aber die anderen habe ihre Kohle.
Trading? Hat sie auch gemacht. Irgendwelchen Leuten vertraut, die sagten sie arbeiten für die FED, die ihr ganz legal viel Geld abgenommen haben, und jetzt hängt sie selber am Fliegenfänger. Der Platz Zürich natürlich immer dabei.... Namen der Institute sollte ich hier lieber nicht nennen...
Wie kann man noch Gut von Böse unterscheiden? Nicht vom Baum der Erkenntnis essen ? Wem kann man noch vertrauen? Die Züricher haben ja eigentlich recht, wenn sie unter sich bleiben und allen Anderen das Geschäft vermasseln. Läuft das in Genf nicht mindestens genauso schön?
Von Zürich lernen heisst gewinnen lernen. Armes Deutschland...
Mit vorweihnachtlichen Grüssen an alle Freunde und Feinde
Gern stelle ich fest dass ich Euch - Moderatoren- endlich mal loben kann.
Habe im Sommer vom Manager Magazin ein Buch geschickt bekommen, mit dem Titel "Tatort Zürich", im Mai/Juni 2006 ganz frisch erschienen, ich glaub im ECON Verlag - das passt inhaltlich zu dem was ihr hier dokumentiert.
Das Buch habe ich einer Klientin zur Verfügung gestellt (geliehen), die ihr Geld oft arglos den "Gnomen von Zürich" anvertraut hat. Buch weg, Klientin auf Tauchstation. Geld weg? Sagt sie nicht, heult bloss rum, antwortet nicht. Ich behielt Recht, aber die anderen habe ihre Kohle.
Trading? Hat sie auch gemacht. Irgendwelchen Leuten vertraut, die sagten sie arbeiten für die FED, die ihr ganz legal viel Geld abgenommen haben, und jetzt hängt sie selber am Fliegenfänger. Der Platz Zürich natürlich immer dabei.... Namen der Institute sollte ich hier lieber nicht nennen...
Wie kann man noch Gut von Böse unterscheiden? Nicht vom Baum der Erkenntnis essen ? Wem kann man noch vertrauen? Die Züricher haben ja eigentlich recht, wenn sie unter sich bleiben und allen Anderen das Geschäft vermasseln. Läuft das in Genf nicht mindestens genauso schön?
Von Zürich lernen heisst gewinnen lernen. Armes Deutschland...
Mit vorweihnachtlichen Grüssen an alle Freunde und Feinde
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.