Ein höchstrichterliches Urteil schreckt die Schweizer Finanzwelt auf. Es geht um Milliardenbeträge, die Kunden jetzt von ihren Vermögensverwaltern zurückfordern könnten - oder von den Banken, die es den Verwaltern jahrelang zugesteckt haben.
Schweizer Banken und Vermögensverwalter gelten als diskret. Viele vermögende Kunden schätzen das und natürlich das Bankgeheimnis, das nur in Ausnahmefällen angetastet werden kann. Doch die Verschwiegenheit der eidgenössischen Finanzbranche kann die vermögenden Kunden unter Umständen auch richtig Geld kosten.
Nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts zur Provisionspraxis ist die Stimmung in der Bankierszene angespannt. Vermögensverwaltern und Banken drohen milliardenschwere Rückforderungen. Denn die Richter entschieden, dass Provisionen, Rabatte und die Gebühren, die Vermögensverwalter von Banken oder Fondsgesellschaften für die Vermittlung von Kunden kassieren, grundsätzlich dem Kunden gehören.
Die Praxis in der Schweiz sieht anders aus. Nach einer Studie des Swiss Banking Institute der Universität Zürich leiten 81 Prozent der Vermögensverwalter diese Kick-backs nicht an ihre Kunden weiter. 39 Prozent legen die Höhe ihrer Provisionen gegenüber dem Kunden nicht offen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, und 41 Prozent tun dies lediglich auf Anfrage.
(...) Maag von der Kanzlei Meyer Lustenberger sagt, das Bankkundengeheimnis sei insoweit gewahrt, wie nicht strafbare Handlungen begangen wurden. Das gelte auch für "gewöhnliche Steuerhinterziehung". Sollte es sich aber um ein Betrugsdelikt im Sinne einer "qualifizierten Steuerhinterziehung" handeln, könne das Bankkundengeheimnis zum Zwecke der Strafverfolgung aufgebrochen werden.
(...) Anwalt Fischer hält mögliche Befürchtungen deutscher Kunden für unbegründet. Das Schweizer Bankkundengeheimnis sei sowohl außergerichtlich als auch im gerichtlichen Verfahren "vollumfänglich gewährleistet". "Die Deutschen können sich wehren", sagt der Züricher Wirtschaftsanwalt. Und dass sich die Kunden wehren werden, davon ist Fischer überzeugt. Denn zum einen ginge es für sie unter dem Strich mitunter um "enorme Summen", zum anderen sei es eine Frage des Vertrauens.
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.