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Schiffsfonds im Aufwind

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money-baer
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Anmeldungsdatum: 28.02.2002
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BeitragVerfasst am: 13.März 2003 23:11    Titel: Schiffsfonds im Aufwind Antworten mit Zitat

Schiffsfonds als Aktien-Alternative - Steuervorteile

Von Tobias Wiethoff

HAMBURG/MUENCHEN (dpa-AFX) - Reeder gelten spaetestens seit Aristoteles Onassis als
personifizierter Reichtum. Aber auch private Anleger mit mittlerem Portemonnaie koennen vom
wachsenden Verkehr auf den Weltmeeren profitieren und sich einen OEltanker oder ein
Containerschiff kaufen - jedenfalls, wenn sie sich mit anderen zusammentun: 20.000 Euro betraegt im
Schnitt die Mindestbeteiligung an einem Schiffsfonds.

Verstand man darunter bislang Steuersparmodelle fuer Besserverdienende, so lassen neue rechtliche
Rahmenbedingungen und die Schwaeche der Aktien- und Rentenmaerkte diese Anlageform
inzwischen in einem anderen Licht erscheinen: "Schiffsfonds kommen fuer immer breitere
Anlegerkreise als Alternative in Frage", sagt die Vermoegensberaterin Aline Hense aus Muenchen.

AENDERUNGEN IM STEUERRECHT

Ursache fuer diese Neubewertung sind vor allem AEnderungen im Steuerrecht. Frueher konnten
Anfangsverluste schon im Jahr der Zeichnung in Hoehe von teilweise mehreren hundert Prozent bei
der Einkommenssteuer geltend gemacht werden - interessant vor allem fuer Leidtragende der
Steuerprogression. "Inzwischen ist die Verlustzuweisung je nach Fonds auf 50 bis 70 Prozent
gesunken", sagt Martin Witt, Marketingleiter des Analystenhauses FondScope in Berlin. Ein Erlass
des Bundesfinanzministeriums wird diese Spanne kuenftig um weitere 20 bis 30 Prozentpunkte
kuerzen. Allerdings gibt es eine UEbergangsregelung: "Anleger sollten darauf achten, dass der Fonds
vor dem 1. September 2002 auf den Markt gekommen ist", sagte Witt.

Als kalkulierter Verlustbringer haben die Schiffsfonds also an Attraktivitaet verloren. Dafuer kommt
ihnen eine andere Neuregelung zu Gute: die vor einigen Jahren eingefuehrte Tonnagesteuer. Sie
besteuert ein Schiff aufgrund seiner Groesse, nicht nach dem tatsaechlich erwirtschafteten Gewinn.
Gedacht zur Foerderung der Schiffsindustrie, verhilft die Abgabe Anteilseignern von Schiffsfonds zu
nahezu steuerfreien Ertraegen. Nach Berechnung von Vermoegensberaterin Hense werden fuer eine
Beteiligung von 100.000 Euro pro Jahr nur rund 100 Euro Tonnagesteuer faellig. Dabei handele es
sich um eine echte Steuereinsparung, nicht bloss eine Verschiebung.

ERTRAG STAERKER INS BLICKFELD GERATEN

Mit dem Kurswechsel der Besteuerung ist auch bei den Schiffsfonds der Ertrag staerker ins Blickfeld
geraten. Durchschnittliche Ausschuettungen in Hoehe von 11,8 Prozent pro Jahr verspricht etwa die
Hansa Treuhand fuer ihren bereits ausverkauften "HT-Flottenfonds I", den ersten Fonds des
Hamburger Unternehmens mit drei Schiffen unterschiedlicher Groessenklassen. UEblich sind in der
Branche noch Ein-Schiff-Beteiligungen. Da aber zunehmend Anleger von anderen Maerkten
ueberwechseln, gewinnt das Thema Sicherheit an Bedeutung: "Ein Flottenfonds streut das Risiko
doch erheblich" sagt Unternehmensvorstand Hermann Ebel. Wegen des grossen Erfolges soll im
Maerz der naechste Fonds neuen Typs aufgelegt werden.

Trotzdem muessen sich Interessenten darueber im Klaren sein, dass sie mit einer Schiffsbeteiligung
mehr erwerben als ein anonymes Wertpapier. "Sie werden Gesellschafter und binden sich fuer eine
lange Zeit", warnt Juergen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung fuer Wertpapierbesitz (DSW) in
Duesseldorf. So betraegt die Laufzeit eines Schiffsfonds im Schnitt 16 Jahre. Ein vorheriger Ausstieg
ist nur mit Muehen moeglich: "Der Zweitmarkt laeuft nicht richtig", sagt Martin Witt von FondScope.
Ausserdem laesst sich ein Schiff zwar gegen Untergang - die klassische Sorge des Laien - versichern,
nicht aber gegen die Turbulenzen der Weltkonjunktur.

DARAUF SOLLTE MAN ACHTEN

Um so mehr kommt es darauf an, sich den richtigen Fonds auszusuchen - und das heisst vor allem
das richtige Schiff. Im Prinzip koennen an allen Arten von Schiffen Beteiligungen erworben werden:
an Containerschiffen, Rohoeltankern, Produkten- und Chemikalientankern, Mehrzweckfrachtern und
sogar Kreuzfahrtschiffen. "90 Prozent der in Deutschland aufgelegten Fonds betreffen aber
Containerschiffe", sagt FondScope-Analyst Steffen Moeller. "Auf diesem Chartermarkt haben
deutsche Reeder weltweit eine Vormachtstellung." Containerschiffe gelten trotz eines
voruebergehenden Einbruchs bei den Charterraten Ende 2001 auch als stabilstes und
wachstumstraechtigstes Marktsegment.

Neben dem Schiffstyp sollten aber auch Schiffsgroesse und -ausstattung bedacht werden.
Vermoegensberaterin Aline Hense raet eher zu kleineren Einheiten, die leichter auszulasten seien als
die "dicken Brummer". "Im Augenblick wollen sich alle in der Kapazitaet uebertreffen. Auf den
Rennstrecken wie etwa Rotterdam - New York ist aber nicht mehr viel zu verdienen."
Entscheidende Bedeutung kommt der Frage zu, fuer welchen Zeitraum eine Vercharterung garantiert
ist. Dabei gilt: je groesser das Schiff, desto laenger sollte es verchartert werden. Auch die Bonitaet des
Charterers darf dabei nicht ausser Acht gelassen werden.

MIT GESETZEN DER SCHIFFSBRANCHE VERTRAUT MACHEN

In jedem Fall bleibt es dem Interessenten nicht erspart, sich mit den Gesetzen der Schiffsbranche
vertraut zu machen. "Man muss sich gut auskennen", sagt Anlegerschuetzer Kurz. Schliesslich
umfassen auch Flottenfonds hoechstens einmal ein halbes Dutzend Schiffe - gegenueber einem Aktien-
oder Rentenfonds haelt sich die Risikostreuung damit in engen Grenzen.

Auch sollten Anleger nicht allen vollmundigen Versprechungen der Anbieter Glauben schenken. So
hat das in Hamburg erscheinende Schifffahrtsmagazin "Hansa" in einer Analyse ermittelt, dass 2001
nur jeder zweite Fonds die angekuendigte Ausschuettung tatsaechlich gezahlt hat. Angesichts der
Verwerfungen auf anderen Maerkten koenne das aber sogar als erstaunlich gute Quote angesehen
werden./tw/DP/mw

Quelle: Doersam Brief
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