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Et .

Anmeldungsdatum: 28.02.2003 Beiträge: 447 Wohnort: Bad Homburg
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Verfasst am: 25.März 2004 15:39 Titel: Anlagebetrug und seine Opfer |
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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/249744/
Über den Tisch gezogen 22.3.2004
Anlagebetrug und seine Opfer Von Matthias Dohmen (wegen der Länge des Beitrages und bekannter Fakten nur Auszugsweise)
Unglaublich, aber wahr. Zu welchen Risiken Anleger sich verleiten lassen, um an die "schnelle Mark" zu kommen, stellt selbst Experten, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen, vor Rätsel. In einer umfassenden Studie für das Bundeskriminalamt kommt der Psychologe Hermann J. Liebel zu dem Schluss, dass...
...der Variantenreichtum bei betrügerischen Offerten in kreativ-phantasievoller Weise zugenommen" hat. Nach einem zwischenzeitlichen Absinken bekannt gewordener Fälle "sind die Zahlen seit drei Jahren wieder deutlich ansteigend, wobei die dabei erzeugte Schadenshöhe überproportional schnell wächst.
Von denen, die Liebel, Direktor des Forschungsinstituts für Wirtschaftskriminalität an der Universität Bamberg, und seine Mitarbeiter befragten, besaßen 64 Prozent Mittlere Reife oder Abitur, und ein Viertel verfügte über eine solide kaufmännische Ausbildung. Wie Thomas Doussier aus Bielefeld, selbst Unternehmensberater und nach eigener Einschätzung kein Mensch, der sich selbst als unbesonnenen Feuerkopf sieht.
Verschwiegen wird allerdings, dass viele satte Anteile der Beteiligungen in die Taschen der Vermittler wandern und so die prognostizierten Gewinne von vorneherein ausgeschlossen sind - im schlimmsten Fall sogar das ganze Geld futsch ist.
Dennoch: Die Zahl der Gutgläubigen reißt nicht ab. Was für Typen von Anlegern gibt es, hat sich auch der Kabarettist Thomas Freitag gefragt. In seinem Programm "Millionär in 98 Minuten" geizt er als Finanzberater Frank Weber, großes W und kleiner "eber", nicht mit Ratschlägen:
Wir wollen ja unser Geld nicht nur horten, wir wollen es auch vermehren. Deshalb sind wir heute Abend hier. Wie legt man sein Geld an. Nun, die Deutschen haben traditionell zwei bevorzugte Anlageformen, nämlich das Sparbuch und das Bier. Darüber hinaus gibt es noch Immobilien, Aktien und Versicherungen, also abhängig davon, was für ein Anlagetyp Sie sind. Was für ein Anlagetyp sind Sie. Nun, wenn ich mir die ersten Reihen hier mal so anschaue ... Hier zum Beispiel saubere Scheitel, propere Sache: das sieht nach Sparbuch aus. Dann hier die schiere Kleidung, Draufgängerblick: das ist sicher ein Aktientyp. Und da hinten, ja ... Sparstrumpf. Die Anlagetypen unterscheiden sich aber natürlich auch nach der Lebenssituation und die erkennt man am besten im Gesicht. Beim Kleinsparer ... Gesicht gewordene Angst. Vor allem was da kommen kann, vor den großen Geißeln der Menschheit, Inflation, Krieg, SPD-Regierung. Dann, der Mittelständler zeichnet sich durch eine besonders nervöse Aura aus, immer auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten.
Und diese Suche wird ihm schnell zum Verhängnis. Dass die Politik angesichts der zunehmenden Wirtschaftskriminalität nicht untätig bleiben kann, ist klar. Im Berliner Bundestag beschäftigt sich schwerpunktmäßig der "Ausschuss für Verbraucherpolitik" mit dem Grauen Kapitalmarkt. In ihm hat der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Manfred Zöllmer Sitz und Stimme, der mit erschreckenden Zahlen aufwartet, aber auch einen Hinweis darauf gibt, warum die "besonders nervöse Aura", von der Thomas Freitag spricht, manchen Mittelständler unvorsichtig werden lässt.
In der Vergangenheit hat mangelndes Vertrauen in Banken und massive Kursverluste an den Börsen zu einem Boom bei Geldanlagebetrügereien geführt. Das Bundeskriminalamt schätzt, dass im Jahre 2002 circa 20 Milliarden in den staatlich nicht kontrollierten Grauen Kapitalmarkt geflossen sind, im letzten Jahr sollen es sogar 30 Milliarden gewesen sein, so schätzt man.
Aber die Rendite ist eine Luftnummer und das Geld ist auf ewig weg. Das wirft nicht nur für die "Stiftung Warentest" in Berlin die Frage auf, welche Qualitätstandards bei Finanzberatung zugrundezulegen seien. Denn ein fest umrissenes, seriöses Berufsbild existiert in dieser Branche nicht. Ariane Lauenburg:
Man braucht sich dazu nur einen Gewerbeschein zu holen, das ist auch ein richtiges Problem, weil viele Finanzvermittler sprechen Kunden an, vermitteln ihnen etwas, und das nächste, was sie tun, ist: Sie fragen den Kunden, ob er nicht auch Vermittler werden möchte. Dadurch bekommt er doppelte Provision, und so sind die Finanzvertriebe häufig in Deutschland aufgebaut.
In der Zeitschrift "Finanztest" berichtet Zahntechniker Achim Schmidt, wie das so funktioniert: Er nimmt an einem Treffen teil, zu dem die Futura Finanz AG aus der fränkischen Grenzstadt Hof eingeladen hat. Dort will ihm ein "Finanzkaufmann" Papiere eines Beteiligungsfonds andrehen, abenteuerliche Steuervorteile inklusive. Einmal in Fahrt geraten, fordert ihn der Vertriebsmann auf, doch seinerseits in die Vermittlung der Geldanlage einzusteigen und zuvor -Schulung muss sein - an einem Wochenendseminar zum Preis von 120 Euro teilzunehmen.
Dass ein derartig eingewiesener "Finanzfachmann" nicht der bestmögliche Berater ist, leuchtet ein. Bei Banken müsste die Kompetenz höher sein. Denkt man. In Wirklichkeit bieten sie mit Vorliebe oftmals ihre eigenen Produkte an, die nicht immer die besten sind.
Unseriös sind auf jeden Fall - wiederum ein mieser Trick neuerer Bauart - die sogenannten "Recovery Room Operations", also "Operationen im Aufwachzimmer", wie Kriminologen diese spezielle Form der Betrugsanbahnung nennen, bei der fleißig über Kreuz Adressen getauscht werden.
"Wir haben gehört, Sie sind betrogen worden - wollen Sie den Verlust wett machen?", heißt es dann nach einem Jahr, und viele Betroffene werden nochmalig geschröpft.
In der BKA-Studie wird ein Betrüger mit dem Wort zitiert, der Anleger sei das einzige Lebewesen, dem man zweimal das Fell über die Ohren ziehen könne. Bei einer speziellen Variante dieses bösen Spiels wird den Opfern unmittelbar nach ihrem Fiasko oder nach einer gewissen Schonfrist, die ein Jahr betragen kann, angeboten, ihnen bei der Wiederbeschaffung der verlorenen Einlagen behilflich zu sein.
Pferdefuß dabei: Die Akteure sind dieselben oder deren Komplizen. Bei Thomas Doussier war das auch so:
Ich gehe mal davon aus, dass meine Adresse an ein anderes Unternehmen weitergegeben worden ist, und einige Wochen später, nachdem ich den Totalverlust bei dem einen Anbieter gehabt habe, rief mich halt ein neues Unternehmen aus dem Stuttgarter Raum an und bot mir ein Testgeschäft an, nachdem ich, wie gesagt, gebranntes Kind gewesen bin, habe ich mir diese Firma ein bisschen näher angesehen, habe mir also auch einen Handelsregisterauszug kommen lassen, und die Unterlagen, die mir geschickt worden sind von dem Testgeschäft, die hatten eigentlich nach meiner Überzeugung Hand und Fuß. Und aus diesem Grund habe ich mich also zu einem Testgeschäft bereit erklärt. Natürlich nicht in der Größenordnung wie beim ersten Mal.
Doussier war vorsichtiger als beim ersten Mal, aber nicht vorsichtig genug. Die Chance, zumindest einen Teil des alten Verlusts wettzumachen, machte ihn leichtsinnig. Aber einen Fehler hat er nicht gemacht: Schlechtem Geld noch einmal weitere "Kohle" hinterher zu werfen.
Wenn man jetzt also geschädigt ist, dann überlegt man sich natürlich schon, wie kommt man also wieder an sein Geld heran und möchte dann nicht sofort einen Totalverlust riskieren, und die Gefahr besteht unter Umständen, dass man an Rechtsanwälte gerät oder an Auffanggesellschaften gerät, die also im Prinzip im Nachhinein den Geschädigten noch einmal das Geld aus der Tasche ziehen, obwohl der Fall als solches schon ziemlich aussichtslos ist. Und da sollte man sich erstens schon Referenzen einholen von vergleichbaren Fällen und sich dann für sich entscheiden, ist es mir das Risiko wert, da noch mal zu investieren, weil das kostet natürlich auch Geld, wenn da jemand tätig wird.
Manche Poolbildung ist in diesem Zusammenhang auch eine "Recovery Room Operation". Nicht nur die Sprache der Wirtschaftskriminellen ist international, auch ihr Vorgehen kennt keine Grenzen, weiß Ariane Lauenburg.
Sehr vorsichtig sollte man sein, wenn die Angebote von den Cayman Islands kommen oder aus Delaware, da sitzen eine Reihe von Betrügern.
Die Cayman Islands kennt jeder, der einmal einen Kriminalroman von John Grisham gelesen hat. Doch die Liste der Länder, die einer international wirksamen Strategie gegen den Anlagebetrug im Wege stehen, ist lang, moniert der SPD-Politiker Zöllmer.
Der Anlagebetrug ist häufig international. Deshalb muss die Bekämpfungsstrategie letztendlich auch international sein. Es ist ein ganz, ganz dickes Brett, das sorgsam und über einen langen Zeitraum gebohrt werden muss, um wirkliche Erfolge zu erzielen.
Erfolge gegen die Anlagebetrüger, die nicht selten ungestraft davonkommen, weil ihre Opfer selbst sozusagen "Dreck am Stecken" haben, sprich: an der Steuer vorbei Geld verdient haben und dieses Schwarzgeld waschen wollten.
Ist Nachsicht angebracht mit einem Selbständigen, beispielsweise einem Zahnarzt, der ein Vielfaches dessen einstreicht, was ein Arbeitnehmer verdient, dessen Steuerlast, ohne dass er darauf Einfluss nehmen könnte, automatisch von Lohn und Gehalt abgezogen wird? Dazu Zöllmer:
Nein, da kann ich in diesem Fall kein Mitleid haben mit dem Zahnarzt. Die Bundesrepublik, die Bundesregierung baut im Moment eine Brücke zur Steuerehrlichkeit, fordert alle auf, die Geld im Ausland angelegt haben, dieses wieder in die Bundesrepublik zurückzubringen, dafür gibt es sehr gute Rahmenbedingungen und Konditionen, ich kann alle Betroffenen nur auffordern, davon Gebrauch zu machen.
Es bleibt bei der logischen Grundformel: Wer wirklich weiß, welche Zahlen nächsten Sonntag im Lotto gezogen werden, der wird sein Wissen kaum mit anderen teilen. Das hat jedenfalls Thomas Doussier gelernt, der seine Erfahrungen auf seiner Internetseite einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.
Ein genereller Tipp für Leute, die Geld anlegen, wäre von meiner Seite: Man muss sich grundsätzlich fragen, wenn die Geschäfte so toll sind, warum die von den Anbietern nicht selber gemacht werden. Also mein Motto wäre: Erst nachdenken, dann anlegen.
Links zum Thema:
www.anlageschutzarchiv.de
www.bafin.de
www.boersendschungel.de
www.deutscher-anlegerschutzbund.de www.doussier.de/anlegerschutz
www.stiftung-warentest.de |
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Taeaen User gebannt
Anmeldungsdatum: 10.08.2003 Beiträge: 1940 Wohnort: Aachen
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Verfasst am: 25.März 2004 22:00 Titel: Re: Anlagebetrug und seine Opfer |
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| Et hat folgendes geschrieben:: |
Es bleibt bei der logischen Grundformel: Wer wirklich weiß, welche Zahlen nächsten Sonntag im Lotto gezogen werden, der wird sein Wissen kaum mit anderen teilen. |
Das ist wirklich wahr, denn jemand, der diese Zahlen weitergibt und somit zusätzliche Gewinner ermöglicht, verringert seine eigene Quote und verliert praktisch das Geld, welches die anderen gewinnen.
Bei den Kapitalanlagen sieht das aber völlig anders aus - alle bekommen die gleiche Rendite und niemand bekommt weniger, nur weil ein Kunde mehr teilnimmt.
Im Gegenteil: Nicht selten kassieren zufriedene Kunden Provisionen für das Beibringen neuer Kunden und erhöhen somit Ihre Erträge zusätzlich.
Wenn ich hier z.B. schreibe:( bitte nicht als Angebot auffassen und keine Nachfragen !! ) "Habe mein Geld seit über einem Jahr bei einer deutschen Privatbank als Jahresfestgeld angelegt und tolle 6 Prozent Zinsen kassiert, dazu nach dem ersten Jahr einen Bonus von 2%, alles durch die Bank vertraglich garantiert !" dann wette ich, dass mir die gesamten "Sicherheitsfanatiker" dieses Forums die Bude einrennen werden, um die Adresse zu kriegen. Ich wäre doch schön blöd, wenn ich dafür bei der Bank nicht noch ein Prozentchen extra von dem Festgeld der durch mich neu gekommenen Kunden abgreifen würde ?
Ausserdem kann ich ja jederzeit beweisen, das es funktioniert hat und "seriös" ist !
Fatal wird das nur, wenn Leute das lediglich glauben, aber noch nicht definitiv wissen, ob sowas funktioniert und trotzdem schon die Freunde hinschleppen. Das kann massiven Ärger geben, aber sonst ? Warum nicht ?
Freundliche Grüsse
Taeaen |
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