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gerd Specialist
Anmeldungsdatum: 18.06.2003 Beiträge: 200
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Verfasst am: 4.Aug 2007 12:07 Titel: Finanzberater zockt Kunden ab |
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Quelle: Passauer Neue Presse -- Andreas Nigl und Roland Holzapfel
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Hinter der Geschichte des 28-jährigen Finanzwirts Heiko S., der zur Zeit im Passauer Gefängnis in Untersuchungshaft sitzt, verbirgt sich womöglich ein gewaltiger Betrugsskandal im Bayerwald. Die Staatsanwaltschaft Passau ermittelt gegen S. wegen Veruntreuung, Betrugs, Urkunden- und Unterschriftenfälschung. PNP-Informationen zufolge hat er gutgläubige Kapitalanleger um eine mindestens sechsstellige Summe geprellt. Ein Kunde soll ihm in der Hoffnung auf schnellen Zugewinn 200 000 Euro bar zur Verfügung gestellt haben - vermutlich auf Nimmerwiedersehen. Zehn Tage nach seinem 28. Geburtstag wurde S. festgenommen.
Verdächtiger lebte auf großem Fuß
In seiner Heimatgemeinde im Landkreis Freyung-Grafenau ist Heiko S. derzeit das Gesprächsthema Nummer eins. An Stammtischen, beim Metzger oder Bäcker - fällt sein Name, dann geht das Geschimpfe los. Denn „Neider hat er schon gehabt“, sagt einer, der den 28-Jährigen gut kennt, der aber wie alle nicht namentlich erscheinen will. Neider deswegen, „weil einer wie er, der nur die Hauptschule hat, so große Autos herumkutschiert“. Einen Audi A 6 mit einer 4,2-Liter-Maschine soll er besessen haben, zuletzt hat er wohl den neuen Ingolstädter Sportwagen R 8 als Untersatz benutzt. Außerdem sei er stets gut gekleidet gewesen. Zugleich werden immer wieder Vermutungen laut, wer bei dem Finanzberater wohl welche Summe angelegt und möglicherweise verloren hat. Von Schwarzgeldern ist auch die Rede, deren Besitzer sich eine wunderbare Vermehrung erhofften.
Es gibt aber auch andere Stimmen. Solche nämlich, die von einem „herzguten Buam“ sprechen. Korpulent von Statur, nach außen unbeholfen wirkend. Von jemandem, der eine große soziale Ader besitzt - und der vielen gemeinnützigen Organisationen Spenden zukommen hat lassen. Von jemandem, der sich politisch engagiert und der bis 2006 Mitglied bei der Jungen Union war. Gearbeitet habe der gelernte Bürokaufmann von früh bis spät. Da sei auch keine Zeit für eine dauerhafte feste Beziehung geblieben, weiß ein anderer, der ihn gut kennt. Irgendwann habe er dann auf „Versicherungen“ gemacht. Zuerst in Zwiesel, dann habe er sein Büro im Elternhaus aufgebaut. Und als das Geschäft immer besser ging, hat er sich in einem Geschäftshaus eingemietet. S. arbeitete freiberuflich als einer von bundesweit rund 500 Beratern für die Firma TELIS Finanz AG. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Regensburg verfügt über einen Kundenstamm von rund 83 000 Haushalten. Es vertreibt keine eigenen Produkte, sondern berät auf Provisionsbasis seine Kunden in allen Bereichen der privaten Finanzplanung. Darin hatte Heiko S. offenbar großes Geschick. Er schaffte es, Kunden zu akquirieren, die ihm offenbar blind vertrauten und ihm ihr Geld bündelweise und ohne Quittung in die Hand drückten. „Das entspricht in keiner Weise der Praxis der TELIS-Finanzberater. Sie sind grundsätzlich nicht befugt, von ihren Kunden Bargeld in Empfang zu nehmen“, erklärt Unternehmenssprecher Dr. Reinhold Saller. Wie viele Kunden dem 28-Jährigen auf den Leim gegangen sind, wofür er das ihm anvertraute Geld verwendet hat und wie hoch die genaue Schadenssumme ist - all dies ist bislang noch unklar. Die Behörden wollen frühestens Anfang nächster Woche über den Stand der Ermittlungen berichten und bestätigen lediglich, dass der Finanzmakler in U-Haft sitzt.
Firma kündigte ihm fristlos
Dafür sorgte die Firma TELIS selbst. Als das Unternehmen durch eine Kundin „von einem Unterschlagungsfall“ erfuhr, „haben wir das Vertragsverhältnis mit Herrn S. am 23. Juli fristlos gekündigt“, erklärt Dr. Saller. Und: „Nach Einschätzung unserer Rechtsabteilung war die Einschaltung der Kriminalpolizei dringlich geboten.“ Am 24. Juli wurde S. bereits festgenommen. Es dauerte nur wenige Tage, bis sich der Fall im Heimatort von Heiko S. überall herumgesprochen hatte. Die einen verteufeln ihn, andere nehmen ihn irgendwie in Schutz. In einem sind sich aber alle einig: „Seine Familie hat den ganzen Rummel nicht verdient.“ Das seien alles „kreuzbrave Leute“, die unendlich unter der ganzen Sache leiden, heißt es. Darunter leiden, dass ihr einziger Sohn zum Top-Gesprächsthema in der Bayerwald-Gemeinde wurde. Sie erwägen jetzt sogar, von dort wegzuziehen. |
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