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Geldjäger - Jürgen Jaitner

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Anmeldungsdatum: 25.01.2002
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BeitragVerfasst am: 24.Jul 2006 8:03    Titel: Geldjäger - Jürgen Jaitner Antworten mit Zitat

Geldjäger

An Selbstbewusstsein mangelt es nicht. Bei dem Ermittlungstempo käme "kein Staatsanwalt hinterher", sagt Jaitner. Der "Geldjäger" diente einst dem BKA, nun fahndet er als Chef einer Privatfirma nach versteckten Schätzen. Seine Methoden sind bisweilen skurril - aber legal.

Es gibt Worte, die produzieren im Kopf nicht nur Bilder, sondern eine ganze Geschichte. "Geldjäger" ist so ein Wort. Nach dem Bankrott der Geldtransportfirma Heros hätten geprellte Konzerne eben solche "Geldjäger" mit der Suche nach verschwundenen 80 Millionen Euro beauftragt, meldete jüngst eine Nachrichtenagentur. Die Vorstände der Unternehmen wollten nicht allein auf die Fahnder des LKA vertrauen - sie suchten Hilfe bei den Ermittlern aus der freien Wirtschaft.

Der wohl erfolgreichste dieser diskreten Ermittler ist Jürgen Jaitner. Doch der elegant gekleidete Mann mag das reißerische Schlagwort nicht. "Völliger Quatsch" sei es, sagt der 54-Jährige. Er selbst sieht sich eher als "Risikomanager" im Auftrag der Wirtschaft, als Dienstleister mit hochexklusivem Service (Risk & Fraud Management).

Wenn Firmengelder unterschlagen werden oder einer Bank Millionenbeträge abhanden kommen - dann ist es oft Jaitners Firma Espo, die wenig später den Rechercheauftrag erhält. Der Chef und seine 22 freiberuflichen Ermittler arbeiten in einem lukrativen Geschäftsfeld. Den Wirtschaftsprüfern von PricewaterhouseCoopers zufolge wurde in den vergangenen zwei Jahren fast jedes zweite Unternehmen Opfer eines Wirtschaftsdelikts.

Im Fall Heros hat Espo vier Ermittler abgestellt. Ihr Auftrag lautet offiziell: "Lokalisierung von Vermögenswerten der Beschuldigten" und "Vorbereitung zur Abwehr von Ansprüchen der Geschädigten". Auftraggeber ist ein großer britischer Versicherungskonzern.

Jaitners Ermittlerfirma residiert in Wiesbaden in einem unauffälligen Haus, einen Kilometer von der Zentrale des Bundeskriminalamts entfernt. Früher hatten der Firmenchef selbst und viele seiner Mitarbeiter ihren Schreibtisch hinter den Zäunen der obersten Verbrechensbekämpfungsbehörde. Jetzt arbeiten sie in der freien Wirtschaft, doch das Aufgabengebiet ist ähnlich: Zielfahndung in den Bereichen Geldwäsche und organisierter Kriminalität. "Diskretion gehört zu unseren selbstverständlichen Geschäftsgrundlagen", heißt es auf der Website der Firma.

Jaitner selbst jagte in seiner 17-jährigen BKA-Zeit die Mörder von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Neben anderen Ex-Mitarbeitern des BKA und des Bundesnachrichtendienstes gehörten auch Juristen und Wirtschaftsprüfer zum Personal, sagt er. Jeder spreche vier Sprachen fließend, manche sechs. "Wir haben nur die Besten", wirbt Jaitner. Meist hatten die Mitarbeiter ein ganzes Arbeitsleben lang Zeit, ein dichtes Netz an Kontakten im In- und Ausland aufzubauen.

Jaitner sagt, dass Espo 95 Prozent aller Fälle aufkläre. Über die Hälfte der Auftraggeber seien Großversicherungen. Meist gehe es um unterschlagene oder gestohlene dreistellige Millionenbeträge - in dieser Größenordnung hat Espo in Deutschland kaum Konkurrenten.

Zehn Fahnder suchten die Reemtsma-Millionen

Jaitners berühmtester Auftraggeber ist Jan Philip Reemtsma, der Erbe des Zigarettenkonzerns. Nach seiner Entführung im Frühjahr 1996 zahlte er 30 Millionen Mark Lösegeld. Einer der Entführer konnte festgenommen werden, die zwei anderen Haupttäter führen in Brasilien ein Leben zwischen Champagnerbar und Luxuspenthouse. Reemtsma hatte zeitweilig zehn Espo-Fahnder beschäftigt, um das Lösegeld aufzuspüren. Dabei geht es dem Hamburger Mäzen und Sozialwissenschaftler weniger um den Vermögenswert an sich - vielmehr sollen sich seine einstigen Peiniger damit kein schönes Leben machen.

Jaitner und seine Männer reisten über Jahre regelmäßig nach Rio de Janeiro, horchten in Strandbars Informanten aus und streuten in der Gangsterszene falsche Gerüchte, um Misstrauen zu säen. Einen Teil des Lösegelds hätten sie wiederbeschaffen können, sagt Jaitner - der größte Batzen ist jedoch noch immer verschollen.

Quellen in Banken und Nachrichtendiensten

Für ihre Arbeit nutzen die Espo-Fahnder versteckte Kameras und Satellitenortungssysteme, durchforsten Computernetze - aber "wir durchwühlen auch den Müll", bekennt Jaitner. Über andere Tricks der Branche will er nicht sprechen. "Wir machen alles, was erforderlich und legal ist", sagt er.
Dabei können die Ex-Beamten ungebundener agieren als staatliche Ermittler. Wenn ein Staatsanwalt Kontobewegungen über 20 Stationen hinweg von Liechtenstein bis auf die Cayman Islands nachgehen wolle, müsse er erst ein Rechtshilfeersuchen beantragen, sagt Jaitner. Espo hingegen kontaktiere seine Quellen in der Finanzwelt, bei Ex-Nachrichtendienstlern und wisse "innerhalb kurzer Zeit" über die Geldflüsse Bescheid. Bei diesem Tempo käme "kein Staatsanwalt hinterher". Bei seinen Ex-Kollegen macht sich Jaitner mit solchen Aussagen nicht beliebter. Das Verhältnis ist nicht immer ohne Spannungen - auch wenn Jaitner es "wunderbar" nennt und beteuert, das BKA und Espo kämen sich "überhaupt nicht in die Quere".

Finanziell hat sich Jaitners Wechsel in die Privatwirtschaft gelohnt. Zwischen 1000 und 1500 Euro beträgt der Tagessatz für einen einzigen seiner Ermittler. Längere Flugstrecken legen die Espo-Leute nur First Class zurück, genächtigt wird in Spitzenhotels. Auch im Heros-Fall wird Jaitners Auftraggeber eine dicke Rechnung präsentiert bekommen. Zurzeit nehmen sich Jaitners Leute Heros-Angestellte nacheinander einzeln vor. "Sehr auskunftsfreudig" seien die, berichtet der Chef - will aber nicht vorhersagen, wann die Ermittlungen zu Erfolgen führen.

Für Privatpersonen arbeitet Espo nicht, von Ausnahmen wie Reemtsma abgesehen. Ab und an suchten die Ermittler auch schon nach vermissten Kindern. Für solche Aufträge nehmen Jaitner und sein Team jedoch kein Honorar. Die Eltern könnten es wohl ohnehin nicht bezahlen.
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