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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5917
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Verfasst am: 19.Sep 2007 6:54 Titel: Im Internet boomt der Identitätsklau |
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Auf einem milliardenschweren Schwarzmarkt werden die Daten ahnungsloser Nutzer verhökert und missbraucht.
Von Russland aus hatte Igor Klopov alles minutiös geplant. Über größtenteils frei verfügbare Informationen im Internet hatte er sich die Identitätsdaten von Charles Wyly beschafft. Anschließend kaufte Klopov im Namen des nichts ahnenden texanischen Milliardärs Goldbarren im Wert von 7 Mio. $. Was er nicht wusste: Bei einigen seiner Komplizen handelte es sich um verdeckte Ermittler des britischen Secret Service und einer Sondereinheit der Staatsanwaltschaft Manhattan. Unter dem Vorwand, das Gold in Empfang zu nehmen, gelang es den Beamten, Klopov auf amerikanischen Boden zu locken. Die Falle schnappte zu. Am 15. Mai wurde Klopov wegen Identitätsdiebstahls verhaftet.
Nicht alle Fälle sind so spektakulär wie dieser, gilt doch das missbräuchliche Beschaffen oder Verwenden von Identitätsdaten in den USA längst als Massenphänomen. Kreditkartenbetrug, Phishing von Passwörtern und PIN-Nummern mithilfe gefälschter Emails oder der Onlinehandel unter falschen Namen - Missbrauch lauert in jeder Ecke des Internets. Über acht Millionen US-Bürger werden nach Angaben des US-Marktforschungsunternehmens Javelin jährlich zu Opfern von Identitätsdieben, insgesamt geht man von einem volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von über 49 Mrd. $ aus. Versicherungsunternehmen bieten seit einigen Jahren eigene Policen an, die Opfer gegen die Folgen von Identitätsdiebstahl versichern.
Nach den USA gilt besonders Deutschland als häufiges Ziel von Identitätsdiebstahl. Dies belegt eine am Montag veröffentlichte Studie des Sicherheitsunternehmen Symantec. "22 Prozent aller Phishing-Webseiten in Europa werden in Deutschland gehostet. Damit ist Deutschland weiterhin die europäische Phishing-Hochburg und liegt weltweit auf Platz zwei hinter den USA", sagt Candid Wüest, Sicherheitsexperte bei Symantec.
Im Gegensatz zu den USA ist Identitätsdiebstahl in Deutschland nicht immer strafbar. "Erst die Verwendung der Daten ist durchgängig unter Strafe gestellt", sagt der Bochumer Professor Georg Borges von der Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet. Allerdings plant die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag, der den EU-Staaten eine strafrechtliche Verfolgung nach amerikanischem Vorbild ermöglichen soll. "Identitätsdiebstahl ist meist nur der Einstieg in schwerwiegendere Delikte", sagt Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, "wenn bereits dieser Einstieg unter Strafe gestellt wird, könnte man zu einem viel früheren Zeitpunkt mit den Ermittlungen beginnen."
Tatsächlich sind die Behörden jedoch schon jetzt überfordert. "Es gibt so viele Sachverhalte, die ermittelt werden könnten, aber bei weitem nicht genügend Ermittler", sagt Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Denn der Handel mit gestohlenen Identitäten floriert. Im März klauten organisierte Banden 45 Millionen Kredit- und Debitkartennummern aus der Datenbank des US-Einzelhändlers TJX, das Jobportal Monster.com wurde um über eine Million Datensätze erleichtert. Der Firma Boeing kam Ende letzten Jahres ein Laptop mit Namen, Sozialversicherungsnummern und anderen Informationen von knapp 400.000 Mitarbeitern abhanden.Auch auf Netzwerkplattformen mit weitaus weniger brisanten Daten haben es Kriminelle abgesehen. Die Online-Community StudiVZ verlor in diesem Februar kurz nach ihrer Übernahme durch die Holtzbrinck-Gruppe tausende von Mail-Adressen und Passwörtern.
Nur selten werden die erbeuteten Identitäten noch von den eigentlichen Dieben selbst verwertet. Vielmehr werden sie auf milliardenschweren Schwarzmärkten feilgeboten. "Kreditkartennummern werden auf verschiedenen Untergrundservern gehandelt. Die Preise liegen üblicherweise zwischen 50 Cent und 5 Dollar", sagt Symantec-Experte Wüest. "Deutlich teurer sind Zugangsdaten zu Online-Banking-Accounts: Diese bewegen sich je nach Qualität der Daten zwischen 30 und 400 Euro."
Noch einfacher könnte Identitätsklau in Deutschland durch die "Steueridentifikationsnummer" werden. Sie soll bis 2011 die Lohnsteuerkarte ersetzen und an jeden Deutschen vergeben werden. "Mit dieser Nummer ist jeder eindeutig identifizierbar. Damit lassen sich prima Daten, die an verschiedenen Stellen anfallen, zu einem Gesamtbild zusammenführen", sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Die Befürchtung: Ähnlich wie in den USA die Sozialversicherungsnummer könnte diese Nummer zur Identifikation bei einer Vielzahl wichtiger Verträge dienen, wie etwa Kredit-, Miet- oder Handyverträge. In den USA ist man im Gegensatz zu Deutschland mit dem Thema aber schon weiter. Eine von US-Präsident Georg W. Bush persönlich eingerichtete "Identity Theft Task Force" will die häufige Verwendung der Sozialversicherungsnummer stark einschränken. Schließlich gilt es auch einen "War on ID-Theft" zu gewinnen.
Quelle: FTD |
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