Verfasst am: 12.Feb 2008 17:54 Titel: Schweizer GmbH gründen
Hallo!
Ich interessiere mich für eine schweizer GmbH. Eine professionelle und kostenpflichtige Beratung ist bei sowas unentbehrlich, trotzdem habe ich einige Basisfragen, die ich gerne "vorm Geld ausgeben" geklärt wissen möchte
1.) Im Forum wird ja oft geschrieben, dass Scheinfirmen (Firma in Land XY mit Firmenschild gegründet, komplette jedoch Führung aus Deutschland) schnell auffliegen und massiv Ärger kriegen. Meine Firma würde im Bereich Internetdienstleistungen (Webspace, Domains, ...) tätig werden. Trotzdem besitzt die RapidShare AG in der Schweiz augenscheinlich auch nur einen Briefkasten.
Muss also für den Firmensitz ein komplett funktionsfähiges Büro vorhanden sein, oder reicht eine bloße Anschrift mit Briefkasten?
2.) Bei der Gründung muss ja einer der Gesellschafter Schweizer sein. Ich habe gesehen, dass schweizerdeutsche Firmen einen Schweizer als Gesellschafter eintragen, ihn aber nach 1 Monat wieder rauswerfen und sich selbst (=> deutsche Staatsbürger) als Gesellschafter / Geschäftsführer benennen. Stimmt und funktioniert das so?
3.) Zu guter Letzt: Welche Beratungsfirma könnt ihr für die Gründung empfehlen?
Verfasst am: 12.Feb 2008 19:22 Titel: Sehr clever...
Sehr geehrter Dermax,
wie Sie hier schon richtig darstellen, muss man einige Bedingungen erfüllen, damit eine Schweizer Firma auch in Deutschland vom Finanzamt akzeptiert wird.
Damit Sie die Vorteile der Schweiz genießen könnten, müsste Sie selbst jedoch in der Schweiz verweilen. Ansonsten sind die Steuervorteile nicht so gigantisch, wie man sich die Sache vorstellt. Ein Problem, welches Ihre Fragen aufwerfen, ist folgendes:
Man muss bei ihrer Schilderung dem Eindruck erliegen, als wollten Sie eine Scheinfirma in der Schweiz betreiben, um steuerliche Vorteile zu erreichen. Jetzt kommt eine Perversion unseres Strafrechts: Alleine der Grundgedanke wegen Steuer in die Schweiz zu gehen, kann eine Steuerhinterziehung darstellen, auch wenn man eigentlich alles ganz ordentlich machen will. Damit könnte die ausführliche Beratung dazu, bereits eine Beihilfe darstellen. Jetzt werden viele raunen, was für einen Blödsinn der da schreibt. Aber glauben Sie mir, entsprechende Verfahren sind, besonders bei Anwälten, bereits gelaufen. Außerdem könnte das Resultat, wenn die Aussiedlungs-Handlung seitens der Steuerfahndung nur missverstanden würde, bereits tödlich für Sie sein – auch wenn Sie am Ende vollständig rehabilitiert werden.
Damit kann ich Ihnen daher jetzt nur noch schwerlich eine Empfehlung geben - außer: Seien Sie verdammt vorsichtig!!! Arbeiten Sie nur mit nachprüfbar seriösen Unternehmen – auch wenn diese teuerer sind. Ich habe in der Schweiz Dinge gesehen, die für den Deutschen Verstand, kaum zu glauben sind. Aber dank der Renitenz der Schweizer, haben diese ein völlig anders gestricktes Recht als die BRD – welches ich aufgrund der Überlegenheit an Gestaltungsmöglichkeiten, sehr gut finde. Aber gerade hier, lauert die Gefahr. Zudem sollten Sie die Steuerfahnder und deren Fähigkeiten nicht unterschätzen. Es ist die einzige staatliche Exekutive, die mehr einnimmt als sie kostet. Echte Profis, wie man Sie in den Reihen der Polizei erwarten würde, habe ich immer nur bei der Steuerfahndung gesehen. Ich habe höchsten Respekt vor diesen Leuten.
Verfasst am: 12.Feb 2008 20:12 Titel: Re: Sehr clever...
Hallo 'Elektronenlurch',
jetzt - so glaube ich - übertreiben Sie aber ein wenig...
bitkacker hat folgendes geschrieben::
Sehr geehrter Dermax,
wie Sie hier schon richtig darstellen, muss man einige Bedingungen erfüllen, damit eine Schweizer Firma auch in Deutschland vom Finanzamt akzeptiert wird.
Ich sehe hierin nicht das eigentliche Problem...
Wenn ich - z. B. - eine Ladung 'Original Schweizer Taschenmesser' nach Deutschland einführe, um diese im Rahmen meines eigenen Geschäftsbetriebes hier zu veräußern, dann ist das für das deutsche FA überhaupt kein Problem.
Der Anschaffungsaufwand ist als Betriebsausgabe abziehbar.
Zitat:
[.....]
Zitat:
[.....] ... Aber dank der Renitenz der Schweizer, haben diese ein völlig anders gestricktes Recht als die BRD – welches ich aufgrund der Überlegenheit an Gestaltungsmöglichkeiten, sehr gut finde. Aber gerade hier, lauert die Gefahr. Zudem sollten Sie die Steuerfahnder und deren Fähigkeiten nicht unterschätzen. Es ist die einzige staatliche Exekutive, die mehr einnimmt als sie kostet. Echte Profis, wie man Sie in den Reihen der Polizei erwarten würde, habe ich immer nur bei der Steuerfahndung gesehen. Ich habe höchsten Respekt vor diesen Leuten.
Die 'Überlegenheit der Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich des schweizerischen Rechts' äußert sich - z. B. - darin, daß ich eine AG gründen kann 'mit nichts!' - und damit - auch noch - am Markt auftreten kann. (Vgl. den Chillmi-Thread!)
Sie gestatten ein ?
Ich würde damit feststellen wollen, daß eine Schweizer AG - theorethisch - am Küchentisch stattfinden kann...
Für eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts undenkbar!
Bezüglich Ihrer Ausführungen zur Steuerfahndung stimme ich dagegen uneingeschränkt zu!
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Zur Klarstellung möchte ich anmerken, daß es natürlich auch in der Schweiz Aktiengesellschaften gibt, welche die Bezeichnung 'Unternehmen' auch verdienen. Ich bin als Italienfahrer (Riviera) früher jahrelang am Grenzübertritt Basel an diesem Unternehmen vorbeigefahren...
Aber vor dem Hintergrund der sich auf diesen Foren tummelnden Menschen mit u. U. niederen Absichten sollte man doch klar! unterscheiden zwischen 'Ciba Geigy' und - z. B. - 'Chillmi'...
Ich denke, Sie verstehen, was ich meine...
Solcherart kapitallose AG's in Deutschland aufzuziehen, wäre fast unmöglich. Das ganze in Form einer GmbH aufzuziehen kostete auch 25 TEUR. Was außerhalb der Schweiz und Deutschland bliebe, wäre die ebenfalls - u. U. - wertlose Ltd., zu der ich persönlich ein äußerst zwiespältiges Verhältnis habe ...
Damit schließt sich der Kreis aus meiner Sicht.
Ich hoffe, jetzt nicht zu weit ausgeholt zu haben... _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
Weitere Angaben über meine Tätigkeiten finden Sie hier:
Verfasst am: 12.Feb 2008 20:14 Titel: Ein kleiner Nachtrag...
Dazu ist noch eine wichtige Sache anzumerken:
Die Deutschen Finanzämter, sammeln Daten zentral und vergleichen immer wieder: Wenn auf einer Adresse 187 AGs und 312 GmbHs firmieren, die in internationalen Geschäfte mit Firmen der BRD verwicklelt sind, wird die gesamte Adresse auf eine Black-List geschrieben. Die ansässigen Firmen -und vor allem derer Rechnungen, werden vom Deutschen Fiskus nicht anerkannt. So wurde schon häufiger verfahren.
Verfasst am: 12.Feb 2008 20:23 Titel: Hallo Herr Wilhelm
Hallo Herr Wilhelm,
prinzipiell haben Sie wie immer Recht! Ich halte die Schweizer AG auch nicht für seriös. Daher auch meine eindringliche Warnung vor solchen Schritten. Die Leute verkennen die Gefahren und stehen meistens danach mit leerem Geldbeutel vor dem nichts, weil der treue Verwaltungsrat, der wegen einer anderen Sache hopps genommen werden sollte, auch das Konto der eigenen anvertrauten AG abräumt. Oder solche Hackenschmidts die Leute beraten, sie sollten hier eine betrügerische Insolvenz hinlegen, damit er dann die Eigentümer in der Schweiz verwalten kann.
Das sind Leute die den Kunden eine nicht vorhandene Kompetenz vorspielen und dann gendiegen den Karren in den Dreck fahren, weil sie weder das Standing noch über entsprechende Kenntnisse verfügen.
Ich halte die Schweiz für gefährlich, aber wenn man vorsichtig ist, und rechtzeitig vernünftige, erfahrene Vertrauenspersonen hinzuzieht, kann man super damit zurechtkommen. Und das finde ich dann wieder viel besser als hier, weil der Staat die Firmen nicht so transaliert wie unserer.
Die Schweiz bietet mehr Freiheit und die höhere Unsicherheit, ist der Preis dafür. Die Zwispätigkeit teile ich mit Ihnen, sie ist auch Real.
Verfasst am: 12.Feb 2008 20:49 Titel: schon verstanden
Sehr geehrter Herr Wilhelm,
ich glaube wir vestehen einander ganz gut. In allen gemeinsamen Threads, hatten Sie bis jetzt einfach immer recht. Zumindest meinte ich dies so, völlig frei von Sarkasmus oder Ironie.
Ich denke wir sind auch in der Angelegenheit um Schweizer AGs völlig einer Meinung.
Wir haben jetzt dem Threadgründer "dermax", vermutlich den Tag und das Vorhaben versaut. Nehmen wir uns den Nächsten vor.
Verfasst am: 12.Feb 2008 21:14 Titel: Re: schon verstanden
Hallo bitkacker,
bitkacker hat folgendes geschrieben::
Sehr geehrter Herr Wilhelm,
ich glaube wir vestehen einander ganz gut. In allen gemeinsamen Threads, hatten Sie bis jetzt einfach immer recht. Zumindest meinte ich dies so, völlig frei von Sarkasmus oder Ironie.
Das brachte ich dieser Tage bereits wie folgt zum Ausdruck ...
Zitat:
Ich denke wir sind auch in der Angelegenheit um Schweizer AGs völlig einer Meinung.
Wir haben jetzt dem Threadgründer "dermax", vermutlich den Tag und das Vorhaben versaut. Nehmen wir uns den Nächsten vor.
Schönen Abend!
Das ist nicht mein Ziel.
Wenn Sie so lange dabei wären wie ich (ein anderer Nick war das), würden Sie einiges verinnerlichen:
- Verstehen und verstanden werden sind oft zweierlei Dinge...
(Mitunter ist die eigene Wortwahl unglücklich gewählt)
- Ich ging im Jahre 2003 genauso euphorisch zur Sache wie Sie...
(Hansdampf in allen Gassen)
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Sie sind mir sympathisch; lassen Sie es daher ein wenig ruhiger angehen.
Im Zweifel zweimal überlegen, was Sie von sich geben...
In diesem Sinne... _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Anmeldungsdatum: 24.12.2002 Beiträge: 1336 Wohnort: im wilden Süden
Verfasst am: 12.Feb 2008 22:09 Titel: nun
lieber @dermax, eine Schweizer Ag kann ein wirklich interessantes Instrument sein, vor allem als Holding. Ob das für Ihren speziellen fall zutrifft, kann Ihnen nur ein guter Berater sagen, aber der kostet was.
Sofern Sie wirklich keinen Ärger haben wollen, gründen Sie doch real in einem der neuen EU-Staaten mit toller Steuergesetzgebung Ihre Firma, richten auch ein Büro ein und besetzen es (Lohnkosten sind noch recht erträglich). Nun, welche weiteren Möglichkeiten es dann gäbe, kann Ihnen nach detaillierter Schilderung ein Berater nennen.... aber warum denn immer gleich in die Schzweiz. Allein das, was dort der Steuerberater und Anwalt und Treuhänder etc. kostet, bekommen Sie in manchem EU-Land eine kleine Infrastruktur (Büro, Sekretärin+Steuerberater). Und wenn es darum geht, nicht zu wissen , wer der Inhaber ist, da bräuchten Sie dann ein paar kreative Gedanken, wie es auch ohne Treuhänder geht.... _________________ Auf Regen folgt Sonne!
Verfasst am: 13.Feb 2008 11:58 Titel: Re: Schweizer GmbH gründen
Hallo!
Danke für Eure / Ihre Antworten. Der steuerliche Vorteil wäre für mich gar nicht so relevant. Ich könnte mir nur vorstellen, dass wenn ich aus der Schweiz agiere einen leichten Vorteil gegenüber der Konkurrenz habe, wie z. B. lockere Gesetzgebung, keine Vorratsdatenspeicherung / TKÜV, kein Abmahngedöhns, usw.
Die Schweiz wäre als Land sehr interessant, da es m. E. mehr Seriösität ausstrahlt, als wenn die Firma in der Ukraine oder so angesiedelt ist.
Verfasst am: 13.Feb 2008 12:55 Titel: Gründung Schweizer AG oder Schweizer GmbH
Lieber Max
Es ist alles nicht so kompliziert, wenn Sie folgendes Motto berücksichtigen:
"Die Wahrheit macht frei."
1. Unternehmenssteuern
Nehmen wir den ganz gewöhnlichen Normalfall und vergessen einfach mal die die Sonderformen Holding und Verwaltungsgesellschaft. Die Gewinnsteuer beträgt rund 17% und davon ausgehend müssten Sie in Ihre Kalkulation u.a. folgende Positionen aufnehmen:
Büromiete: ca: CHF 18'000
Steuerberater/Treuhänder: ca. CHF 3'000
Eigenes Gehalt incl. AHV: CHF ???
Schweizer GF* Gehalt incl. AHV: ca. CHF 36'000
* Bei dem GF würde sich anbieten einen Systemadministrator oder Programmierer einzustellen, der auf 20 oder 30% Basis für Ihr Unternehmen tätig ist und die GF-Position quasi kostenlos inne hat. Dies nur solange, bis Sie selbst in der Schweiz wohnen und dann als alleiniger GF agieren können.
Steuerlich spielt es keine Rolle, ob Sie eine GmbH oder AG gründen.
Die Revisionspflicht ist seit diesem Jahr bei kleinen Unternehmen freiwillig.
Ich möchte Ihnen wohlwollend unterstellen, dass Ihr Unternehmen kein Nebenerwerbsbetrieb ist und auch in Deutschland ein ordentlicher Geschäftsbetrieb unterhalten wird. Von daher sind die Kosten wie Miete oder Steuerberater eigentlich keine Zusatzkosten.
Wenn Sie persönlich eine Wohnung in der Schweiz beziehen, können Sie natürlich auch in diesen Räumen das Geschäft betreiben und sparen ggf. die Büromiete.
2. Persönliche Steuern
Solange Sie in Deutschland wohnen, ist Ihr Gehalt gemäss DBA als Grenzgänger zu versteuern. Unterm Strich ist es insgesamt etwas günstiger, als eine vergleichbare Direkt-Versteuerung nur in Deutschland. Dividendenausschüttungen sind in einigen Kantonen privilegiert und es findet diesen Monat eine Abstimmung statt, dieses Prinzip auch auf die Bundessteuern anzuwenden.
Fazit
Setzen Sie ein reales Geschäft auf und Sie werden viel Freude haben. Alle anderen Lösungen bringen Sie in die Grauzone mit den entsprechenden Konsequenzen.
Soweit zu Ihrer ersten Frage.
Zu Ihrer Frage Nr.2:
Sie benötigten früher für die Gründung der AG mindestens drei in der Schweiz wohnhafte Aktionäre. Die Gründungsprocedur hat sich seit Anfang des Jahres deutlich vereinfacht. Auch bei der GmbH.
Zu Ihrer Frage Nr.3:
Trennen sie Beratungsleistungen und die eigentliche Gründung. Gehen Sie zu einem Notar in einem Kanton Ihrer Wahl. Die Beurkundung und die Eintragung in das Handelsregister kosten ca. CHF 1'600 bzw. CHF 800. Für eine seriöse steuerliche und rechtliche Beratung, sowie für entsprechende Relocationdienste sollten Sie wenigstens CHF 5'000 budgetieren.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen
@ all
Viele "sonnige" Freiheiten rufen auch immer Schattengestalten auf den Plan. Dennoch würde kein Schweizer behaupten, das System hätte versagt. Die mangelnde Ethik einiger weniger darf nicht als Anlass genommen werden, um die Mehrheit in Vorschriften und Kontrollen zu erwürgen. Was dabei rauskommt lässt sich am Zustand der EU-Staaten ablesen. Excuse, aber bitte nicht das Kinde mit dem Bade ausgiessen.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Thomas B. Steden _________________ BAMAT Group
Seestr. 60
CH 6052 Hergiswil
Schweiz
Tel. 0041 / 41 / 534 78 69
Email: b.steden@bamat.com
Webseite: http://www.bamat.com
Verfasst am: 16.Feb 2008 13:44 Titel: Firmengründung in der Schweiz
Wir haben bei der Firma e/m/s Finanzmagement (Express-Company) bereits mehrere Schweizer GmbH`s und AG`s gekauft und gegründet und sind von dem Service und der Professionalität dieses deutschen Anbieters sehr beindruckt.
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