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HAWALA - das Banksystem der Armen

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adma
Newbie


Anmeldungsdatum: 06.06.2005
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: 12.Jun 2005 11:26    Titel: HAWALA - das Banksystem der Armen Antworten mit Zitat

Hello,

hat jemand Erfahrungen mit dem Hawala - Transaktionssystem bisher gemacht ?
Was meinen die Profis , ist so etwas heutzutage noch durchführbar ?

Hier einige Infos:



"In Pakistan wird das System »Hundi« genannt, die Chinesen bezeichnen es als »Fei ch'ein«, und in Lateinamerika heisst es das »kolumbianische
System«. Am bekanntesten aber wurde das »Banksystem der Armen« unter der in den meisten islamischen Staaten gebraeuchlichen Bezeichnung »Hawala«.

Es wird von Emigranten genutzt, um unabhaengig vom normalen Bankverkehr schnell, sicher und billig Geld zu ueberweisen. Fuer Arbeitsmigranten, die haeufig Kleinbetraege ueberweisen, sind nicht nur die hohen Bankgebuehren abschreckend. Illegalisierte koennen nicht die geforderten Papiere vorweisen, Analphabeten muessen fuer das Ausfuellen haeufig mehrseitiger Formulare zusaetzlich einen Schreiber bezahlen, und Banken sind in Entwicklungslaendern oft nur in groesseren Staedten vorhanden.

Eine Hawala-Ueberweisung kostet in der Regel nur 0,5 bis 1,25 Prozent und beruecksichtigt den guenstigeren Devisenwechselkurs des Schwarzmarkts. Sie basiert auf Vertrauen und dem »Gewohnheitsrecht«. Der IMTS-Operator (Hawaladar) schickt ein Fax, eine E-Mail oder telefoniert mit seinem Kontaktmann und teilt ihm die Summe und das Codewort mit, das zum Empfang des Geldes berechtigt. Es kann schon eine Stunde spaeter beim Lebensmittelhaendler, im Goldgeschaeft oder einem Elektroladen in der naechsten groesseren Ortschaft abgeholt werden.

Der Kontaktmann kann aus der eigenen Familie oder aus einer Familie stammen, die seit Generationen im »Ueberweisungsgeschaeft« taetig ist. In den rund 200 Jahren, in denen die IMTS in Asien und im Mittleren Osten bereits existiert, haben sich feste Strukturen entwickelt. Missbrauch, Korruption und Veruntreuung sind sehr selten. Nur ein einziger Betrug oder kleiner Fehltritt bedeuten fuer den Transfervermittler eine lebenslange Berufssperre.

Etwa 300 Millionen Menschen nutzen dieses System, die jaehrlich
transferierte Summe wird von der Weltbank auf 90 Milliarden Dollar
geschaetzt, einem Bericht des Commonwealth zufolge sollen es zwischen 100 und 300 Milliarden Dollar sein.

Weniger Vertrauen als die Migranten hegen Ermittlungsbehoerden. Al-Qaida soll diese Form der Geldueberweisung fuer ihre Zwecke nutzen. Diese Form der »Schattenwirtschaft« ist aber auch aus ganz anderen Gruenden den Banken und den Finanzbehoerden ein Dorn im Auge. Fuer die Banken sind die IMTS eine nicht zu schlagende Konkurrenz, fuer die Finanzaemter ein Verlust an Steuern und fuer die Zentralbanken mit fixen Wechselkursen eine Absage an ihre
Devisenpolitik.

In den letzten Jahren versuchte man, den IMTS immer wieder ein Ende zu
bereiten. Die Western Union senkte ihre Gebuehren um ueber 50 Prozent. Im Libanon, Aegypten und Jordanien reduzierten die Banken ebenfalls die
allgemeinen Transferkosten und entwickelten einen Schluessel speziell
fuer »Gastarbeiter«. Doch alle Versuche, den riesigen Wirtschaftszweig zu
uebernehmen oder nur einen kleinen Teil des Kuchens zu bekommen, schlugen
fehl.

Da kommt nun der Vorwurf des Missbrauchs durch Terrororganisationen gerade recht. Nach dem 11. September hiess es, das Hawala sei von den
Flugzeugentfuehrern benutzt worden. Doch auch der Commonwealth-Report bestaetigt, dass die Attentaeter ihr Geld ueber Western Union und andere ganz legale Bankwege verschickt und empfangen haben.

Eine Nutzung der IMTS durch Kriminelle ist im Einzelfall moeglich, doch die
Wahrscheinlichkeit, dass Hawaladars durch Terroristen oder Geldwaescher
korrumpiert werden, ist gering. Jeder IMTS-Operator, der sich auf Dauer mit einer kriminellen Gruppe einlaesst, wird frueher oder spaeter von seinen Kollegen mit einem faktischen Berufsverbot belegt. Man gibt ihm keine Auftraege mehr und nimmt auch von ihm keine mehr an.

Ohnehin benutzen kriminelle Organisationen bevorzugt legale Bankwege, um grosse Summen zu transferieren oder zu waschen. Regelmaessig ohne jegliche offizielle Referenz Millionen Dollar ueber die IMTS zu verschicken, ist wohl ein Ding der Unmoeglichkeit. Selbst die Taliban haben es in Afghanistan nicht geschafft, das Hawala zu instrumentalisieren. Die IMTS operieren nicht im Untergrund, sie sind fuer jedermann zugaenglich. Sie erfuellen eine wichtige oekonomische Funktion. Deshalb duerfte es kaum moeglich sein, sie zu unterdruecken.

Diese Erkenntnis setzte sich auch in Abu Dhabi durch, wo die
Erfahrungsberichte internationaler Institutionen diskutiert wurden. Auf der
Konferenz »wurde die Bedeutung der IMTS als integraler Bestandteil des
internationalen Finanzsystems hervorgehoben«, berichtete die Tageszeitung Gulf News. Es beduerfe groesserer Transparenz und Kontrolle,
eine »Ueberregulierung« aber muesse vermieden werden, da die Hawaladars sich dann jeglicher Ueberwachung entziehen wuerden.

Im Juni 2003 vergab die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate
bereits ueber 60 Lizenzen fuer Hawala-Geschaefte, um einen moeglichen
illegalen Missbrauch zu verhindern. »Wir haben in nur 15 Monaten erfolgreich mehr als 100 Hawaladars unter regulative Kontrolle gebracht«, lobte Sultan bin Nasser al-Suweidi, Gouverneur der Zentralbank, auf der Konferenz seine Bemuehungen.

Nicht ganz so optimistisch aeusserte sich der IWF-Vertreter Barry
Johnston: »Es ist zu frueh und auch schwierig, den Erfolg dieser Massnahmen zu beurteilen.« Es gibt jedoch neben der staatlichen Kontrolle im Hawala-System eine interne Selbstregulierung, die dem offiziellen
Finanzsystem nicht selten fehlt.

J. Orlin Grabbe, ein ehemaliger Professor der Wharton School of Business,
der heute in Dubai lebt, formulierte es so: »Im einem der Stockwerke der
Citibank in Manhattan scheint niemand zu arbeiten, bis das Telefon
ploetzlich laeutet. Dann werden Notizen gemacht, Instruktionen gefluestert, die Tastaturen der Computer klappern. Die Maenner dort transferieren Geld zu Exporteuren, zu Drogenhaendlern, Steuerfluechtlingen, an korrupte Politiker.
Und an Terroristen. Ganz klar: es ist Zeit, die Citibank zu schliessen.«
(alfred hackensberger, Jungle World, 28.4.04)

Quelle: http://www.jungle-world.com



regards
adma
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adma
Newbie


Anmeldungsdatum: 06.06.2005
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: 12.Jun 2005 11:32    Titel: Antworten mit Zitat

"Das Grundmuster einer Hawala-Aktion ist [extern] einfach: statt zu einer Bank zu gehen, die für eine Überweisung von 5000 Dollar nach Quetta/Pakistan zunächst verlangt, dass ein Konto eröffnet wird, wofür allerhand Papiere beizubringen sind, um dann darauf hinzuweisen, dass es wahrscheinlich mindestens eine Woche dauert, bis das Geld als Rupien in der Hand eines Familienangehörigen landet, was schließlich auch einiges an Transfergebühr kostet, sucht ein Pakistani, der im Ausland lebt (London, Dubai, New York), besser einen "Hawaladar" auf.

Laut Interpol sind Hawaladare durch Anzeigen von In-und Export-Geschäften in Lokalblättern leicht zu finden; bestimmte Stichworte geben eindeutige [extern] Hinweise. Der Hawaladar bietet dem Kunden für die 5000 Dollar meist einen besseren Wechselkurs an als den offiziellen, zu dem die Bank verpflichtet ist; außerdem verlangt er weniger Gebühr und er kann versprechen, dass das Geld schnellstmöglich bei der Familie landet. Dazu setzt er sich via Telephon, Fax oder mail mit einem Hawaladar in Quetta in Verbindung, der den Auftrag erteilt, das Geld umgehend zur Familie zu bringen.

Das System, das hier in der einfachsten Struktur erklärt wurde, kann sehr komplexe Formen annehmen. Eine einfache Erhöhung der Komplexität bestünde zum Beispiel darin, wenn die Geldschulden in Höhe der Summe, die in Pakistan zwar ausgeliefert wurde, aber vom ausländischen Hawaladar ja nicht tatsächlich nach Pakistan verschickt worden ist, durch einen anderen Geschäftsvorgang, der damit nichts zu tun hat, beglichen wird. Im einfachsten Fall unterhalten der Hawaladar in Dubai (oder London oder New York) und der Hawaladar in Quetta direkte Geschäftsbeziehungen im Import/Export-Bereich. Die Schulden könnten dann derart beglichen werden, dass die Rechnung für gelieferte Waren beim nächsten Mal um 5000 Dollar höher ausfällt als der eigentliche Warenwert.

So groß die Möglichkeiten des Transfers im Hawala-System sind - bezahlt wird die Transfersumme nicht nur mit Geld, sondern auch mit Waren aller Art -, so undurchsichtig ist das Netzwerk, das sich mit diesem System entwickelt hat und so schwierig die Spurensuche, denn anders als Banktransfers verlangt diese Parallelwelt der Überweisungen nur minimale Belege der Transaktionen: Codes, die nur dem Sender und dem Empfänger der Transfersumme bekannt sind.

Geheimhaltung und hohes Tempo der Transaktionen sind die Vorzüge des Hawala-Systems, die Terrorgruppen am meisten schätzen. Es gibt zahlreiche Belege dafpr, dass sich islamistische Extremisten dieses Systems ausgiebig bedienen. "

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16990/1.html
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Federico
Newbie


Anmeldungsdatum: 27.08.2003
Beiträge: 8
Wohnort: Estepona Spanien

BeitragVerfasst am: 15.Jun 2005 8:42    Titel: Re: HAWALA - das Banksystem der Armen Antworten mit Zitat

adma hat folgendes geschrieben::
Hello,

hat jemand Erfahrungen mit dem Hawala - Transaktionssystem bisher gemacht ?
Was meinen die Profis , ist so etwas heutzutage noch durchführbar ?
regards
adma


Keine persönliche Erfahrungen, während meiner Asienjahren habe ich jedoch wiederholt davon gehört und kenne viele die das System benutzen (meist Gastarbeiter und auch Import/Export Firmen im SO-asiatischem Raum).

Ich finde den Artikel super. Vieles war für mich auch neu.
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v. Romkerhall
Newbie


Anmeldungsdatum: 13.04.2005
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 15.Jun 2005 10:04    Titel: Schöne Artikel! Antworten mit Zitat

Eine schöne Übersicht über Hawala!

Man muß sehen, daß das Hawalasystem im moslemischen Raum ebenfalls in den Koran eingebettet ist. Wir alle wissen, daß der Koran Zinsen verbietet. "Usury free" nennt man die zinslose Vermittlung daher auch. Insofern wird eine Unterbindung des absolut ältesten Transaktionssystems der Welt kaum möglich sein. Glaubensgrundsätze lasssen sich niemals verbieten.
Wer öfters mit der arabischen und/oder moslemischen Welt zu tun hat, der wird über lang oder kurz nicht um die Gold- und Silberwährung herumkommen.

Es ist weiterhin intersessant, daß z.B. auch Dinar und Dirham (Gold und Silber) in dieses System eingebettet sind. Eine saubere Sache:

http://www.islamicmint.com.my
http://www.e-dinar.com/html/

hier noch eine ausgezeichnete Infoquelle:
http://mail.igdexchange.com/forum/viewtopic.php?t=75

;
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adma
Newbie


Anmeldungsdatum: 06.06.2005
Beiträge: 34

BeitragVerfasst am: 15.Jun 2005 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

@ v. Romkerhall


Ist Dir bekannt , ob es Hawaladare auch in der EU oder westlichen Welt gibt ?


regards
adma
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GM&P Mod. Team
Insider


Anmeldungsdatum: 18.01.2006
Beiträge: 653

BeitragVerfasst am: 31.Okt 2006 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hawala - das Geldverschicken mit Vertrauen.
Jeder der Geld an eine Person transferieren will, muss dem Hawaladar (der Händler), dem er das Geld übergibt, vertrauen.
Ein vereinbarter Code dient zur Authentifizierung gegenüber dem Hawaladar.
Das System kann praktisch nicht kontrolliert werden und es gibt keine Verfolgungsmöglichkeiten für Ermittlungsbehörden.
Praktisch steht dieses Geldsystem jedermann, also auch Nicht-Moslems, offen. Sogar von deutschen Firmen wurde es bereits für preiswerte Überweisungen genutzt.
Auch müssen sich Absender und Empfänger des Geldes weder identifizieren noch die Herkunft des Geldes nachweisen. Somit ist Hawala eine ideale Möglichkeit für die Geldwäsche.
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Brendle
Insider


Anmeldungsdatum: 27.11.2002
Beiträge: 610

BeitragVerfasst am: 1.Nov 2006 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
das Problem ist halt nur: wie finde ich als Nichteingeweihter einen Hawaladin?
Da es sich hier nur um eine (extrem streng geregelte) Vereinigung handelt, also keine "Bankfiliale um die Ecke" ist es für den Normalbürger nicht machbar. Klar, Firmen mit Geschäftsbeziehungen in den Orient wissen wie das geht. Die kennen die Kontaktpersonen.
Doch wenn ich eine Überweisung machen möchte, egal ob legal oder illegal, ich hätte keine Chance da dran zu kommen.
So knochenhart die religiösen Strukturen sind, so vertrauenswürdig ist die Hawala.
Ein überzeugter Moslem würde nie wagen gegen die Sharia zu verstoßen. Nicht nur weil es in diesem Fall tödlich wäre. Es würde seine Fahrkarte in den Himmel verspielen.
Grüße
Brendle
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maleh
Specialist


Anmeldungsdatum: 03.09.2003
Beiträge: 237

BeitragVerfasst am: 1.Nov 2006 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Gibt es auch eine deutschsprachige Seite?
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Spiritus Rector
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 12.12.2003
Beiträge: 1187
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 1.Nov 2006 15:44    Titel: Antworten mit Zitat

Na sicher, für deutschsprechende Muslime ... SR
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maleh
Specialist


Anmeldungsdatum: 03.09.2003
Beiträge: 237

BeitragVerfasst am: 1.Nov 2006 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

ja, dann schreiben Sie die doch hin-Spiritus Rector
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