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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4931 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 5.Jul 2004 7:13 Titel: Schwarzgeld-Tourismus |
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Die Seriosität der Herren ist nicht zu übersehen. "Prima! Dann haben wir's ja", raunt der Ältere, in dunklen Nadelstreifen gehüllt. Packt die Unterlagen zur Seite. Und hebt sein Glas mit dem 95er-Château Lafite. "Auf weiterhin gute Zusammenarbeit", säuselt der andere. Der ist im Urlaub. Trägt deshalb nur Polo und Jeans.
Es ist mittags, kurz vor 14 Uhr, im Restaurant des Hotels "Eremitage" in Küsnacht, einem kleinen Ort an der Goldküste des Zürichsees. Rund zehn Autominuten von den Büros der Privatbankiers an der Züricher Bahnhofsstraße entfernt.
Draußen, am Strand, spielen die Kinder. Zwei Frauen nehmen auf mit Hermès-Tüchern behängten Sonnenliegen Platz.
Das Geschäft ist gemacht. Das Depot besprochen. Am nächsten Tag geht es rauf in die Berge. Eine Woche Höhenkur in der Nähe von Davos steht auf dem Programm. "Wir machen das immer so", sagt der Mann mit den Jeans, der kurz zuvor noch auf "gute Zusammenarbeit" angestoßen hat. Er will nicht genannt werden. "Schreiben Sie nur, dass ich Mittelständler bin. Aus der Nähe von Stuttgart."
Rund drei Millionen Euro, sagt er, liegen auf seinem Depot in der Schweiz. Einmal im Jahr stünde deshalb ein Kurzurlaub bei den Eidgenossen an. "Die Strategie besprechen und einen Teil der Erträge abholen" habe bei ihm Tradition. Fernab von Deutschland. Hunderte Kilometer von Hans Eichels Zugriff entfernt. Seine Freunde vom Lions Club machten das auch. "Manche fliegen sogar in die Karibik." Aber das sei ihm zu weit.
"Wir haben Hochkonjunktur", sagt ein Züricher Banker, Private-Banking-Experte der Großbank UBS. Es sei Usus, den Depotcheck mit einem Kurzurlaub zu verbinden. "Vertrauliche Gespräche am Telefon oder per E-Mail sind zu riskant."
"Fast keinen Abend zu Hause" sei er zurzeit, berichtet ein anderer. Der Mann ist Anlageberater des UBS-Konkurrenten Credit Suisse. Tag für Tag ist der Banker in den Fünf-Sterne-Quartieren rund um den Zürichsee unterwegs. Trifft Kunden. Und redet über Geld, das "möglichst steuerneutral" angelegt werden soll.
Mehr als 150 Milliarden Euro von deutschen Kunden, so eine interne Schätzung der Deutschen Steuergewerkschaft, liegen zurzeit auf Depots in der Schweiz. "Verteilt auf weitere Steueroasen liegt sicherlich noch einmal so viel Schwarzgeld rum", sagt Gewerkschaftschef Dieter Ondracek. "Und es ist nicht zu erkennen, dass es deutlich weniger wird."
Auch die seit Jahresanfang geltende Steueramnestie ändere daran nichts. "Es kommt zwar Geld zurück, aber es ist viel weniger als prognostiziert." Bis Ende 2004 hatte Finanzminister Hans Eichel die Mehreinnahmen durch die Steueramnestie auf fünf Milliarden Euro taxiert. Inzwischen hat Eichel auch die Stiftungsvermögen von der Schenkungssteuer befreit und das interne Ziel auf eine Milliarde Euro nach unten revidiert.
Aber auch die neue Zielmarke gerät nun in Gefahr. "Im Moment liefen erst rund 300 Millionen Euro bei uns ein", sagt ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums. "Wir hoffen jetzt, dass die große Welle im zweiten Halbjahr kommt."
Entspannt zeigt man sich bei der Schweizerischen Bankiervereinigung in Basel. Signale, dass Geld zurück nach Deutschland geholt worden ist, gibt es nicht. "Das würde mich sehr wundern", sagt Urs Roth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bankiervereinigung. "Ich habe jedenfalls nichts gehört." Probleme mit dem Geld aus Deutschland hat der Bankenvertreter nicht: "Es ist nicht die Aufgabe der Banken in der Schweiz, die Kunden nach ihrer Steuer zu fragen."
Dabei hatte es Hans Eichel den Steuersündern leicht gemacht. Seit Januar gilt die Steueramnestie. Straffrei bleibt, wer seine bis dahin hinterzogenen Einnahmen der vergangenen zehn Jahre dem Finanzamt nachträglich offenbart. Auch auf Stiftungen wurde die Amnestie ausgedehnt.
Bis zum 31. März 2005 haben Anleger dafür Zeit. Auf die Schwarzgeld-Erträge des Zeitraums 1993 bis 2002 sind 25 Prozent Pauschalsteuer zu zahlen. Ab dem Jahr 2005 sind es 35 Prozent. "Davon wird noch einmal ein Steuerabschlag von 40 Prozent gemacht", sagt Karsten Randtke, Steueranwalt bei der Bonner Sozietät Flick, Gockel und Schaumburg. "Was die effektive Strafsteuer noch einmal deutlich senkt."
Gespräche mit seinen Mandanten hätten ihn motiviert: "Es sieht ganz so aus, als wenn sich die Attraktivität der Steueramnestie langsam herumspricht. Von einem Flop zu sprechen ist viel zu früh."
Im Finanzministerium legt man deshalb nach. Ende Juli, gerade noch rechtzeitig zum Start der Urlaubszeit, wird "ein verbessertes Merkblatt zur Steueramnestie auf unsere Internetseite gestellt", heißt es im Ministerium. Ein Fragen-und-Antworten-Katalog soll dann "auch knifflige Fälle der Steueramnestie klären".
"Möglicherweise zu spät", wie der Steuergewerkschaftsvorsitzender Ondracek befürchtet. Schwarzgeld-Anleger seien dann längst im Ausland "und verlängern dort ihre Depots".
Schon lange sind die Urlaubsziele der Steuer-Touristen nicht mehr nur auf die Schweiz begrenzt. Auch die Bahamas, die Cayman-Inseln, die Niederländischen Antillen und die Bermuda-Inseln verwalten laut Ondracek Milliarden an "steuerneutralem Geld". Auch dort gebe es ein sehr strenges Bankgeheimnis. "Das zieht Steuerflüchtige an."
Außerdem werde Geld auch nach Österreich, Luxemburg und Liechtenstein transferiert. "Kontrollmitteilungen gibt es dort nicht", so der Gewerkschaftsmann. Was seine Steuerfahnder regelmäßig frustriert.
Rund drei Milliarden Euro Schwarzgeld spürten die 2500 deutschen Steuerfahnder im vergangenen Jahr auf. Mit der Aufstockung der Steuer-Späher um 500 Mann im vergangenen Jahr habe sich der Wert zwar leicht erhöht. Trotzdem reiche die Mann-Stärke der Truppe "vorn und hinten nicht aus".
"Wir bräuchten mindestens doppelt so viele Fahnder, um einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen", sagt Ondracek. Vor allem über die 7500 deutschen Schwarzarbeits-Fahnder regt er sich auf. "Eindeutig falsche Prioritäten" würden da gesetzt. "Die kleinen Arbeiter werden von den Gerüsten geholt, und die Schwarzgeld-Millionäre bleiben unentdeckt."
Steuerflüchtige würden nicht freiwillig zurückkommen, ist Ondracek überzeugt. Bislang nutzten vor allem die Anleger die Amnestie, die gezwungen sind, ihr Schwarzgeld zu legalisieren. Dies sei etwa bei einer bevorstehenden Erbschaft der Fall. Denn im Todesfall müssten auch Banken in Steueroasen die deutschen Finanzbehörden von sich aus über mögliche Konten informieren.
"Die Schweizer Steuergesetze sind ein Scheunentor", sagt Ondracek. "Der Finanzminister sollte schleunigst darauf drängen, dass sich da etwas tut." Grund: Die Schweiz unterscheidet zwischen "Steuerhinterziehung" und "Steuerbetrug". Betrug gilt als Straftat. Hinterziehung lediglich als Ordnungswidrigkeit. Nur im Falle des "Steuerbetrugs" unterstützen die Schweizer ausländische Behörden. Wer sich der Steuerhinterziehung strafbar macht, aber im Ausland wohnt, wird rechtlich kaum belangt.
"Ich weiß das zu schätzen", sagt der Mittelständler im "Eremitage" in Küsnacht. Er lacht. Fünf Minuten später springt er in den See.
http://www.wams.de/data/2004/07/04/300550.html |
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Goodman *** Consulter ***
Anmeldungsdatum: 16.01.2002 Beiträge: 5415
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Verfasst am: 10.Jul 2004 7:09 Titel: Schweizer Banken erwarten Erfolg der deutschen Steueramnesti |
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Schweizer Banken erwarten Erfolg der deutschen Steueramnestie
Institute empfehlen Kunden, das Angebot Eichels zu nutzen und ihr Geld trotzdem in der Schweiz zu lassen. Die in Deutschland als Flop gebrandmarkte Steueramnestie erregt in der Schweiz mehr Aufsehen als in Deutschland selbst. Die eidgenössischen Institute gehen davon aus, dass ihre Kunden in der zweiten Jahreshälfte, wenn sich die Konditionen der Steueramnestie herumgesprochen haben, mehr Geld beim deutschen Fiskus deklarieren könnten, als bisher angenommen.
"Ich rechne damit, dass die Nachfrage in den nächsten Monaten noch größer werden könnte", sagt etwa Walter Knabenhans, Konzernchef bei der Schweizer Privatbank Julius Bär, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bislang gilt die Amnestie von Bundesfinanzminister Hans Eichel als gescheitert. In seinem Haushaltsplan hatte er ursprünglich fünf Mrd. Euro Einnahmen vorgesehen, die aus den nachträglich versteuerten Erträgen von bislang nicht deklariertem Schwarzgeld fließen sollten. Nachdem im ersten Quartal lediglich 76,9 Mill. Euro bei den Finanzämtern eingingen, revidierte der Arbeitskreis Steuerschätzung das Einnahmeziel auf 1,5 Mrd. Euro. Das Gesetz sieht vor, dass Steuerflüchtlinge, die sich bis Jahresende ihrem Finanzamt erklären, 25 Prozent Steuern auf die hinterzogenen Einnahmen zahlen. Wer sich bis Ende März 2005 Zeit lässt, muss 35 Prozent zahlen.
Ein Großteil der Summen, deren Erträge nicht versteuert werden, liegt auf Schweizer Konten, weil dort die Besitzer wegen des Bankgeheimnisses weitgehend vor Nachforschungen der deutschen Finanzbehörden geschützt sind. Mit einem verwalteten Vermögen von 2,1 Bill. Euro bilden die 342 eidgenössischen Banken den größten Anlagehafen der Welt. Nirgendwo wird mehr Vermögen von ausländischen Kunden aufbewahrt als in der Schweiz. Gleichzeitig haben aber insbesondere die kleineren Banken Mühe, weiter Geld vermögender ausländischer Privatkunden einzusammeln. Die Diskussion um das Bankgeheimnis und die aufwendige Akquise der Kunden im Ausland führte dazu, dass die Privatbanken im Gegensatz zu den Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS im vergangenen Jahr Netto-Kapitalabflüsse zu verzeichnen hatten. Jetzt fürchten die Banken, weiter Geld dadurch zu verlieren, dass Deutschland mit den Vorteilen der Steueramnestie wirbt.
Eine Gegenstrategie ließ nicht lange auf sich warten: Die Banken versuchen, den Kunden klar zu machen, dass sie die Amnestie in Anspruch nehmen, das Geld aber in der Schweiz lassen können. So hat die Schweizer Privatbank Sarasin bereits im Jahr 2002 damit begonnen, ihre Kundenberater laufend über die neuesten Wendungen der deutschen Steuergesetzgebung zu informieren. Inzwischen ist sie nach eigener Auskunft in der Lage, das gesamte Amnestieverfahren im Auftrag eines Kunden abzuwickeln. Den Kunden werde allerdings weder zu- noch abgeraten, die Amnestie zu nutzen, betont Sarasin Verwaltungsratspräsident Georg Krayer.
Auch andere Institute sind inzwischen aktiv geworden. Bei Julius Bär werden Kunden an deutsche Steuerexperten weiterverwiesen, die von den Schweizern eigens damit betraut sind, im Sinne der Kunden - und der Bank -, die Amnestie abzuwickeln. Die UBS bezeichnet die AmnestieBeratung als "Teil des üblichen Kundengesprächs", und Credit-SuisseSprecherin Gabriela Cotti-Museo berichtet: "Wer deutsche Kunden hat, wird darauf geschult, die Amnestie zu erklären."
Die Erwartungen der Schweizer Banken stimmen somit mit den Hoffnungen des Bundesfinanzministeriums überein: In Berlin rechnet man damit, dass sich die Masse der reuigen Sünder erst in der zweiten Jahreshälfte outen wird. Schließlich bestehe zunächst Beratungsbedarf; außerdem müsse der an den Fiskus zu zahlende Geldbetrag erst einmal aufgebracht werden.
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