Verfasst am: 20.Jun 2004 18:06 Titel: Nauru - das tragische Ende einer umstrittenen Steueroase
Das Schicksal Naurus ist das krasseste Beispiel für die Krise im Südpazifik. Von angeschlagenen Staatsfinanzen in Papua-Neuguinea, bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf den Salomonen bis zu politischer Unsicherheit und ethnischen Spannungen in Fidschi reicht die Instabilität. Nauru ging es aber im Gegensatz zu den meisten anderen Inselstaaten einmal blendend. Jahrzehntelang wurde auf dem kleinen Eiland meterhoch aufgetürmter Vogelkot im Tagebau abgebaut und als "bester Dünger der Welt" rund um den Globus verschifft. Bild: fleißiger Ureinwohner.
Die ehemalige deutsche Kolonie, nur rund 20 Quadratkilometer groß, wurde dabei zur Mondlandschaft. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist noch bewohnbar, dort verteilen sich Naurus 10.000 Einwohner. Bis zur Unabhängigkeit 1968 war Nauru gemeinsam von Großbritannien, Neuseeland und Australien verwaltet worden. Die drei Länder beuteten auch das Phosphatvorkommen aus, haben aber seitdem Reparationszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe geleistet. Dieses Geld ist genauso verschleudert worden wie die Einnahmen aus dem Dünger. Jetzt kommen die Gläubiger: Allein der amerikanische Finanzkonzern General Electric Capital Corporation verlangt 230 Millionen amerikanische Dollar. Die wohl einzig verbliebenen Aktivposten, Bürohäuser und Hotels in Sydney und Melbourne, sind mit Hypotheken stark belastet. Das einzige Flugzeug der Luftlinie "Air Nauru" muss meist am Boden bleiben, weil Reparaturen oder Benzin nicht bezahlt werden können. Der landeseigenen Schiffahrtslinie geht es kaum besser. Viele Ideen, Geld zu verdienen, scheiterten. Bei dem von Nauru finanzierten Musical "Leonardo" fiel nach vier Wochen in London der Vorhang für immer. Windige Finanzartisten sollen die freundlichen, aber manchmal unbedarften Insulaner betrogen haben. In den Neunzigern war Nauru berüchtigte Geldwaschanlage für die russische Mafia. Angeblich sind 70 Milliarden amerikanische Dollar aus dunklen Quellen über Konten von 400 in Nauru registrierten Banken geflossen, die alle dieselbe Adresse hatten - ein Regierungspostfach. Diese Einnahmen sind inzwischen versiegt, auf internationalen Druck hin hat Nauru die unlauteren Geschäfte gestoppt. Zuletzt kamen Devisen nur noch aus Australien, das Nauru fürstlich dafür entlohnte, Flüchtlinge in Lagern unterzubringen, die man auf dem fünften Kontinent nicht haben will. Aber selbst das hält die Krise nicht auf: Aus diesem Paradies haben sich die Menschen selbst vertrieben. Aufgrund unserer etwas scherzhaften Bemerkung, man möge doch auf Nauru ein zoll- und steuerfreies Fürstentum ausrufen, meldete sich die Botschaft umgehend, worauf wir uns ausführlich und formell für diesen Fauxpas entschuldigt haben. "Fürst Ralph" oder selbsternannte Herzöge obskurer Herzogtümer dürfen dort nicht an die Macht. Damit sind wir beim schillernden Thema "Fake Nations" - Staaten, die es eigentlich gar nicht gibt.
Selbstverständlich wollen wir, um das noch einmal zu betonen, diese arme "echte" Republik nicht mit so genannten Fantasierepubliken in einen Topf werfen. Kennen Sie das Fürstentum "Sealand" oder die "Dominion of Melchizedek"? Siehe dazu http://www.quatloos.com/fake-nations.htm - diese Seite ist bekanntlich eine wahre Fundgrube zu diesem Thema. Sofern Sie über ein erträgliches Englisch verfügen, wird Sie diese "Kultseite" der Schwindel- und Fantasierepubliken optimal in das Thema einführen. "Fake Nation Scam" übersetzen wir am besten so: Schwindel mit Fantasierepubliken, Fürstentümern, Herzogtümern oder anderen Gebilden, die - im Gegensatz zu Zwergstaaten wie San Marino, Andorra oder Nauru - aber völkerrechtlich nicht anerkannt sind. Verkauft werden Pässe, Diplomatenpässe, Fürstentitel, Banklizenzen, Bankgarantien oder Casinolizenzen ohne Wert.
Verfasst am: 21.Jun 2004 14:47 Titel: ergänzungen zu nauru:
1)
sämtliche registrationen auf nauru wurden über einen einzigen lizenzierten anbieter abgewickelt... kein privatmann/unternehmer, sondern eine staatliche "agency"
aufgrund des seinerzeitigen reichtums an guano (so heisst die "Schade" politisch korrekt waren die einnahmen an lizenzgebühren für die registration von firmen und speziell banken nicht besonders wichtig... es geht die sage, dass der zuständige "registrar" während mehr als 3 monaten im jahr "on official missions" im ausland war... im klarheit: er war in urlaub
2)
als humorige geschichte wird auch gerne herumerzählt, dass die vielgerühmten 400 banken nicht honorigen russischen geschäftsleuten gehörten... sondern auf den namen von deren hunden eingetragen waren
wuff wuff... si non e vero...
also nauru war und ist die obskurste und angefuck.... jurisdiktion für irgendwelche geschäfte... unabhängig von irgendwelchen interventionen irgendwelcher "repräsentationen" dieses unwirtlichen eilandes
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