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Spiritus Rector * Consulter *

Anmeldungsdatum: 12.12.2003 Beiträge: 1124 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 5.Jan 2008 19:15 Titel: Florian Homm - auch alles nur ein großer Bluff? |
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Seit drei Monaten ist der Hedgefonds-Manager spurlos verschwunden. Er hinterlässt seinen Managern und Kunden Aktienpakete von fragwürdigem Wert. Augenzeugen haben ihn zuletzt im Zürcher Kaufleuten-Club gesehen, dem angesagten Nightlife-Treff des Jetsets, wenige Gehminuten von der Bahnhofstrasse entfernt. Florian Homm tanzte dort ausgelassen bis tief in die Nacht. Seitdem ist er weg. Einfach abgetaucht.
Der lauteste Hedgefonds-Manager Deutschlands steht seit dem 18. September auf der Vermisstenliste der Finanzwelt. Mitarbeitern und Kunden hinterließ er an jenem Dienstag nur ein Blatt Papier, auf dem er seinen sofortigen Rückzug aus der Führung seiner Fonds sowie der Verwaltungsfirma Absolute Capital Management (ACM) mit Domizil auf den Cayman-Inseln erklärte.
"Ich bin über die Performance einiger unserer Fonds enttäuscht", schrieb er, nachdem er Wochen zuvor noch in einer Telefonkonferenz beteuerte, dass die Fonds sich recht gut entwickeln würden. Sein eigenes Geld zog er abrupt heraus. Die Aktionäre ließ er mit einem gewaltigen Kurseinbruch im Regen stehen. Selbst seine Manager berichten, dass sie weder eine Adresse noch eine Telefonnummer von Homm haben. Er rufe lediglich hin und wieder bei seiner ehemaligen Assistentin an - mit anonymer Handynummer und von unbekanntem Ort.
"Das kam völlig überraschend", sagt der Ire Sean Ewing, ein langjähriger Weggefährte, "Ich weiß nicht, was dahinter steckt." Eine heikle Lage für einen der größten Hedgefonds-Anbieter Europas, der 3,2 Milliarden Euro Kundenvermögen verwaltet und den 2006 das Fachblatt "Hedge Fund Review" noch als Best European Hedge Fund Group prämierte.
Was steckt hinter dem plötzlichen Abtauchen? Capital analysierte Aktiendeals, studierte Börsendokumente, Bilanzen und Gerichtsakten. Das traurige Resultat: Entgegen vollmundiger Verlautbarungen pickte hier ein Hasardeur für seine Kunden oft heraus, was sich nachträglich als der Ramsch der Weltbörsen entpuppte - und nicht als Gold.
Gleichzeitig erklärte Homm den Deutschen jahre lang in Talkshows, unter anderem bei Sabine Christiansen, wie Wirtschaft und Politik zu retten seien. Mit Zigarre und lockerer Pose am Pool seiner Villa in Mallorca posierte er als gewiefter Börsianer. Mit einem Investment in den Fußballclub Borussia Dortmund wurde er selbst für "Bild"-Leser zur bekannten Nummer. Dass er ein Großneffe des Versandhauskönigs Josef Neckermann ist, rundete die Story ab.
"Ich war eine wichtige Figur bei 60 Börsengängen", lobte sich Homm und kokettierte mit der Rolle als "Heuschrecke". Der "Plattmacher von Malle" wurde er genannt, als Großaktionär gefürchtet, der den Managern Dampf macht oder Konzerne kurssteigernd zerlegt.
Aufsehen erregte er vor drei Jahren, als ihn die Finanzaufsicht Bafin maßregelte. Mit einem frechen Börsenbrief hatte er den Autovermieter Sixt öffentlich schlecht geredet und zugleich auf einen fallenden Kurs gewettet. Im Dezember 2005 endete seine Attacke gegen den Immobilienkonzern WCM vor Gericht mit einer Geldstrafe. Homm zeigte sich unbeeindruckt, die Bußen behandelte er wie Falschparkerknöllchen. Arroganz war sein Markenzeichen, 15 Prozent Jahresrendite sein Tarif. Wer mitverdienen wollte, durfte in seine Fonds investieren oder Aktien seiner Fondsverwaltungsfirma ACM kaufen.
Das Wohl seiner Aktionäre und Kunden lag Homm bei seinem spektakulären Abgang allerdings nicht am Herzen: Knall auf Fall verkaufte er bis auf einen Mini- Anteil sein ACM-Paket - zuvor hielt er mit seiner Ehefrau die Mehrheit. Die Aktie der in London notierten Firma verlor danach innerhalb eines Tages 84 Prozent. Als Kunden versuchten Millionenbeträge aus den ACM-Fonds abzuziehen, schlossen die Managern den Fonds vorläufig. Es bleibt ein Scherbenhaufen.
Die Hintergründe untersucht nun die Londoner Börse. Investoren, die nach einer eilig einberufenen Hauptversammlung ein Jahr lang auf Geldentnahmen verzichten müssen, beauftragten den Revisionskonzern PWC mit einer Sonderprüfung. Beunruhigte Kunden fragen sich, ob alles nur ein großer Bluff war.
Tatsächlich liefern Homms Leute schlechte News in Serie. Einen Tag nach seinem Verschwinden verkündeten die ACM-Manager plötzlich, dass bis zu 530 Millionen Dollar der Kundenvermögen in US-Penny- Stocks investiert sind - schwer bewertbare Billigpapiere, die nur im außerbörslichen Freiverkehr gehandelt werden. Und sie räumten ein, dass sie die einzelnen US-Titel, die Homm mit Kundengeldern kaufte, nicht überprüft hatten.
Seit einem Jahrzehnt investierte Homm gleichzeitig Kundengelder über Fonds und über ihm zugerechnete Privatfirmen - eine unter Fondsmanagern geächtete Praxis. Interessenkonflikte sind dabei vorprogrammiert.
Zum Beispiel bei Borussia Dortmund. "Was ist das für eine Schlafmützenveranstaltung?", schimpfte er vor drei Jahren, nachdem er 25 Prozent der Aktien gekauft hatte. "Matsch aus der Birne! Kämpfen, kämpfen, kämpfen!", feuerte er die Spieler an. "Ohne mein Investment wäre der Verein reif für die Regionalliga", triumphierte Homm.
"Mein Investment", sagt er. Aber der Blick in die Akten zeigt, dass verschiedene Firmen in Homms Auftrag Borussen-Aktien kauften: die ACM und der Absolute Return Europe Fund, beide mit Domizil auf den Cayman-Inseln, sowie die CSI Asset Management aus Liechtenstein.
Es gibt so Phasen
Wo setzt Homm sein eigenes Geld für Aktiengeschäfte ein und wo platziert er das Vermögen seiner Fondskunden? Das ist nicht leicht zu beantworten. Eines seiner ältesten Investmentvehikel ist die in Dortmund aufgetauchte CSI, eine 1997 in Liechtenstein gegründete Briefkastenfirma. Homm benutzte sie privat, wenn er mit seinen Fonds in eine Firma einstieg. Ihr langjähriger Verwaltungsrat, der Treuhänder Beat Kranz, erteilt keine Auskunft. Ebenso verschwiegen operiert die Vaduzer Loyr-Stiftung, die auch als Investor in Homms Auftrag auftaucht.
Besonders obskur sind Homms Amerika- Deals. Entgegen der erklärten Strategie legten seine Fonds die Kundengelder statt in Deutschland oder Europa in Übersee an, und zwar hochspekulativ. Etwa in die Internetfirma Pro-Elite. Sie weist 11,9 Millionen Dollar Verluste aus. Als bedeutende Aktionäre sind gleich sechs Homm- Fonds vertreten, dazu die Brokerfirma Hunter World aus Beverly Hills, die häufiger als Investor an der Seite der Homm- Fonds erscheint.
Skurril war ein Investment bei der US-Firma MW Medical, die 1997 antrat, um mit Haarentfernung per Mikrowelle Geld zu verdienen. Ihre verheißungsvollen Maschinen erregten Bedenken bei der Zulassungsbehörde und die Börsenaufsicht verlangte Bilanzkorrekturen. 2004 wurde die Firma umbenannt, von Haarentfernung ist keine Rede mehr. Ein Manager entschuldigte sich für "kuriose Geschäftspraktiken".
Ein weiterer Fall ist die Firma Colombia Goldfield, die im kolumbianischen Medellin Gold schürfen will. In deutschsprachigen Internetforen wurde die Aktie als "Geheimfund" gefeiert. Ein Blick in die Bilanz ernüchtert aber. Der Reinverlust seit der Gründung summiert sich auf 17,4 Millionen Dollar. Die Firma habe "keine Quelle für operative Erträge". Die Liste der Ramschinvestments mit Homm- Fonds als große Investoren lässt sich fortsetzen.
Ein Muster ist bei Homms Investments oft erkennbar: Zuerst kauft er eine billige Aktie. Dann erhält der Kurs durch den Einstieg von gleich mehreren seiner Fonds Auftrieb, in Internetforen wird der Wert heiß diskutiert. In dieser Phase kann Homm privat mitverdienen, zum Beispiel über seine CSI aus Vaduz. Kunden können allerdings nur dann gewinnen, wenn die Fondsmanager die Aktie auch wieder rechtzeitig verkaufen können. Dafür müssen aber Abnehmer gefunden werden - ein Spiel, das nicht immer gelingt. So besteht die Gefahr, dass die Fonds auf den Penny-Stocks sitzen bleiben - wie nach Homms plötzlichem Ausstieg im September.
Der legte einen ähnlich abrupten Abgang schon einmal hin. Gebeutelte Aktionäre erinnern sich, wie sich Homm im Februar 2001 als Manager der Fondsverwaltungsfirma VMR im Taunus wegen "persönlicher Gründe" verabschiedete. In den Boomjahren hatte er den Börsenwert der Firma auf 500 Millionen Dollar hochgetrieben. Nach seinem Ausstieg verloren die Aktionäre 98 Prozent ihres Kapitals. Beteiligungen wurden wertberichtigt und Fonds in aller Stille beerdigt.
Offshore operierten seine Fonds, grenzüberschreitend war auch sein Businessstil. "Ich mach das seit bald 30 Jahren in dieser frivolen Art und werde das auch weiter so machen", erklärte er noch vor einem Jahr. Dann kam die Umkehr.
Im November 2006 schoss ein Motorradfahrer Homm auf dem Weg vom Flughafen in die venezolanische Metropole Caracas an. Mit viel Glück überlebte er den Anschlag. Ein Raubüberfall, sagt Homm. Er war mit liberianischem Pass unterwegs - als Unesco-Botschafter. Ein halbes Jahr später ließ sich seine Frau Susan scheiden. Und im September stieg auch noch sein langjähriger Liechtensteiner Treuhänder Beat Kranz aus.
"Es gibt so Phasen", sagte Homm einmal, "da muss man sich entweder von Leuten trennen oder man sucht die Schuld bei sich selbst." Und fügte hinzu: "Letzteres ist allerdings nicht unbedingt meine Stärke." |
Quelle: Capital _________________ Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.
(Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)

Zuletzt bearbeitet von Spiritus Rector am 9.Jan 2008 15:26, insgesamt 1-mal bearbeitet |
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GM&P Info .

Anmeldungsdatum: 18.01.2006 Beiträge: 2945
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Verfasst am: 29.Apr 2008 8:35 Titel: |
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Auszug: - Quelle mm - Arne Gottschalck
| Zitat: |
| Was als Spekulation auf die Strahlkraft des Investors Florian Homm gestartet ist, endet im Landgericht Frankfurt. Dort laufen die Prozesse um zwei Zertifikate der SEB Bank, die sich an den Hedgefonds Homms orientierten. |
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| Die Bank SEB legt Zertifikate auf, genau wie andere Banken auch. 2007 waren zwei darunter, die sich an Hegdefonds ausrichteten, die Florian Homm verwaltet - das "Alternative Investment Zertifikat" in zwei Varianten. Sie sollten vom 28. August 2006 bis zum 31. August 2011 laufen. |
| Zitat: |
| Die SEB durfte die Zertifikate kündigen, das steht so in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Allerdings musste sie nach 40 Tagen das Geld an die Anleger auszahlen. Und das steht noch aus. Und ab dem 10. Dezember 2007 - dem Ende der 40-Tage-Frist, ist das Geld mit 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu verzinsen", wertet Schmidt die Situation, der von Göttingen aus SEB-Anleger vertritt. |
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