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Mietwohnungen im Web unterm Hammer

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A. Henneberg
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Anmeldungsdatum: 28.08.2002
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BeitragVerfasst am: 15.Okt 2004 11:26    Titel: Mietwohnungen im Web unterm Hammer Antworten mit Zitat

Mietwohnungen unterm Web-Hammer

Dass Internetauktionen für viele zum Quell neuer Anschaffungen geworden sind, ist nichts Neues. Dass aber mittlerweile auch Mietwohnungen im Web unter den Hammer kommen, ist doch eher ungewöhnlich.

Entwickelt wurde die Geschäftsidee von dem Berliner Unternehmen Miet-Biet. Mit einer eigens auf Mietwohnungen zugeschnittenen Auktionsbörse will die Firma aus der Hauptstadt Dienstleister für Mieter wie Vermieter gleichermaßen sein. Offiziell ist Miet-Biet zwar bundesweit als Anbieter tätig, doch liegt der Schwerpunkt des Geschäfts bislang auf dem Berliner Immobilienmarkt und dem Brandenburger Umland. Unter der Adresse www.miet-biet.de können Vermieter Wohnungen anbieten.

Auf die Idee, Mietwohnungen im Internet zu versteigern, kam Firmengründer Rudolf Plöger nach dem Siegeszug von Ebay. "Immer wenn ich Leute aus der Immobilienbranche daraufhin angesprochen habe, hielt niemand das für abwegig", sagt der 50-jährige ehemalige Hausverwalter. Bestärkt wurde Plöger durch den seit längerem brachliegenden Berliner Immobilienmarkt. Um die Kosten wenigstens etwas zu mindern, biete es sich geradezu an, die Räume unter Preis zu vermieten. Denn, so Plöger: "Nichts ist im Immobiliengeschäft so teuer wie Leerstand."


Typische Marktwirtschaft

Plögers Prinzip beruht auf den klassischen Eckpfeilern der Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wie bei anderen Immobilienangeboten im Internet haben Wohnungssuchende zunächst die Möglichkeit, durch konkrete Abfragen das für sie passende Objekt auszusuchen. Darauf folgt ein Besichtigungstermin, der ist obligatorisch. Das eigentliche Prozedere entspricht dem anderer Auktionen: Gefällt einem Interessenten die Wohnung, kann er sich für die Auktion anmelden und sein Gebot abgeben. Wird der vom Vermieter verlangte Mindestmietzins für die Wohnung nicht akzeptiert, so wird der Mietpreis sukzessive bis zu einer vom Vermieter bestimmten Grenze gesenkt. Zum Schluss entscheidet das höchste Gebot. Der Gewinner schließt dann mit dem Vermieter den Mietvertrag ab.

Etwa 500 Mietinteressenten haben sich an der ersten Auktion beteiligt. Die Offerten werden per E-Mail oder SMS abgegeben. Um schwarze Schafe auf Seiten der Mieter von vornherein auszuschließen, lässt Plöger die Bonität der Interessenten durch ein Auskunftsbüro überprüfen. "Durch ein festgelegtes Suchprofil finden nur Leute zusammen, die auch ins Geschäft kommen wollen. Wir halten nichts davon, einer Wohngemeinschaft eine Wohnung anzubieten, wenn der Vermieter eine Familie mit Kindern sucht", so Plöger.

Weiteres Potenzial sieht Miet-Biet-Chef Plöger bei Kunden, die einen Nachmieter suchen. "Oftmals wollen Mieter nicht erst die Kündigungsfrist abwarten, bevor sie umziehen. Bereits vor Beendigung der Frist kann die Wohnung in der Auktion angeboten werden."


150 Wohnungen im Bestand

Natürlich hat das Ganze seinen Preis. So kassiert Miet-Biet beim Abschluss eines Mietvertrages zwei Nettokaltmieten von den neuen Mietern. Wer einen Nachmieter besorgt, erhält eine Monatskaltmiete erstattet. Vermieter bekommen eine Provision, wenn sie Besichtigungen organisieren, Exposé und Fotos selbst einstellen.

Auf die Nachteile des Auktionsverfahrens bei Mietwohnungen weisen Verbraucherschützer hin. So gäbe es keine Sicherheit, dass Anbieter oder Interessenten nach der Auktion wirklich den Vertrag unterschreiben. Auch sei die Verbindlichkeit von Onlinegeboten immer noch umstritten. Denkbar sei zudem, dass Vermieter unter fremdem Namen mitbieten, um den Preis zu treiben oder unvorteilhafte Abschlüsse zu verhindern. Auch die kurzfristige Rücknahme eines Gebots sei bisher nicht ausdrücklich geregelt. Vertippe sich ein Interessent beispielsweise beim Bieten, will Miet-Biet den Fall lediglich individuell prüfen.

Rund 150 Wohnungen hat Plöger derzeit in seinem Bestand. Das ist nicht die Welt, doch sollen die Aktivitäten in den kommenden Jahren auch auf andere Ballungsgebiete in Deutschland ausgedehnt werden. So steht als Nächstes das Ruhrgebiet auf dem Plan. Eine Region, die ostdeutsche Züge aufweist: Hoher Leerstand und hohe Mieten blockieren auch hier den Markt.

Auf Seiten der Wohnungsverbände und der Makler sieht man das Berliner Auktionsprojekt eher gelassen. "Eine Mietwohnung ist für mich kein Produkt, das sich wie ein Handy versteigern lässt", sagt Manfred Neuhöfer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Wohnungsunternehmen GdW. Ähnlich die Sichtweise des Rings Deutscher Makler (RDM). "Wir glauben nicht, dass sich diese Idee durchsetzen wird. Die Gefahr ist, dass es bei manchen Objekten zu enormen Mietsteigerungen kommen kann", sagt RDM-Sprecherin Carolin Hegenbarth.


http://www.ftd.de/bm/ga/1090650101698.html?nv=tn-rs - Von Carsten Grün
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