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Argentinien's Mini-Weinberge

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6871

BeitragVerfasst am: 18.Mai 2008 18:31    Titel: Argentinien's Mini-Weinberge Antworten mit Zitat

Die Vorgebirgslandschaft südlich der argentinischen Provinzhauptstadt Mendoza ist schon seit langem bekannt für die zunehmend beliebte Weinsorte Malbec. Doch seit drei Jahren wird die Gegend zunehmend von US-Amerikanern, Kanadiern und Europäern entdeckt, die hier ihren Traum vom selbst angebauten Wein verwirklichen wollen.

Sie profitieren von den relativ niedrigen Grundstückspreisen in Argentinien und kaufen sich dort Mini-Weinberge.

Mendoza war ursprünglich ein verschlafenes Städtchen, das vor allem für seinen billigen Schoppenwein bekannt war, und für das ausgeklügelte Bewässerungssystem. Aber das änderte sich in den 80er- und 90er-Jahren, als die argentinischen Winzer begannen, die Qualität ihres Weins zu verbessern. Sie holten berühmte ausländische Winzer wie Michel Rolland, Paul Hobbs und die Gebrüder Lurton als Berater in die Region. Die entdeckten dann den für den Weinbau idealen steinigen, trockenen Boden und machten dort eigene Weingüter auf.

Nach 2002 erlebte die Region dann einen regelrechten Tourismus-Boom. Die Abwertung des Pesos hatte das Land zu einem preiswerten Ziel für Urlauber aus dem Ausland gemacht. Die Besucher wurden sowohl von den Weinen der Region angezogen als auch von der schönen Kulisse der schneebedeckten Anden. Die regionale Wirtschaft stellte sich schnell darauf ein, so dass die Touristen immer mehr Luxus-Hotels, Boutiquen und Gourmet-Restaurants vorfinden.

Im Gegensatz zu anderen hochwertigen Weinanbaugebieten war der Grundstücksmarkt in Mendoza allerdings noch völlig unerschlossen.

Projektentwickler erkannten hier ihre Chance. Sie verkaufen Land an Investoren. Diese können dort gegen eine Jahresgebühr an eine Verwaltungsgesellschaft einen eigenen Weinberg anlegen lassen. Die Verwalter kümmern sich um die Pflege, die Ernte und den Verkauf der Weintrauben. Auf einigen dieser neuartigen Weingüter sollen auch Hotels und Ferienhäuser für die Besucher entstehen.

Während ein Acre guter Weinanbaufläche im kalifornischen Napa Valley 50 000 bis 300 000 Dollar kostet, sei es in Mendoza für 4 000 bis 16 000 Dollar zu haben, sagt Juan Carlos Pina, Manager der Weinkellerei Bodegas de Argentina. Das Weinberg-Projekt von Santa Maria de los Andes besteht aus 110 Einheiten. Die fünf bis 17 Acre großen Grundstücke bieten neben den fertig bepflanzten Weingärten auch Platz für den Bau eines Hauses.

Etwa 45 Minuten weiter südlich, im aufstrebenden Weinanbaugebiet des Uco-Tals, wo auch die Gebrüder Lurton ihr Weingut haben, entsteht mit Vines of Mendoza ein ähnliches Projekt. Zwei US-Amerikaner verkaufen hier Grundstücke ab 50 000 Dollar.

Bis 2010 wollen die beiden ehemaligen Manager aus der Technologie-Branche auf dem Gelände auch eine kommerzielle Weinkellerei und einen Hotelkomplex bauen. Andere Projekte wie Armani Estates oder Finca Los Amigos haben einen etwas bescheideneren Umfang.

Einige Projektentwickler werben damit, dass die Käufer ihre Investitionen in drei Jahren amortisieren können. Dann können sie die erste Ernte ihrer Weinstöcke einfahren. Außerdem können sie ihre Ferienhäuser vermieten.

Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass die Weinberge mehr als ein Liebhaber-Objekt sein werden. „Das Land kämpft wie immer mit der Inflation“, sagt Chuck Bedsole, Direktor bei Alvarez & Marsal Real Estate Advisory Services, die schwerpunktmäßig in Lateinamerika tätig ist. Auch die Grundstückspreise steigen.

Bedsole schätzt, dass Grundstücke für Hotels oder Freizeitanlagen in den vergangenen fünf oder sechs Jahren etwa 200 Prozent teurer geworden sind. Auch die Löhne und andere Kosten für den Weinbau stiegen in den vergangenen Jahren. Außerdem leidet das Land unter politischen Spannungen. Die Landwirte protestieren gegen die Erhöhung der Ausfuhrsteuern. Als Folge von Streiks in der Landwirtschaft kam es in manchen Supermärkten zu Engpässen.

Skeptisch ist auch US-Immobilienhändler David English, dessen Firma English & Associates mit Sitz in Mendoza Kunden Grundstücke in den Anlagen Los Amigos, Armani und Vines of Mendoza vermittelt hat. „Einfach nur Trauben anzubauen, ist kein Geschäft, mit dem man Geld verdienen kann. Geld verdient man, indem man Wein macht und ihn nach Übersee verkauft“, sagt English. „Die Leute kaufen sich in solchen Projekten ein, weil sie eine Beteiligungslösung wollen, bei der sie keine Entscheidungen treffen müssen, und dafür bezahlen sie einen Aufpreis.“

Lee Ashbell aus Vancouver im US-Bundesstaat Washington gehört zur Gruppe der hoffnungsvollen Winzer, die die steigenden Preise zu spüren bekommen. 2006 kauften sich Ashbell und ihr Mann Jim in Mendoza in ein Weinberg-Projekt ein. Für das 18,5 Acre große Grundstück bezahlten sie 90 000 Dollar. Sie hofften, dort Malbec-Wein zu produzieren, so ihre Kosten zu decken und sich schließlich dort zur Ruhe setzen zu können. 2007 pflanzte die Verwaltungsgesellschaft der Ashbells im Auftrag des Ehepaares zusätzlich drei Acres Sauvignon Blanc an. Das sollte zusammen mit der Pflege des gesamten Weinbergs 20 000 Dollar kosten. Doch letztendlich waren die Kosten fast doppelt so hoch.

Dennoch ist das Ehepaar zufrieden mit seinem Weinberg. „Solange das Anwesen sich selbst finanziert, werden wir mit unseren Plänen für den Ruhestand zurechtkommen“, sagt Ashbell. „Wenn man es damit vergleicht, was es in den USA kostet, Land zu kaufen und einen Weingarten anzulegen, ist das immer noch ein hervorragendes Geschäft.“
Quelle: I.Mount
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