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GoMoPa .

Anmeldungsdatum: 25.01.2002 Beiträge: 2266
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Verfasst am: 21.Aug 2005 9:48 Titel: New York - Blick auf Manhattan wird immer teurer |
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Handelsblatt, 19.08.2005
Der Blick auf Manhattan wird immer teurer
In New York spielen die Wohnungspreise verrückt - Reiche Europäer heizen den Markt an. "How much could you spend?", fragt der Makler in seinem cremefarben eingerichteten Büro der Corcoran Group am Broadway, Upper West Side, New York.
Er will wissen, wie viel die Kundin für ein Apartment ausgeben kann. "Maximal 400 000 Dollar", sagt sie zögernd. Die Dame aus Europa qualifiziert sich damit schon als "Low-End"-Kundin, als eine, die am unteren Preisende etwas sucht. "Und wo soll es sein?", will der Makler wissen. Die Kundin möchte am liebsten an der Westside, notfalls auch weiter nördlich kaufen. Der Makler geht an den Computer und druckt eine Liste von Objekten aus. In dieser Preisklasse hat er nur Einzimmer-Apartments. Ein Großteil ist leider schon vergeben. Schnell geht das hier. Ein Apartment ist oft schon nach ein oder zwei Wochen weg. Später ruft der Makler sie noch mal an. "1420 York Avenue - da ist heute Abend um fünf Uhr offenes Haus." York Avenue, das wäre noch Upper East Side, keine schlechte Gegend. Lieber schnell hin, sonst ist das dort auch schon weg.
Wohnungsmarkt New York, 2005. Zwei- bis Dreizimmer-Apartments kosten im Mittel um die 700 000 Dollar, für Luxusausstattung, einen Blick auf den Central Park oder einen aufwendigen Empfangsservice im Apartmenthochhaus blättert der Kunde leicht mehrere Millionen Dollar hin. Um 30 Prozent sind die Preise innerhalb eines Jahres gestiegen, seit dem Jahr 2000 haben sie sich gar verdoppelt. "Die Preise spielen verrückt", sagen selbst erfahrene Makler und warten, dass die Blase platzt.
Verrückte Preise, das spüren auch die "Low-End"-Kunden. York Avenue. Die Straße ist laut, das Apartmenthaus aus den 50er-Jahren schmucklos, innen sind die Wohnungstüren zum fünften Mal schwarz überstrichen. Und dann das Anlageobjekt: 45 Quadratmeter vielleicht. Es wurde oberflächlich renoviert, der Parkettboden hochglanzlasiert, die Wände inklusive der alten Heizkörperkästen weiß übertüncht. "Pinselsanierung" nennen deutsche Altbauexperten so etwas abfällig. Statt der Küche gibt es eine Kochzeile - sieht nach Home Depot aus, der großen Baumarktkette. Die Fenster sind rußig von Abgasen und schmutzigem Regen. "Die Eigentümer sind Schweizer", sagt die Maklerin, "die wollen die Preissteigerungen nutzen, um auf ein größeres Objekt umzusteigen."
Immer weiter nach Norden ist die "line" in Manhattan über die letzten Jahre gerutscht, die Grenze, ab der die Wohnungen günstiger werden, weil dort die armen Leute wohnen. Längst hat die Teuerungswelle Harlem erfasst. In dem Schwarzenviertel kosten die berühmten Brownstones, braune vierstöckige Stadthäuser im Jahrhundertwende-Stil, nahezu zwei Mill. Dollar. Vor ein paar Jahren waren sie noch für 300 000 Dollar zu haben.
Die Preissteigerungen ergreifen jetzt Washington Heights, das nördliche Ende von Manhattan, wo die Hispanics wohnen. Besonders das Viertel in der Nähe der Parks ist längst entdeckt. Washington Heigths? Die Maklerfirma schickt nur eine Aushilfskraft. Wer nicht ständig hier wohnen will, hat kaum eine Chance. 85 Prozent der Wohnungen in Manhatten sind als Kooperativen, so genannten "coops" geführt, in Washington Heights sind es nahezu 100 Prozent. Der Käufer erwirbt dort einen Anteil am Gesamteigentum, und muss in der Regel seine Wohnung selbst nutzen.
Eine geräumige Altbauwohnung in einem Tudor-Komplex mit Gartenanlage ist hier für 400 000 Dollar zu haben. Ein paar Blocks weiter, in einem Art Deco Gebäude, wird es dann ganz herrschaftlich. Zwei Zimmer, Küche, Bad auf 100 Quadratmetern. Hohe Decken, verzierte Säulen, zwei mit Balustraden versehene Stufen führen in das tiefer liegende Wohnzimmer hinab, der Fernblick reicht über die gesamte Bronx. Schade, leider auch ein Coop.
Ausländer brauchen "Condominiums", Wohnungen, die sie auch vermieten können, wenn sie nicht gerade selber da sind. Wohlhabende Europäer, die den günstigen Dollar nutzen möchten, haben für so viel zusätzliche Nachfrage gesorgt, dass große Hotels, wie etwa das "Plaza" ihre Zimmer in Eigentumswohnungen umbauen. Die Liste der Interessenten besteht zum großen Teil aus Europäern, Südamerikanern und Australiern. Im ehemaligen "Windsor"-Hotel, Stadtmitte, kostet der Quadratmeter 16 000 Dollar.
Normalverdiener müssen dorthin ausweichen, wo weder reiche Europäer noch wohlhabende New Yorker wohnen wollen. In Jersey City, auf der anderen Seite des Hudson Rivers, wird eine 50 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung aus der viktorianischen Zeit noch für 180 000 Dollar angeboten. Gartenblick, Stuck, Mosaikbad. Ein kleiner Park mit atemberaubendem Panoramablick auf Manhattan ist nur fünf Minuten entfernt. Araber, Inder oder Hispanics leben hier, längst sind die Fachgeschäfte Billigläden gewichen. Wann die Teuerungswelle hier an kommt, ist ungewiss.
Es ist die Chance, am Rande des Big Apples im Preiskarussell mitzupokern. Doch was ist, wenn ein Mieter nicht zahlt? Wenn eine Leitung platzt? Es kommt die Angst. Acht Stunden Flug weit ist New York weg. Dreimal schaut sich die Interessentin aus Europa die Wohnung an, dann meldet sie sich nicht mehr. Vielleicht hat sie das Geschäft ihres Lebens verpasst.
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