GoMoPa
 
 
 
 
GoMoPa    SuchenSuchen RegistrierenRegistrieren ProfilProfil LoginLogin
FAQFAQ MitgliederlisteMitgliederliste Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen



Das Geheimnis der "Schwarzen Liste"

Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten GOMOPA® : Startseite ->  Foren-Übersicht -> Inkasso & Forderungen
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen 
Autor Nachricht
Goodman
*** Consulter ***


Anmeldungsdatum: 16.01.2002
Beiträge: 5415

BeitragVerfasst am: 29.Okt 2002 16:01    Titel: Das Geheimnis der "Schwarzen Liste" Antworten mit Zitat

Wie ein Inkassounternehmen in Polen durch das Internet für Schlagzeilen sorgte

Sie war da, dann verschwand sie, dann kam sie wieder und verschwand zum zweiten Mal: die "Schwarze Liste" von Schuldnern, die vor einigen Monaten zum ersten Mal im polnischen Internet erschienen ist. Damit sorgte die Firma Jachnicki & Partnerzy, eine Art Wirtschaftsdetektei und Inkassounternehmen, nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für viel Unruhe unter Polens Neureichen - VIPs, Politikern, Geschäftsleuten, Künstlern, Priestern (!), womöglich auch unter Verbrechern. Der PR-Erfolg war für die Jachnicki-Kanzlei jedenfalls überdimensional.

Ein paar hundert Namen von Firmen und Geschäftsleuten, mitsamt Adressen, Schuldenhöhen und einschlägigen Kommentaren - das alles wurde auf der Homepage der Kanzlei veröffentlicht. Doch bald danach meldete sich die Datenschutzbehörde GIODO: laut Gesetz sei so etwas in Polen illegal, auch wenn es sich - wenigstens teilweise - um Personen handelt, die vor Gericht verloren haben. "Wir wissen, dass es gegen die Vorschriften ist, aber es sind schlechte Vorschriften", erklärte die Kanzlei vor der Presse. Erst nach einer gerichtlichen Verfügung und viel Druck seitens GIODO wurde die "Schwarze Liste" aus dem Netz genommen. Doch nicht für immer. Mittlerweile hat GIODO Anzeige erstattet.

Mitte November teilte die Kanzlei mit, bald erscheine eine neue, überarbeitete Liste - jetzt aber auf einem US-Server. "Wir haben mit Amerikanern verhandelt, die daran interessiert waren, die Liste zu übernehmen und auf ihrem Server weiter zu führen", hieß es in der Pressemitteilung. Die neue Liste sollte über 500 Namen enthalten, mit "Personen, die in den Künstler- und Geschäftskreisen bekannt sind". Tatsächlich: unter karkonosze.net.pl/~blacklist/ konnte jedermann u.a. die Privatanschrift einer berühmten Schauspielerin erfahren, sowie von angeblichen Machenschaften einiger sehr bekannten Personen und Firmen lesen. Wo genau wurde die neue Liste gehostet? Die Spur (traceroute) führt nach Chicago. Kein Wunder: dort wohnen die meisten Exilpolen in Amerika. Ein Link zu der Liste sollte auf der Homepage der Kanzlei angegeben werden (in Polen ist man für Inhalt externer Webseiten nicht verantwortlich).

Doch nun geschah ein Wunder: nach einer sehr kurzen Zeit verschwand die neue Schwarzliste vom Netz wieder. Während dieser Text entsteht, kann man die URL in Chicago gar nicht mehr erreichen: "Sorry, server too busy", heißt es dort. Und bei Jachnicki gibt es keinen Link, sondern die folgende Mitteilung: "Wir haben die folgende Nachricht erhalten: >>Es tut uns leid, aber ein so großes Interesse an der schwarzen Schuldnerliste überstieg unsere Erwartungen. Mangelnde Anpassung unserer Hardware- und Softwareplattform führte dazu, dass die Liste auf einen anderen Server mit besseren technischen Parametern muss. Dieser Server wird bald gleichzeitig, problemlose Besuche von mehreren tausend Personen täglich ermöglichen".

Und da man selbst den anonymen Inhaber der Website nicht erreichen kann ("Unser Server ist vorläufig außer Betrieb, wir bitten um Verzeihung"), kann man nun glauben, was man will. Zum Beispiel, dass der Rechner tatsächlich die Invasion von vorsorglichen Geschäftsleuten und der neugierigen "Meute" nicht überlebte oder dass der neue Listeninhaber von irgendjemand bedroht wurde. Möglich ist alles.

Wie die ganze Affäre auch immer enden wird, so kann Jachnicki und sein Unternehmen von einem Riesenerfolg sprechen. Mit Stolz präsentiert er auf seiner polnischen Homepage zahlreiche Presseartikel, die seit Sommer für seine Kanzlei mehr oder weniger werben. Journalisten erzählen da von einer professionellen Firma, die ihre Fälle innerhalb von 4 Wochen erledigt. Methoden werden "selbstverständlich" nicht genannt, nur vom psychologischen Druck ist dort die Rede. Unter anderem, dass die Kanzlei in Deutschland russisch sprechende Detektive einsetze: der Schuldner wisse dann nicht, ob er mit einem Detektiv oder mit einem Mafiosi aus Russland zu tun hat. Erwähnt wird auch, dass die Kanzlei von bewaffneten Security-Agenten bewacht werde, weil sie immer wieder Drohungen bekomme.

Polnische Medien nahmen bei der Gelegenheit auch das Thema "Schulden, Betrüger und die Justiz" unter die Lupe. Neues wurde aber nicht entdeckt: der Staat ist macht- und ratlos, seine Justiz gelähmt, selbst ein rechtskräftiges Gerichtsurteil ist nur ein Stück Papier - der Schuldner hat 1001 Wege, um dem Gerichtsvollzieher ins Gesicht lachen zu können. Meistens ist er dann absolut blank, obwohl er sich zum Staatsanwalt oder zur Verhandlung mit einem nagelneuen Audi oder Mercedes begibt. Das Auto gehöre halt seinem Bruder, seiner Ex-Frau usw. Und weil die Justiz nichts erreichen kann, eröffnet sich ein Spielraum für legale und illegale Inkassounternehmen. Gerüchten zufolge handeln dabei einige nach der erprobten Methode: "Geld zurück oder es gibt was auf die Fresse".

Und so spielen Polens Neureiche. Die Normalverdiener schauen zu und klatschen Beifall. "Klar, die Betrüger gehören auf die Liste, man hat ja das Recht zu wissen", heißt es in Internetkommentaren und Straßenumfragen. Dass eine solche Liste illegal ist, spiele dabei keine Rolle: irgendwie müsse man ja die hinterlistigen Schuldner klein kriegen.

Dabei ist offensichtlich ein Exempel statuiert worden: selbst manche Wohnungsgesellschaften hängen bereits die Listen ihrer Schuldner an das schwarze Brett: ohne Namen, nur die Haus- und Wohnungsnummern stehen darauf. Angeblich reicht das oft, um die Mietschuldner endlich zur Kasse zu bitten. "Das ist recht so", empört sich ein Mütterchen vor der Fernsehkamera. "Sehen Sie, zum Beispiel mein Nachbar: der kann sich sogar ein Auto leisten, seine Miete soll er also auch bezahlen!".

Doch der kleine Mann von nebenan und der polnische Kleinunternehmer haben nach wie vor keine Chance, sein Geld zurück zu erhalten, wenn er betrogen oder bestohlen wird. Kaum ein Anwalt rührt sich vom Sessel, wenn es sich um 1000 oder 3000 Zloty handelt. Für das Opfer lohnt es sich nicht einmal, vors Gericht zu ziehen: man kann nur vorsorgen oder beten.

Und die Reichen? Sie werden noch reicher. Genauso wie - wahrscheinlich - Jachnicki & Partnerzy, deren Erfolg sogar messbar ist. In den bereits erwähnten Presseartikeln vom Sommer wiederholt sich nämlich die folgende Angabe: die Kanzlei beschäftige sich mit Schulden ab 20 000 Zloty im Inland sowie ab 40 000 Zloty im Ausland. Und auf der neulich umgebauten Homepage der Kanzlei heißt es bereits: ab 40 000 und 100 000 Zloty.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden www.finanzkatalog24.net www.finanzblog24.net Werben mit GoMoPa® Beschwerde erheben
Beiträge vom vorherigen Thema anzeigen:   

Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten     Foren-Übersicht -> Inkasso & Forderungen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehen Sie zu:  
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Ähnliche Beiträge
Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Frankreich: "Datenbank potenziel... Moderator GM&P Kommentare & Meinungen 0 24.Jul 2008 1:07 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Bundesanleihe "Schatzdepot" Moderator GM&P Kapitalanlage 0 16.Jul 2008 14:23 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Buchtipp: "Die Logik des Irrtums... Moderator GM&P Tipps, Adressen und Möglichkeiten 0 11.Jul 2008 16:04 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Durchbruch oder Sackgasse in der &quo... hdschulz Kommentare & Meinungen 0 10.Jul 2008 11:56 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Finanzierung von "structured Fun... hippler Wer kennt, was meint Ihr dazu? 2 8.Jul 2008 16:54 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge ZenZuu - Das "Youtube" mit ... Fruity Concepts Sammelsurium der Networker 0 27.Jun 2008 17:13 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge "verschwundene Beiträge"????? Schwabenpower Support 5 25.Jun 2008 12:00 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Abmahn-Verein "Online-Fair-Trade... GM&P Info VORSICHT! 0 12.Jun 2008 7:36 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Der Deutsche Investment Report und &q... Moderator GM&P Kapitalanlage 0 5.Jun 2008 18:37 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Man nannte ihn den "König der Kr... Moderator GM&P Kommentare & Meinungen 0 3.Jun 2008 15:31 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge "Kompetenzzentrum Bankgeschäft&q... NOMOCON Allgemeines 0 2.Jun 2008 11:44 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge HIS - das "Hinweis- und Informat... Moderator GM&P Versicherungen, Aktien, Fonds 1 29.Mai 2008 21:38 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Monaco - Neuer Stadtteil "Le Por... Moderator GM&P Immobilie - Europa 0 25.Mai 2008 11:23 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Finanzdienstleister "Vermögensbe... Moderator GM&P Kapitalanlage 2 25.Mai 2008 6:52 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Finanzinstrument "Club Deal" Moderator GM&P Kapitalbeschaffung 0 24.Mai 2008 10:50 Letzten Beitrag anzeigen


Powered by phpBB © phpBB Group
 
 

Copyright 2000-2008 - GoMoPa® - Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC
Impressum | Presse | Investor Relations | Kooperation | Forenwerbung | Downloads | Newsletterwerbung | Sitemap | Partnerprogramm | Bannergenerator | Polizei-STA-Behoerden | Premiumaccounts | Werbung | Finanzlinks | Beschwerde

Katalog für Finanzen | Suche für Finanzen | Blog für Finanzen