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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4940 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 30.Jan 2005 14:52 Titel: Wie Firmen auf dem Friedhof landen |
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Zum Thema "Plattmacher" und "Firmen-verleger" gibt es auch im Gomopa.net Forum einige Beiträge.
Eine Auswahl finden Sie hier: (klicken Sie auf die Beiträge)
GmbH Insolvenz und Lösungen
Insolvenz- die Plattmacher
Rechtsanwaltskanzlei Marbella
Sitzverlegung einer deutschen GmbH ins EU-Ausland möglich?
Sofirag AG >>> Salida GmbH >>> Juricon GmbH - wir helfen
Einen besonders guten finden sie hier: klick >>> Firmenbestatter und GmbH-Entsorger - vom User Balduin , der bereits auch häufig im Internet zu finden ist. Heute greift die WamS dieses Thema auf und berichtet über:
| Zitat: |
Wie Firmen auf dem Friedhof landen
Betrügerischer Bankrott hat Konjunktur. Gläubiger, Mitarbeiter und der Staat haben das Nachsehen
Seit 1997 gibt es beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungsgruppe "Platt". Sie soll Fälle betrügerischen Bankrotts aufdecken. Und das macht sie mit Erfolg. Am 17. September stellte sich, bepackt mit mehreren Reisetaschen, im Kriminalgericht Berlin-Moabit der 37jährige Patrick Schneider den Behörden. Er habe dem Fahndungsdruck nicht mehr standgehalten, sagte er. Schneider gilt laut Polizeibericht als Kopf einer bundesweit tätigen Betrügerbande. Deren Spezialität sind sogenannte "Firmenbestattungen: Konkursreife GmbHs wechseln kurzfristig den Inhaber und Geschäftsführer sowie den Firmensitz. Zurück bleiben geprellte Gläubiger, verzweifelte Mitarbeiter, dazu unbezahlte Steuern und Abgaben. Dieses Geschäft hat konjunktur seit der Talfahrt der Wirtschaft. Angebote findet man mittlerweile sogar im Internet.
"So sanieren Sie clever" oder "Sofortige Übernahme mit allen Verbindlichkeiten", heißt es in den Anzeigen. Wenn die Firma überschuldet ist, sich unbezahlte Rechnungen häufen und womöglich ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung droht, sehen manche GmbH-Inhaber und Geschäftsführer darin den rettenden Strohhalm. Denn mit dem Verkauf erlischt ihre Haftung, auch bleibt ihnen am Heimatort die Schmach der Pleite erspart. Beim ersten Treffen erfahren sie, daß die begleitende "Wirtschaftsberatung" 10 000 bis 15 000 Euro kostet, in schwierigen Fällen auch schon mal 50 000 Euro. Gibt die Firmenkasse das nicht mehr her, muß das Privatvermögen herhalten, notfalls eine Lebensversicherungspolice oder der Schmuck der Ehefrau. Ein Kaufinteressent ist überraschend schnell gefunden, der Notartermin in der Regel schon nach zwei, drei Tagen. Um nicht selbst in eine Haftungssituation zu geraten, treten Firmenbestatter selten selbst als Erwerber auf, sondern setzen Strohmänner ein. Sozialhilfeempfänger reüssierten schon als Chef von 30 Firmen - für 500 Euro pro Unterschrift. Den Verkäufer interessieren keine Details. Ihm bleibt nur noch die Aufgabe, seine Geschäftspartner zu unterrichten. Beliebteste Floskel ist, das Lebensziel sei erreicht, gefolgt von der "angegriffenen Gesundheit". Der "Nachfolger" beruft an Ort und Stelle - der Notariatskaffee ist noch nicht erkaltet - eine Gesellschafterversammlung ein, bestellt sich zum Alleingeschäftsführer und verlegt den Sitz der Firma, meist an eine Sammeladresse in irgendeiner Großstadt. Etwa noch vorhandenes Firmenvermögen wird in einer bereits vorbereiteten Blitzaktion verkauft - Maschinen, Fahrzeuge, Schreibtische, Computer verschwinden über Nacht. Mitarbeiter stehen vor dem Nichts; haben nicht einmal Anspruch auf Insolvenz- oder Arbeitslosengeld und müssen der Arbeitsagentur erst ihre Lage begreiflich machen. Mit der Eintragung ins Handelsregister ändern sich meist auch Firmenname und Geschäftszweck. Im nächsten Schritt wird ein Geschäftsführer im EU-Ausland eingesetzt und auf eine ausländische Rechtsform wie die englische "Ltd." oder die spanische "Blitz-GmbH" gewechselt, was etwaige spätere Ermittlungen erschwert. Spanische und deutsche GmbH-Gesetze seien kaum vergleichbar, so der Chef der Berliner Fahnder, Jörg Dessin. Für eine Amtshilfe, etwa die Beschlagnahme der Geschäftsunterlagen, fehle oft die erforderliche Rechtskongruenz. Ein häufiger Trick sind unvollständige oder fehlerhafte Adreßangaben bei den Registereinträgen. Nachforschungen laufen ins Leere, gerichtliche Titel können nicht zugestellt werden. Das Ausmaß der illegalen Praktiken ist laut Dessin schwer zu beziffern. Schließlich gelte es, in jedem Einzelfall den konkreten Nachweis für ein Insolvenzvergehen zu führen. Doris Möller, Justitiarin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, schätzt die Dunkelziffer auf bundesweit mehrere tausend Firmenbestattungen pro Jahr. "Nicht selten betreut ein einzelner Bestatter 80 bis 100 GmbHs mit Gläubigerschäden zwischen 300 000 und zehn Millionen Euro", so Martin Ostgathe, Vorstand der Zyklop Inkasso Deutschland AG, Krefeld. Dubiose Sanierungsberater gebe es in fast jeder deutschen Großstadt. Für die inzwischen bei fast allen Landeskriminalämtern gebildeten Ermittlungsteams bedeutet die Aufklärung eine Menge Kleinarbeit. Eine Art Rasterfahndung soll aus Tausenden von Firmenverkäufen oder Geschäftsführerwechseln Indizien für kriminelles Handeln herausfiltern. Bei den Handelsregistern wird beobachtet, ob bestimmte Namen, etwa die von neuen Inhabern oder Geschäftsführern, gehäuft in Erscheinung treten. Dabei leisten elektronische Datenbanken gute Dienste. Wenn eine Firma an einen bekannten Aufkäufer ver- äußert wurde, besteht der Anfangsverdacht einer Konkursverschleppung. Als hilfreich erweist sich auch der verbesserte Informationsfluß innerhalb der Behörden. Registerbeamte, die früher so gut wie alles besiegelten, was ihnen auf den Tisch kam, verweigern heute schon mal eine Beurkundung, wenn sie illegale Prak- tiken vermuten, und informieren die Kripo. Wenn die Fahnder in Aktion treten, sind die Geschäftsunterlagen zwar meistens schon verschwunden. Ersatzweise wird das Geschehen durch Zeugenaussagen und Bankbelege rekonstruiert, was - so Dessin - schon zu manchem Volltreffer geführt habe. Dem Altgesellschafter wird auch zum Verhängnis, daß er in der Vorfreude, seine Sorgen auf einen Schlag loszuwerden, im Berater- und Kaufvertrag das Kleingedruckte überlesen hat. Darin werden die Verantwortung für das Geschäft und die Folgen auf den Verkäufer abgewälzt. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis für einen besonders schweren Fall von Bankrott. Finanziell haftet er zwar nicht mehr, als hätte er ordnungsgemäß Insolvenz angemeldet. Jedoch ist ihm, weil er sich strafbar gemacht hat, ein Verbraucher-Insolvenzverfahren mit anschließender Restschuldbefreiung verwehrt. Am Ende steht nicht die erhoffte Rettung, sondern der Ruin. Der Notar muß sich womöglich wegen Beihilfe verantworten, ebenso der oft ahnungslose Strohmann. Der Firmenbestatter kommt nicht selten ungeschoren davon. Er ist für die Staatsanwaltschaften zwar Mittäter, unter Umständen sogar Anstifter. Jedoch bevorzugt die Zunft den Wohnsitz im Ausland und ist schwer zu fassen. Freude bereiteten den Fahndern die weniger Raffinierten - die- jenigen, die Firmenunterlagen einfach auf einem Acker im Brandenburgischen unterpflügten. Die Kripobeamten wurden in 50 Zentimeter Tiefe fündig. Oder Leute wie Patrick Schneider, die die Nerven verlieren und das Beweismaterial taschenweise frei Haus liefern.
von Manfred Godek |
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