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Bevölkerungsschwund setzt Finanzbranche zu

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Goodman
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Anmeldungsdatum: 16.01.2002
Beiträge: 5416

BeitragVerfasst am: 5.März 2005 11:24    Titel: Bevölkerungsschwund setzt Finanzbranche zu Antworten mit Zitat

Der demographische Wandel stellt Banken und Versicherer vor neue Herausforderungen: Die Kunden werden immer älter, wollen andere Produkte und eine individuelle Beratung. Der Wegzug vieler Menschen aus strukturschwachen Regionen zwingt die Institute zu neuen Vertriebswegen und Fusionen.

Die Bevölkerungsentwicklung mit immer weniger und zunehmend älteren Menschen in Deutschland fordert die Finanzdienstleister heraus. Während der Süden oder der Rheingraben mit dem Zuzug von Menschen rechnen, müssen sich Ostdeutschland oder das Ruhrgebiet auf eine weitere Abwanderung einstellen.

Diese Trends werden nach Ansicht des Leiters der volkswirtschaftlichen Abteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Bernd Kubista, die Struktur der Finanzdienstleister in Deutschland entscheidend beeinflussen. Von einer "strategischen Herausforderung für die Banken und Versicherungen" spricht Heiner Leisten, Unternehmensberater bei Boston Consulting (BCG).

Laut Statistischem Bundesamt wird die Zahl der Bundesbürger bis 2050 von 83 auf 67 bis 75 Millionen sinken, ein gewisses Maß an Zuwanderung bereits eingerechnet. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung wird dann älter als 50 Jahre sein. Heute liegt der Schnitt bei 40.

Von dieser Entwicklung dürften Anbieter und Produktgruppen unterschiedlich betroffen sein. So erwartet die Unternehmensberatung BCG auf Grund der demographischen Veränderung beispielsweise eine stagnierende Nachfrage nach Sachversicherungen. Weniger Menschen brauchen weniger Wohnraum, weshalb weniger Gebäudeversicherungen verkauft werden dürften. Wachsen werden Unternehmen in solchen Sparten künftig wohl nur noch durch Verdrängungswettbewerb. Auch Baufinanzierer stellen sich auf geringeres Wachstum ein. "Für die Baufinanzierung bedeutet die demographische Entwicklung, dass es nicht mehr ein so rasantes Wachstum wie früher geben wird", sagt der Vorstandschef von Schwäbisch Hall, Alexander Erdland.

Ganz anders die Situation bei Vorsorgeprodukten: Angesichts des Umbaus der sozialen Sicherungssysteme mit einer Verlagerung der Vorsorge zu privaten und betrieblichen Lösungen bietet dieser Markt trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen Wachstumsmöglichkeiten.

Wachsenden Einfluss auf das Geschäft eines Finanzdienstleisters dürfte künftig dessen Verbreitungsgebiet haben. Im Nachteil sind alle Finanzdienstleister, die ihre unter Bevölkerungsschwund leidende Region nicht verlassen können. Dies betrifft eine Sparkasse oder Volksbank ebenso wie den regionalen Versicherer. So gilt für die Sparkassen das Regionalitätsprinzip, die Institute dürfen nur in der Region ihres kommunalen Trägers aktiv sein.

Müssen Institute in schrumpfenden Regionen zwangsläufig mitschrumpfen? "Nein", sagt ein Sprecher der Sparkasse Essen und verweist auf die Entwicklung im eigenen Geschäftsgebiet. Während die Bevölkerung innerhalb von zehn Jahren in der fünftgrößten deutschen Stadt um 5,3 Prozent abnahm, konnte die Sparkasse ihre Bilanzsumme um knapp 60 Prozent steigern. Dies gelang auch, weil sich Konkurrenten teilweise aus dem Firmenkundengeschäft zurückzogen. Auch in Zukunft setzt die Bank auf solche "Fluktuationsgewinne". Zudem soll durch die Wirtschaftsförderung die Attraktivität der Stadt ausgebaut werden. Die Sparkasse Wuppertal will die Abwanderung von Menschen in die umliegenden Gemeinden beeinflussen. "Wir versuchen, durch verstärkte Bauträgermaßnahmen mehr Menschen in Wuppertal zu halten", sagt Dietmar Hojenski, Mitarbeiter des Vorstands.

Experten erwarten, dass die demographische Entwicklung den Konsolidierungsprozess im Finanzgewerbe vorantreiben wird. "Vieles spricht für Fusionen von regionalen Banken oder Versicherern", sagt BCG-Berater Leisten. Die Bildung regionaler Flächenbanken in stark von Abwanderung betroffenen Gebieten hält auch Bernd Kubista für wahrscheinlich. Diese Entwicklung dürfte angeheizt werden, sollte die Schaffung von Bankfabriken in größerem Ausmaß unterbleiben, sagt Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (siehe: "Geschäfte werden schrumpfen").

Der Genossenschaftsverband Frankfurt stellt sich schon heute auf die demographische Veränderung ein. Der Verband wird demnächst im Rahmen eines Pilotprojekts an drei Orten, die keine Bankfilialen mehr haben, Mitarbeiter einsetzen, die einfache Bankgeschäfte für die Leute vor Ort erledigen. "Das können auch Menschen sein, die das nebenberuflich machen wollen, etwa ehemalige Mitarbeiter oder Teilzeitkräfte", erklärt Walter Weinkauf, Präsident des Genossenschaftsverbands Frankfurt. "Das Modell könnte ähnlich erfolgreich werden wie die mobilen Vertriebseinheiten", prognostiziert Weinkauf. Das so genannte Agentur-Konzept unterscheidet sich vom mobilen Vertrieb vor allem darin, dass es sich auf einfache Bankdienstleistungen beschränkt. "Eine komplette Finanzplanung bekommen Sie bei der Agentur nicht", sagt Weinkauf.
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