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EU-Zentralregister rückt in weite Ferne

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6286

BeitragVerfasst am: 4.Okt 2007 14:37    Titel: EU-Zentralregister rückt in weite Ferne Antworten mit Zitat

Das Ziel der Europäischen Kommission war hoch gesteckt: In jedem EU-Mitgliedsland sollten Anleger und Analysten über eine Internetseite alle wesentlichen Finanzinformationen heimischer Unternehmen finden - vom Großkonzern bis zum börsennotierten Mittelständler. Seit Jahresanfang sollte die Transparenzrichtlinie samt nationalem Zentralregister umgesetzt sein. Doch die aktuelle Bilanz ist ernüchternd.

Nach Recherchen haben nur Deutschland, Österreich, die Niederlande, die skandinavischen sowie die baltischen Länder ihre Pflicht erfüllt und zentrale Register mit einfachen Suchmasken sowie Informationen in Englisch aufgebaut. Die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied bietet diesen Service ebenfalls an. In sieben Ländern konnten sich die Verantwortlichen dagegen noch nicht einmal auf einen Plattformbetreiber einigen.

Damit rückt auch die eigentliche Idee der Kommission, die komplette Vernetzung aller europäischen Zentralregister, in weite Ferne. Ziel dabei ist es, dass Aktionäre ab dem Jahr 2009 über eine Internetadresse an alle Finanzinformationen wie Bilanzen, Halbjahresergebnisse, Stimmrechtsmitteilungen oder Emissionsprospekte der europäischen Unternehmen gelangen.

Diesen Rechercheluxus für Investoren gibt es derzeit teilweise nur in den USA. Dort sind bei der Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) alle wichtige Unternehmenseingaben einsehbar.

"Eine Entscheidung darüber, welcher technische Standard für die Vernetzung in Europa gewählt werden soll, hätte nach dem ursprünglichen Zeitplan jetzt gefällt werden sollen", sagt Reinhold Röhrig, Berater beim Investor-Relations-Service Euro Adhoc. Sie stehe aber noch aus. "Die Vernetzung wird kommen, aber das kann noch Jahre dauern", sagt Rechtsanwalt Thorsten Kuthe.

Noch kämpfen Unternehmen und die Betreiber der nationalen Zentralregister mit Startschwierigkeiten. In Deutschland etwa reichen die Firmen ihre Dokumente beim Unternehmensregister im schreibgeschützten PDF-Format ein. "Das kann jedoch nicht automatisch umgewandelt werden und muss für das Register manuell aufgearbeitet werden, was Zeit und Geld kostet", sagt Röhrig. Außerdem gebe es viele Details zu den Veröffentlichungspflichten, die zwischen den Unternehmen und der Aufsicht noch geklärt werden müssten, sagt Kuthe.

Grundsätzlich habe sich die Verbreitung der Unternehmensinformationen in Deutschland jedoch eingespielt. "Für die Investoren ist das in jedem Fall eine gute Sache", so Kuthe. Röhrig pflichtet diesen Aussagen bei: "Vor allem die europaweite Standardisierung der Mitteilungspflicht plus die einheitlichen Fristen für die Veröffentlichung bedeuten einen riesigen Fortschritt für Anleger."

Kuthe überrascht aus der Erfahrung vergangener EU-Projekte nicht, dass Anleger in einigen EU-Ländern überhaupt noch keine Zentralregister vorfinden. Dazu gehört mit Italien ein Land, in dem europäische Indexschwergewichte wie der Energiekonzern Eni oder die Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit ihren Sitz haben. In Spanien gibt es zwar Internetseiten mit Unternehmensinformationen - allerdings fehlen Eingabemasken. Das erschwert die Suche der Aktionäre etwa nach Stimmrechtsmitteilungen oder Director's Dealings, zwei von sechs EU-weit vorgeschriebenen Pflichtveröffentlichungen.

Überrascht haben Experten die Probleme in Großbritannien. Hier stellte sich die Einigung auf einen Betreiber eines zentralen Registers als bisher noch ungelöstes Problem heraus. Immerhin ist zumindest die Financial Services Authority (FSA) mit den wichtigsten Datensammelstellen wie Business Wire, Hugin oder Marketwire verlinkt.
Quelle: FTD
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