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US-Aufsichtsbehörden: CFD sind verboten

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6446

BeitragVerfasst am: 12.Apr 2007 17:05    Titel: US-Aufsichtsbehörden: CFD sind verboten Antworten mit Zitat

Auf neuen Börsenplattformen können Kleinanleger handeln wie Profis: schnell, einfach - und mit enormem Risiko. Die Vermarkter beteuern, keine Laien anzusprechen. Doch ihr Angebot verleitet zum Zocken.

Diese Software ist eine Revolution: Keine langatmigen Anrufe bei den Banken mehr, keine Passwortsuche, keine nervige Eingabe der Transaktionsnummern. Ein Mausklick genügt, schon ist man mitten drin in den internationalen Aktienmärkten. Online, in Echtzeit, sekundenschnell. Wie ein richtiger Profihändler. DaimlerChrysler geht hoch? Einsteigen, kaufen! 5000 Stück im Wert von 300.000 Euro mit nur 9000 Euro Einsatz. Klick. Da, Telekom steigt! Kaufen, 10.000 Aktien für 3750 Euro. Klick. Mist, Telekom fällt wieder - Position drehen! Ja, das Konto steigt! Adrenalin schießt durch den Körper. Was macht noch mal die Daimler-Aktie?

"Das hier ist die höchste Stufe", sagt der grauhaarige Mann ehrfurchtsvoll und blickt schnell wieder auf seinen Bildschirm. Dabei absolviert er bloß Trockenübungen, wie alle hier im Frankfurter Schulungsraum von CMC Markets. Es läuft der Einführungskurs für Markets Pro, eine Plattform, über die der britische Finanzdienstleister ein ebenso spektakuläres wie umstrittenes Kapitalmarktprodukt vermarktet: Contracts for Difference (CFD). In Großbritannien sind diese Derivate der Renner: An der London Stock Exchange ist der CFD-Handel bereits für 30 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Im Hintergrund agieren zumeist Wertpapierhändler von Banken oder professionelle Daytrader. Jetzt greifen die CFD-Anbieter den deutschen Markt an - und ködern vor allem Privatanleger.

Neben dem Marktführer CMC sind auch Anbieter wie das niederländische Institut ABN Amro oder die dänische Saxobank hierzulande auf Kundenfang. Sie treffen auf eine boomende Nachfrage: Deutsche Privatanleger hielten 2006 derivative Wertpapiere im Wert von 110 Mrd. Euro, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. "Das sind Instrumente, die große Zukunft haben", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Und fügt hinzu: "Aber für den normalen Anleger ist das nichts."

Doch Hobbyspekulanten erliegen leicht dem Reiz der CFD-Plattformen: Sie sind schneller als alle bisherigen Wertpapierhandelssysteme. Sie sind leicht zu bedienen. Und sie bieten einen Kick: gigantische Renditechancen bei geringem Einsatz.

CFD-Käufer wetten auf Kursveränderungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen. Steigt der Index nur um ein Prozent oder 70 Punkte - das passiert mitunter binnen einer Stunde - macht der Zocker 7000 Euro Gewinn, hat den Einsatz glatt verdoppelt. Das Gewinnpotenzial, der sogenannte Hebel, liegt damit 100-mal so hoch wie bei konventionellen Indexzertifikaten. Die Kehrseite: Bereits ein Minus von einem Prozent reicht, um den Einsatz zu vernichten. Und das Potenzial nach unten ist offen. Übersteigt der Verlust die Einlage, muss der Anleger sofort nachzahlen - oder sein CFD wird zwangsverkauft.

Die CMC-Werbespots auf dem Fernsehsender N-TV zeigen solche Abgründe nie. Hier macht David, der smarte Daytrader, mit CFD-Spekulationen den großen Reibach. Ständig wird sein Kontostand eingeblendet, und der klettert unaufhaltsam nach oben: 100.000 Euro, 102.000 Euro, 103.000 Euro, 104.000 Euro. Dabei muss David kaum etwas dafür tun. Der Dax bricht ein? David drückt auf sein WAP-Handy, geht short. Prompt schießt das Konto wieder hoch, 4000 Euro Gewinn in sechs Sekunden. David lacht, bestellt Champagner und widmet sich seinen zwei Gespielinnen. So einfach ist es, erfolgreich zu sein. Zumindest in der Werbung.

In der CFD-Wirklichkeit ist es weitaus leichter, seinen gesamten Einsatz zu verlieren. "Einige meiner Bekannten haben 3000, 4000 Euro bei CMC reingesteckt", erzählt Thorsten Borsch, "und in ein paar Stunden waren sie alles los." Borsch ist Daytrader. Seit acht Jahren finanziert er seinen Lebensunterhalt mit Wertpapiergeschäften. Er hat den New-Economy-Hype erlebt, das Platzen der Blase, den Wiederaufstieg der Kurse. "Die Börse ist eine fantastische Einrichtung", sagt er. Die neuen Plattformen sind jedoch selbst ihm zu heiß: "Ein Hebel von 100 ist jenseits von Gut und Böse." Früher hätte man noch über jeden Deal nachdenken können. "Bei CMC schaut man dem Konto zu, wie es im Sekundentakt wächst oder schrumpft", sagt Borsch, "und dann macht man Fehler." Die neuen Plattformen seien nur für echte Profis geeignet.

Für solche Investoren wurden die CFD ursprünglich konzipiert: in den 80er-Jahren, als der britische Staat eine Steuer auf Aktiendeals einführte. Um dieser zu entgehen, suchten findige Großinvestoren einen Umweg - und fanden ihn. Sie kauften Wertpapiere nicht mehr an der Börse, sondern konstruierten Verträge mit den Verkäufern, die diese verpflichteten, die Differenz zwischen dem aktuellen Kaufkurs und einem späteren Verkaufskurs bar zu begleichen: Die CFD waren geboren.

Kurz darauf entdeckte der Händler Peter Cruddas das Potenzial dieser Kontrakte für den Privatanleger-Markt. Er gründete CMC Markets, ließ sich eine leicht bedienbare Software für Internetnutzer entwickeln und schuf so die Mutter aller CFD-Plattformen. Seither geht es Cruddas wie dem TV-Daytrader David - mit jedem Klick vermehrt sich sein Vermögen. CMC kassiert gleich dreifach von den Anlegern: den Unterschied zwischen An- und Verkaufskursen, Ordergebühren sowie Zinsen für Kaufpositionen, die über Nacht gehalten werden.

Mittlerweile soll Cruddas ein Vermögen von 800 Mio. Pfund (1,18 Mrd. Euro) besitzen. Vor wenigen Wochen kürte die "Sunday Times" den 53-Jährigen zum reichsten Mann der Londoner City, "Management Today" adelte ihn zu Großbritanniens "Unternehmer des Jahres". Insgesamt seien über CMC Markets 2006 weltweit Transaktionen im Wert von 620 Mrd. Euro gelaufen, berichtet Stefan Riße, Direktor der deutschen Niederlassung in Frankfurt. In Deutschland waren es bereits 106 Mrd. Euro. Fünf Jahre lang kommentierte Riße bei N-TV die Börse. Jetzt preist er für CMC die Plattform auf Anlegermessen und Roadshows an. Dabei hat CMC den einfachen Privatanleger nach eigenem Bekunden gar nicht im Auge. "Unsere Spots richten sich an Trader", beteuert Riße.

Der Erfolg der TV-Kampagne, dessen sich die von CMC beauftragte Werbeagentur Wirkstoff rühmt, lässt andere Schlüsse zu: 63 Prozent der Zuschauer der N-TV-Sendung "Telebörse" seien durch die Filmchen neugierig auf CMC Markets geworden, hat Wirkstoff in einer Studie ermittelt. Fast ein Drittel habe auf die Website geklickt, wo Neukunden zeitweise 100 Euro Abschlussprämie versprochen wurden. Einen Daytrader dürfte diese Summe ebenso wenig locken wie die Gratisausgabe von Rißes Buch "CFDs simplified" oder der geringe Mindestanlagebetrag von 1000 Euro.

"CMC versucht, das Programm an jeden X-Beliebigen zu verkaufen", kritisiert Daytrader Borsch. Dem Unternehmen genügt es, wenn Neukunden ein vierseitiges Formular ausfüllen, in dem sie über ihre Börsenerfahrung Auskunft geben. Nachgeprüft werden die Angaben nicht. Ist die erste Überweisung angekommen, erhalten die Kunden einen Prospekt, in dem sie auf die Risiken hingewiesen werden. So verlangt es der Gesetzgeber. Beim Kunden hängen geblieben ist meist jedoch der Slogan, mit dem CMC bis vor Kurzem warb: "Old School: Aktien muss man liegen lassen. New School: Aber nur ein paar Minuten."

Anlegerschützer Kurz sind solche Parolen suspekt: "Die Gefahr ist groß, dass Anleger Risiken eingehen, die sie nicht überschauen." Und so fordert der Bremer Psychologieprofessor Gerhard Meyer eine verschärfte Kontrolle durch den Staat. "Die Anbieter blenden in ihren Warnungen die emotionale Komponente aus, und hier handelt es sich um Zockerprodukte par excellence", kritisiert der Forscher. Der Staat müsse die Plattformbetreiber zu denselben Vorsorgemaßnahmen zwingen wie Glücksspielanbieter. Das hieße: Verbot aggressiver Werbung, intensive Mitarbeiterschulung, rigide Zugangskontrollen sowie umfangreiche Programme zur Prävention und Früherkennung von Suchtfällen.

Die Finanzaufsichtsbehörde BaFin sieht keinen Handlungsbedarf. CFD seien legale Finanzmarktinstrumente, die nur auf Marktmanipulation und Insiderhandel überprüft werden müssten. Für Glücksspiel sei man ohnedies nicht zuständig.

Tatsächlich trägt der CFD-Handel Züge des Zockens. "Ich kenne Leute, die können nachts nicht mehr schlafen, weil sie vor ihrem Bildschirm sitzen, um zu gucken, was gerade an Japans Börsen vor sich geht", erzählt Daytrader Borsch. Diese Menschen seien vor sich selbst zu schützen. Man müsse ja nicht gleich so weit gehen wie die US-Aufsichtsbehörden. Im Mutterland des Kapitalismus sind CFD verboten.
Quelle: FTD
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Anmeldungsdatum: 27.04.2005
Beiträge: 2025
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 13.Apr 2007 10:34    Titel: Antworten mit Zitat

@Moderator GM&P,

es ist immer so: Was der eine gewinnt, muss ein anderer verlieren. Die Börse ist ein Katz- und Maus-Spiel. Die Schwierigkeit ist jedoch, zu erkennen, wer die Katze ist.

Struckischreck
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