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Anmeldungsdatum: 18.01.2006 Beiträge: 4266
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Verfasst am: 20.Aug 2008 12:54 Titel: Vorsicht vor der Langfristcharter |
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Vom Sicherheitsnetz zum Renditegrab:
Langfristige Charterverträge machen Anlegern immer weniger Freude. Galt ein sechs- bis zehnjähriger Mietvertrag für Schiffe einst als Garant für zuverlässige Erträge, reichen die Einkünfte vieler Fonds heute gerade noch zur Deckung der laufenden Kosten. Der Grund sind die explodierten Ausgaben für Reparaturen, Mannschaft und Schmieröl, welche die Schiffsfonds aus den fixen Einnahmen bezahlen müssen. Daher konzentriert Maritim Invest seinen Ankauf von Schiffsbeteiligungen am Zweitmarkt jetzt noch stärker auf Schiffsfonds mit kürzeren bis mittelfristigen Charterlaufzeiten. Auch Anleger, die derzeit über eine Beteiligung am Erstmarkt nachdenken, sollten Schiffsfonds mit langfristigen Verträgen besonders sorgfältig auf ihre Risiken prüfen.
Für viele Anleger klingt so ein Schiffsfonds-Angebot verlockend: 8.000-TEU-Frachter, acht Jahre verchartert an bonitätsstarke Reederei, Verlängerungsoption um weitere 4x1 Jahre. Eine wetterfeste Kapitalanlage, denken viele und rechnen für die Zukunft mit sicheren Erträgen. Das Schiff entspricht tatsächlich der lange Zeit gültigen Faustregel für eine gute Fondskonzeption. Danach sollte die Vertragsdauer der Anfangsvercharterung mindestens ein Jahr pro 1.000 TEU Kapazität betragen.
Aber Vorsicht: Diese Regel ergibt bei den neuen 13.000-TEU-Schiffen bereits 13 Jahre Vertragsbindung und tatsächlich sind Charterverträge über mehr als zehn Jahre inzwischen keine Seltenheit. Damit wird aus dem Sicherheitsnetz jedoch schnell ein Renditegrab. Das Problem: Aus der Charter werden von den Löhnen bis zur Wartung alle Betriebskosten bedient. Nur den Treibstoff zahlt der Charterer selbst. Steigende Betriebskosten zehren den Gewinn der Schiffsgesellschaft schnell auf und führen im schlimmsten Fall sogar zu Verlusten, die unter der Tonnagesteuer steuerlich nicht geltend gemacht werden können.
Diese Gefahr trifft insbesondere Schiffe, die sich sehr lange festgelegt haben. Wer in regelmäßigen Abständen neu verhandeln darf, kann gestiegene Kosten in die Charterraten einpreisen. Die Marktzahlen der letzten 20 Jahre zeigen, dass die Charterraten in neuen Verträgen die Kostenentwicklung überwiegend nachvollzogen haben. Langfristig vercharterten Schiffen bleibt diese Anpassung allerdings verwehrt, im Extremfall für über ein Jahrzehnt.
„Aus den momentan veröffentlichten Geschäftsberichten erfahren wir, dass viele Gesellschaften ihre Auszahlungen für 2008 erheblich reduzieren“, sagt Matthias J. Brinckman, Geschäftsführer der Maritim Invest Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG. Die Betriebskosten sind bei den Anlegern eingetroffen. Maritim Invest hat darauf reagiert und bevorzugt im Ankauf für die eigenen Zweitmarktfonds Schiffe mit kürzeren bis mittelfristigen Charterverträgen. „Schiffe mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit bei den Charterverträgen kaufen wir wenn überhaupt nur noch mit Preisabschlag“, ergänzt Brinckman. Gerade mal 20 Prozent aller in den Maritim Invest-Fonds befindlichen Schiffe haben eine restliche Charterlaufzeit von über fünf Jahren.
Betriebskosten und US-Dollarkurs fressen Erträge auf
Der Hintergrund: Der aktuelle Anstieg der Schiffsbetriebskosten kommt nicht überraschend. Bereits 2007 belegte die HSH Nordbank in einer Studie, dass 2006 die Betriebskosten im Schnitt um 16 Prozent zulegten. Die Schmierstoffpreise stiegen im selben Jahr sogar um rund 28 Prozent. 2007 gab es erneut einen kräftigen Kostenschub und auch für 2008 erwarten Experten, dass dieser Trend anhält. Dazu tragen auch die Personalkosten bei. Die boomende Seeschifffahrt fegt den Personalmarkt leer und lässt die Löhne kräftig steigen. Zum Vergleich: Viele Emissionshäuser kalkulieren für ihre Fonds nur zwei bis drei Prozent Steigerung der Betriebskosten pro Jahr mit ein. Selbst einige aktuelle Angebote bleiben trotz Kenntnis der aktuellen Kostenexplosion bei diesen Prognosen.
Hinzu kommt noch der abgesackte US-Dollar-Kurs. Die Leitwährung der Schifffahrt hat sich im Wert gegenüber dem Euro in den letzten acht Jahren halbiert und kostet die Anleger Rendite, denn die Einnahmen aus der Schiffsvermietung fließen in Dollar, die Auszahlungen dagegen in Euro.
Zusatzrisiko Verlängerungsoption
Zu dem oft sowieso schon zu langen Chartervertrag kommt häufig noch eine weitere Belastung hinzu. Bei bestehender Verlängerungsoption kann der Charterer den Beschäftigungsvertrag für ein bis zwei Jahre oder sogar noch länger fortführen. Auf diese Entscheidung hat der Schiffsfonds keinen Einfluss. Genutzt wird die Option überwiegend nur dann, wenn die vor langer Zeit vereinbarte Charterrate unter dem aktuellen Marktniveau liegt und deshalb günstiger für den Charterer ist. Der Schiffsfonds hat in diesem Fall das Nachsehen, denn er muss nochmals auf die lukrativere Neuvercharterung verzichten. Befindet sich der Chartermarkt dagegen gerade in einer schwachen Phase, wird der Vertrag meist nicht verlängert. Anleger haben durch die Verlängerungsoptionen folglich nur Nachteile. (ir)
Quelle: FONDS professionell |
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