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Banken ohne Kapital

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Furter Klage
Newbie


Anmeldungsdatum: 21.10.2002
Beiträge: 1
Wohnort: Klagenfurt

BeitragVerfasst am: 21.Okt 2002 14:23    Titel: Banken ohne Kapital Antworten mit Zitat

Jetzt wollt ich mich auch mal beteiligen und damit Danke für die kurzweiligen Stunden sagen. Ist schon etwas älter aber vielleicht kennen die einen oder anderen es noch nicht:

Amerikanische Betrüger verkaufen Gründungspapiere von Scheinbanken an europäische Kriminelle, die die "Bankenmäntel" zu Schwindelgeschäften nutzen.

Der angebliche souveräne Staat "Dominion of Melchizedek" soll auf der Insel Malpelo vor Kolumbien (Südamerika) liegen und Hoheitsgebiete auf Inselgruppen im Südpazifik beanspruchen. Präsidentin Elvira Pearlasia will es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Geist der Bibel in die Welt zu tragen. Ihren Regierungssitz soll sie in Jerusalem (Israel) errichtet haben, das Finanzzentrum in Prag (Tschechien).
Die "Dominion of Melchizedek" ist eine Erfindung. Betrüger aus den USA setzten sie als Off-Shore-Destination in die Welt - als Basis für Kapitalanlagebetrügereien. Die Kriminellen bieten Gründungsdokumente angeblicher Banken mit Sitz in Melchizedek an - sogenannte "Bankenmäntel". Via Internet, durch dubiose Vermittler und in Zeitungsinseraten werden rund 100 Scheinbanken offeriert. Zielgruppe: Großbetrüger in Europa. Ende Februar sprengte die Klagenfurter Polizei eine Phantasiebank in der Kärntner Landeshauptstadt.
Zwei mutmaßliche Kärntner Betrüger hatten die "Finance Geneve Banque AG" (FGB) gekauft. Das Geldinstitut existierte nur auf dem Papier. Eine britische Briefkastenfirma hatte die Bankenhülse im September 1996 nach Klagenfurt vermittelt. "Die beiden Kärntner haben eine Million Schilling dafür bezahlt", so der Kriminalbeamte Werner Leitner. "Das Geld hatten sie einem Kaufmann unter dem Vorwand herausgelockt, sich an einem Unternehmen zu beteiligen."
Einen Monat zuvor hatte das vermutliche Betrügerduo von demselben Geschäftsmann 1,5 Millionen Schilling für Anlagen erhalten. Die "Finanzjongleure" wollten es in einem Devisentauschgeschäft "vermehren". Sie reisten nach Metz (Frankreich), trafen sich mit Geschäftspartnern in einem Hotel, um die Schilling in D-Mark zu wechseln - angeblich um hinterzogene Steuern mit dem Devisentausch weißzuwaschen. Unvorsichtigerweise vertrauten die Klagenfurter ihren Tauschpartnern und stellten erst zu Hause fest: Der Geldkoffer war prall gefüllt mit Geldscheinen aus einem Monopoly-Spiel.
Die Idee, eine Scheinbank zu erstehen, hatte das Klagenfurter Duo von einem Deutschen. Die Kaufleute suchten für die Hülse um eine Banklizenz in London an, indem sie die Gründungsurkunden vorlegten. Sie wurden mit der Drohung abgewiesen, man werde die Polizei einschalten.
Eine Banklizenz ermächtigt zu Bankhandlungen, wie Kreditvergaben oder Wechselgeschäften. In Österreich stellt das Finanzministerium die Lizenzen aus. Verschiedene Voraussetzungen sind erforderlich, unter anderem die Hinterlegung eines Haftungskapitals in der Höhe von 70 Millionen Sch illing.
Es gibt ein Schlupfloch: Man unterhält die Bank in Form eines Repräsentanzbüros zum Zweck von Geschäftsanbahnungen. Die Abschlüsse müssen in anderen Ländern erfolgen. Wer sich nicht an die Regel hält, ist schwer aufzudecken.
Unter diesen Voraussetzungen boten die beiden Kärntner Bankinstrumente an, wie Wechsel und Garantien. Sie traten speziell in aussichtslosen Finanzierungsfällen auf den Plan, in denen renommierte Geldinstitute keine Kredite gewährten. Sie handelten auch mit Bankgarantien, was rechtlich nicht möglich ist. Ihre bevorzugten Opfer waren Tschechen, Slowenen, Kroaten und Deutsche.
Zwischen November 1996 und Februar 1997 stellten sie Phantasieinstrumente im Nominalwert von 2,7 Milliarden Schilling aus. Sie kassierten von neun Opfern insgesamt 16,8 Millionen Schilling als Provisionen, Vorauszahlungen und Anlegerkapital, das sie vermutlich auf eigene Konten umleiteten.
Ende 1996 erhielt die Klagenfurter Kripo einen Hinweis auf die undurchsichtigen Geschäfte der "FGB". Am 28. Februar 1997 wurden bei einer Hausdurchsuchung im Klagenfurter FGB-Büro Hinweise auf eine zweite Scheinbank gefunden, die "Spar & Darlehenskassa" (Spardak). Beschlagnahmt wurden wertlose irakische Dinarnoten, gefälschte Bankgarantien und vermutlich gefälschte Staatspapiere einer "Republik Altai".
Zwei mutmaßliche Betrüger wurden verhaftet. Als ein angeblicher "Konsul der Republik Altai" die Staatspapiere vom Klagenfurter Landesgericht abholen wollte, ließ ihn der Untersuchungsrichter ebenfalls festenehmen. Ein Angehöriger des Klagenfurter Betrügerringes ging der Polizei zwei Wochen später in einem Liechtensteiner Hotel ins Netz. Den entscheidenden Hinweis hatte die bayerische Polizei geliefert, die den Kärntner wegen eines dubiosen Geschäfts mit einem ukrainischen Bankdirektor im Visier hatte. Der Ukrainer hatte 142 Millionen US-Dollar über mehrere Länder zur FGB fließen lassen wollen.
"Wäre die Klagenfurter Polizei nicht eingeschritten, hätte sich der Schaden durch die FGB innerhalb weniger Wochen verdoppelt", ist Günter Steiner, Kriminalbeamter der EDOK, überzeugt. Komplizen der Finanzakrobaten hatten in der Wiener Innenstadt ein Büro gemietet, um eine Zweigstelle zu errichten. Sie wollten sich in München, in Spanien und der Dominikanischen Republik niederlassen; auch in Kroatien suchten sie ein Quartier.
Bei der Spardak handelte es sich um einen Bankenmantel, der in Wyoming eingetragen, aber nicht lizensiert war. Betrüger hatten sie in den Niederlanden ein zweites Mal protokollieren lassen, um sie in Europa besser verkaufen zu können. Einer der beiden Klagenfurter, die die FGB erstanden hatten, kaufte auch die Spardak. Er und Komplizen boten Garantien im Nominalwert von knapp 670 Millionen Schilling an, Wechsel in der Höhe von 250 Millionen und Bankgarantien von 870 Millionen Schilling. Wieviel Geld tatsächlich geflossen ist, ist derzeit noch unbekannt.

Gerhard Brenner
Quelle:
http://ln-inter11.bmi.gv.at/web/bmiwebp.nsf/AllPages/OES9911220028
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