| |

|
| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
| Autor |
Nachricht |
Spiritus Rector * Consulter *

Anmeldungsdatum: 12.12.2003 Beiträge: 1123 Wohnort: Hamburg
|
Verfasst am: 10.Jan 2008 16:46 Titel: Das Geschäftsmodell heißt Abzocke! |
|
|
Sie heißen Phoenix, Göttinger Gruppeoder First Real Estate Grundbesitz . Sie versprechen Traumrenditen mit Aktien, mit Anleihen oder Optionen. Sie locken auf Hochglanzpapier mit Steuerersparnis und sicheren Vermögenstipps und garantieren doch nur eines: Geldverlust. Kapitalanlagebetrug hat Konjunktur. Laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Anlegerschutz bescherte das Jahr 2007 Anlegern Rekordverluste am Grauen Kapitalmarkt.
Rund 500.000 Anleger wurden im vergangenen Jahr Opfer krimineller Anbieter. Abzockmasche Nummer eins: Stille Beteiligungen und Inhaberschuldverschreibungen. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, nur in einem sind sich die Experten einig: Anleger abzocken ist beliebt. Auf rund 500 Millionen Euro taxierte das Bundeskriminalamt den Schaden für das Jahr 2006, die Zahl der Fälle stieg gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent, Tendenz steigend. Nach Schätzungen von Anlegerschützern versickern jedes Jahr rund 20 bis 30 Milliarden Euro am Grauen Kapitalmarkt, rund die Hälfte davon in geschlossenen Fonds.
Waren es einst vor allem Betuchte, die auf dubiose Steuersparmodelle hereinfielen, sind es jetzt zunehmend Selbstständige, Freiberufler und Kleinsparer, die sich Sorgen um ihre Altersvorsorge machen und Betrügern auf den Leim gehen. „Es werden künftig immer mehr Kleinanleger Opfer werden. Massenschadensfälle werden deutlich zunehmen“, prognostiziert Klaus Nieding, Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes. So verloren in diesem Jahr Sparer rund 60 Millionen Euro durch die leeren Versprechungen der insolventen Düsseldorfer Anlagefirma First Real Estate Grundbesitz.
Sie versprach Käufern ihrer Inhaberschuldverschreibungen hohe Renditen durch Immobilien in Deutschland und Dubai. Doch mit den Geldern wurden Luxusautos und das süße Leben von Geschäftsführerin Anna Cmok und ihrem Lebensgefährten Michael Böhle finanziert. Böhle wird mittlerweile per Haftbefehl wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug und Insolvenzververschleppung gesucht. Abgesetzt hat sich auch Ulrich Engler , der mit seiner Daytrading-Scheinfirma Private Commercial Office mindestens 5000 Anleger um 120 bis 160 Millionen Euro erleichtert haben soll.
Anlegeranwälte schätzen, dass der tatsächliche Schaden mehr als doppelt so groß ist, da wahrscheinlich ein großer Teil des vor allem in Liechtenstein eingesammelten Geldes Schwarzgeld sei. „Die Betrüger werden immer internationaler“, beschreibt DASB-Präsident Nieding den Trend. Sie agieren aus den USA, von der Schweiz aus, aus Liechtenstein oder – wie der Wertpapierdienstleister Amis Fonds – aus Österreich. Dessen Manager wurden kurz vor Weihnachten in einem der größten Wirtschaftsprozesse der Alpenrepublik zu mehrjährigen Haftstrafen wegen schweren Betrugs und Beihilfe dazu verurteilt.
Sie hatten 15000 Anleger um ihr Geld geprellt zu haben.zugegeben, jahrelang rund 15 Die Staatsanwaltschaft schätzt den Schaden auf rund 62 Millionen Euro. „Das Gros der Anleger kommt aus Deutschland“, sagt Medard Fuchsgruber, Wirtschaftsdetektiv und Vorstand des Bundes der Kapitalanleger, „die meisten sind Kleinsparer, die eine sichere Altersvorsorge suchten“. Und die seien häufig überfordert, so die Erfahrung des Münchener Anlegerschutzanwalts Mattil . Ein Paradebeispiel dafür ist die Pleite der Göttinger Gruppe im Juni vergangenen Jahres.
Rund 30000 Anleger hofften auf eine „Securente“, ein Steuersparmodell für100 den kleinen Mann, das sich letztlich als Schneeballsystem entpuppte und die Anleger um ihre Ersparnisse brachte. Dennoch dauerte es fast zehn Jahre, bis amtlich wurde, wovor Anlegerschützer schon lange warnten: Das Geld – rund eine Milliarde Euro – ist weg, ausgegeben für Vorstandsgehälter und Aufsichtsratstantiemen, Sportwagen der Marke Aston Martin oder Bentley und Betriebsfeste mit Starkoch Alfons Schuhbeck. Tausende Finanzunternehmen tummeln sich auf dem Grauen Kapitalmarkt, kontrolliert werden sie nicht. Schutz vom Gesetzgeber können Anleger nicht erwarten. „Der Graue Markt ist ein deutsches Unicum“, kritisiert Anlegeranwalt Mattil. Nirgendwo sonst in Europa gebe es ein derartig unkontrolliertes Segment. Kein Anbieter muss Rechenschaft darüber ablegen, wohin das eingesammelte Geld geht.
„Wer eine Aktie für 5 Euro verkaufen will, braucht eine Zulassung als Finanzdienstleister“, sagt Mattil, „wer millionenschwere geschlossene Fonds oder anderen Müll auf dem Grauen Kapitalmarkt vertreibt, nicht – das ist Irrsinn“, schimpft er. Auch bei der Prospekthaftung ziehen Kunden den Kürzeren. Denn laut Börsengesetz können Anleger nur auf Schadensersatz klagen, wenn der Inhalt nicht hält, was das Hochglanzpapier verspricht und sie innerhalb von sechs Monaten nach Prospektveröffentlichung Anteile gezeichnet haben. „Viele Grau-Markt-Anbieter lassen einen Prospekt drucken, warten sechs Monate und gehen erst dann auf Kundenfang“, sagt der Münchener Anwalt. Einziger Schutz: Vom Grauen Markt die Finger lassen.Doch auch der geregelte Markt hat seine Tücken. Immer noch bangen rund 30000 Menschen des insolventen Phoenix Kapitaldienstes um ihr Geld. Rund 600 Millionen Euro hatten sie dem Optionshändler anvertraut.
Der produzierte statt zweistelliger Renditen Scheingeschäfte und ein Schneeballsystem, das letztlich in die Insolvenz führte.
Quelle: Sonia Shinde, Handelsblatt
_________________ Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.
(Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)
 |
|
| Nach oben |
|
|
GoMo&Pa .

Anmeldungsdatum: 25.01.2002 Beiträge: 2174
|
Verfasst am: 1.Feb 2008 15:35 Titel: |
|
|
Zu diesem Thema ein Bericht aus dem Fürstentum Liechtenstein, der Seite Vaterland:
| Zitat: |
Dauerbrenner Anlagebetrug
Anlagebetrüger finden immer wieder Opfer. Da helfen alle gut gemeinten Kampagnen nichts. Treffen kann es jeden – auch Finanzspezialisten.
Im Nachhinein weiss man es immer besser. Spätestens, wenn in der nüchternen Atmosphäre des Gerichtsaals über die Methoden des Anlagebetrügers referiert wird, wirken die Tricks plötzlich offensichtlich. Die Renditeversprechungen klingen nun so unglaubwürdig, wie sie es eigentlich immer waren, die noble Geschäftsadresse wird als blosse Staffage enttarnt, die aufwendige Homepage als Blendwerk, die beeindruckenden Referenzen als reine Erfindungen.
Der gesunde Menschenverstand und ein paar gezielte Recherchen im Internet hätten eigentlich genügen müssen, um jegliche Geschäftskontakte abzulehnen. Doch dies alles wird für getäuschte Anleger oft erst dann offensichtlich, wenn das Geld bereits verloren ist.
Wecke die Gier
«Jedem kann es passieren, dass er hereingelegt wird», weiss Peter Pellegrini, bei der Zürcher Staatsanwaltschaft zuständig für den Bereich Anlagebetrug, aus Erfahrung. Es hatte schon mit Personen zu tun, die sich von Anwälten beraten liessen und trotzdem übers Ohr gehauen wurden. Zu den Opfern gehörten auch Leute aus der Bankenszene.
«Wecke die Gier und man kann mit den Leuten machen, was man will», habe ihm ein Betrüger einmal sein Erfolgsrezept erklärt, schildert Pellegrini. Zu den bevorzugten Opfern gehören allerdings vor allem auch Leute, die sich kaum je wehren, «weil die angelegten Gelder unversteuert waren», so der Staatsanwalt.
Alte Maschen, neue Geschäfte
Die Rezepte der Betrüger sind über die Jahre gleich geblieben. Eine beliebte Masche ist es weiterhin, die Opfer durch unaufgeforderte telefonische Kontaktaufnahmen, sogenannten «Cold Calls», zu überrumpeln. Das beginnt mit dem Anruf eines Finanzberaters beim Abendessen. Er verweist auf einen gemeinsamen Bekannten und offeriert eine lukrative Möglichkeit, Geld ohne grosses Risiko gewinnbringend anzulegen. Die Chance müsse man unbedingt packen: Ob er vorbeikommen könne, am besten noch heute.
Geändert hat sich nur der Inhalt der verlockend klingenden Angebote. Während früher vor allem um Warentermingeschäfte angeboten worden seien, gehe es heute um Devisenhandelsgeschäfte, weiss Pellegrini.
Merkmal Zeitdruck
Zeigt man Interesse, hängt man schon fast am Haken. Auf kritische Fragen sind die Betrüger bestens vorbereitet. Sie machen auf Tempo. Nach der ersten Kontaktaufnahme sollen möglichst rasch Verträge unterschrieben und Vollmachten erteilt werden. Der hohe Zeitdruck ist ein gemeinsames Merkmal vieler Betrugsfälle.
Nicht immer sind die Geschäfte von Anfang an blosse Luftgebilde. Oft liegt ihnen eine eigentlich erfolgversprechende Idee zugrunde. Doch dann klappt es an der Börse nicht wie gedacht, die Rediteversprechen müssen aber trotzdem erfüllt werden. Dafür wird dann das Kapital neuer Anleger eingesetzt und die Spirale beginnt sich zu drehen.
Sofort Anzeige erstatten
Für die Anleger sind solche Entwicklungen schwierig zu durchschauen. Wer liest schon das Kleingedruckte in den Verträgen und sichert sich für alle Eventualitäten ab, wenn hohe Gewinne locken?
Die Versuchung, bei Verlusten vorerst weiteres Kapital einzuschiessen, um nicht alles zu verlieren, ist gross. Doch irgendwann wird klar, dass man über den Tisch gezogen worden ist. Was tun? «Sofort eine Anzeige machen», rät Peter Pellegrini. «Wenn man versucht, das Geld zurückzubekommen, Briefe schreibt, verhandelt, einen Anwalt einschaltet, vergehen Monate und das Kapital ist weg.»
Initiativen versanden
2001 startete der Bund mit grossem Tamtam die Kampagne «Stopp-Betrug» im Internet. Gleichzeitig liefen nach dem Platzen der Internet-Blase Bemühungen, die Stellung der Anleger bei Strafverfahren zu verbessern. Inzwischen sind diese Initiativen alle wieder eingeschlafen. Es gibt keine aktuellen Gesetzesvorstösse mehr, das Thema scheint vom Tisch.
Dazu passt, dass die Homepage von Stopp-Betrug nicht sehr aktiv bewirtschaftet wird. Beispielsweise findet sich dort immer noch ein Link zu Listen der Selbstregulierungsorganisationen (SRO) nach dem Geldwäschereigesetz. Doch die SRO publizierten ihre Mitgliederlisten nur kurze Zeit im Internet; schon länger gibt es nur noch Auskünfte auf konkrete telefonische oder schriftliche Anfragen.
Graue Listen mit den Namen von luschigen Firmen gibt es in der Schweiz sowieso nicht. Die Investoren haben bei Betrugsverdacht einen schweren Stand: «Die Beweislast liegt bei den Anlegern, die Prozesshürden sind hoch», zieht der Zürcher Anwalt Johann-Christoph Rudin, der sich jahrelang für Verbesserungen einsetzte, eine bittere Bilanz. «In der Schweiz ist es einfach, Anlagebetrüger zu sein», kritisiert er.
Quelle: Andreas Kneubühler |
_________________ „Es ist produktiver, einen Tag lang über sein Geld
nachzudenken, als einen Monat dafür zu arbeiten.“
- Heinz Breselt -
Secret User - wissen mehr ... |
|
| Nach oben |
|
|
|
|
|
|
|
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
Powered by phpBB © phpBB Group
|
|
|
|