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Das System des Kapitalanlagenbetrugs

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Korrespondent
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Anmeldungsdatum: 19.01.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 17.Sep 2008 7:43    Titel: Das System des Kapitalanlagenbetrugs Antworten mit Zitat

Ein Frontbericht aus Berlin anno domini 2008 von

- Dr. jur Thomas Schulte, Rechtsanwalt

Die Opfer

Das klassische Opfer eines Kapitalanlagenbetruges ist männlich, mittleren Alters und ebenso habgierig wie der Betrügende. Mit ausgeklügelter Strategie bedienen die Täter die Dummheit, die Eitelkeit und die Gier ihrer Opfer. Es treten bei den betrügerischen Angeboten immer wiederkehrende Muster auf, die Anlegern als Warnsignale dienen könnten.

Die Täter bedienen sich der Verschleierungstaktik und lassen ihre Klientel stets im Unklaren wie die Geldvermehrung im Einzelnen funktionieren soll. Die Anlage-Aktivitäten werden dabei in Wirtschaftsbereichen entfaltet, die dem Geldanleger vollkommen unbekannt sind.
Das angepriesene Investment wird emotional positiv besetzt, etwa mit dem Betrieb einer Goldmine, unter der Prämisse, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu verbessern und das zeitgleiche Erwirtschaften einer außerordentlichen Rendite.

Gern wird auch die Wundergläubigkeit unvorsichtiger Kapitalanleger ausgenutzt. Selbst erfahrene Manager fallen immer wieder auf präsentierte Prestigeobjekte und attraktive, rhetorisch gewandte Personen hinein. Auch als Werbeträger eingesetzte Prominente sind eine beliebte Ablenkung um die wahre Absicht zu verschleiern.
Außerdem werden Kapitalanlagen gern als Rettungsboot verkauft. „Komm´ schnell an Bord, bevor das Schiff untergeht“. Derlei Flüsterpropaganda im Verkauf ist ein untrügliches Indiz für eine unseriöse Geldanlage.

Durch die listig geplante Kapitalanlagestraftat verschaffen sich die Täter einen zeitlichen Vorsprung, um sich und das erschlichene Kapital in Sicherheit zu bringen. Denn die traumhaft hohe Rendite würde erst nach mehreren Jahren ausgeschüttet.

Die Täter spielen mit Vorurteilen. Nur zu gern wird etwa geglaubt, Großbanken verdienten viel Geld mit geheimen Transfergeschäften, die den kleinen Privatkunden gegenüber nicht offenbart werden.

Eine Eigenart der deutschen Mentalität, nämlich finanzielle Angelegenheiten gern geheim zu halten, spielt den Betrügern in die Hände. Die Hemmschwelle, professionelle Unterstützung einzuschalten, erschwert in vielen Fällen die Vermeidung und die Aufdeckung betrügerischer Unternehmungen.


Zuletzt bearbeitet von Korrespondent am 17.Sep 2008 7:46, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Korrespondent
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Anmeldungsdatum: 19.01.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 17.Sep 2008 7:43    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. jur Thomas Schulte:

Die Täter

Der Täter ist ein Versager, der nur eines gut kann: Lügen, Lügen und nochmals Lügen. Als erstes belügt er sich selber.

Ein guter Betrüger stellt sich nicht vor und ist immer unterwegs. Er verfügt über nichtssagende Visitenkarten und eine hübsche Büroadresse. Der clevere Kapitalanlagenbetrüger fällt zudem durch große Mobilität auf. Das Unternehmen und die dahinter stehenden Personen sind für die getäuschten Anleger nur im Vorfeld und bis Vertragsabschluss erreichbar.

Darüber hinaus vermeiden Täter jegliche Beweise ihrer Verstrickung und arbeiten arbeitsteilig. Viele Personen und mündliche Zusagen verwirren die Geschädigten.

Immer eine gute Idee für den gezielten Betrug ist die Einbeziehung des größten Opfers als Haftungsträger des Unternehmens oder man bietet ihm eine Nebentätigkeit. Also wird ein so genannter Imbissbudenvater zum Geschäftsführer ernannt. Diese Personengruppe stellt keine Fragen und ist mit ein paar Tausend Euro ruhig gestellt. Um die Seriosität von Unternehmen und Anlage zu zeigen, wird ein deutsches Treuhandkonto eingerichtet.

Der eigentliche Verkauf der „Geldanlage“ erfolgt über ein Provisionsmodell - möglichst durch Personen, die wiederum selber ahnungslos sind oder ihre Augen zu verschließen suchen – hohe Provisionen locken.

Auch die Abschottung des Unternehmens nach innen ist wichtig. Der Geschäftsführer ist selber Opfer. Hinzu kommt die Idee des falschen Vertrauens und der Solidarität unter Mittätern: So wird das Opfer einfach durch einen kleinen Regelverstoß zum Mittäter gemacht, etwa durch die vergütete Nebentätigkeit des Opfers unter Verstoß gegen den Arbeitsvertrag.

Das eigentliche Verkaufsgespräch wird möglichst unter Zeitdruck abgewickelt. Hilfreich sind auch komplizierte und schlecht lesbare Unterlagen. Um die Vertrauenswürdigkeit eines Projektes aufzuzeigen, verwenden die Berater häufig Videos von Fernsehbeiträgen aus den Vereinigten Staaten. Ein solcher Fernsehbeitrag ist natürlich schnell und preiswert selbst gemacht.

Das deutsche Wirtschaftsrecht ermöglicht vorsätzlichen Betrügern weitere Kniffe, um die Rechte ihrer Investoren zu schmälern, beispielsweise als Kommanditisten einer GmbH & Co. KG.

Eine ansprechend und professionell gestaltete Internetseite mit einem schwer zu identifizierenden Firmennamen ist zumeist Grundbestandteil des zeitgemäßen Betrugsmodells.

Die Gründer bleiben vollkommen vertraulich im Hintergrund. Falls Personen und Firmen auftauchen, kennen sich diese Unternehmen und Personen untereinander nicht. So sind sich die Hersteller von Internetpräsenz, Prospekten und der Vermieter völlig fremd.

Gelockt werden Mittäter mit extrem hohen Provisionen. Dem Verkäufer stehen Verkaufsbögen und weitere Verkaufsmittel zur Verfügung. Ein schöner Prospekt, ein seriös anmutender Vertrag sowie zwei oder drei Videos werden präsentiert. Zu sehen sind angebliche ausländische Fernsehbeiträge, die das Projekt bejubeln. Gerne werden auch Artikel von Professoren etc. als Beweise vorgelegt.

Wie oben geschildert, erzeugt der gefährliche Mix aus krimineller Energie und Cleverness der professionellen Anlagebetrüger bei vertrauensvollen Anlegern ein trügerisches Sicherheitsgefühl, das falsches Vertrauen aufbaut und mögliche kritische Fragen nach Hintergründen oder langfristigen Strategien gezielt in den Hintergrund drängt.

Aufgrund der psychologisch geschickt aufgebauten Hemmschwelle, sich seine eigene Gutgläubigkeit selbst einzugestehen, wird der Anleger gut gemeinte Hinweise zunächst ablehnen und aufgrund der vermeintlich eigenen Sachnähe darauf vertrauen, dass die Anlage seriös ist. Dies ist den Anlagebetrügern bewusst und von ihnen gewollt.


Zuletzt bearbeitet von Korrespondent am 17.Sep 2008 7:48, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Korrespondent
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Anmeldungsdatum: 19.01.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 17.Sep 2008 7:45    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. jur Thomas Schulte:

Wie vermeidet man die Opferposition?

Um solchen psychologischen Fallen schon im Vorfeld zu entkommen, bedarf es lediglich einiger weniger einfacher Schritte, um die vermeintlich hochprofitable Angebote zu überprüfen.

Vielfach reicht es schon, sich die Kompetenzträger bzw. Anlagevermittler genauer anzuschauen, insbesondere ihre Vita. Was hat er vorher gemacht? Warum bietet er unter neuem Namen ein altes Produkt an? Wieso bietet er nun ein völlig anderes Produkt an und versucht, sein altes Produkt schlecht zureden? Häufig ist ein Indiz für eine dubiose Anlageform der Umstand, dass der Ansprechpartner nur schwer identifizierbar ist. Eindrucksvolle Namensangaben und Titel auf dem Briefkopf und sowie unerreichbare Telefonnummern ersetzten nicht den persönlichen Kontakt. Eine kurze Suchanfrage im Internet mit einer Namensangabe und den Hintermänner bringt oft erstaunliche Ergebnisse.

Es reicht dann vielfach schon, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen und zu überlegen, warum man angesprochen wurde. Was hat der Anpreiser der Anlage davon? Warum wurde man selbst angesprochen? Hätte statt mir ein beliebiger anderer angesprochen werden können?

Psychologisch geschulte Anlagevermittler versuchen den potentiellen Kunden im Gespräch häufig auf so genannte „Ja-Straßen“ zu führen, mit Hilfe deren das zukünftige Opfer mittels geschickt gelenkter Argumentation dazu gebracht wird, jede (rhetorische) Frage euphorisch mit einem „Ja“ zu beantworten: „Wollen Sie Ihr Vermögen gewinnbringend anlegen? Wollen Sie kurzfristige Erfolge? Wollen Sie Steuern sparen?“ Wer will das nicht? Diese Argumentation ist leicht durchschaubar und kann mit kritischer Betrachtung und durch konsequentes Nachfragen durchbrochen werden.
Stellen Sie Fragen, die der andere nicht erwartet.

Wenn möglich sollte man auch das Vermögen der handelnden Personen überprüfen. Wie hoch ist die Kapitaldecke? Wie wird die eigene Investition in die Anlagemasse eingebracht? Wie hoch ist die Beteiligungsquote? Auch ist es hilfreich, sich nach Referenzen zu erkundigen.

Gerade wenn von der „einmaligen Gelegenheit“ die Rede ist, ist Vorsicht geboten. Meist wird dem Anleger nur ein kurzes Zeitfenster eröffnet, welches mit eindruckvollem Prospektmaterial und Blendwerk illustriert wird. Hier wird gezielt versucht, den Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu drängen. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen mit ihrem Anwalt oder Steuerberater über die Anlage.

Letztendlich ist auch ein Blick auf die personelle und organisatorische Struktur der Anlagevermittler hilfreich. Wer ist die Kontaktperson und wer ist der Ansprechpartner im Bedarfsfall? Wie tritt der Anlagenvermittler auf? Meist verdeckt ein grosspuriges Auftreten die Leere dahinter.

Äußerste Vorsicht ist auch bei so genannten „sicheren“ Geldanlagen „mit Rückkaufsgarantie“ geboten. Hier werden unter der Bezeichnung „Garantie“ Dinge in Aussicht gestellt, welche dieser Bezeichnung spotten und an Bedingungen geknüpft, welche in der Realität sowieso nicht eintreten.

Es gibt eine einfache Kontrollmöglichkeit der potentiellen Geldanlege: Frage Deine Mutter oder Großmutter, ob das System funktionieren kann. Ein System, dass einem Laien nicht erklärt werden kann, ist mit großer Wahrscheinlichkeit keine gute Idee der Geldanlage.


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Anmeldungsdatum: 19.01.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 17.Sep 2008 7:45    Titel: Antworten mit Zitat

Dr. jur Thomas Schulte:
Vom Schadensfall zum Schadenersatz

Haben sich die Versprechungen einer scheinbar lukrativen Kapitalanlage nicht erfüllt und wird ein organisierter Kapitalbetrug vermutet, gilt es, schnell zu handeln. Jedes Zögern rächt sich im Nachhinein. Wichtig ist zunächst eine umfangreiche Beweissicherung. Sämtliche die betrügerische Anlage betreffenden Umstände sind soweit möglich, deutlich zu dokumentieren.

Die kleinsten Dinge können später eine entscheidende Bedeutung bekommen. So sollte zunächst eine Aufstellung genauester Art über den Ablauf und die Vermittlung der Kapitalanlage erstellt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass Datum, Ort, beteiligte Personen und Inhalte peinlich genau protokolliert werden. Danach sind nun sämtliche Informationen über die Vermittlerseite zu sammeln. Was wissen Sie über die Beteiligten? Wie lauten die Vor- und Zunamen der Beteiligten? Wo wohnen diese privat? Wie sind die Wohnverhältnisse? Empfehlenswert ist es, soweit möglich einen Handelsregisterauszug des Unternehmens zu erlangen, um die Hintermänner zu enttarnen.

Gegebenenfalls sind Daten über das Verkaufsobjekt zu sammeln: Gutachten, Prospekte, Pläne, Grundbuchauszüge, Auszüge aus WEG Unterlagen können mehr als hilfreich sein. Dringend angeraten ist es auch, nach anderen Geschädigten zu suchen oder auch das Gespräch mit der Verkäuferseite, der Bank oder anderen Mietern der Verkaufsobjekte zu suchen. Oft kann schon ein Nachfragen bei den Verbraucherzentralen nach anderen Fällen zu einem unerwarteten Erfolg führen. Beauftragen Sie gegebenenfalls den Steuerberater mit der Anfertigung eines Gutachtens. Dringend erforderlich ist es, der Vermittlerseite nicht preiszugeben, dass nunmehr Informationen zur Beweissicherung gesammelt werden.

Sammeln sie alle relevanten Kontoauszüge, Überweisungsbelege und Rechnungen. Oft sind Beteiligte in der Lage, das Geschehene auf Nachfrage detailliert zu bezeugen. Vor Gericht müssen Sie den Nachweis einer Falschberatung führen!

Danach sollten in enger Abstimmung mit einem auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Rechtsanwalt mögliche weitere Schritte sinnvoll geprüft werden. Ein guter Anwalt erarbeitet mit dem Mandanten eine individuelle Strategie zur Durchsetzung des Schadenersatzanspruches.

Vielfach fangen nun die Probleme jedoch erst richtig an: Die Aufrechterhaltung der Durchsetzung kostet Geld, beispielsweise für Vorschüsse, Beweissicherungskosten, und andere finanzielle Belastungen. Dann laufen häufig die durch die fehlerhafte Beratung entstandenen Folgekosten aus dem Ruder. Die Ausgaben zur Erlangung eines Schadenersatzes können diesen bei unbedachter Vorgehensweise übersteigen.

Häufig erschwert auch eine zu große Gruppe an Mittätern die Rechtsverfolgung, ein Verschulden im Einzelfall nachgewiesen werden muss. Es liegt dann eine so genannte „Atomisierung der Verantwortung“ vor, jedem für sich ist kein ausreichendes Verschulden nachweisbar.
Die Folge ist dann ein langwieriger Prozess mit massiven Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Schadenersatzes und mit Beweisschwierigkeiten zu rechnen. Haftungsprobleme ergeben sich meist aus der Tatsache, dass die finanzierenden Banken regelmäßig nicht belangt werden können, obwohl ihnen die Risiken bewusst sind.

Manchmal ist es schon ausreichend, dem Gegner ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren in Aussicht zu stellen, um hier ein Entgegenkommen zu begünstigen. Diese legale Drohkulisse kann bei Anlageanbietern aus Übersee natürlich keinen Schrecken verursachen. Letztendlich kann es im Einzelfall günstiger sein einen auf den ersten Blick unvorteilhaften Vergleich zu erzielen, als auf einen langen Prozess mit ungewissem Ausgang zu hoffen, während permanent das Insolvenzrisiko der Anlagegesellschaft droht und man letztendlich mit einem Urteil ohne Wert dasteht.

Sollte eine außergerichtliche Einigung mit dem Anlagebetrüger nicht zustande kommen, gilt es nun, die richtige Strategie für den Prozess zu bestimmen. Meist ist es sinnvoll, den Schadensersatzanspruch an ein Familienmitglied oder nahen Verwandten zu übertragen, um im Prozess selbst als Zeuge auftreten zu können und so in die Beweissituation zu erleichtern. Häufig scheitern Prozesse daran, dass die klagende Partei ihrer so genannten Beweislast nicht genügen kann. Vor Gericht hat der Anspruchsteller die für ihn günstigen Tatsachen zu beweisen. Dies kann wegen der oben genannten Probleme im Einzelfall schwierig sein. Vielfach macht sich dann die geleistete Beweissicherungsarbeit im Vorfeld des Prozesses bezahlt. Wenn dann noch bereits rechtskräftige Urteile in vergleichbaren Fällen vorliegen, besteht eine gute Chance, hier die ungeliebte Anlage gegebenenfalls mit einem minimalen Verlust abzustoßen.

Sinnlos ist es zu glauben, dass ein Straftäter sich verändern könnte. Der Betrüger hat nichts anders gelernt, auch jahrelanges Wegsperren ist häufig sinnlos.

Der Mensch bleibt des Menschen Wolf.
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