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Johann Gassner - vom Werkzeugmacher zum Vermögensverwalter

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Goodman
*** Consulter ***


Anmeldungsdatum: 16.01.2002
Beiträge: 5416

BeitragVerfasst am: 13.Apr 2005 13:28    Titel: Johann Gassner - vom Werkzeugmacher zum Vermögensverwalter Antworten mit Zitat

Der Werkzeugmacher als Vermögensverwalter: eine groteske Kurzgeschichte über verspielte Millionen und eine Klage gegen die Aufsichtsbehörde

"Zählen Sie zu den Personen, die Interesse am Terminhandel haben und über das notwendige Kapital verfügen, jedoch nicht über die notwendige Zeit und das Wissen, dann ist für ein gezieltes Engagement die Gassner Investment LTD Ihr idealer Partner."

Der Werbeprospekt der kleinen oberösterreichischen Anlageberatungsfirma Gassner wollte mit klaren Sprüchen komplizierte Finanzprodukte verkaufen. Es ging um Termingeschäfte, ein Finanzinstrument, das mit sehr hohem Risiko Wetten auf zukünftige Aktienkurse und Rohstoffpreise eingeht. Klar, dass da Profis ans Werk gehen müssen. Nur: Johann Gassner, der Eigentümer der anbietenden Firma, war keiner. Gassner Investment ging vergangenes Jahr Pleite, sämtliche Anlegergelder waren verspekuliert worden.

Geschäft mit Provisionen

Während in Linz in diesen Tagen gegen die bekannte Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft Vorerhebungen wegen des Verdachts auf schweren Betrug eingeleitet wurden, geht der Prozess rund um den Niedergang der eher unscheinbaren Gassner Investment gerade in die heiße Phase.

Der Beschuldigte Johann Gassner - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - soll im Zeitraum von vier Jahren 3,6 Millionen Euro seiner Anleger in riskanten Termingeschäften verloren haben. Laut Masseverwalter Wolfgang Kempf kommt das Gutachten eines vom Gericht zugezogenen Sachverständigen zu dem Schluss, dass die Firma von den Spesen für die gehandelten Optionen profitierte, obwohl die Deals selbst gar keinen Sinn machten (die Vernichtung von Klientengeldern durch wiederholte Spesenverrechnung wird "Churning" genannt).

Während das Verspielen der Millionen auch auf eine ordentliche Portion Ahnungslosigkeit zurückzuführen gewesen sein soll - die Klärung vor Gericht ist ausständig -, scheint es, dass die Regeln der Bundeswertpapieraufsicht (BWA) von Gassner Investment bewusst umgangen worden sind. Für die etwa 200 geschädigten Anleger ist das nun die einzige Hoffnung, wenigstens einen Teil der verlorenen Gelder zurückzugewinnen: Der Staat soll als Aufsichtsbehörde seine Kontrollpflichten nicht wahrgenommen haben und daher Entschädigungen zahlen.

Mechaniker als Finanzprofi

Betrachtet man die persönliche Entwicklung Gassners, so erstaunt, dass seine Firma überhaupt eine Konzession als Wertpapierberater bekommen hat. Johann Gassner ist ein einfacher Werkzeugmechaniker. Nach dem Hauptschulabschluss arbeitete er lange Zeit als Facharbeiter beim Fahrzeughersteller Steyr-Daimler-Puch. 1991 erkrankte sein Vater, Gassner wechselte daher in den Betrieb seiner Eltern. Die unternehmerische Verantwortung weckte sein Interesse für Geldanlage. Bei einem Seminar zum Thema Wertpapiere lernte er Georg Baschinsky kennen, der ihm von "Geldvermehrungschancen im großen Stil bei Futures und Optionen" erzählte. Gassner zeigte sich interessiert und beteiligte sich an Baschinskys Beratungsfirma. Schon bald musste Gassner jedoch erkennen, dass dort statt toller Gewinne stattliche Verluste erwirtschaftet wurden. Die Anleger wurden darüber nur verspätet oder überhaupt nicht informiert.

Mit dem festen Willen, alles besser zu machen, beschloss der Oberösterreicher, selbst groß ins Geschäft einzusteigen, und gründete 1996 die Gassner Investment GmbH. Ähnlich wie Baschinsky wollte er seine Kunden an US-Händler vermitteln, die das Geld in Futures und Optionen veranlagten. Seine ersten Kunden fand Gassner unter ehemaligen Arbeitskollegen von Steyr-Daimler-Puch. Mundpropaganda vergrößerte den Kundenstock schnell.

Konzession erteilt

Seit 1998 müssen alle Wertpapierdienstleistungsunternehmen bei der Bundeswertpapieraufsicht um eine Konzession ansuchen. Nicht zuletzt aufgrund Gassners mangelnder Erfahrung im Wertpapiergeschäft erhielt er damals nur die Berechtigung, Wertpapiergeschäfte zu vermitteln, jedoch nicht die Genehmigung, die Gelder selbst zu halten oder zu verwalten. Gassners Firma durfte also in Österreich nicht als Fonds auftreten.

Der Finanzjongleur gründete daher eine Briefkastenfirma namens Gassner Investment LTD. Als Firmensitz wählte er Nassau auf den Bahamas. Unter einem Quasi-Fonds verwaltete er ab diesem Zeitpunkt die Gelder seiner Kunden. Die Verluste wurden jedoch immer größer - eine Tatsache, die Gassner "aus Scham", wie er bei der Einvernahme durch einen Sachverständigen später aussagte, seinen Klienten in den vierteljährlichen Berichten verschwieg. Neue Anlegergelder wurden zur Auszahlung alter Anteile verwendet. Ende 2001 platzte schließlich die Blase - die Firma musste Konkurs anmelden.

Klage gegen Kontrolleure

Gassner ist inzwischen arbeits- und mittellos. Von ihm können die betroffenen Anleger daher keine Entschädigungen erwarten, von der Aufsichtsbehörde BWA eventuell schon: Fünf ehemalige Klienten haben gegen sie Klage eingebracht. Und der Linzer Anwalt Stefan Eigl, der die Kläger vertritt, rechnet sich gute Chancen aus, auf diesem Wege bis zu 218.000 Euro zu erkämpfen. Eigl: "Gassner hat seine Konzession als Vermögensberater klar überschritten. Wenn sich die BWA ein einziges Mal den Werbeprospekt der Gassner Investment durchgelesen hätte, wäre sie gezwungen gewesen, die Firma sofort zuzusperren." Eigl bezieht sich dabei auf den erwähnten Anlageprospekt (siehe Faksimile), in dem Gassner darauf hinweist, dass die Verwaltung der Fondsanteile durch seine österreichische Firma Gassner Investment GmbH mit Sitz im oberösterreichischen Mitterpabneukirchen erfolgt. Laut Konzession wäre es ihm jedoch nur zugestanden, die Gelder an die entsprechenden Fonds weiterzuleiten, jedoch nicht diese selbst zu verwalten.

Gassner benützte dummerweise für seinen Offshore-Fonds auf den Bahamas das gleiche Konto bei der Creditanstalt wie für seine Vermögensberatungsfirma in Oberösterreich. Ein Umstand, der bei der Buchprüfung durch die Kanzlei Interfides bereits im Jahr 1999 auffiel. Interfides berichtete den Sachverhalt und die daraus resultierende Überschreitung der Wertpapierkonzession im November 2000 an die BWA.

Die Behörde wurde daraufhin tatsächlich aktiv und verlangte Einsicht in die Bücher der Beratungsfirma, doch Gassner ignorierte die mehrmaligen Aufforderungen. Im März 2001 kam es daher zu einer unangekündigten Prüfung vor Ort durch die BWA, die heuer in der Finanzmarktaufsicht (FMA) aufgegangen ist. Doch auch das Durchwühlen von Akten und Computerdaten konnte der Behörde keine Klarheit über eine Konzessionsüberschreitung verschaffen.

Anwalt Eigl dazu: "Scheinbar haben davon alle gewusst, nur die BWA nicht." Die Finanzprokoratur hat in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen "jegliches rechtswidrige und schuldhafte Verhalten" der Bundesbehörde von sich gewiesen. Sollte Eigl Erfolg haben, droht allerdings eine Klagsflut von einem Großteil der Betrogenen. Dann werden die 200 unbedarften Anleger, die ihr Geld einem Mechaniker für Termingeschäfte übergaben, wissen, ob sie vielleicht mehr Glück haben als Verstand.

Nun denn ...
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Xenia
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 06.03.2004
Beiträge: 450

BeitragVerfasst am: 29.Mai 2007 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Was ist denn aus den Ermittlungen in Linz geworden ?

Zitat:
Vor kurzem musste Gaßner seinen Kunden reinen Wein einschenken. "Es tut uns leid, Ihnen mitzuteilen, dass die Gassner Investment Ltd. durch wirtschaftliche Turbulenzen ihre Aktivitäten eingestellt hat und keine Anteile mehr zurückkaufen kann", schreibt Johann Gaßner an seine Kunden. "Der Verlust in Ihrem Depot würde somit 100 Prozent bedeuten." Gleichzeitig teilte er mit, dass die Bundespolizeidirektion Linz unter der Aktenzahl II-6851/01 "bezüglich dieser Vorgänge" Ermittlungen eingeleitet hat. "Bei uns laufen gerichtliche Vorerhebungen, ausserdem wurde ein Sachverständiger beantragt", sagt der zuständige Linzer Staatsanwalt Rainer Schopper. "Wir stehen mit unseren Ermittlungen noch ganz am Anfang. Es wird noch Monate dauern, bis der Fall abgeschlossen ist."

Quelle: www.wirtschaftsblatt.at/archiv/108053/index.do
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