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WBB-International - Betrug? - verjährt!

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gnom
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Anmeldungsdatum: 10.12.2002
Beiträge: 113
Wohnort: stuttgart

BeitragVerfasst am: 24.Sep 2003 16:18    Titel: WBB-International - Betrug? - verjährt! Antworten mit Zitat

Zitat:
Über 150.000 Anleger haben ihre Ersparnisse verloren, rund drei Milliarden Euro sind futsch. Ahnungslos sind die Anleger auf die heißen Tipps der vermeintlichen Anlageberater hereingefallen. Mit risikoreichen Termingeschäften sollten Renditen von 20 Prozent und mehr in kürzester Zeit erzielt werden. Doch ob das Geld wirklich an der Börse verzockt wurde oder die Anleger nicht doch nur schlicht geprellt wurden, ist weiter unklar.

Die große weite Finanzwelt lockt
Mit 5400 stieg Tiberius Patai 1997 - damals noch in D-Mark - in die Termingeschäfte bei der WBB ein. Ein todsicheres Geschäft, dachte er. Immerhin warb die WBB International damit, europäischer Marktführer bei Waren-Termin-Geschäften zu sein. Was das ist, wusste er nicht so genau.

Heute ist er schlauer, denn am Ende brach ihm die Zockerei an der Börse finanziell fast das Genick. Immer mehr Verluste und immer die gleichen Versprechungen der WBB-Leute hielten ihn bis fast zum finanziellen Kollaps bei der Stange: "Weil immer und immer nur über den DAX die Rede war, wurde mir erzählt, im Dax sind die größten Konzerne Deutschlands, und wenn die Pleite gehen, geht alles Pleite, also nur dann verliere ich mein Geld. Und wenn der DAX fallen sollte, dann gebe es eine Technik, wie man aus den Verlusten für mich, für jeden anderen, auch noch Gewinne erzielen kann."

Das Geschäft und das Ende der WBB
Doch daraus wurde nichts. Ein Büro-Gebäude in der Düsseldorfer Innenstadt, beste Lage. Von hier aus hielt die WBB International das Börsen-Roulette der Anleger, die von den so genannten Agenten per Telefon bearbeitet wurden, in Schwung. Bis Ende 1997. Dann verschwand das Unternehmen im Nichts, genauso wie das Geld vieler Anleger. Bis zu 400 WBB-Agenten arbeiteten hier.

plusminus ist es gelungen, mit einem ehemaligen Kunden-Fänger Kontakt auf zu nehmen. Der Mann will anonym bleiben. Gegenüber [plusmins bestätigt er aber, dass die WBB-Agenten vor allem gute Verkäufer sein mussten, und von den Warentermin-Geschäften eigentlich auch kaum Ahnung hatten: "Das Wichtigste war der Verkauf. Nicht das Wissen um Börse, sondern der Verkauf, wie man am Telefon jemanden überzeugt. In Gruppen oder Einzelschulungen wurde dann aufgezeigt, wie man das am Besten machen kann. Die kamen aus allen Branchen. Handwerk oder kaufmännische. Aus allen Bereichen."

Motivation für die Verkäufer
plusminus wird ein Video zugespielt.
Es zeigt: Beim Feiern waren die WBB-Leute Profis. Da ging es schon mal per Sonderflug ins Nobel-Hotel unter Palmen. Als Ansporn wurden die besten Verkäufer regelmäßig ausgezeichnet und in großem Stil gefeiert. Insgesamt sollen die rund 400 Agenten europaweit mindestens 150.000 Kunden rund drei Milliarden Euro aus der Tasche gezogen haben.

Zweifel an den Geschäften der WBB
Zahlen, die der Münchner Anwalt für Kapitalanlagewesen, Peter Mattil, recherchiert hat. Er wirft der WBB vor, den Kunden falsche Versprechungen gemacht zu haben. Bezweifelt sogar, dass mit den Geldern tatsächlich im vollem Umfang an der Börse gehandelt wurde.

Der Rechtsanwalt Peter Mattil gegenüber plusminus: "Die Anleger haben nur Kontoauszüge der WBB selbst bekommen. Die WBB war nie an irgend einer Börse zugelassen. Also ist das kein Beleg für eine Börsenplatzierung. Wir haben das bestritten. Und die WBB - ihr ist es nicht gelungen, im Zivilprozess nachzuweisen, dass die Gelder des einzelnen Kunden tatsächlich an der Börse gearbeitet haben."

Betrug oder nicht Betrug?
Peter Mattil findet daneben aber das Verhalten der Staatsanwaltschaft Düsseldorf besonders skandalös. Seit 1992 liefen dort Ermittlungen gegen die WBB International. Mehrfach wurde das Verfahren eingestellt, trotz zwischenzeitlicher Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

Seit dem Juli 2003 wird geschädigten Anlegern inzwischen offiziell mitgeteilt, dass der Fall WBB strafrechtlich verjährt sei. Erklärungsversuche von Bernhard Englisch von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zu den Vorwürfen: "Die Dimension, die hier angesprochen wird, war für uns lange Zeit nicht erkennbar. Erst im Jahr 1997 haben wir erkannt, dass es um einen größeren Umfang gehen könnte. Haben darauf hin auch richterliche Beschlüsse zu strafprozessualen Maßnahmen beantragt. Nur, als diese vorlagen, war die Firma faktisch aufgelöst, so dass sachdienliche Ermittlungen sehr schwierig geworden sind."

Wild-West-Germany
Geschätzte drei Milliarden Euro Anleger-Gelder verschwinden zu einem großen Teil im Nichts - und die Staatsanwaltschaft sieht weg. Für Medard Fuchsgruber vom Bund der Kapitalanleger ein Skandal: "Die WBB war international tätig. Das heißt, es sind nicht nur Deutsche reingelegt worden, nicht nur Schweizer und Österreicher, auch Franzosen und selbst die Türkei ist heimgesucht worden teilweise. Und hier ist eines ganz klar zu sehen: Wir blamieren uns. Weil das ist Wild-West-Germany, was hier in Deutschland läuft, insbesondere Düsseldorf, es ist ja kein Einzelfall für Düsseldorf, sondern wir haben hier ja eine Häufung. Und ich denke, es wird Zeit, dass die Sachen wenigstens im Nachhinein von den Ermittlungsbehörden klar gestellt werden und hier noch mal ein Anlegerschutz entsteht, nicht so, wie es heute ist, eher ein Betrügerschutz."

Fazit
Die Staatsanwaltschaft legt den Fall wegen Verjährung zu den Akten, während sich die Verantwortlichen der WBB International ins Fäustchen lachen, berichten Kenner der Szene. Statt sich vor Gericht verantworten zu müssen, genießen sie das Leben in vollen Zügen, heißt es. Geld genug müssten sie haben.

Ein Funken Hoffnung für alle WBB-Anleger
Während strafrechtlich nichts mehr zu machen ist, sehen Anlegerschützer sehr wohl noch gute Chancen, zivilrechtlich zumindest einen Teil der verlorenen Ersparnisse der Anleger zurückholen zu können. Mehrere Betroffene waren zuletzt vor Gericht erfolgreich.


Gesehen bei Plusminus am 16.9.2003
http://www.sr-online.de/statisch/Programm/Fernsehen/ARD/Plusminus/20030916/thema01.html
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