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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6446
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Verfasst am: 22.Apr 2007 18:55 Titel: GLS - Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken |
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Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, kurz GLS, ist Deutschlands größte ethisch-ökologische Bank – und längst kein Amateurverein mehr. Die Geldprofis nutzen professioneller als andere den Öko-Trend aus.
Über 4 000 Kredite in Höhe von rund 395 Millionen Euro hat die GLS vergeben. Das Geld fließt nur in Einrichtungen, "die ökologische, soziale oder kulturelle Ziele verfolgen", wie es im Leitbild der Bank heißt. Ein Autozulieferer oder ein Chemiehersteller bekommt in der Regel kein Geld von der GLS Bank.
Bei der Genossenschaftsbank aus Bochum arbeiten keine Amateure, sondern Geldprofis, die wissen, dass sie kaum etwas falsch machen können, Bio-Produkte liegen im Trend.
Die GLS gehört zu den Gewinnern des von Fleischskandalen und der Angst vor dem Klimawandel angeheizten Trends. Sie investiert ihr Geld in boomende Branchen, vergibt Kredite nur, wenn es sich lohnt, und hält sich aus riskanten Geschäften heraus.
Die Kreditzinsen bewegen sich im marktüblichen Rahmen. Und das müssen sie auch. Denn wer sich Geld von einer ethischen Bank leiht, schaut nicht weniger auf die Konditionen als die Kunden normaler Geschäftsbanken.
Die GLS Bank konzentriert sich auf wenige Geschäftsfelder und hat dort Expertenwissen. "Wir sind in den Branchen über Personen und Verbände vernetzt und wissen dadurch, was im Trend liegt, was sich verändert und wo es Probleme gibt", sagt Vorstandssprecher Thomas Jorberg. Dennoch müssen sich die Unternehmen einem Rating unterziehen, bevor sie von der GLS einen Kredit bekommen; und das Geschäft muss vielversprechend sein. Die Bank verschenkt Kredite nicht, sie will das Geld am Ende der Laufzeit zuzüglich Zinsen zurückbekommen. Wie jede Bank.
Die Kriterien sind streng. Bei der Finanzierung eines Kindergartens beispielsweise verlangt die GLS in der Regel Bürgschaften von den Eltern der Kleinen. Auch Unternehmensgründer müssen regelmäßig Bürgschaften beibringen. Ein Aufwand, den viele andere Banken nicht treiben.
Und sie pickt sich die Rosinen heraus: Als sie 2003 die kriselnde Öko-Bank übernahm, die in erster Linie im alternativ-gewerblichen Bereich tätig war, weigerte sie sich, problematische Kredite mitzuübernehmen. Die wurden an eine Tochter des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken abgeschoben. Zudem sicherte sich die GLS das Recht, Kredite auch im Nachhinein noch abzugeben. Traumbedingungen für eine Übernahme.
Im Wettbewerb um Privatkunden beschränkt sie sich ebenfalls nicht darauf, an das Gewissen der Verbraucher zu appellieren. Sie bietet attraktive Konditionen. "Die Kunden wollen mit ihrem Geld Sinn stiften, aber nicht automatisch auch auf Rendite verzichten", sagt Jorberg. Die Kontoführung kostet bei der GLS zwei Euro im Monat. Geld auf dem Sparkonto wird je nach Anlagezeitraum mit jährlich 1,0 bis 1,5 Prozent verzinst, wer das gleiche Produkt als Online-Konto wählt, erhält 2,25 Prozent Zinsen. Mit Angeboten von Direktbanken wie ING Diba kann sie damit zwar nicht ganz mithalten, unter den Genossenschaftsbanken liegt sie aber weit über dem Durchschnitt. Gut 52 500 Kunden hat die Bank, die insgesamt 589 Millionen Euro auf ihre Konten und Sparbücher eingezahlt haben.
Wenn die Bank sich im Tagesgeschäft nicht von einer konventionellen Bank unterscheidet, was macht sie dann überhaupt zu einem ethischen Institut? Sicher nicht allein der Brauch, dass sich alle Mitarbeiter zum gemeinsamen Frühstück treffen.
Es sind zum einen die Eigentümer der Bank. 13 823 Mitglieder halten Anteile an der Bank in Höhe von 15,6 Millionen Euro. Auf sie müsste ein Teil des Gewinns eigentlich verteilt werden - so ist es bei Genossenschaftsbanken üblich. Die Mitglieder verzichten darauf. So erhöht sich die Kapitalbasis der Bank und damit die Höhe der Kredite, die sie vergeben kann. Zum anderen ist die Bank damit vom Zwang der Gewinnmaximierung befreit. Das bedeutet zwar nicht, dass die GLS kapitalschwachen Bio-Bauern Geld nachwirft - aber sie kann auf diese Weise gemeinnützigen Einrichtungen Kredite zu günstigeren Konditionen geben. Die Organisation Panta Rhei etwa, eine Jugendhilfeeinrichtung in Dresden, hat im vergangenen Jahr 20 000 Euro zu Zinsen unter Marktniveau erhalten.
Auch im Umgang mit ihren Mitarbeitern zeigt die Bank ihr Herz. Aus- und Fortbildung für die 152 Mitarbeiter ließ sich die Bank in einem Jahr schon mal 118 000 Euro kosten. Der Posten lag 40 000 Euro über dem Bilanzgewinn der GLS. Zudem gibt es bei der Bank einen Mindestlohn. Ein Vollzeitbeschäftigter bekommt mindestens etwa 2 000 Euro. Pförtner verdienen damit nach Gewerkschaftsangaben bei der GLS doppelt so viel wie in vielen anderen Unternehmen. Und in den vergangenen zwei Jahren stellte die Bank 15 Putzfrauen ein, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die zuvor beschäftigte Reinigungsfirma Dumpinglöhne zahlte.
Auf der anderen Seite verzichten Führungskräfte auf hohe Gehälter. Die Vorstände der Bank verdienen jeweils weniger als 100 000 Euro. Im Vergleich zu anderen Bankleitern sind sie Geringverdiener. Vor allem GLS-Chef Jorberg. Er war der erste Auszubildende, den die Bank vor 27 Jahren eingestellt hatte. Schon damals war ihm klar, "wenn ich zu einer Bank gehe, dann nur zur GLS Bank. Bei konventionellen Banken geht es nur um Geld und Profitmaximierung. Wir beschäftigen uns damit, wie man Geld sinnvoll einsetzen kann." Ein Idealist. Aber keiner, der bei "sinnvoll einsetzen" nur an Schenken denkt.
Quelle: WiWo |
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