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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6457
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Verfasst am: 26.Apr 2006 17:53 Titel: 53 Hot Dogs in 12 Minuten |
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Bayer-Konzern sponsorte Freßwettbewerbe in den USA im Rahmen einer Werbekampagne für das Schmerzmittel Alka-Seltzer
Geschäftslogik eines Pharmariesen: Übergewichtige Kinder von heute sind die Medikamentenkäufer von morgen
Elf Pfund Käsekuchen in neun Minuten, 53 Hot Dogs in zwölf Minuten, 167 Hühnerflügel in 32 Minuten, 57 Kuhhirne in einer Viertelstunde – dies sind einige der Rekorde, die von dem Wetteß-Verband International Federation of Competitive Eating (IFoCE) registriert wurden. Wettessen sei »eine der vielseitigsten, dynamischsten und herausforderndsten Sportarten der Geschichte«, heißt es in der Selbstdarstellung des Verbands.
Ärzte und Ernährungsberater hingegen weisen auf Nebenwirkungen des Turbo-Fressens hin: Sodbrennen, Durchfall, Blähungen, Magenrisse und Entzündungen der Speiseröhre – von Übergewicht ganz zu schweigen.
Sogar drei Todesfälle sind bislang bekannt geworden. »Diese Wettbewerbe widersprechen allem, was wir über gesunde Ernährung wissen«, urteilt denn auch Bonnie Taub-Dix, Sprecherin der American Dietetic Association (Amerikanische Diätetische Gesellschaft).
Ein Großteil ihrer Landsleute kämpfe mit der Volkskrankheit Fettleibigkeit, sagt die Expertin, umso weniger Verständnis habe sie für Freß-Wettkämpfe.
Wettessen als »Sport«
Trotzdem gehört zu den Sponsoren solcher Turniere auch der deutsche Bayer-Konzern. Auf der Homepage der International Federation of Competitive Eating prangte bis letzte Woche eine Anzeige des von Bayer produzierten Schmerzmittels Alka-Seltzer.
Bei der letztjährigen US-Meisterschaft, immerhin mit 40000 Dollar Preisgeld dotiert und live im Fernsehen übertragen, diente Alka-Seltzer gar als Titelsponsor. »Alka-Seltzer ist ein ständiger Begleiter für die Wettesser, wenn sie im Weltzirkus unterwegs sind.
Für die Athleten wird ein Traum wahr, wenn sie an einem Alka-Seltzer gesponserten Event teilnehmen können«, textete der Verband im Gegenzug auf seiner Homepage.
Entsprechend beging Bayer auch das 75jährige Jubiläum seines Präparats Alka-Seltzer: Im Hilton Hotel von Las Vegas wurde das angeblich »größte Buffet aller Zeiten« aufgetischt. Hunderte Gäste sollten sich für einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde den Bauch vollschlagen.
Hubert Ostendorf von der Coordination gegen Bayer-Gefahren hat hierfür keinerlei Verständnis: »Welchen Schwachsinn will sich die Werbeabteilung von Bayer eigentlich noch ausdenken? Es ist wohl für jedermann einleuchtend, daß unmäßiges Essen gesundheitsschädlich ist. Bezeichnenderweise bietet der Konzern auch Mittel gegen Diabetes an – eine Krankheit, die wesentlich auf Übergewicht zurückzuführen ist.« Ostendorf erinnert auch daran, daß Alka-Seltzer den Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält. »Der unsachgemäße Gebrauch von Acetylsalicylsäure kann zu Magenblutungen und sogar Todesfällen führen – hiervon erfährt man in der Werbung für Alka-Seltzer natürlich nichts«, so Ostendorf weiter.
(...)Rückzug nach Protesten
Die Coordination gegen Bayer-Gefahren wies in der vergangenen Woche auf diesen krassen Widerspruch von Anspruch und Wirklichkeit hin und forderte den Konzern auf, die Förderung von Freß-Wettbewerben sowie verharmlosende Pharmawerbung einzustellen. Bayer reagierte ungewöhnlich schnell – wenn auch nicht ganz freiwillig: die Nachrichten-Agentur Bloomberg hatte eine Meldung an Medien in Nordamerika versandt, in der sie sich auf die Veröffentlichung der CBG bezog. The Mail And Globe, die größte Zeitung Kanadas, der Daily Record aus den USA und andere Zeitungen griffen das Thema auf.
Sprecher des Konzerns beeilten sich daraufhin zu versichern, daß die Aktion an der Unternehmens-Zentrale in Leverkusen vorbei beschlossen worden war und die Zusammenarbeit mit der IFoCE gestoppt würde. Tatsächlich verschwanden auf der Homepage des Freß-Verbandes einige Tage später alle Hinweise auf die Kooperation mit Bayer. Man müßte aber wohl naiv sein zu hoffen, daß das Pharmamarketing des Konzerns künftig ethischen Grundsätzen folgt.
jW |
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