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Abspecken macht fett

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Ronald
Insider


Anmeldungsdatum: 28.02.2005
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 25.Dez 2005 13:52    Titel: Abspecken macht fett Antworten mit Zitat

Aus aktuellem Anlass - es wird ja gesagt zwischen Weihnachten und Neujahr nehme man besonders viel zu, dabei ist es umgekehrt - zwischen Neujahr und Weihnachten passiert dieses.

Ein Interview mit Lebensmittelchemiker Udo Pollmer:

>>F: Man hört, es gebe immer mehr dicke Menschen. Stimmt das?

Das ist eine Frage der Definition. Menschen gibt es in allen Formen und Größen: Solche mit bulligem Nacken, mit Brauereipferdhintern oder mit Kugelbauch auf zwei dünnen Beinen, dann die sogenannten Couchpotatoes, deren Unterschenkel so dick sind wie bei anderen die Bäuche. Es gibt die cortisonabhängige Fettsucht am Rumpf, und es gibt die üppigen Formen Rubens’scher Gemälde. Das ist jedes Mal etwas völlig anderes.

F: Genügt der Body-Mass-Index nicht zur Beurteilung von Übergewicht?

Beim Body-Mass-Index (BMI) wird das Gewicht mit der Größe ins Verhältnis gesetzt. Wenn ein Mitarbeiter eines Schlachthofes auf die Idee käme, den Fettgehalt eines Schweins per BMI zu bestimmen, dann würde er wegen klinischer Dummheit gefeuert. Tun Sie das mit Patienten, dann sind Sie Ernährungsexperte oder Arzt, der sich im Fernsehen wichtigmachen darf.

F: Wie weit läßt sich das Gewicht durch Essen beeinflussen?

Menschen essen gewöhnlich so lange, bis sie satt sind. Das macht der Dünne nicht anders als der Dicke. Der eine kann futtern wie ein Scheunendrescher, ohne Fett anzusetzen, der andere spart sich das Essen vom Munde ab und geht trotzdem in die Breite. Man hat Versuchspersonen besonders viel essen lassen, damit sie dick werden. Fehlanzeige – lausige fünf Kilo kamen drauf und ein paar Wochen später waren sie wieder runter. Was für ein Menschenbild haben wir, wenn wir ernsthaft glauben, es gäbe Menschen, die aus purem Mutwillen soviel essen, daß sie nachher so aussehen wie ein Couchpotatoe? Da wird Ihnen schon beim ersten Überfreßversuch speiübel.

F: Und was bedeutet das?

Das bedeutet, daß der Körper kein Faß ist, in das man etwas reinfüllt oder durch Bewegung etwas entnimmt. Er hat für alles eine innere Regulation, hier den sogenannten Ponderostat, der das Gewicht regelt. Genau- so wie bei einem Haus der Thermostat für eine konstante Temperatur sorgt. Wenn er auf 28 Grad steht, nutzt es nichts, den Heizöltank nur halb voll zu machen oder zur kalorischen Verdünnung Steine reinzuwerfen. Es hilft auf Dauer auch nichts, die Fenster aufzureißen – dadurch steigt nur die Heizölrechnung. Genau so wird das Körpergewicht nicht über den Kühlschrank geregelt, sondern über hormonelle Systeme, die nach biologischen Gesetzen arbeiten – auch dann, wenn sie Ihr Arzt noch nicht kennt.

F: Heißt das, daß Diäten generell sinnlos sind?

Ja, sie machen die meisten Menschen dicker, auch wenn es gelegentlich Ausnahmen gibt.

F: Aber es gibt doch auch andere Gründe, warum Menschen dick werden?

Ja, aber sie haben nichts mit Essen zu tun. Man denke nur an die Konstitution. Oder: Welcher Therapeut kennt die Namen der Viren, die Fettsucht auslösen? Oder: Verheiratete sind dicker als Singles – einfach weil eine feste Partnerschaft die hormonelle Regulation ändert. Wenn der Testosteronspiegel sinkt, dann kriegen die Herren ihr Bäuchlein. Oder der Kummerspeck: Wenn Sie sich in einer ausweglosen Situation befinden, dann produziert der Körper Cortisol – und dann werden Sie meistens dick. Das kommt nicht von Schokolade, sondern von der Bitterkeit.

F: Kann es sein, daß auch die Angst vor ungesunder Ernährung dick macht?

Exakt! Wer Angst vorm Essen hat, wird fetter. Immer mehr Menschen, gerade Frauen, hassen ihren Körper und versagen sich vieles, was sie eigentlich gerne essen würden. Wenn sie denen helfen, endlich zu genießen, dann läßt ihr Körper los und sie verlieren einige Kilo. Das mag komisch klingen. Aber wenn man bedenkt, daß bis heute alle Abspeckmaßnahmen, die auf weniger Essen oder mehr Bewegung abzielten, gescheitert sind, dann könnte es sein, daß nicht die Menschen falsch sind, sondern die Theorien.

F: Wenn man Ernährungstips liest, bekommt man den Eindruck, es gebe »gutes« und »böses« Essen. Stimmt das so?

Viele »ExpertInnen« haben ein höchst problematisches Verhältnis zum Essen. Wer heute eine Gesundheitssendung moderieren will, sollte magersüchtig sein. Wenn Sie bedenken, daß das Fernsehen die Personen dicker erscheinen läßt, als sie wirklich sind, bekommen Sie eine Vorstellung, was sich da in unserer Gesellschaft abspielt. Um das Gewicht zu kontrollieren, um den Fernsehvorbildern zu genügen, zeigt in den Großstädten inzwischen bald ein Drittel der pubertierenden Mädchen Anzeichen von Eßstörungen: Sie diäten, erbrechen und nehmen Abführmittel. Das ist wirklich bedrohlich.<<

Quelle
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1058

BeitragVerfasst am: 27.Dez 2005 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

Pollmer hat ja völlig recht, wenn er den Unsinn der Diäten (besonders der einseitigen) vollmundig anprangert.

Nur unterliegt auch er der Versuchung, seine (richtigen) Erkenntnisse so einseitig überzeichnet darzustellen, daß sie schon wieder zweifelhaft werden.
Wenn er etwa "Menschen in allen Formen und Größen" als quasi normal bezeichnet und die Frage nach dem Übergewicht zu einer Frage der Definition relativiert.
Er möge sich doch bitte mal die Figuren der Menschen aus "Naturvölkern" betrachten, oder Fotos von Schulklassen heute und vor 50 Jahren vergleichen.
Die höhere Anteil von fetten Typen läßt sich eben nicht nur mit dem Wirken von "hormonellen Systemen, die nach biologischen Gesetzen arbeiten" erklären. (gab es die früher etwa nicht?) Da kommt ganz einfach noch die Energiebilanz hinzu, auch wenn Herr Pollmer da gar nichts mit am Hut hat.

Auch seine ausweichende Antwort auf die Frage nach der Wertigkeit von Nahrungsbestandteilen ist nicht wirklich hilfreich.

Man muß durchaus kein "problematisches Verhältnis" zu Essen haben, wenn man ein gegrilltes Stück Fisch für ernährungsphysiologisch wertvoller hält als eine ebenso gegrillte Scheibe fetten Leberkäs - oder
eine Apfel als Pausensnack für besser als einen Marsriegel.

Problematisch wird die ganze Angelegenheit doch immer nur durch einseitig polarisierende Ansichten - das gilt nicht nur für die schwindsüchtigen "ExpertInnen" im Fernsehen, sondern auch für Herrn Pollmer selbst.
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WC.Hofmann
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 09.12.2004
Beiträge: 361
Wohnort: in der Mitte Europas

BeitragVerfasst am: 27.Dez 2005 23:21    Titel: Re: Abspecken macht fett Antworten mit Zitat

Das war ein wirklich Appetit-anregender Beitrag.

Ronald hat folgendes geschrieben::
Aus aktuellem Anlass - es wird ja gesagt zwischen Weihnachten und Neujahr nehme man besonders viel zu, dabei ist es umgekehrt - zwischen Neujahr und Weihnachten passiert dieses.

Ein Interview mit Lebensmittelchemiker Udo Pollmer:
...
F: Wie weit läßt sich das Gewicht durch Essen beeinflussen?

Menschen essen gewöhnlich so lange, bis sie satt sind. ...
...


Meine Frau ermahnt mich immer mit "F d H" !
Und dann bekomme ich ein schlechtes Gewissen ... und vertilge die Tafel Schokolade heimlich. Um das Gewissen wieder zu beruhigen, nehme ich einen Apfel hinterher. Resultat: BMI = 25,5 - und das seit Jahren.

Bon appétit!
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bela-consult
Specialist


Anmeldungsdatum: 31.01.2005
Beiträge: 110

BeitragVerfasst am: 28.Dez 2005 8:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muß Hdschulz recht geben.

Unsere selbst ( wer auch sonst diese ernennt) ernannten Experten und Ernährungsgurus sehen meist nur schwarz-weiß. Dazwischen gibt es nichts.

Ich war bis Juni Diät-resistent. Da hätte ich noch Pollmers Theorie richtig gehalten. Bei 136 kg alles auf die Gene zu schieben, wäre die einfachste Lösung gewesen, einfach weiterhin alles in sich hineinzustopfen, was nicht schnell genug vom Teller kam.

Daß man sich auch anders ernähren kann, ohne zu hungern, ohne irgendwelche maßlos überteuerten, tatsächlich wirkungslos Säftchen von Herba usw. zu trinken, habe ich am eigenen Körper erfahren und mittlerweile auch einige Menschen kennengelernt, die auf die gleiche Art und Weise sich "richtig" ernähren.

Ohne zu hungern, und - sehr wichtig - ohne Verzicht zu üben habe ich innerhalb von 4 Monaten 30 kg abgespeckt und halte mein neues Gewicht von 105 - 107 kg nunmehr seit 2 Monaten - ohne Einschränkungen und schlechtes Gewissen. Dabei bin ich kerngesund, habe keine Traumata und bin voller Energie.

Nicht weniger ist mehr, sondern anders ist besser!

Jetzt kommt die zweite Phase, in der ich weitere 15 kg runter will. Die erreiche ich mit dann mit täglichem Sport, aber altersgemäßen!

Guten Rutsch und gute Vorsätze für 2006


bela-Consult
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1058

BeitragVerfasst am: 28.Dez 2005 10:30    Titel: Re: Abspecken macht fett Antworten mit Zitat

WC.Hofmann hat folgendes geschrieben::

Meine Frau ermahnt mich immer mit "F d H" !


Ist auch eine Methode, wenn auch nicht die intelligenteste.
Mit "FdR" (..das Richtige) kommt man problemloser ans Ziel.
Bei der geliebten Schokolade wäre das z.B. die hochprozentige Bittervariante, von der es sehr leckere Exemplare gibt.
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6841

BeitragVerfasst am: 15.Mai 2008 8:30    Titel: Antworten mit Zitat

Dicke Menschen verbrauchen 18 Prozent mehr Kalorien als Normalgewichtige.

Das ist aber nicht das einzige Problem, das Ian Roberts von der London School of Hygiene and Tropical Medicine mit den Übergewichtigen hat. Sie bewegen sich auch zu wenig und fahren zu viel. Daher verbrauchen sie nicht nur mehr Lebensmittel, sondern auch mehr Sprit.

Beides aber verstärkt die derzeit herrschende Nahrungsmittelknappheit, die zu höheren Preisen führt.
Schon alleine, um die zunehmende Massen von Dicken zu transportieren, wird mehr Benzin benötigt, und weil die Dicken sich mehr anstrengen müssen beim Gehen oder Fahrradfahren, machen sie das auch weniger.

Normalgewichtige Menschen (24,5 kg/m2), so schätzen die Wissenschaftler der Studie, die in der Zeitschrift Lancet erschienen ist, verbrauchen etwa 2.500 Kalorien am Tag pro Person. Dicke Menschen (29,0 kg/m2) würden hingegen durchschnittlich 2.960 Kalorien verbrauchen.

Geht man von einer Milliarde dicker Menschen aus, dann drückt dies auf die Lebensmittelversorgung.

Die Wissenschaftler schlagen als Gegenmaßnahme eine Verkehrspolitik vor, die Gehen und Fahrradfahren fördert, um das Gewicht und gleichzeitig den Benzinverbrauch zu reduzieren. Ach und dann hätte man viel gewonnen.

Schließlich würde weniger Nahrung gebraucht – und auch weniger Sprit, was nicht nur die Treibhausgasemissionen, sondern auch die Nachfrage nach Biosprit senken würde. Alle wären gesünder, es gäbe weniger Luftverschmutzung, die Unfälle sinken.
Quelle: heise
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6841

BeitragVerfasst am: 3.Jun 2008 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Auf ihrem Ernährungsgipfel hat die UN Handelsschranken und Völlerei verurteilt.

"Der überflüssige Konsum durch die Übergewichtigen dieser Welt kostet jedes Jahr 20 Milliarden Dollar", erklärte FAO-Chef Jacques Diouf zu Beginn des dreitägigen Kongresses. "Dazu müssen die indirekten Kosten von 100 Milliarden Dollar durch vorzeitige Todesfälle und Krankheiten gezählt werden."

Ursprünglich war der Gipfel von der UN-Ernährungsbehörde FAO als Forum für Diskussionen über die Folgen der globalen Erwärmung gedacht. Nun wird das Treffen von den dramatisch gestiegenen Nahrungspreisen beherrscht. Die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Für Reis, Mais und Weizen müssen Rekordsummen bezahlt werden.

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sagte, er sehe in dem "unerträglichen Protektionismus" der reichen Länder den Hauptgrund für die hohen Lebensmittel: "Subventionen schaffen Abhängigkeit, lassen ganze Produktionssysteme zusammenbrechen und rufen dort Hunger und Armut hervor, wo eigentlich Reichtum herrschen könnte."
Quelle: Reuters
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