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Bitte mehr Vorschriften!

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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1051

BeitragVerfasst am: 11.Okt 2004 21:02    Titel: Bitte mehr Vorschriften! Antworten mit Zitat

Gerade im neuen "Focus" gelesen:
47% der Bundesbürger sind dafür, daß der Anteil der deutschsprachigen Musiktitel im Rundfunk vorgeschrieben wird, im Osten sogar 61%! - nur 46% sind dagegen. Hatte da jemand mal was von weniger Reglementierung und Bürokratieabbau erzählt? Vergessen wir's! Das will doch die Mehrheit nicht wirklich - lieber vom "Großen Bruder" erzählen lassen, wie alles zu funktionieren hat. Mir dreht sich der Magen um.
Wir sollten uns nicht wundern, wenn Frau Künast, die das Problem der Übergewichtigkeit in der Bevölkerung ja schon erkannt hat, bald auf die Idee kommt, den Restaurants vorzuschreiben, wieviel Fett und Zucker deren Kreationen enthalten dürfen.
Und die Kälber, die ihren Metzger selber wählen, klatschen Beifall......

kopfschüttelnd
hdschulz
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mhmoeller
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 20.12.2003
Beiträge: 1263
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 11.Okt 2004 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

@ hdschulz

Sie schreiben:
Zitat:
Wir sollten uns nicht wundern, wenn Frau Künast, die das Problem der Übergewichtigkeit in der Bevölkerung ja schon erkannt hat, bald auf die Idee kommt, den Restaurants vorzuschreiben, wieviel Fett und Zucker deren Kreationen enthalten dürfen.


Ne, das ist Frau Künast schon längs auf eine bessere Idee gekommen:

Wirtschaft soll für dicke Kinder zahlen
Die Wirtschaft soll nach Willen von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (GRÜNE) für die Fehlernährung dicker Kinder zahlen. Das Ministerium plant nach Informationen der Zeitung "Der Tagesspiegel" einen Fonds, an dem sich die Ernährungsindustrie beteiligen soll. Mit Geldern aus dem Fonds sollen Aufklärungskampagnen über die Folgen der Fehlernährung bei Kindern finanziert werden. Experten befürchten, daß durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck enorme Kosten auf das Gesundheitssystem zukommen."

Meldung vom 20.1.2004
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1051

BeitragVerfasst am: 12.Okt 2004 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

....und die sind ihr auch noch auf den Leim gegangen!

Zum Thema gibt es einen interessanten offenen Brief des Ernährungswissenschaftlers Udo Pollmer, wahrlich nicht bekannt als Freund der Ernährungsindustrie, der dieser vorwirft, durch ihr eilfertiges Mitmachen an dem Ast zu sägen, auf dem sie selbst sitzt:

Zitat:
Offener Brief an die Ernährungswirtschaft


Von Udo Pollmer und Brigitte Neumann



Sehr geehrte Damen und Herren Unternehmer der Emährungswirtschaft,



Sie haben gerade einem massiven Eingriff in Ihre unternehmerische Freiheit als Lebensmittelhersteller zugestimmt. Über Ihre Interessenvertretung, den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), sind Sie Mitglied der „Plattform Ernährung und Bewegung e.V." geworden. Diese gibt vor, Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen, zielt aber letztlich auf Ihr Sortiment - insbesondere auf das, was gerade auf dem nach oben offenen Index der Ernährungsberater steht. Diese werden mit Ihrem Geld bezahlt, um vor Ihren Produkten zu warnen.



Glaubt man der jüngsten Regierungserklärung von Verbraucherministerin Renate Künast, drohen wir eine Nation der verfetteten Frühsterber zu werden - und das bei ständig steigender Lebenserwartung. Irgendwie trägt angeblich beides zur Kostenexplosion im Gesundheitswesen bei. Und Sie, verehrte Lebensmittelproduzenten, sind daran Schuld! Die Ministerin hat ihre Erklärung mit dem Hinweis auf ein Kind begonnen, das mit drei Jahren bereits 38 Kilo wog und an einem Herzinfarkt verstarb. Laut Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte das Mädchen jedoch einen schweren angeborenen Herzfehler. Was lernen wir daraus? Propaganda muss nicht wahr sein, sie muss nur wirken.



Künast'scher Werbegag



Frau Künast behauptet, dass mittlerweile ein Drittel aller Jungen und ein Viertel aller Mädchen übergewichtig seien. Als Grundlage dienen ihr Daten von Professor Beate Herpertz-Dahlmann, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der TU Aachen. Nach den Worten von Herpertz-Dahlmann bedeuten die Zahlen aber nicht, dass diese Kinder tatsächlich zu dick sind. Eine Adipositas läge schließlich nur bei 4-8 Prozent aller Schulkinder vor.



Angesichts dieses Kunstgriffes erstaunt es kaum, dass das Verbraucherministerium handfeste Daten ignoriert - sogar jene, die es selbst erhoben hat. Denn im jüngsten Ernährungsbericht von 2000 steht, dass „für Jungen und Mädchen zwischen 6 bis unter 17 Jah-ren ... insgesamt kein nennenswerter Anstieg in der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas festgestellt werden" kann. Der Bericht weist auch darauf hin, dass Versuche, das Gewicht durch „rigide Kontrolle" zu halten oder zu senken, bei Kindern Übergewicht „geradezu auslösen" (vgl. EU.LE.n-Spiegel 2003/H.5-6).



Doch die Ministerin sorgt sich nicht nur um das körperliche Wohl der Jugend, sondern appelliert zugleich an das soziale Gewissen der Bürger, indem sie vor Ausgrenzung übergewichtiger Kinder und Jugendlicher warnt. In der Praxis erreicht sie damit natürlich genau das Gegenteil, denn ihre Kampagne trägt zur Stigmatisierung dicker Kids bei. Jetzt werden Pykniker erst recht gehänselt und gedemütigt. Frau Künast erhöht damit den Druck sogar auf jene, die sich bislang weder selbst als „übergewichtig" ansahen noch von anderen so wahrgenommen wurden: Gesunde Kinder beispielsweise, die sich künftig ohne Not Tag für Tag um ihr Gewicht sorgen dürften, oder pubertierende Mädchen, die sich vor ihren biologisch notwendigen Fettpölsterchen fürchten werden.



Was bedeutet es, wenn in Zukunft ein Minister darüber entscheidet, was „gesund" oder „normal" ist und was nicht? Nimmt man die aktuellen offiziellen Maßstä-be, dann sind sogar Filmidole wie George Clooney und Brad Pitt fettsüchtig bzw. übergewichtig. Müssen diese aus ernährungsmedizinischer Sicht bedenklichen Vorbilder bald als jugendgefährdend gelten?



Es war ein raffinierter Werbegag von Renate Künast, die „Plattform Ernährung und Bewegung e.V." zu gründen, in die Organisationen und Unternehmen der Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft einzahlen. Mit dem Geld wird Ernährungsaufklärung im Kindes- und Jugendalter nach dem Gusto der Ministerin betrieben. So soll endlich erreicht werden, woran die Beratung bisher scheiterte, nämlich den Kindern und Familien die amtlich verordnete Gesundkost beizubiegen. Natürlich werden sich daraus auch Forderungen ergeben, was Sie als Unternehmer zu produzieren haben, und was Sie tunlichst unterlassen sollten. Es versteht sich von selbst, dass Ihre Erfolgsprodukte im Mittelpunkt der Kritik stehen werden.



Vom Werbeonkel zum Watschenmann



Die Medien haben ihre Funktion als öffentliche Kontrollinstanz der Politik auf diesem Feld weitgehend aufgegeben. Im Gegenteil: Viele Verbraucher- und Gesundheitsredaktionen verstehen sich zunehmend als Sprachrohr der Rechtgläubigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, der Menschheit mit missionarischem Eifer das aktuell genehme Essen und die zeitgemäße Körperform vorzuschreiben.

Über die letzten Jahre hat sich deshalb auch das Interesse der Redaktionen, die sich an das EU.L.E. wenden, gewandelt: Immer seltener werden Informationen gewünscht, dafür immer häufiger Meinung abgefragt. Passt die Meinung - entweder als Bestätigung oder als „gefährlicher Irrglaube", der dann öffentlich richtiggestellt wird - , darf man mitdiskutieren. Wobei „diskutieren" hoch gegriffen ist. Die Zeit, die für ein Statement im Fernsehen verbleibt, wird immer kürzer und liegt inzwischen manchmal bei 15 Sekunden. In dieser Zeit lässt sich der politische Gegner zwar trefflich diffamieren, aber Zusammenhänge - egal ob es sich um Gesundheitsreform, Regulation des Körpergewichts oder Gentechnik dreht - können nicht mehr erklärt werden. Für den Zuschauer wird das Leben scheinbar einfacher: Er muss sich keine Argumente mehr anhören, sondern darf zwischen den vorgegebe-nen Schlagworten der Interessengruppen, zwischen Sympathieträgern und Feindbildern, zwischen eigenen Ängsten und anderer Leute Hoffnungen wählen.



Die Lebensmittelwirtschaft hat sich mit ihrem Rollenwandel, so scheint es, bereits abgefunden: Vom guten Werbeonkel für Markenartikel hin zum Schurken, zum Watschenmann für Verbraucherschützer. Sie schweigt und zahlt. Wer sich auf diese Weise von der Politik in die Enge treiben lässt, hat nicht nur ein Vertrauensproblem. Langfristig wird die Lebensmittelwirtschaft tributpflichtig wie die Tabakindustrie (die statt lebensnotwendiger Nahrung nachweislich gesundheitsschädliches Rauchwerk vertreibt). Mit ihren Beiträgen zur „Plattform" hat sie sich nicht freigekauft, sondern ein formidables Schuldeingeständnis abgelegt. Dass sie in dieser Runde auch noch von ihrem juristischen Spitzenverband BLL vertreten wird, kommt einer Kapitulation gleich. Für die Politik ist es ein Triumph, der hilft, das Versagen der Familienpolitik zu verschleiern. Denn in aller Regel finden sich „dicke Kinder" - wenn sie ihre Körperform nicht gerade den Genen pyknischer Eltern verdanken - häufig in zerrütteten Familien. Nun aber soll's die Lebensmittelwirtschaft richten.



Vor der eigenen Türe kehren



Wer als Hersteller nicht zahlt, entzieht sich in den Augen der Öffentlichkeit der Verantwortung. Wer ein-willigt, ist Stifter und Buhmann zugleich. Schließlich wird seinen Produkten damit der Stempel „übergewichtsfördernd" aufgedrückt, was soviel heißt wie „gesundheitsgefährdend". Sehr geehrte Damen und Herren, seien Sie sich bitte im Klaren darüber, dass Ihnen diese Kampagne nicht zur Ehre gereichen wird. Welche verheerenden Folgen erzwungene Abspeckmaßnahmen für den wachsenden Organismus haben, kann man angesichts der Misserfolge und der massiven Gesundheitsschäden durch Diäten (auch in Kombination mit Ausdauersport) bei Erwachsenen nur erahnen.



Nicht dass das EU.L.E. der Ansicht wäre, unser Lebensmittelangebot sei in jeder Hinsicht vorbildlich. Im Gegenteil. Nicht umsonst haben wir Ihre Branche seit mehr als zehn Jahren kritisch begleitet. Aber sie ist eben nur für das verantwortlich, was sie verursacht -nicht aber für Patchworkfamilien, Herzfehler oder die Erbanlagen der Kundschaft. Als Hersteller sollten Sie Ihr Geld in die Produkte stecken, angefangen von einem Verzicht auf Glutamat bis hin zur Rückkehr zu traditionellen Herstellungsverfahren. Es wäre wirksamer, Sie würden auf Masthilfsmittel wie Süßstoffe verzichten, statt Grundschülern Angst vor dem eigenen Appetit einzujagen und sie in eine Essstörung zu treiben.



Steuer auf Fett & Co.



Die „Plattform" ist nur ein Einstieg. Die aktuelle Botschaft, vorgetragen von staatlich subventionierten Ernährungsaufklärern, weist der Lebensmittelwirtschaft die „Schuld" an jenen Krankheiten zu, vor denen sich der Wähler am meisten ängstigt. Dieser wiederum freut sich, wenn endlich die „Verursacher" von Krebs, Diabetes, Arteriosklerose, Übergewicht oder einfach nur dem Altwerden (z. B. durch einen vermeintlichen Mangel an Antioxidanzien in Gemüse aus „Agrarfabriken") zur „Verantwortung" gezogen werden. Wenn also endlich eine Fett- und Zuckersteuer oder ähnliches erhoben wird. Viele Unternehmer mögen sich mit der Vorstellung trösten, die Gebühren aufs Produkt umzulegen und durchzureichen. Der Irrtum wird wohl spätestens dann eingesehen, wenn die Tochter aus der Schule kommt und fragt, ob es stimmt, was die Lehrerin sagt: Dass Papa mit seinen Leckereien die Kinder nicht froh, sondern die Menschheit krank macht...



Offenbar hofft Ihre Branche nach wie vor, die nächste Regierung würde auf diese Art von Agrar- und Verbraucherschutz-Populismus verzichten. Aber es gibt kein Zurück mehr in die stillen Zeiten, als die Politik selbst Skandalfirmen vor den Medien in Schutz nahm. Wer seine Probleme nicht löst, wer sich in Sachen Gentechnik in irreführendes Schweigen hüllt, wer sich widerspruchslos die Schuld an Krebs, Herzinfarkt und Diabetes aufhalsen lässt, wird dafür bezahlen müssen. Dazu reicht der Politik lediglich der Hinweis auf die „Profitgier" jener, die uns Butterhömchen, Lakritzschnecken oder Currywürste verkaufen. Der Ernährungswirtschaft wird sowieso niemand mehr ein Wort glauben. Wie das funktioniert? Siehe oben. Mit freundlichen Grüßen, IhrEU.LE.



Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist doch, daß wir uns so langsam dran gewöhnen, daß uns unter dem Deckmantel "Verbraucherschutz" jedwede Gängelung verkauft wird. Solange nur die Industrie betroffen ist, regt sich niemand groß auf. Wir werden aber langsam auch unempfindlich, wenn in die Feiheit des Einzelnen eingegriffen wird - ja wir verlangen das sogar, siehe Zensur der Radiosendungen! Wo wird das enden? Dreimal dürfen Sie raten.


sorgenvoll... hdschulz
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