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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 12.Okt 2008 19:11 Titel: Blödsinn, den wir sehen |
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Der erhobene Zeigefinger und das listige Lächeln ähnelten einander. Erst im Mai dieses Jahres hatte Marcel Reich-Ranicki den Henri-Nannen-Preis für sein journalistisches Werk entgegengenommen - und mit verschmitzt dozierender Gestik zur Dankesrede angehoben.
Der Zeigefinger des 88-Jährigen bewegte sich auch diesmal auf Augenhöhe, aber zu einer Dankesrede kam es nicht.
Als der prominenteste deutsche Literaturkritiker am Samstagabend in Köln mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, ging er trotzig in die Verweigerungsspur.
Thomas Gottschalk stand mit Trophäe, einem gläsernen Obelisken, und gekräuselten Blondlocken bereit, aber Reich-Ranicki hatte es sich anders überlegt.
Er habe schon viele Preise in seinem Leben erhalten, befinde sich nun aber in einer schwierigen Situation. "Ich nehme diesen Preis nicht an. Ich gehöre nicht in diese Reihe."
Der verdutzte Moderator Gottschalk hielt das zunächst für einen Scherz des in Provokationen geübten Reich-Ranicki, aber mit der blasierten Lockerheit vom "Wetten, dass..."-Sofa kam Gottschalk diesmal nicht so recht weiter. "Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste", sagte Reich-Ranicki und wetterte gegen den "Blödsinn" des Abends und den allgemeinen Niedergang der Qualität im Fernsehen.
Was er genau meinte, verriet Reich-Ranicki nicht. Eine Einzelkritik der Preisträger blieb aus. Der renitente Wutausbruch ("Ich wusste nicht, was mich hier erwartet") dürfte aber ein Nachspiel haben.
Gottschalk und das ZDF boten eine Diskussionssendung mit Reich-Ranicki über Qualität im Fernsehen an, deren Umsetzung die Verantwortlichen nun prüfen.
Man kann davon ausgehen, dass sich die Gelegenheit zur Fortsetzung des Skandals mit Unterhaltungsgarantie niemand entgehen lassen möchte.
Auftritte in Sendungen mit Thomas Gottschalk nutzte Reich-Ranicki gern zur Beweisführung, dass der Literaturkritiker über beachtliche Entertainerqualitäten verfügt. Ihn in der Sendung zu haben, barg stets unkalkulierbare Begleiterscheinungen.
Thomas Gottschalk jedenfalls war sichtlich irritiert. "Ich geh mal kurz hinter die Bühne und trinke ein bisschen Hustensaft", sagte er zum staunenden Publikum. Hinter den Kulissen gibt man sich nun jedoch cool. ZDF-Intendant bezeichnete den Vorfall als Sternstunde des Fernsehens.
Reich-Ranickis Ehefrau Teofila bestätigte unterdessen, ihr Mann habe den Preis abends dann doch mit nach Hause gebracht.
Quelle: H.Nutt |
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hostaria Pathfinder
Anmeldungsdatum: 17.01.2006 Beiträge: 260
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Verfasst am: 13.Okt 2008 11:05 Titel: |
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| Zitat: |
| "Ich nehme diesen Preis nicht an. Ich gehöre nicht in diese Reihe." |
Dieser Satz sagt mehr als tausend Worte. Er beinhaltet mehr als einen Funken Wahrheit u. legt eine Spur zum Nachdenken.
| Zitat: |
| Reich-Ranickis Ehefrau Teofila bestätigte unterdessen, ihr Mann habe den Preis abends dann doch mit nach Hause gebracht. |
Ganz wichtig für die identitätslosen Heuchler, deren Gesicht gewahrt bleiben will; eine sich selbst beweihräuchernde Schafherde die glaubt Schafmist sei Butter.
Morgen landet das „Geschenk“ bereits auf dem Sperrmüll. |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1142
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Verfasst am: 14.Okt 2008 9:03 Titel: |
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Ein trefflicher Kommentar mit Links zu anderen trefflichen Kommentaren:
Der Untergang der Kultur
aus dem Blog "Der Misanthrop"
Hochstehende Inhalte verschwinden, die Jugend verblödet und das Fernsehen liefert bloss noch Schwachsinn. - Gute alte Kulturkritik. Schön, wenn man sich darin suhlen kann und die heutigen Medieninhalte für so belanglos wie eine trocknende Wand halten mag.
Doch war es jemals anders?
Nicht, dass mir der Content von TV, Radio, Zeitungen, Büchern und Internet zusagen würde. Den grössten Teil finde ich abstossend bis todlangweilig oder schlicht uninteressant. Nachdenklicher stimmt der Gedanke, dass die Medien den Gesetzen des Marktes unterliegen. Wenn das Fernsehen angefüllt ist mit Seifenopern und Reality TV, dann liegt die womöglich darin, dass genau dies gewünscht wird. Jene, die lieber etwas anderes sehen würde, haben Arte, 3Sat, Youtube, einen DVD-Recorder und den ganzen Untergrund. Dasselbe gilt für die gedruckten und digitalen Medien, wie auch für das Radio. In Zeiten von glühenden und summenden Datenkabeln kann man sich nicht darüber beklagen, dass man selbst nichts Akzeptables in den Medien findet. Höchstens, dass es zuviel gibt, das einem nicht gefällt.
Doch vielleicht liegen bloss unsere Erwartungen fernab der Realität.
Kulturkritik übten schon die alten Griechen - so stereotyp dies auch tönen mag. Auch sie meinten, in ein paar Jahrzehnten wäre des menschliche Hirn zu einem überflüssigen Accessoire geworden. Die Panik vor jener ominösen globalen Verdummung hat viele Vorfahren und -gänger. Der untergebildete, übergewichtige und Soaps verschlingende Dummkopf ist kein neuzeitliches Phänomen. Die Sorge, dass Vivaldi, Bach und Goethe aus den Ohren und aus den Augen verschwinden werden, ist also reichlich unbegründet.
Macht das irgendetwas besser?
Nein, Medien sind voll mit Lügen, Halb- und Unwahrheiten, Belanglosigkeiten, Skandalen, Schlagzeilen und Promigeschichten. Mich widert’s ab und zu an. Doch dann wechsle ich einfach den Sender - bildlich gesprochen. Zweifellos würde ich mich freuen, wenn mehr Leute als jetzt sich an tiefgehenden politischen, philosophischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Debatten und Diskussionen beteiligen würden. Wenn jeder Adam Smiths
An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations gelesen hätte, aber Interessen sind verschieden und die Freude, sich in die Wirtschaftswissenschaft zu vertiefen, teilen nur wenige.
Der Glotzer (Pejorativ für jenen, der sich mit Bier und Chips Reality TV anschaut.) mag wahrhaftig und aufrichtig, was er sich ansieht. Doch er ist nicht zwangsläufig dumm. Oder hat eine schlechte Bildung genossen. Einen Zusammenhang zwischen den drei Dingen hat man schnell geschlossen, doch es ist eine Kollektivisierung, die wir - trotz all unseres Hasses auf das Fernsehprogramm - nicht begehen sollten.
(Der Filmgeschmack von anderen Personen kümmert mich persönlich wenig. Und über politischen Populismus und wirtschaftswissenschaftliche Ammenmärchen darf man klagen - besser wäre, deren Vertreter offen zu kritisieren, Gegenargumente vorzubringen und sich Gehör zu schaffen. Denn was mich interessiert, ist nicht, ob der Herr Jemand Soaps mag, sondern ob er meine Freiheit einschränken will.)
Inspiration hierfür ist natürlich Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Ehrenpreis des Deutschen Fernsehens. Hierzu ein paar Links:
Zettels Raum - Marginalie: Marcel Reich-Ranicki langweilt sich. Und provoziert einen Eklat. Besuch des alten Herrn. Ein Erklärungsversuch
Band of Brothers - Unterschichtenfernsehen
fdog - Reich-Ranicki lehnt deutschen Fernsehpreis ab
deutschlandfunk - Reich-Ranicki zu seiner Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 16.Okt 2008 13:57 Titel: |
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Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki diskutiert mit Thomas Gottschalk über Qualität im Fernsehen.
Mit der Sendung "Aus gegebenem Anlass" wird das Versprechen eingelöst, das Gottschalk im Rahmen der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gegeben hat.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat seine Kritik an den Inhalten des deutschen Fernsehens bekräftigt. „Ich habe nichts zu bereuen, ich nehme nichts zurück“, sagte der 88-Jährige in dem ZDF-Streitgespräch mit Moderator Thomas Gottschalk, das nach Reich-Ranickis Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises vom Wochenende vereinbart worden war.
Der Sender teilte am Donnerstag erste Einzelheiten aus der Sendung mit, die am Freitagabend ausgestrahlt wird.
„Es bleibt beim ´Du´ zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki“, lautet der erste Satz der ZDF-Pressemitteilung. Doch über die Funktion von Fernsehpreisen und die Qualität von Fernsehsendungen seien beide weiterhin konträrer Meinung.
In dem aufgezeichneten Streitgespräch räumte Marcel Reich-Ranicki ein, dass bei der Verleihung auch einige nicht ganz schlechte Momente gewesen seien. So lobte er ausdrücklich die preisgekrönte Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“, deren Qualität aber während der Gala-Veranstaltung nicht zum Vorschein gekommen sei.
„Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben“, fasste der langjährige Literaturchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ laut ZDF seine Kritik an der Qualität des Mediums zusammen. Gottschalk wies daraufhin, dass das Fernsehen Reich-Ranicki „als unterhaltsamen Menschen bekannt gemacht hat“.
„Aus gegebenem Anlass“ am (morgigen) Freitagabend um 22.30 Uhr im ZDF |
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