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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 13.Apr 2006 13:33 Titel: Der Osterhase - |
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Osterzeit ist Hasenzeit.
Für die Städter zumeist nur in den Geschäften, wo die Hasen schon im Januar den Nikolaus abzulösen pflegen, der ihnen - eingeschmolzen und genial recycelt - die süße Substanz liefert.
Bis zum Ersten Weltkrieg kamen Osterhasen überhaupt nur in Städten vor, und noch 1932 gab es Kinder, die nicht an den alleinherrschenden Eierboten glaubten.
In einer Erhebung für den Atlas der Deutschen Volkskunde erklärten die meisten zwar, der Hase liefere die Eier, doch je nach Region waren es spezielle grüne oder rote Hasen (aus gefärbtem Zucker für die ärmeren Leute nämlich, die sich Schokolade damals nicht leisten konnten), manchmal auch der Fuchs.
Himmelshennen, Ostervögel und -lämmer galten ebenfalls als Anwärter in der österlichen Konkurrenz, verdächtigt wurden auch Zugvögel wie etwa Storch, Kranich oder Kuckuck.
Branchenfremde Saisonarbeit für Nikolaus und Christkind wurde ebenso in Erwägung gezogen wie aus Rom eingeflogene Glocken, die ihren Dienst als Eierboten verrichteten.
Inzwischen ist der Osterhase Monopolist - wenigstens in Deutschland. In Australien wird das Easter Bunny durch den Easter Bilby ersetzt: Da Hasen und Kaninchen in Australien als Schädlinge gelten, übernimmt ihre Rolle als Ostersymbol der Kaninchennasenbeutler.
Der griechische Historiker Herodot glaubte im 5. Jahrhundert vor Christus noch, dass auch männliche Hasen trächtig würden.
Anders konnte er sich die exorbitante Fruchtbarkeit dieser Tierart nicht erklären.
Doch die Hasen entwickeln andere Tricks. Im Frühling - wenn sie doch einmal tagsüber auf den Äckern zu sehen sind - prügeln sie sich, bis sie den besten Partner gefunden haben.
Dabei schlagen die Häsinnen nach den Rammlern - nicht umgekehrt, wie noch bis in die achtziger Jahre hinein in Grzimeks Tierleben zu lesen war. Es wird also nicht etwa die Häsin weichgeklopft, sondern der Rammler geprüft.
Wer am meisten Prügel einstecken kann, ohne schlapp zu machen, ist der Ausdauerndste und liefert aus Häsinnensicht das beste Erbgut.
Der Osterhase wurde übrigens 1682 erstmals in der Doktorarbeit des Mediziners Georg Franck mit dem Titel De ovis pauschalibus - Von Oster-Eyern erwähnt.
Fruchtbarkeitssymbol Ei und Hase müssen irgendwann einen Pakt geschlossen haben. Der Literaturwissenschaftler Dietz-Rüdiger Moser glaubt, dass es zum Osterhasen im heutigen Sinne im 16. Jahrhundert kam.
Die katholischen Fastenbräuche verboten ausgerechnet zur Hauptsaison den Konsum von Eiern. Wohin also damit? Bunt bemalt wurden die Eier zu Ostern in der Kirche geweiht.
So etwas widerstrebte den Protestanten, sie wollten ihren Kindern aber den Spaß nicht verderben, also benötigten die Eier einen weltlichen Überbringer.
Am Ende bekam der Hase die Kiepe mit den Eiern aufgeladen und machte - der Süßwarenindustrie sei Dank - im 20. Jahrhundert endgültig das Rennen.
Der Osterhase ist also kein Relikt eines heidnischen Brauches, und um mit einem weiteren Aberglauben aufzuräumen: Er schläft auch nicht mit offenen Augen.
Frohe Ostern |
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