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mhmoeller * Consulter *
Anmeldungsdatum: 20.12.2003 Beiträge: 1263 Wohnort: Bochum
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Verfasst am: 2.Feb 2005 22:55 Titel: Deutschland im Winter 2005 |
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August 2004: Die Freude ist groß, das Kind ist endlich da.
Dezember 2004: Harz IV greift, anderthalb Stunden hochnotpeinliche Beantwortung von Fragebögen auf dem Sozialamt.
Januar 2004: Schreiben der Bundesagentur für Arbeit. "Finden Sie sich am 2.2.2005 um 15 Uhr zur Info-Veranstaltung ein." Anruf an die Bundesagentur in Bochum: "Bin in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis, bin im Erziehungsurlaub." Antwort: "Wenn Sie nicht kommen, wird das Geld gesperrt."
2.2.2004, 13:45 Uhr: Im strömenden Regen mit dem Kinderwagen zur Bushaltestelle.
13:53 Uhr: Glück gehabt. Der Bus hat nur zwei Minuten Verspätung und Fahrkarte kostet nur 2,- €
14:12 Uhr: Ankunft am Umsteigepunkt. Eine Minute Zeit im strömenden Regen die Fahrbahn zu überqueren, den Bus zu erreichen. Puh - so eben geschafft. Der Fahrer fährt nicht los, winkt mich nach vorne - erstmal Ticket vorzeigen. Mit dem Kinderwagen kein Sitzplatz möglich - also stehen.
14:37 Uhr: Ankunft an der Haltestelle. Noch ein paar Minuten im Regen bis zum Arbeitsamt.
14:45 Uhr: Ankunft im Arbeitsamt, hier regnet es zumindest nicht und schon ein großes Schild im Eingang: Infoveranstaltung im Raum 1.006 - Pfeil nach rechts.
Klasse - ein Stockwerk höher. Na, erstmal einen Fahrstuhl suchen - ausgeschildert ist keiner. Na nach weiteren drei Minuten ist auch diese Hürde überwunden.
Doch - was ist das? Eine lange Menschenschlange im Flur. Darunter Mütter mit Säuglingen im Kinderwagen, eine Mutter mit ihrem schwerstbehinderten jugendlichen Sohn aus einem Gehgestell - und warten. Es geht nur langsam vorwärts, aber langsam zeichnet sich ab, was hier passiert. In einem Foyer sind drei Tische aufgebaut - in einem Abstand von je rund 1,50 Metern. Dahinter wird die Menschenschlange mit Flatterband in Schach gehalten. Als ich den Tischen immer näher komme, höre ich jedesmal die gleiche Frage: "Wollen Sie arbeiten?"
15:35 Uhr auch ich darf an einen der drei Tische vortreten. Ich sage als erstes: "Ich bin in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis und im Erziehungsurlaub." Antwort: "Schön, dann können Sie jetzt nach Hause gehen."
Die Einzelheiten der Rückfahrt spare ich jetzt mal auf.
Satire? Schlechter Traum? Nein, Realtität im Winter 2005.
Eine alleinerziehende Mutter wird gezwungen mit einem sieben Monate alten Säugling mal eben im strömenden Regen auf ihre eigenen Kosten quer durch die Stadt zu fahren - um vor Ort einen zugeschickten Fragebogen zu beantworten. Einen Fragebogen, der die gleichen Fragen wie der Harz IV-Antrag enthält, der erst wenige Tage vorher beantwortet wurde.
Schikane? Soll hier gezeigt werden: Sieh, wir sind der mächtige Staat, Du der Bittsteller!
Fehlende Organisation? Hier im Forum helfen bestimmt genügend Berater der Bundesagentur eine vernünftige Organisationsstruktur zu verpassen.
Fehlendes Einfühlungsvermögen? Dann am falschen Platz eingesetzt, der Schachthof wäre der besser Ort.
Die Bundesagentur bekommt zukünftig das Recht, alle Konten abzufragen - ist aber noch nicht einmal in der Lage die eigenen Datenbestände in den Griff zu bekommen.
Datenschutz? Bei Tischen die anderthalb Meter auseinanderstehen ist jedes Wort zu verstehen.
Menschenwürde? Hier unbekannt.
Spricht man mit einzelnen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, gestehen sie ein, das sowas unglücklich ist. Mit dem Nachsatz: Aber was sollen wir machen?
Keine 60 Jahre nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches - das gleiche Duckmäusertum in den Behörden, wie unter Zeiten des österreichischen Import-Führers. Nachdenken, Eigenständigkeit, Zivilcourage - Fehlanzeige. Das Volk wird mit Rechtsbehelfsbelehrungen, die kein Nichtjurist verstehen kann, in Schach gehalten.
Aber wie bemerkte der deutsche Dichter und Denker Heine schon so treffend: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht." - Ein Ausspruch der heute aktueller ist denn je. |
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Browser .
Anmeldungsdatum: 17.11.2003 Beiträge: 2016
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Verfasst am: 3.Feb 2005 0:09 Titel: |
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Lieber mhmoeller
Keinesfalls als Kritik gedacht. Jedoch zur Richtigstellung der Intention Heinrich Heine's, der vollständige Text:
| Zitat: |
Nachtgedanken
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext.
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land!
Mit seinen Eichen, seinen Linden
Werd ich es immer wiederfinden.
Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt - wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Und zählen muß ich - Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust - Gottlob! sie weichen!
Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
Heinrich Heine (1797-1856) |
Mit den besten Wünschen, Browser |
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mhmoeller * Consulter *
Anmeldungsdatum: 20.12.2003 Beiträge: 1263 Wohnort: Bochum
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Verfasst am: 3.Feb 2005 0:11 Titel: |
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@ browser
Sie müssen mir nachsehen - in meinem Alter kann ich mir immer nur die 1. Strophe merken - muß Ihnen deswegen Recht geben. |
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Browser .
Anmeldungsdatum: 17.11.2003 Beiträge: 2016
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Verfasst am: 3.Feb 2005 0:30 Titel: |
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...er hatte tatsächlich auch nur Sehnsucht nach seiner Mutter und der deutschen Natur (Eichen, Linden etc.). Nach deutscher Politik und Verwaltung hatte er offensichtlich keine Sehnsucht.
Mit den besten Wünschen, Browser |
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