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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1011
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Verfasst am: 16.Sep 2007 9:07 Titel: Die Eskalation des Einfachen. |
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aus "Luclog"
Die Eskalation des Einfachen.
Die Funktionsweise einer Gewaltspirale ist so einfach wie bekannt, Gewalt erzeugt Gegengewalt – Terror erzeugt Gegenterror. So wollte die extreme Linke schon immer eine revolutionäre Stimmung erzeugen. Indem sie den Staat durch Gewalt dazu treibt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die man dann wiederum als Repressionen des Kapitalistischen Schweinesystems kennzeichnen kann; was dann ausgeschlachtet wird bis das System sich destabilisiert und die "Revolution" kommt. Nach der Revolution werden dann bekanntlich aber erstmal die Kinder gefressen.
Nun ist aber an der Eskalationsspirale durchaus etwas dran, und man sollte im Übertrag auf das anwenden was wir heutzutage mit den Religionen und religiösen Positionen erleben. In der modernen Welt überleben nur Positionen, die über ein geschärfte Profil verfügen - Vereinfachungen. Was überlebt sind nicht die Positionen, die über Komplexität verfügen, geschweige denn die Positionen die selbstkritisch in sich gebrochen sind.
Deswegen sieht es wie immer schlecht aus für feingeistige intellektuelle Spitzfindigkeit, redliche Argumentation, oder kritisches Nachdenken. Es sieht sogar schlecht aus für alle gesellschaftlichen Standpunkte die sich säkular definieren. Säkular definierte Positionen, wir Humanismus, Atheismus, Liberalismus, oder Sozialismus, haben keinen Bestand, wenn die fundamentaleren Positionen aufeinander prallen.
Man kann dies jetzt schon bemerken, immer mehr Kommentatoren des Zeitgeschehens, die ansonsten eine einwandfreie freigeistig und/oder säkulare Vita haben, entwickeln ihre grundlegende Position im Zeitgeschehen nicht mehr anhand von theoretischen Vorstellungen, sondern aus der nichtstaatlichen religiösen oder ethnischen Gruppenzugehörigkeit heraus. Auch wenn sie dieser Gruppe kaum mehr formell angehören, wie bspw. viele Juden, Christen, und Moslems. Die Gesellschaft in der alle theoretischen Paradigmen verloren haben, ist zum Rückgriff auf die Kernbestände der eigenen Historie gezwungen und wird auch genauso von aussen dazu gezwungen (und erst recht gezwungen werden) diese atavistischen, primitiven überwunden geglaubten Grundfragen anzuerkennen. Es gibt keine Antworten es gibt nur noch den Prozeß. Und der Prozeß zeigt in Richtung Eskalation.
Alles verdichtet sich auf Biologie und Theologie und auf die Familie – mehr als auf Staat oder Partei oder auch noch Wissenschaft. Die Zeiten einer übergreifenden Solidarität die auf Gesinnung beruht, waren kurz und sind vorbei. Die Solidarität des Sozialstaates lässt sich, wie es aussieht, bis zur Selbstzerstörung aushöhlen. Und die fragilen Bestandteile einer Demokratie sind leider abhängig von gutgehenden Geschäften, Sicherheit und Wohlstand – Wohlstand und nicht Existenzminimum.
Und wir stehen hier erst am Anfang, denn die Schere die auseinander klafft, zwischen technologischer moderner Zivilisation und menschlicher Natur wird immer größer. Die Verunsicherung wird immer größer. Die Rollen die auszufüllen sind werden immer unbefriedigender. Für Männer und für Frauen – nicht mehr nur für Konservative oder Moderne. Keiner weiß mehr mit den Begriffen etwas anzufangen die von den modernen Theorien hundertfach durchdekliniert wurden. Es blieben nur Sprachhülsen. Selbstdefinierter Wisssenschaftsjargon ist nur als Abstandswahrer zum Pöbel gut – die duftende weiße Perücke der Neuzeit ist die Systemtheorie. Und die Elfenbeintürme füllen sich immer noch mit den Zuspätgekommen des Denkens, den Nachzüglern der Gutenbergrevolution (Den Braven). Die immer noch nicht bemerkt haben, daß alle Theorie immer nur versagt hat. Daß der Fortschritt immer nur aus den konkreten Entwicklungen entstanden ist, die von den Theorien nie vorausgedacht und auch nie später erklärt werden konnten. In den Theorien taucht kein Otto-Motor auf, und auch kein Computer, es gab keinen Buchdruck, es gibt keinen Krieg.
Heutzutage ist der Microprozessor der Schrittmacher und die Beschleunigung mißfällt uns. Der Prozess selbst ist die neue Theorie. Die Tat hat über die Theorie engültig gesiegt. Es gibt keine verbindlichen Gewissheiten. Wir laufen nicht mehr den Erklärungen hinterher, wir sind absolut genügend damit beschäftigt die Tageswirklichkeit mit ihren rasanten Veränderungen zu bewältigen. Unser Beschäftigung mit Theorie dient nur noch den Zweck der romantische Vergangenheitsverklärung, dem Sammeln von Einklebebildern für immaginäre rethorische Poesialben.
Und deswegen schwingt das Pendel zurück, die Moderne hat zwar unser Leben verlängert und uns satt gemacht, aber sie hat nicht ihre Versprechen gehalten. Und jetzt geschieht der Rückgriff auf die Urmotive, auf die Grundkonflikte die die Menschen aufgebaut haben und immer durch alle Zeiten mit sich rumtragen. Zwei Begriffe schweben wieder am Horizont: Rasse und Religion. Und man kann sie nicht transzendieren. Keine Theorie des letzten Menschen: das ist der Anfang. Und es wird genau so einfach immer weitergehen. |
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