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Die Grünen auf dem Weg in die Volksfront

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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 23.Nov 2007 9:39    Titel: Die Grünen auf dem Weg in die Volksfront Antworten mit Zitat

....unter dieser Überschrift wird im blog "Zettels Raum" über die Zukunft der Grünen spekuliert:

Die Grünen auf dem Weg in die Volksfront

Als die Partei "Die Grünen" Ende der siebziger Jahre entstand, verstand sie sich nicht als eine Partei wie die anderen, sondern als etwas ganz Neues, sozusagen das schlechthinnige Andere.

In gewisser Weise stimmte das. In mancher Hinsicht stimmt es noch heute.

Es stimmte damals, weil man die Regularien, nach denen Parteien funktionieren, nach denen sie im Parlament arbeiten, souverän mißachtete:

Zu den Parteiversammlungen konnte JedeR kommen, die es denn wollte, ob Mitglied oder nicht (sofern sich das überhaupt feststellen ließ, in der Anfangs- Phase). Man wählte nicht eine VorsitzendeN, sondern gleich zwei, die aber so hießen, wie bei den anderen Parteien die Pressereferenten: SprecherInnen.

Man führte einen Proporz ein, extremer als jemals unter Adenauer der Proporz zwischen Katholiken und Protestanten: Überall mindestens die Hälfte Frauen in den Gremien, den Fraktionen. Daß man zwei SpecherInnen hatte, verdankte sich anfangs diesem Proporz, den man in "Quote" umgetauft hatte. (Zwei Frauen allerdings waren nicht verboten, und es kam auch in der Tat vor, daß beide SprecherInnen Sprecherinnen waren.)

Im Parlament zelebrierte man die Kultur des Happenings: Ein Minister, der in Turnschuhen zur Vereidigung erschien. Abgeordnete, die auf ihren Pulten Sonnenblumen aufbauten; die in malerischer Hippie- Tracht, mitunter mit Rauschebart, im Plenum Platz nahmen. Bizarre Reden, in denen schon einmal das Sexualleben der Abgeordneten thematisiert wurde.

Jeder Abgeordnete besaß eine Art Zwilling, einen NachrückerIn, die zur Mitte der Legislatur- Periode an ihre Stelle trat. Jedenfalls in der Regel, denn zwingen konnte man ja niemanden, sein Mandat niederzulegen. Schily tat es nicht.


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Merken Sie etwas, lieber Leser? Ich versuche, vor Ihren Augen ein Bild der Grünen entstehen zu lassen, Ihre Erinnerungen an diese Zeit zu wecken, in der sie ins Rampenlicht traten. Vielleicht ist mir das gelungen.

Aber mit keinem Wort habe ich bisher von einem Programm, überhaupt von politischen Inhalten gesprochen. Man kann die Grünen offenbar recht gut charakterisieren, ohne davon zu sprechen, was sie überhaupt politisch wollen. Und das - so will mir scheinen - ist just das, was diese Partei "Die Grünen" charakterisiert.

Was diese Partei zusammenhält, das ist ein bestimmter Stil des Politisierens. Irgendwie "alternativ". In Opposition zum Pragmatismus, zur Realpolitik der anderen Parteien, zu ihrer Orientierung an den gesellschaftlichen Realitäten, am technischen Fortschritt, an Gruppeninteressen. Wie sich dieser Stil mit Inhalten, mit konkreten politischen Zielen füllt, das ist weitgehend beliebig.

Ist eine solche Partei links oder rechts? Als die "Grünen" 1983 erstmals in den Bundestag einzogen, wollte das Präsidium sie links neben die SPD setzen. Sie protestierten und erhielten den Platz in der Mitte, zwischen CDU und SPD. Das war in der Zeit, als man sich noch primär als eine Naturschutz- Partei verstand; als es noch einen konservativen Flügel gab, auch wenn einige prominente Konservative wie Norbert Gruhl damals schon ausgetreten waren.

Später rückte eine Mehrheit der Partei, unter dem Einfluß der Entristen aus den verblichenen K-Gruppen und der Sponti- Szene, immer weiter nach links.

Noch später bildete sich daneben allerdings auch ein bürgerlich- liberaler Flügel, bestehend einerseits aus Politikern wie Fritz Kuhn und Christine Scheel, die entdeckt hatten, daß ihre Vorstellungen von Freiheit eher im Kapitalismus zu verwirklichen sind als im Sozialismus. Zum anderen kam ein freiheitliches Element durch die Mitglieder des Bündnis 90 in die Partei; jedenfalls vorübergehend.

Die Grünen sind damit heute wieder so weit wie bei ihrer Gründung: Ein Potpourri aus politischen Überzeugungen, nur zusammengehalten durch diesen gemeinsamen Stil des Anderssein- Wollens.

Solange man in der rotgrünen Regierung war, wurden diese Gegensätze durch den gemeinsamen Wunsch nach Machterhalt überlagert.

Man hätte erwarten können, daß die Partei, als sie 2005 in die Opposition geriet, die notwendige Klärung herbeizuführen versuchte. Daß sie sich entscheiden würde, ob sie eine linksliberale oder eine ökosozialistische Partei ist. Ob sie mehr Freiheit im Kapitalismus will, wie Fritz Kuhn und Christine Scheel, oder ob sie den Weg in den demokratischen Sozialismus anstrebt. Aber in den bisherigen zwei Jahren Opposition gab es noch nicht einmal den Ansatz zu einer derartigen Klärung.


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So wäre es vielleicht geblieben, wenn sich nicht inzwischen immer deutlicher die Perspektive einer Volksfront nach den Wahlen 2009 abzeichnen würde.

Dafür müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Liberale Ideen, individualistische Skepsis gegenüber dem Staat haben da keinen Platz mehr. Die Partei muß fit dafür gemacht werden, Seit' an Seit' mit der Partei des demokratischen Sozialismus und den Kommunisten zu marschieren.

Das geschieht in diesen Tagen. In "Welt Online" hat Matthias Kamann es im einzelnen beschrieben:
"Wenn sie auf ihrem Bundesparteitag über Sozial- und Wirtschaftspolitik diskutieren, dann bleibt kaum Raum für jenen staatsfernen Individualismus, der sie lange von anderen Linken unterschied. Vielmehr setzen sie nun auf jenen Staat, dem sie einst mit Skepsis begegneten und auch im Ökonomischen die Eigeninitiative verantwortungsbewusster Individuen entgegensetzen wollten. (...)"

Alle verbünden sich zu einem Linksruck, der den Konsens und das "Durchkommen" auf dem Parteitag garantieren soll. Um es mit dem Parteichef zu sagen: "Hier hat es eine notwendige Akzentverschiebung gegeben", erklärte Bütikofer gegenüber WELT ONLINE.

Notwendig in der Tat. Denn mit dem liberalen Ideen, die Fritz Kuhn und andere grüne Liberale noch im November 2006 formuliert hatten ("Grüne Marktwirtschaft"; Kritik am "Umverteilungsstaat") könnte man nicht gut gemeinsam mit der SPD und den Kommunisten regieren.
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Schwabenpower
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 24.12.2002
Beiträge: 1360
Wohnort: im wilden Süden

BeitragVerfasst am: 23.Nov 2007 10:05    Titel: Nun Antworten mit Zitat

ganz Unrecht haben Sie sicherlich nicht mit Ihren obigen Ausführungen. Aber wir sollten nie, ich meine wirklich nie vergessen, was die Grünen positives in Deutschland geleistet haben: nämlich das Thema Umwelt in die Schlagzeilen, ja sogar ins Bewußtsein der Bürger unseres Landes zu bringen. Das war eine klasse Leistung, die wirklich von den Grünen ausging und da wurde ganz, ganz viel zum positiven geändert!!!!
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 23.Nov 2007 11:23    Titel: Re: Nun Antworten mit Zitat

Schwabenpower hat folgendes geschrieben::
...Aber wir sollten nie, ich meine wirklich nie vergessen, was die Grünen positives in Deutschland geleistet haben: nämlich das Thema Umwelt in die Schlagzeilen, ja sogar ins Bewußtsein der Bürger unseres Landes zu bringen...

Ich sehe das etwas differenzierter:
Für das "Thema Umwelt" war die Zeit damals reif, d.h. die Sensibilisierung für Umweltthemen ging nicht von der Partei "Die Grünen" aus - im Gegenteil, die Gründung dieser Partei war ein Produkt eben dieser Sensibilisierung. Was die Partei dann daraus gemacht hat, (allerdings nicht nur sie) war eine Ideologisierung der Umweltschutzidee in Richtung Ökologismus, will sagen das Aufbauschen angeblicher oder tatsächlicher Gefahren und Probleme in Richtung finaler Katastrophen für den Planeten.
Z.B. DDT, Waldsterben, Dioxin, BSE, Ende der Ressourcen, Klimakatastrophe etc.
Die schlimmste Begleiterscheinung des Ökolgismus sehe ich in der Rückwärtsgewandtheit seines Problemlösungsansatzes:
Statt mit Hilfe moderner Wissenschaft und Technologie kompatible zukunftfähige Problemlösungen zu suchen, wird die Vergangenheit idealisiert und Lösungen im Rückbau gesucht.
Darin sehe ich die wahre Katastrophe für unsere Gesellschaft.
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 23.Nov 2007 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Kleiner Nachschlag zur aktuellen Situation bei den Grünen: (aus dem blog F.D.O.G.)

Das Neueste vom Parteitag der Grünen

“Pinguine haben ein Recht auf kalte Füße!”

So hechelte es das Jungtalent Kathrin Henneberger atemlos in das Mikro am Rednerpult. Das Mitglied im Vorstand der Grünen Jugend sollte man sich dringend merken, denn die Zwanzigjährige wartet mit einer Rhetorik auf, die in den nächsten Jahren an der Tagesordnung sein wird. Denn neben dem besagten “Recht auf kalte Füße” fordert Henneberger den “radikalen Klimaschutz” und sogar eine “Revolution für den Klimaschutz”. Aber nicht nur mit dem Vokabular des auf Katastrophenszenarios umgemünzten Klassenkampfes beschert man einem grünen Parteitag die kollektive Ekstase. Auch mit dem Motiv des Volkskampfes kommt man in dieser Angelegenheit weiter - Renate Kühnast hat die Stromkonzerne soeben mit “Besatzungsmächten” verglichen, gegen die es vorzugehen gilt.

Was kommt wohl als nächstes?


Ja - dann mal auf in die Volksfront!
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Peter Wilhelm
.


Anmeldungsdatum: 16.10.2007
Beiträge: 405
Wohnort: 58730 Fröndenberg

BeitragVerfasst am: 23.Nov 2007 21:34    Titel: Betreffend der Stromkonzerne... Antworten mit Zitat

Hallo,

wie immer in locker leichter Ausdruckweise, sei dieser Artikel dem Leser empfohlen...

Habe die Ehre...
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 30.Dez 2007 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Liberale Ideen, individualistische Skepsis gegenüber dem Staat haben da keinen Platz mehr. Die Partei muß fit dafür gemacht werden, Seit' an Seit' mit der Partei des demokratischen Sozialismus und den Kommunisten zu marschieren.

In diesem Sinne macht Claudia Roth einen weiteren Durchgang auf dem Trimm-Dich-Pfad zur Volksfront:

Claudia Roth gegen den kalten Ökonomismus

Von Michael Kreutz

"Die Langzeitstudie von Wilhelm Heitmeyer zeigt die drohende Gefahr, dass aus einer sozialen Marktwirtschaft eine unsolidarische und kalte Marktgesellschaft wird, eine Gesellschaft, die alle sozialen Beziehungen ökonomisiert und nur noch in Kriterien der Effizienz und Nützlichkeit denkt."
… meint die Claudia Roth.
Dass Empathie für andere Menschen immer an das Individuum gebunden ist, während Kollektive eher einen Hang zur Paranoia entwickeln, ist eine Erkenntnis, die nur mühsam Eingang in ein Intellektuellengehirn findet. Nur zu schwer erträglich ist vielen der Gedanke, dass der Markt (= die Menschen) sozialer sein könnte als aller gutgemeinter staatlicher Dirigismus.
Politisch grösserer Profit lässt sich daher aus marktskeptischen Ressentiments schlagen, um sie in der Pose des Menschenfreundes zu bedienen. Applaus garantiert.

(aus dem Transatlantic Forum)

Siehe auch:

Pathologie des Antikapitalismus, 2. Juli 2007.
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 17.Jan 2008 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Noch ein Indiz für den weiteren Weg der Grünen:

Zitat des Tages: Was kommt nach dem Ende?
"Die Tür ist weit offen für das Ende dieser Koalition."


Die Fraktionschefin der "Grünen", Renate Künast, heute über die Große Koalition. Daß deren Ende "in diesem Jahr" auf der Tagesordnung stehe, sagte sie auch noch auf dieser Pressekonferenz.

Leider sagte sie aber nicht, was nach der Vorstellung der Grünen nach diesem Ende kommen soll. Da Neuwahlen faktisch ausgeschlossen sind, da Rotgrün im bestehenden Bundestag keine Mehrheit hat und da die FDP nicht im Traum an eine Koalition mit der SPD und den Grünen denkt - wie bekommt man dann wohl das Ende der Großen Koalition hin?

Ihnen fällt da eine Möglichkeit ein? Bravo!

(Quelle)
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 991

BeitragVerfasst am: 4.Feb 2008 15:16    Titel: Antworten mit Zitat

Es geht voran auf dem benannten Weg:

Jürgen Trittin liebäugelt mit Rot-Rot-Grün

Als erster führender Grünen-Politiker hat sich Jürgen Trittin offen für rot-rot-grüne Bündnisse gezeigt. Er meint, dass die Linkspartei im kommenden Jahr spätestens nach der Landtagswahl im Saarland auch im Westen mit der SPD koalieren werde. Da sollten sich die Grünen nicht verweigern.

(aus Welt-Online)
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Peter Wilhelm
.


Anmeldungsdatum: 16.10.2007
Beiträge: 405
Wohnort: 58730 Fröndenberg

BeitragVerfasst am: 4.Feb 2008 16:03    Titel: Antworten mit Zitat

Naja,

und auch aus Richtung der FDP las ich gesten in einem Bericht, daß man sich doch bezogen auf die Bundestagswahl 2009 keinesfalls im Vorfeld auf eine Koalition mit der CDU festlegen solle / dürfe...

So langsam scheinen die Fronten zu bröckeln; das übliche Gerede eben...

-----

Ähmm... und bis zur konstituierenden Sitzung Anfang April 07 in Hessen haben wir ja noch bisschen Zeit...
_________________
Freundliche Grüße

Peter Wilhelm

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