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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 15.Jan 2008 15:53 Titel: Die Wiederkehr des Verdrängten |
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Eine "explodierende Diskussion" oder die Wiederkehr des Verdrängten.
Wahrscheinlich überschätzen viele Deutsche den Anteil von Ausländern und Einwanderern an der hiesigen Kriminalität, vor allem der Gewaltkriminalität Jugendlicher.
Überschätzen? Ja, wieso denn? Wie kann das sein, wo doch unsere Medien sich immer große Mühe gegeben haben, diese Kriminalität nicht hochzuspielen? Wo doch Politiker sich gehütet haben, sie zu thematisieren? Sich davor jedenfalls gehütet haben, bis es zu der jetzigen, wie es Stefanie Galla in einem lesenswerten Artikel treffend nennt, "explodierenden Diskussion" gekommen ist?
Wie kann es sein, daß die Menschen etwas überschätzen, was ihnen doch so wenig nahegebracht oder gar aufgedrängt wurde?
Ja eben. Sie überschätzen diese Kriminalität - behaupte ich; Zahlen sind mir nicht bekannt -, gerade weil darüber nicht so ausführlich, nicht so detailliert berichtet wird, jedenfalls bisher wurde, wie beispielsweise über die ähnliche Kriminalität rechtsextremer Gewalttäter.
Denn es gibt keinen besseren Nährboden für Gerüchte als den Eindruck, daß man über ein Thema nicht ehrlich informiert wird.
1947 führten die Harvard- Psychologen Gordon Allport und Leo Postman eine klassische Untersuchung zur Ausbreitung von Gerüchten durch, insbesondere in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ihre Ergebnisse besagten, daß Gerüchte umso stärker sind, je mehr das Thema als wichtig wahrgenommen wird - und je mehr man sich über die Fakten im Unsicheren gelassen fühlt (ambiguity).
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Hand aufs Herz, ist es Ihnen auch schon so gegangen? Sie lesen im Lokalteil Ihrer Zeitung von einer Messerstecherei, vom Überfall von Jugendlichen auf einen Erwachsenen. Alle möglichen Einzelheiten stehen in der Meldung. Nur nicht, ob die Täter oder Verdächtigen Ausländer oder ausländische Herkunft waren. Dann fängt man an zu rätseln, nicht wahr? Sucht nach versteckten Hinweisen.
Manchmal kann man erfolgreich zwischen den Zeilen lesen. Unsere lokale Zeitung macht es sich oft einfach, indem sie die Namen ermittelter Tatverdächtiger zwar durch Pseudonyme ersetzt, diese aber zum Schlüssel macht. Da steht dann "Ali X. (Name geändert)" oder "Sergej Y. (Name geändert)"; dergleichen.
Ist das nicht unwürdig, daß der Leser, als lebten wir in einem unfreien Land, zwischen den Zeilen lesen, daß die Zeitungen zwischen den Zeilen schreiben müssen, weil die schlichte Berichterstattung anstößig wäre?
Verboten ja nicht, aber eben anstößig. Anstößig sogar in einem gewissermaßen halboffiziellen Sinn, denn es gibt da die Richtlinie 12.1 des Deutschen Presserats (vollständiger Text als PDF-Datei hier):
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründeter Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber schutzbedürftigen Gruppen schüren könnte.
Gut gemeint, zweifellos. Nur ist es eben eine - wenn auch freiwillige - Einschränkung der unzensierten Berichterstattung, die der Leser, die der Zuschauer erwartet.
Man teilt ihm mit, ob eine Gewalttat mit dem Messer oder mit einem Schlageisen begangen wurde, ob sie vor einer Diskothek oder an einer Haltestelle geschah, wie alt das Opfer war und so fort. Und das, was ihn doch logischerweise auch interessiert, wird ihm bewußt vorenthalten - zu welcher Gruppe denn der Täter oder der Tatverdächtige gehörte.
Das erzeugt Mißtrauen, es bereitet damit den Boden für Gerüchte, für Mundpropaganda. Man traut nicht mehr den üblichen Informationsquellen, sondern glaubt dem, was die Leute so reden. Und die reden viel.
Das Ergebnis dieser illiberalen, eines freiheitlichen Staats unwürdigen Informationspolitik ist das Gegenteil dessen, was man damit bezweckt: Die auf Gerüchte angewiesenen Menschen glauben das Schlimmste.
Jedenfalls besteht die Gefahr, daß sie es tun. So, wie nach den Untersuchungen von Allport und Postman die Gerüchte im Zweiten Weltkrieg wucherten, weil die Regierung wahrheitsgemäße Informationen zurückhielt.
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Jetzt also haben wir die "explodierende Diskussion". Wir erleben das, was Sigmund Freud die "Wiederkehr des Verdrängten" nannte.
Zu Freuds ersten Beobachtungen dieses Phänomens gehörte das Verhalten einer Patientin seines Freundes Breuer, die unter Hypnose eine zurückliegende traumatische Situation wieder durchlebte - mit heftigen Ausbrüchen von Affekten. Solche Ausbrüche können zu dem führen, was Freud und Breuer "Katharsis" nannten, eine "Reinigung". Das setzt freilich, wie Freud später hervorgehoben hat, die rationale Auseinandersetzung mit dem voraus, was da an Verdrängtem wiedergekehrt ist.
Wir haben jetzt die Chance zu einer rationalen Diskussion. Führende Journalisten wie Frank Schirrmacher beginnen sie wahrzunehmen. Politiker wie Claudia Roth versuchen eine rationale Diskussion freilich nach Kräften zu verhindern.
Von Roland Koch übrigens, der jetzt Attacken auf sich zieht wie weiland Winkelried bei Sempach die gegnerischen Pfeile, habe ich noch keinen einzigen unsachlichen Satz zu diesem Thema gehört oder gelesen. Auch gestern bei einer Befragung im Hessischen Fernsehen war er wieder ein Muster an Sachlichkeit.
Überhaupt ist es ja interessant, wie dieser hessische Wahlkampf im Augenblick verläuft: Roland Koch thematisiert eine Sachfrage. Die SPD thematisiert Roland Koch.
(gefunden in "Zettels Raum") |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 406 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 15.Jan 2008 21:31 Titel: Kinderknast... |
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Hallo hdschulz,
bekanntlich hat jedes Ding zwei Seiten; mindestens...!
| hdschulz hat folgendes geschrieben:: |
Von Roland Koch übrigens, der jetzt Attacken auf sich zieht wie weiland Winkelried bei Sempach die gegnerischen Pfeile, habe ich noch keinen einzigen unsachlichen Satz zu diesem Thema gehört oder gelesen. Auch gestern bei einer Befragung im Hessischen Fernsehen war er wieder ein Muster an Sachlichkeit.
Überhaupt ist es ja interessant, wie dieser hessische Wahlkampf im Augenblick verläuft: Roland Koch thematisiert eine Sachfrage. Die SPD thematisiert Roland Koch.
(gefunden in "Zettels Raum") |
Daher:
Eine gänzlich andere Ansicht finden Sie hier...
| Zitat: |
Vergiftetes Klima
Kommentar, 14.01.2008, Von Miguel Sanches
(Kommentar aus der Westfälischen Rundschau)
Roland Koch kann nicht zurück. Im Wahlkampf setzt er auf das Thema Jugendkriminalität. Ob richtig oder falsch gesattelt, das Pferd muss bis zum 27. Januar geritten werden. ...
... Es ist eine schlüssige Fortentwicklung, dass er den Blick auf kriminelle Kinder lenkt. Gäbe es ein Gen für Kriminalität, Koch hätte längst in "Bild" nach einem Gentest für alle Neugeborenen gerufen.
Er beutet eine reale Angst aus - vor Verbrechen - und rennt gegen die vermeintliche Mauer der politischen Korrektheit an: Die anderen schweigen, er nicht - das ist die Selbststilisierung. Es ist nicht ausgemacht, dass sich Koch eine blutige Nase holt. Mit Sicherheit lassen sich drei Dinge sagen: Er vergiftet das Klima der großen Koalition in Berlin, mobilisiert Freund und Feind - einen Schröder, einen Fischer -, und ist ein gerissener Wahlkämpfer. Koch will den Erfolg um jeden Preis. Das ist schaurig. Wir alle sind Zeugen eines Mannes, der ein politisch unterentwickeltes Gewissen hat. Es gibt offenbar wenig, was sich für Koch von selbst verbietet.
Der Anstoß, die Altersgrenze im Jugendstrafrecht - 14 Jahre - zu senken, ist maßlos. Wenige in der CDU unterstützen ihn. Ihre Führung ging auf Distanz, die CSU auch, die Kriminologen, Strafverteidiger, Staatsanwälte, alle anderen Parteien sowieso. Alle spüren das Unbehagen, Kinder ins Gefängnis zu stecken.
Werden sie straffällig, müssen ihre Eltern zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn alle Stricke reißen, sollte der Staat ihnen das Sorgerecht entziehen und ihre Kinder in Heimen unterbringen. Denn Erziehung ist etwa bei einem Zwölfjährigen jedenfalls einen Versuch wert. Oft wird ausgenutzt, dass unter 14-Jährige nicht strafmündig sind. Darüber zu diskutieren, wie der Staat besser agieren kann, ist richtig. Dafür muss man sich Zeit nehmen und sachlich abwägen. Wahlkämpfe sind meist das Gegenteil davon: lärmend, aufregend, unsachlich und vergröbernd. Kochs Metier. |
Kein weiterer Kommentar meinerseits dazu...
Wenn ich diese Birne schon im TV sehe... _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 16.Jan 2008 12:09 Titel: |
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Hallo Peter Wilhelm,
Sie markieren in meinem Zitat: "Roland Koch thematisiert eine Sachfrage. Die SPD thematisiert Roland Koch."
und zitieren selbst als Gegenposition dazu einen Kommentar aus der Westfälischen Rundschau.
Meinen Sie nicht auch, dass dieser Kommentar geradezu einen Beweis für die Wahrheit der These aus meinem Zitat erbringt?
Der Kommentar thematisiert nämlich die Person Roland Koch!
(übrigens genau so wie Sie selbst: "Wenn ich diese Birne schon im TV sehe...")
Kleine Bemerkung am Rande: Auch Schröder regt sich ja über Koch auf, wie in Ihrem Kommentar zu lesen ist - der sollte lieber nicht so scheinheilig sein:
| Zitat: |
| ”Wer unser Gastrecht mißbraucht, für den gibt es nur eins: raus, und zwar schnell!” |
(Schröder im Wahlkampf 1997)
Wohltuend sachlich dagegen der Kommentar von Caroline Fetscher im Tagesspiegel:
| Zitat: |
....Dümmer, krasser als in der gegenwärtigen Debatte um das Strafrecht kann man die Welt kaum auf den Kopf stellen. Auf der linken Seite dominiert hochnervöse multikulturelle Rücksicht gegenüber „traditionell eingestellten“ Migranten-Eltern. Auf der rechten Seite regiert eine Art stiller Restzufriedenheit mit jenen Migranten, die immerhin wenigstens ein herkömmliches Autoritätskonzept aufweisen. Beide Seiten gehen – ungewollt – ein schräges Bündnis miteinander ein, das dem Kindeswohl schadet, das latent inhuman, offen rechtsfeindlich ist, und teils konkret rassistisch....
...Klarer Rassismus: Was die meisten Deutschen heute ablehnen, das ist russischen oder türkischen Kindern zuzumuten, die offensichtlich dickfelliger sind als „unsere“ Kinder. Die Schamlosigkeit einer solchen Behauptung fällt kaum auf, und das ist symptomatisch....
...Was sich da vor unseren Augen und Ohren ereignet, ist ein kulturpolitisches, ein rechtspolitisches Fiasko. Woher die absurde Scheu davor, konsequent und kompromisslos prügelnde Eltern zu kriminalisieren, ihnen – und den Kindern! – Sinn und Inhalt des geltenden Gesetzes nahe zu bringen? Geschützt werden durch solche „Rücksicht“ vor allem die Politiker und Helfer, die sich vor der aggressiven Konfrontation mit den Eltern fürchten.... |
Der ganze Artikel hier |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 406 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 16.Jan 2008 19:48 Titel: |
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Hallo hdschulz,
| hdschulz hat folgendes geschrieben:: |
Hallo Peter Wilhelm,
[.....]
Der Kommentar thematisiert nämlich die Person Roland Koch!
(übrigens genau so wie Sie selbst: "Wenn ich diese Birne schon im TV sehe...")
[.....]
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ich gebe Ihnen hierzu gerne recht...
Selbstverständlich neigt der Mensch bei Äußerungen zu Gelesenem oder auch bei eigenen Kommentierungen dazu, eigene Grundhaltungen mit einfließen zu lassen.
Ich erachte das aber nicht als negatives Merkmal.
Tagesthemen sind in diesem Sinne keine Mathematik (FC Bayern - Ottmar Hitzfeld ), sondern lassen an vielen Stellen zu, daß eben eigene Ansichten unterschwellig immer mit durchscheinen.
Anders empfände ich es auch als langweilig...
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Ich habe soeben auch den von Ihnen verlinkten Kommentar der Frau Fetscher gelesen; ebenso wie die inzwischen aufgelaufenen Kommentare von Usern dazu.
Ich gebe Ihnen unumwunden Recht dahingehend, daß Frau Fetscher's Beitrag absolut sachlich gehalten ist.
Dennoch haben die Kommentare von Frau Fetscher und Herrn Sanches wenig miteinander zu tun...
Frau Fetscher beschreibt die Sachlage, Herr Sanches dagegen äußert sich dazu, wie Herr Koch das Thema in seinen Wahlkampf einbringt.
Und das ist, gelinde gesagt, unter aller Sau und spricht für seinen offensichtlich ? nicht vorhandenen politischen Charakter. _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 18.Jan 2008 17:32 Titel: |
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Also, Herr Wilhelm, er geht mir keineswegs darum, dass man nicht seine Grundhaltung und Ansichten in Kommentare einfließen lassen könnte - das ist doch selbstverständlich - sondern darum , dass statt einer Sachdebatte die Debatte über das Verhalten einer Person (Roland Koch) geführt wird. Dabei wird dann nicht über die Sache an sich, sondern über das Ausmaß des Tabubruchs diskutiert.
Sie persönlich machen das Spiel mit.
Ich hingegen bin froh über den Tabubruch - leider kommt der viel zu spät.
Wir sollten vielleicht doch mal über die Fakten reden:
Dazu ein modifizierter Auszug aus dem "DeutschlandBrief, Januar 2008":
Roland Koch kommt das Verdienst zu, ein besonders zähes Tabu der deutschen Politik gebrochen zu haben – das Tabu, wonach es nicht statthaft sei, offen über Jugendkriminalität unter Ausländern zu sprechen.
Es stimmt zwar, daß Koch, der seit 1999 an der Macht ist, selbst mehr hätte tun können und seine plakativen Ideen (im Wahlkampf) hat er selbst teilweise nur als Denkanstöße bezeichnet.
Polizei, Justiz und Strafvollzug sind Ländersache, nicht aber das Strafrecht. Koch hätte mehr Gefängnisse bauen und mehr Polizisten einstellen können, aber schon gegenüber den oft laxen Richtern war er machtlos. Und daß kriminelle Ausländer äußerst schwer abgeschoben werden können, ist Koch auch nicht anzulasten. Ebenfalls unschuldig ist er an den Mißständen der doppelten Staatsangehörigkeit („Doppelpaß"), die auf einen Kompromiß der Bundestagsparteien aus dem Jahre 2000 zurückgeht.
In Deutschland ist die Bereitschaft, sich vorurteilslos mit dem Thema zu befassen, immer noch unterentwickelt. Dazu paßt auch die Idee, die Täter nicht zu bestrafen, sondern in Erziehungscamps zu besseren Menschen zu machen. Das mag gut gemeint sein, ist aber in größerem Umfang nicht finanzierbar - bei Tagessätzen von mehr als 200 Euro pro Kopf, die in den jetzt schon bestehenden Besserungsanstalten anfallen.
Mit dem Geld mehr Polizisten einzustellen und vor allem auf die Straße zu schicken, wäre sinnvoller. Daß es gute und böse, fleißige und faule, intelligente und dumme Menschen gibt – daran wird sich nie etwas ändern.
Es fehlt die Einsicht, daß das Projekt Multikulti kläglich gescheitert ist. Die deutsche Einwanderungspolitik war falsch, weil sie Sozialfälle anlockte, nicht aber Qualifizierte. Die daraus entstandenen gesellschaftlichen und finanziellen Kosten müssen enorm sein, sie wurden nur nie aufgeschlüsselt. Dazu kam die seltsame Vorstellung, die Deutschen müßten sich um die Integration der Ausländer kümmern, nicht so sehr die Ausländer selbst. Oft sind nicht einmal die Kriminalstatistiken wirklich transparent. Man spürt die Absicht der Behörden, zu verschleiern.
Noch in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PSK) für das Jahr 1998 waren die Tatverdächtigen relativ übersichtlich nach Altersgruppe und Staatsangehörigkeit (Deutsche/Nichtdeutsche) aufgeführt. Aber schon damals wurde umgehend hinzugefügt, daß die Kriminalitätsbelastung der Deutschen und Nichtdeutschen wegen unterschiedlicher Alters- und Sozialstrukturen „nicht vergleichbar" sei. Warum denn nicht? Die Angst, die sich in manchen Großstädten breit macht, resultiert aus der absoluten Zahl der Taten. Mit dem Trost, daß verschiedene Tätergruppen „nicht vergleichbar" seien, kann das Opfer wenig anfangen. Und daß Vergleiche tatsächlich sehr aufschlußreich sein können, werden wir später sehen.
Konsultiert man die jüngste Polizeiliche Kriminalstatistik, nämlich die für 2006, dann ist das Bild erst recht unvollständig. Es fehlen die Tabellen, in denen einzelne Straftaten nach Alter und Staatsangehörigkeit und in absoluten Zahlen aufgeschlüsselt werden.
Immerhin finden sich in der PKS Prozentsätze. Danach war 2006 „immer noch ein hoher Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger" bei folgenden Straftaten festzustellen:
Fälschung von Zahlungskarten 66,8%
Taschendiebstahl 54%
Gewerbsmäßige Bandenhehlerei 45,5%
Illegaler Handel/Schmuggel mit Kokain 48,3%
Geld- und Wertzeichenfälschung 39,2% Menschenhandel zum Zweck der
sexuellen Ausbeutung 56,4%
Dies bei einem ausländischen Bevölkerungsanteil von offiziell nur 8,8%!
Aber was heißt schon: Ausländer? Der Begriff ist einerseits juristisch eindeutig, andererseits nicht ausreichend für eine saubere Analyse des Problems. Kein vernünftiger Mensch stört sich daran, daß Spanier oder Franzosen oder andere, die sich an die Gesetze halten, in Deutschland leben. Es sind nur wenige Nationalitäten, die in der Kriminalstatistik auffällig werden. Und wenn man die Gewaltkriminalität herausfiltert, bleiben hauptsächlich Täter mit muslimischem Hintergrund übrig – Türken, Kurden, Araber. Vielleicht wäre es sinnvoll, von „Fremden" statt von „Ausländern" zu sprechen.
Völlig korrekt wird auf Seite 9 der PSK 2006 bemerkt: „Die seit langem in Deutschland lebenden und beruflich integrierten Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit verhalten sich meist strafrechtlich unauffällig."
Ganz anders die Gruppe der Asylbewerber – hier vermerkt die Statistik eine auffallende Neigung zu Ladendiebstählen, Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und zum Schmuggel von Heroin und Kokain.
Auch die Untergruppe der ausländischen Jugendlichen kommt in der Statistik schlecht weg. Bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, bei Körperverletzungsdelikten und bei der Gewaltkriminalität wiesen nichtdeutsche jugendliche Tatverdächtige „weitaus höhere Anteile als deutsche jugendliche Tatverdächtige" auf.
Alarmierend: In den letzten zehn Jahren ist die Gewaltkriminalität insgesamt um 15,6% gestiegen, die gefährliche und schwere Körperverletzung sogar um 42%. Unterschlagen wird meist, daß der „ausländische" Anteil noch höher wäre, hätten die Behörden nicht en masse eingebürgert und großzügig „doppelte Pässe" verteilt, wobei bei doppelter Staatsbürgerschaft die Straftat der deutschen Bevölkerung zugerechnet wird.
Das Thema „Doppelpaß" ist ein Paradebeispiel für die Raffinesse und Verlogenheit, mit der die Linksparteien ans Werk gingen, um neue Mehrheiten in Deutschland zu schaffen.
Nachdem Roland Koch 1999 im damaligen Wahlkampf die ursprünglichen Pläne der Regierungskoalition durchkreuzt hatte, kam 2000 der bereits erwähnte Kompromiß zustande. Seitdem bekommt einen deutschen Paß, wer am 1. Januar 2000 jünger als zehn Jahre war und wer ab 2000 geboren wurde – vorausgesetzt, ein Elternteil lebt seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland.
Ebenfalls 2000 wurde vereinbart, daß sich die Doppelstaatler nach Vollendung des 18. Lebensjahres entscheiden müssen, ob sie den deutschen Paß behalten wollen, und daß sie spätestens bei Vollendung des 23. Lebensjahres nachweisen müssen, daß sie die ausländische Staatsangehörigkeit aufgegeben haben – sofern sie den deutschen Paß behalten wollen.
Betroffen von diesem sogenannten Optionsmodell sind bis 2025 nach jetzigem Stand 330 000 Personen.
Man ahnt schon, wie das in der Praxis aussehen wird: viele werden nicht reagieren und einfach beide Pässe behalten. Daß der Kompromiß von 2000 – trotz gegenteiliger Beteuerungen – von den Linksparteien als Hintertür zur Mehrstaatigkeit gedacht war, steht außer Zweifel.
Warum sonst hat die rot-grüne Bundesregierung im Dezember 2001 das Übereinkommen des Europarates zur Vermeidung von Mehrstaatigkeit gekündigt?
Deutschland hat sich ein Monster-Problem geschaffen: gewaltbereite Parallelgesellschaften in den Großstädten.
Die Fakten hat Stefan Luft in seinem 2006 erschienenen Standardwerk „Multikulti" sorgfältig zusammengetragen und mit Quellen belegt. Zunächst der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger an allen Tatverdächtigen in ausgewählten Großstädten 2005 (in Klammern Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung):
Frankfurt/Main 57,1% (25,7%)
München 40,8% (23,3%)
Stuttgart 39,8% (21,9%)
Es folgt, ebenfalls für 2005, der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger an einzelnen Delikten in Berlin (Ausländeranteil 13,9%) laut Polizeiliche Kriminalstatistik 2005 Berlin:
Mord 43,8%
Totschlag 42,5%
Vergewaltigung 38,5%
Raubüberfälle in Wohnungen 27,7%
Gefährliche/schwere Körperverletzung
auf Straßen, Wegen oder Plätzen 31,6%
Taschendiebstahl 69,1%
Diebstahl aus KFZ 57,6%
Geschäftseinbruch 50,9%
Urkundenfälschung 45,7%
Sonstiger Sozialleistungsbetrug 51,8%
Daß ausländische Jugendliche häufiger kriminell werden als deutsche, wurde jahrelang mit Hilfe der Kampagne gegen angebliche „Ausländerfeindlichkeit" verdrängt. Statistiken, die exakte Vergleiche ermöglichen, existieren unseres Wissens nicht auf Bundesebene, wohl aber für Berlin. In der Hauptstadt sind nichtdeutsche männliche Jugendliche weitaus häufiger kriminell als deutsche:
2mal so oft bei Straßenkriminalität
3,1 mal so oft bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung
3,6mal so oft bei Straßenraub
7,5mal so oft bei Vergewaltigung.
Die Angaben stammen aus der Berliner PKS für 2005. Addiert man Täter mit deutschem Paß, aber ausländischer Herkunft, dann sind die Resultate noch gravierender. Dann stellt sich heraus, daß 80% der Serientäter in Berlin einen Migrationshintergrund haben.
Roman Reusch (der Berliner Oberstaatsanwalt, der am 9.1. nicht bei Frank Plasberg im Fernsehen auftreten durfte) hatte schon 2006 eine „völlig fehlende Unrechtseinsicht" dieser Tätergruppe beklagt und kommentiert:
„Es gibt nur eine einzige Maßnahme, die sie wirklich beeindrucken könnte, nämlich die Haft."
Vom harten Eingreifen aber hält Rot-grün nicht viel. Dahinter verbirgt sich die Ideologie einer „modernen Vielvölkerrepublik ohne hegemoniale Mehrheit" (Clans Leggewie) und die Diffamierung des deutschen Volkes als „nationalistisches Konstrukt" (Christoph Butterwegge).
Immerhin: über die Gewalt gewisser ausländischer Transfer-Empfänger (sie kassieren und schlagen zu) wird jetzt endlich gesprochen. Wird auch durchgegriffen? Das ist zu bezweifeln. Die Gefahr ist real, daß die Großstädte mit der Zeit unsicher werden und daß das alteingesessene Bürgertum in die Vororte und auf das Land ausweicht.
Ohnehin beginnt der Mittelstand zu resignieren. Eine zunehmende Zahl von hochqualifizierten Deutschen stimmt bereits mit den Füßen ab. 2005 sind fast 150 000 ausgewandert, mehr als jemals seit den 50er Jahren – ein Verlust, der durch den Zuzug meist mittelloser Migranten ohne Ausbildung inzwischen nicht einmal mehr kompensiert wird.
Und da behauptet die SPD in ihrem neuen Programm, Deutschland sei zu einem Einwanderungsland geworden.
Ja, zu was für einem.
(Siehe auch: Stefan Luft, Abschied von Multikulti —Wege aus der Integrationskrise, Resch, Gräfelfing, 2006.) |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 406 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 18.Jan 2008 19:13 Titel: Schwere Kost... |
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Hallo Herr Schulz?,
da haben Sie mir einen Brocken vorgesetzt...
Ich danke ausdrücklich für die Mühe, die Sie sich damit gemacht haben!
Viele der Namen und Berichte / Statistiken / Buchprojekte, auf welche Sie sich beziehen, sind mir unbekannt - dafür schäme ich mich allerdings nicht.
Ich werde mich am Wochenende detaillierter zu Ihrem Beitrag äußern. _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 406 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 22.Jan 2008 21:55 Titel: |
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Sorry hdschulz,
ich schaffe es aus zeitlichen Gründen nicht, mich in die Thematik umfangreich einzulesen.
Damit sehe ich mich außerstande, adäquat zu antworten.
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Ich möchte meine im letzten Beitrag getätigte Aussage damit wenigstens mit Anstand zu Ende bringen... _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 23.Jan 2008 18:10 Titel: |
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| Peter Wilhelm hat folgendes geschrieben:: |
| ..Ich möchte meine im letzten Beitrag getätigte Aussage damit wenigstens mit Anstand zu Ende bringen... |
Danke Herr Wilhelm - ich weiß das zu schätzen.
Wenn man von der Person Roland Koch absieht (die man weiß Gott nicht mögen muß) sind wir in der Sache wahrscheinlich gar nicht weit auseinander - die Zahlen aus den offiziellen Statistiken sprechen eine zu deutliche Sprache. Sicherlich können wir uns auch darauf einigen, dass man das zu Grunde liegende Problem nicht durch Totschweigen löst und das man diejenigen, die es ansprechen, nicht automatisch in die Ecke "Ausländerfeinde" stecken kann.
Die Wahl bei uns in Hessen bleibt spannend. Roland Koch hat anscheinend nicht den richtigen Ton gefunden - die Umfragen gehen nach unten. Schau'n mer mal.... |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 9.Feb 2008 11:45 Titel: |
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Mit dem unten stehenden Kommentar von Necla Kelek in "FAZ-NET" möchte ich noch einmal auf das Thema zurückkommen, denn es hat nur vordergründig mit der hessischen Landtagswahl zu tun - tatsächlich werden wir der Diskussion über unterschiedliche Erziehungsmuster und weitere Probleme des Zusammenlebens von Deutschen und Migranten jenseits des politisch korrekten Multikultidusels nicht entkommen.
Die jüngsten Ereignisse in Ludwigshafen und die Reaktion der türkischen Presse und der türkischen Politik genau so wie hilflose Reaktionen deutscher Politiker lassen ahnen, wieviel Klärungsbedarf hier noch besteht.
Necla Kelek als Tochter türkischer Migranten wirft ein Schlaglicht auf einen wichtigen Teilaspekt des Problems und weiß, wovon sie spricht:
Gehorsam und Erziehung zur Gewalt
Eine türkische Mutter sagte kürzlich zu mir: „Schlagen nützt nichts mehr, mein Sohn ist schon zu groß.“ Er ist zwölf Jahre alt. - „Als ich die Waffe bei ihm fand, habe ich ihm den Kopf rasiert“, erzählte mir ein türkischer Taxifahrer und beklagte, dass er keinen Kontakt mehr zu seinem fünfzehnjährigen Sohn findet. - „Ich möchte nicht, dass mein Vater ins Gefängnis kommt“, sagte eine junge deutsche Kurdin weinend, die vier Monate lang von ihrer Familie in der Türkei eingesperrt wurde und jetzt freikam. - „Was willst du Opfer?“, war die Antwort, die ein Schulrat in der Berliner U-Bahn bekam, als er türkische Halbwüchsige aufforderte, ihre MP3-Player leiser zu stellen.
„Ich kann den Menschen nur den Gottesweg zeigen“, antwortete mir ein Islamfunktionär, als ich ihn auf seine Verantwortung für die Integration und die Zukunft der muslimischen Jugendlichen ansprach. Das alles sind Gespräche, die ich in den letzten Wochen mit Türken in Deutschland geführt habe. Sie sind nicht repräsentativ, werfen aber ein Schlaglicht auf reale Probleme der Integration. Der Politiker Cem Özdemir, der Autor Feridun Zaimoglu, der Musiker Muhabbett, insgesamt einundzwanzig Deutschtürken, schrieben nach der Hessenwahl einen Appell an die CDU, in dem sie Sachlichkeit in der Debatte um Jugendgewalt einfordern. Sie rufen die Union auf, anzuerkennen, dass das Problem der Jugendgewalt „kein ethnisches ist, sondern, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, ein soziales“ sei.
Erziehungsmuster in muslimischen Familien, Koranschulen und Moscheen
Einer der Unterzeichner ist der Psychologe Haci-Halil Uslucan von der Universität Potsdam. Er hat im Auftrag des Familienministeriums eine Expertise mit dem Titel „Religiöse Werteerziehung in islamischen Familien“ vorgelegt und untersucht die „Erziehungsstile im ethnischen Vergleich“, hier die christlicher und muslimischer Eltern. Unter anderem stellte er in dieser Studie fest, „dass die Unterschiede ... zwischen den ethnischen Gruppen liegen“. Er konstatiert: „Islamische Erziehung ... geht nicht auf in der Wissensvermittlung, in der kognitiven Erkenntnis richtigen und falschen Handelns, sondern ist darüber hinausgehend primär Charakterformierung“. Uslucan zitiert den Koran als zentrale Richtschnur dieses Erziehungsideals: „Und ich habe die Dschinn und Menschen nur dazu geschaffen, dass sie mir dienen“ (Sure 51, Vers 56).
Und weiter resümiert er: „Der Einzelne vergewissert sich, sich in der unverfügbaren Macht Gottes zu befinden. Es ist die zentrale Aufgabe der Familie, Kinder in das religiöse Leben einzuführen und sie mit islamischen Inhalten vertraut zu machen; ihnen ab der mittleren Kindheit, etwa ab dem Alter von sieben bis zehn Jahren beispielsweise Koranlektüre, Gebetssuren et cetera beizubringen.“ Das ist in etwa das, was der Islamfunktionär mit dem Gottesweg meinte. Uslucan zeigt weiter auf, dass „Gehorsam, elterliche Kontrolle und (Selbst-)Disziplinierung im islamischen Sinne zentrale Elemente in der islamischen Werteerziehung darstellen“. Er beschreibt damit durchaus zutreffend eine Kulturdifferenz, die sich in den religiös geprägten Erziehungszielen der Eltern ausdrückt.
Diese im Kern auf Gehorsam, Nichtinfragestellen von religiösen und weltlichen Autoritäten, auf Vergeltung und nicht auf Vergebung gerichtete Weltsicht prägt die Sozialisation der Kinder. Heute, hier, mitten in Deutschland. Und sie ist das Erziehungsmuster in den muslimischen Familien, in Koranschulen, in den Moscheen. Auch die Islamverbände vertreten diese autoritären Erziehungsziele und geben sie in der Öffentlichkeit als Integrationsarbeit aus.
Soziale Deklassierung und Bildungsferne
Der Wissenschaftler Uslucan hätte seine Mitunterzeichner an seinen Erkenntnissen teilhaben lassen sollen, bevor der Brief geschrieben wurde. Er hätte ihnen von den Untersuchungen von Ahmet Toprak über den Zusammenhang von Erziehung türkischer Jungen und ihren Gewalterfahrungen, von den Erkenntnissen über die Gewaltbereitschaft muslimischer Migranten in der Studie von Katrin Brettfeld und Peter Wetzels für das Innenministerium oder von den Studien des Kriminologischen Instituts in Hannover berichten können, die neben der sozialen die kulturelle Differenz betonen.
Das muslimische Weltbild in Kombination mit den archaisch-patriarchalen Traditionen großer Teile der türkischen Community widerspricht durch seine Orientierung an Gehorsam den Anforderungen einer emanzipierten und auf mündige Bürger angewiesenen Gesellschaft. Die soziale Deklassierung, die Bildungsferne sind zweifellos vorhanden, aber oft auch Ergebnis einer Spirale, die, vom religiös legitimierten Lebenskonzept und durch archaisch-patriarchalische Strukturen angetrieben, in eine Perspektivlosigkeit mündet, deren Symptome vergebene Bildungschancen sind.
Kein soziales und auch kein Bildungsproblem
Vor drei Jahren wurde die junge Deutschtürkin Hatun Sürücü von ihrem Bruder ermordet, unweit ihrer Wohnung, an einer Bushaltestelle, wohin sie ihn begleitet hatte. Die Familie hatte beschlossen, nicht zuzulassen, dass Hatun selbst entschied, wie sie leben wollte. Jedes Jahr versammeln sich am Mordtag in dem Berliner Viertel, wo die Untat geschah, mehr Menschen, um an Hatun Sürücü zu erinnern. Der Verein „Hatun und Can“ hat innerhalb eines einzigen Jahres in Berlin 127 Frauen, Mädchen und Männern - fast alle Muslime - geholfen, vor Zwangsheirat, sexuellem Missbrauch, Familienrache und Bevormundung zu fliehen.
In München wurde in der vorletzten Woche wieder eine junge Türkin von ihrem Onkel erschossen. Das ist kein „gesamtgesellschaftliches Problem“ in dem Sinne, dass so etwas an jeder Ecke passiert. Die Anwältin der ermordeten Frau sagte: „Deutsche Männer sind ihren Frauen gegenüber im gleichen Maß gewalttätig wie muslimische Männer, eine deutsche Frau jedoch muss in der Regel nur den Ehemann fürchten - eine Türkin dagegen muss die ganze Familie fürchten, wenn sie in patriarchalischen Verhältnissen aufwächst.“
Dieses Verhalten ist kein soziales und auch kein Bildungsproblem, wie oft behauptet wird. Es sind andere Werte und Ziele, nach denen gelebt wird. Ich nenne dieses System „Vaters Staat“, gegen das wir uns gemeinsam zur Wehr setzen müssen. Es ist falsch, die Ursachen der Gewalt zu relativieren und - wie die Deutschtürken in ihrem Appell - die kulturelle und islamische Erziehung in Migrantenfamilien zu ignorieren, als hätte diese nicht großen Einfluss auf ihr Handeln. Wer so argumentiert, will einen Schleier über die Probleme legen und die Verantwortung auf die Politik und auf die Mehrheitsgesellschaft abwälzen.
Unionspolitiker versäumen es, kulturelle Ursachen zu benennen
Die Initiative der Deutschtürken war weder aufrüttelnd noch innovativ, noch wandte sie sich an den richtigen Adressaten. Wollten die Unterzeichner tatsächlich etwas verändern, dann hätten sie sich an die deutschtürkische Community gewandt und würden vor allem selbst als Vorbilder Verantwortung übernehmen. Stattdessen beklagen ausgerechnet sie das Fehlen von Vorbildern. Wir dürfen die Gewalttätigkeit von jungen Migranten nicht kleinreden, genauso wenig wie wir sie ausgrenzen dürfen. Und wir müssen auch in Wahlkämpfen über das Miteinander streiten, denn es geht um eine wichtige Zukunftsfrage unseres Landes.
In ihrer Antwort verteidigen Unionspolitiker gute Aspekte der Integrationspolitik, loben Erfolge, wie den nationalen Integrationsplan. Aber auch sie versäumen es, die kulturellen Ursachen der Misere zu benennen, so, als gäbe es ein Tabu, Religion und Gewalt in Zusammenhang zu bringen. Mit Bildung und Sprachförderung allein werden wir das Problem aber nicht lösen können. Die Ursachen liegen tiefer und kumulieren in der Frage: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Gemeinsam oder nebeneinander?
Kein Zeichen der Versöhnung, sondern türkischer Anspruch
Auch der türkische Ministerpräsident Erdogan formulierte vor dem Brandhaus in Ludwigshafen die ethnisch-kulturelle Differenz. Erdogan betonte in seiner gewohnt pathetischen Art, Deutsche und Türken hätten eine unterschiedliche Religion, sprächen eine unterschiedliche Sprache, seien Mitglieder unterschiedlicher Nationen. Er stellt die Unterschiede heraus, nennt seine Landsleute „Botschafter einer Zivilisation des Friedens“ und meint damit Migranten, die zum Teil in vierter Generation in Deutschland leben. Das ist kein Zeichen der Versöhnung, sondern der Anspruch der Türken, nach ihrer Tradition zu leben, mit allen fragwürdigen Konsequenzen.
Wenn es uns nicht gelingt, das Identitätsproblem der Einwanderer zu lösen, wenn wir mit ihnen nicht in eine Auseinandersetzung über die Werte und Vorstellungen einer freien Gesellschaft treten und uns über die Rolle der Religion und die des Einzelnen verständigen können, wird uns nichts gelingen.
Die Autorin ist Soziologin, zuletzt erschien ihr Buch „Die verlorenenen Söhne“. |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 9.Feb 2008 12:05 Titel: |
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Gerade gefunden: Eine vertiefende Betrachtung des Kommentars von Necla Kelek unter dem Aspekt der kulturellen Entwicklung im Deutschland der letzten 50 Jahre als Folge der "68-er Bewegung":
Marginalie: Wie die antiautoritäre Bewegung in Deutschland autoritäre Strukturen gefördert hat
Es erscheint wie ein Paradox. Marxisten würden vom "Umschlagen ins Gegenteil" sprechen: Wir haben in Deutschland in einem erschreckenden Ausmaß autoritäre Strukturen; ein heute erschienener Artikel über sie ist der Anlaß für diese Marginalie. Das Vordringen und die Perpetuierung dieser Strukturen wurden wesentlich gefördert durch die Folgen und Spätfolgen einer Bewegung, die es gerade darauf abgesehen hatte, alle autoritären Strukturen, jeden Rest autoritären Denkens zu beseitigen.
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Die freiheitliche Gesellschaft, die wir heute in Deutschland haben, ist über gut ein halbes Jahrhundert hinweg in drei Stufen entstanden, mit den historischen Rückschlägen des Nazismus und des Kommunismus: In der Weimarer Republik, in der jungen Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre.
In der Weimarer Republik waren die freiheitlich Gesonnenen eine Minderheit, eine vor allem intellektuelle Minderheit; von keinem Publikationsorgan besser repräsentiert als von der "Weltbühne", von keinem Autor besser als von dem großen Kurt Tucholsky.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg - beginnend schon in der Phase der Reeducation noch vor der Gründung der Bundesrepublik - wurde für die Ausbildung eines freiheitlichen Bewußtseins mehr getan, als viele das heute noch wahrnehmen: durch Reformen des Schulwesens und die demokratische Erziehung der Lehrer, durch eine freiheitliche Haltung des weitaus größten Teils der Presse, durch den Erfolg des parlamentarischen Systems, begleitet vom wirtschaftlichen Aufstieg, der einer liberalen Wirtschafts- Ordnung zu verdanken war.
Der Wirtschaftsliberalismus dieser Epoche fand seine Personifizierung in Ludwig Erhard. Für die in weiten Teilen liberale Gesellschaft, die damals entstand, stehen der "Spiegel" und Rudolf Augstein, ähnlich wie die "Weltbühne" und Kurt Tucholsky das freiheitliche Denken in der Weimarer Republik repräsentieren.
Daß der "Spiegel" ein Massenblatt wurde, dessen Auflage bald in die Hunderttausende ging und sich der Million näherte, während die "Weltbühne" nie über eine Auflage von 15.000 Exemplaren hinausgekommen war, ist ein äußerer Ausdruck für die Transformation liberalen Denkens von der Sache einer Minderheit zu einer breiten, die Gesellschaft tragenden Strömung.
In der dritten Phase, den späten sechziger und den siebziger Jahren, nahm sich eine zunächst studentische, dann immer mehr in Politik und Gesellschaft hineinwirkende Bewegung des Themas "Freiheit" an.
Als diese Bewegung Mitte der sechziger Jahre begann, war die deutsche Gesellschaft alles andere als unfrei und autoritär. Aber es gab noch Reste autoritären Denkens; es gab noch - beispielsweise in den Universitäten - Strukturen, die als nicht freiheitlich gesehen wurden. Die von immer mehr Studenten, dann zunehmend auch in der Öffentlichkeit, so gesehen wurden.
Daraus entstand, als Teil einer weltweiten Jugendbewegung mit ihren Zentren in den USA, Frankreich und China, das, was man heute gern mit dem Etikett "Achtundsechziger" versieht. Es war der Versuch, die Beseitigung autoritärer Strukturen und autoritären Denkens auf die Spitze zu treiben; zugleich alle traditionellen Werte in den Orkus der Geschichte zu befördern.
Es war insofern die Fortsetzung der freiheitlichen Bewegung, die in der Weimarer Zeit begonnen und die sich nach 1945 fortgesetzt hatte. Es war zugleich aber auch ihr Überdrehen, ihre Infantilisierung bis in die Lächerlichkeit hinein.
Personifiziert wurde diese Zeit nicht mehr durch große Intellektuelle wie Tucholsky und Augstein (die "Achtundsechziger Bewegung" hat keinen einzigen bedeutenden Intellektuellen hervorgebracht), sondern durch zottelbärtige und wuschelhaarige Figuren wie Fritz Teufel und Rainer Langhans.
Dennoch - oder vermutlich just deswegen - war es eine immens erfolgreiche Bewegung.
Eine antiautoritäre Grundhaltung war nun nicht mehr nur die Sache einer kleinen Minderheit oder des fortgeschrittenen Teils der Bevölkerung. Jetzt, als Folge des Siegs der Achtundsechziger und ihres "Langen Marschs durch die Institutionen", durchdrangen Freiheit und Autoritätsferne allmählich die ganze Gesellschaft; bis hinunter zu den bildungsfernen Schichten, die sich nachmittags Krawall- Talkshows reinziehen und abends den neuesten Porno genießen.
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Ob diese dritte Phase der Liberalisierung in Deutschland mehr Gutes getan oder mehr Schaden angerichtet hat, darüber wurde und wird viel philosophiert. Vermutlich vermehrt in diesem Jahr, in dem sich die Ereignisse von 1968 zum vierzigsten Mal jähren. Vermutlich ohne Ergebnis; denn wie soll man eine so allgemeine Frage vernünftig beantworten?
Man kann den Folgen der Achtundsechziger Revolution aber im Kleineren, im Detail nachgehen.
In einem Detail beispielsweise, mit dem sich der verlinkte Artikel von Necla Kelek in der heutigen FAZ befaßt. Denn der Erfolg der antiautoritären Bewegung ist die zwar nicht einzige, aber eine wesentliche Ursache dafür, daß wir heute in Millionen deutschen, jedenfalls in Deutschland lebender Familien wieder autoritäre Strukturen haben, schlimmer als im Kaiserreich.
Wie das? Weil zu den Grundüberzeugungen dieser Antiautoritären der Multikulturalismus gehörte und gehört.
Von Anfang an verstanden sich viele von ihnen als Teil einer weltweiten Befreiungsbewegung der "Dritten Welt", die sich nicht nur gegen die westliche politische und wirtschaftliche Dominanz richtete, sondern auch gegen den Anspruch, westlichen Werten weltweit Gültigkeit zu verschaffen.
Dieser Multikulturalismus fand in Deutschland seinen Ausdruck in der Art, wie Einwanderer gesehen und behandelt wurden und werden; vor allem die zahlenmäßig immer mehr dominierenden aus der Türkei.
Auf eine gradezu groteske Weise wurde und wird das traditionell geprägte Denken, wurden und werden die autoritären Strukturen bei diesen Einwanderern nicht nur toleriert, sondern oft nachgerade verherrlicht.
Ich entsinne mich an eine Sendung des Zweiten Programms des WDR, die sich mit Begeisterung mit dem Kopftuchtragen bei Türkinnen befaßte: Wie schön das doch sei, wenn die Frauen sich je nach Stimmung das eine oder andere Kopftuch aussuchten. Bis zu einer Welle der Bauchtanz- Begeisterung reichte diese Verklärung der Kultur eingewanderter Moslems.
Gewiß, es gibt in den letzten Jahren ein Umdenken. Aber es ist noch immer überwiegend auf einzelne Autoren und Gruppen beschränkt, auf Liberal- Konservative zum Beispiel im Umkreis der "Achse des Guten", auf einzelne Feministinnen wie Alice Schwarzer, auf Blogs wie diesen.
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Von den herrschenden Medien, von den führenden Politikern und Parteien wurde und wird, jedenfalls bis vor kurzer Zeit, kaum der Versuch gemacht, gegen die autoritären Familien- Strukturen, gegen das freiheitsfeindliche Denken, gegen die Intoleranz vieler dieser Einwanderer auch nur Einspruch zu erheben; geschweige denn das alles zurückzudrängen und unsere freiheitlichen Werte offensiv dagegen zu setzen.
Das Ergebnis beschreibt anschaulich und eindringlich der Artikel der türkischstämmigen deutschen Soziologin Kelek, dessen Lektüre ich dringend empfehle. |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1014
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Verfasst am: 9.Feb 2008 15:25 Titel: |
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Ein weiterer Beitrag aus der Bloggerszene zum Kommentar von Necla Kelek - besonnen, nachdenklich, mit viel selbstkritischem Fatalsmus:
Nachdenklich stimmt mich der Debattenbeitrag von Necla Kelek in der FAZ. Sie weist auf die Kluft zwischen der Wertevermittlung zwischen unserer abendländischen Gesellschaft und der türkischen Community hin, die in der Konsequenz letztlich doch unsere Gesellschaftsordnung gefährdet. Indirekt gibt sie Roland Koch recht, auch wenn wir wissen, dass die meisten Gewalttäter jugendlichen Alters nicht aus türkischen, sondern aus libanesischen und palästinensischen (also richtig: arabischen) Familien stammen.
Mich erschreckt ihr Weckruf, weil diejenigen Emmigranten, die mir in meiner gutbürgerlichen Existenz begegnen, nicht mit diesem Weltbild, das die Mehrheit betreffen wird, übereinstimmt. Der türkische Taxifahrer ist verlässlicher als sein deutscher Kollege, der Gemüseverkäufer hat nicht nur die bessere Ware sondern ist auch noch freundlicher dabei.
Es widerspricht auch dem Bild der Massendemonstrationen in Istanbul, wo die Menschen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbotes auf die Straße gegangen sind. Dass die Generäle mit ihren Gürtelhalftern spielen, um den Islamisten zu bedeuten, sie mögen es nicht zu weit treiben, zeigt mir auch, dass es nicht wenige Türken gibt, die mit dieser deutsch-türkischen Sichtweise nicht einverstanden sind und den anatolischen Islam-Drain nach Deutschland nicht allzu ungern sehen.
Warum ist unsere aufgeklärte Gesellschaft für die türkischen Einwanderer kein Vorbild, wie in den klassischen Einwandererstaaten, wo spätestens die zweite Generation sich bis zur Unkenntlichkeit assimiliert hat. Vielleicht sollten wir die Ursache bei uns suchen. Warum ist es nicht erstrebenswert, sich zu integrieren?
Zunächst haben wir den “Gastarbeitern” jahrzehntelang die Berechtigung abgesprochen, sich hier breit zu machen. Wir haben sie als Nothelfer empfunden, die auch zu Zeiten der Arbeitslosigkeit bereit waren, Tätigkeiten auszuüben, zu denen sich der gemeine Deutsche nicht mehr hergab. Die am besten hier ihre Sozialversicherungsbeiträge zahlen sollten, um dann vom zusätzlich Ersparten und der Staatsrente in der Türkei den Lebensabend zu verbringen, ohne das deutsche Sozialsystem zu belasten.
Der zweite Grund liegt in uns selbst. Der westdeutschen Bevölkerung, die die freiheitliche Rechtsordnung und die soziale Marktwirtschaft nebst Anschubfinanzierung dank Marschallplan auf dem Silbertablett geschenkt bekam. Die diesem Geschenk der Besatzer stets mißtraute. Als das Ahlener Grundsatzprogramm der CDU (!!!) noch den Sozialismus proklamierte, führte der bayerische Wirtschaftskommissar Ludwig Erhard ohne jede Legitimation im Handstreich die Währungsunion und die Freigabe der Preise ein und legte damit den Grundstein für 20 Jahre Wirtschaftwunder. Als Franz-Josef Strauß als CSU Rebell rief: “Wer als erster eine Waffe in die Hand nimmt, dem falle der Arm ab”, verteidigte uns “Westdeutsche" längst die Entschloßenheit der Amerikaner, die Expansion Stalins aufzuhalten.
Heute beklagen wir, dass der Aufschwung in den mit Flachbildschirmen und Festplattenrecordern vollgestopften Sozialwohnungszimmern der Hartz IV Empfänger noch nicht angekommen ist. Wir schwadronieren von mangelnder Gerechtigkeit und verteilen die Hälfte unseres Bruttoinlandproduktes, von denen, die es erwirtschaften, zu denen, die keinen Beitrag leisten, um.
Wir haben eine politische Führungsriege, die allenfalls in nicht zitierfähigen Hinterzimmern die Wahrheit sagt und sich öffentlich der allgemeinen Prinzipien- und Orientierungslosigkeit hingibt. Die sich nicht für die gemeinsamen Werte unserer Gesellschaft einsetzt und sich in Symbolpolitik und Pseudo-Kampagnen ergeht.
Unsere Publizisten sind auch nicht besser. Die Edelfedern entlarven nicht, sondern plappern jeden Unsinn unreflektiert nach, den die Spin-Doctors ihren zuweilen gesinnungslos wirkenden Kampagneros in´s Ohr flüstern. Eine solche Gesellschaft ist kein Ziel. Sie schafft keine Identifikationsfiguren, keine Vorbilder. Sie ist dem Untergang geweiht. Schleichend. Ganz langsam. |
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