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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6453
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Verfasst am: 9.Apr 2007 19:22 Titel: Die süße Droge Macht |
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Runter kommen sie immer. Der Spruch aus der Fliegerei gilt auch für Karrieren: Alle finden einmal ihr Ende. Manager wissen das. Aber fast alle haben es sich anders gewünscht. Und fast immer kommt es ein bisschen zu früh.
Irgendwann kehrt sich das Gesetz des ökonomischen Nutzens gegen die, die sich ihm ein Leben lang unterwarfen. Geben und Nehmen sind aus der Balance geraten. „Er bringt’s nicht mehr“, heißt es, er sei nur noch ein Bremsklotz, er solle endlich gehen und den Weg freimachen für Jüngere und Frischere – lang genug hätten die gewartet.
Die Phasen, die ein Manager beim Abschied durchläuft, ähneln nicht zufällig jenen, die die Sterbeforschung namhaft gemacht hat: erst Nicht-wahrhaben-wollen, dann Wut, Kompromiss-Versuche, Depression – schließlich Anerkennen des Unvermeidlichen. Es ist nicht leicht, Amt und Würden hinter sich zu lassen. Warum?
Die süße Droge Macht. Die Orden und Ehrenzeichen, die Insignien der Wichtigkeit – sie erschaffen ein Größen-Selbst, das mit der Bedeutung des Amts stetig wächst. Zugleich wächst der Abstand zu den normalen Verrichtungen der Sterblichen. Man richtet sich ein in Grandiosität als Normalzustand. Gehen die distanzierenden Ego-Prothesen plötzlich verloren, schrumpft das Selbst auf das, was es zuvor war: ein kleines, unbedeutendes, zweifelndes, endliches.
Was bleibt von der Grandiosität, wenn sich andere nicht mehr um die Meinung scheren, wenn niemand mehr die Tür aufhält, wenn man in sozialer Bedeutungslosigkeit zu versinken droht? Kein Apparat mehr, kein Dienstwagen, keine Ergebenheitsadressen. Alles muss man nun selber organisieren. Wie bei einer Suchtkrankheit wird die Entziehungskur möglichst lange verdrängt. Vergessen hatte unser Manager beinahe, dass – spreche ich es aus? – er nicht unsterblich ist. Dieses Nichterhabene, Durchschnittliche, Gleichgemachte – es war über die Jahre überformt worden von der Illusion der ewig aufsteigenden Linie. Seinsvergessen hätte Heidegger das genannt. Dann muss man sich erst in den kleinen Verhältnissen wiederfinden. Vor allem, wenn der Job der einzige Identitätsanker war. Wenn es keine Freundschaft außerhalb des Büros gab, keine Hobbys mehr – dann betteln ehemalige Vorstände um den Erhalt ihres Senatorstatus als letztem Bedeutungsbollwerk. Oder lassen sich – wie frühere Karstadt-Manager – Dienstwagen und Chauffeur vertraglich auf Lebenszeit garantieren. Das kann man zumindest „vorausschauend“ nennen.
Es kommt in jedem Leben der Zeitpunkt, den Anspruch des stets Besonderen aufzugeben. Wann ist das? Spätestens ab dem 45. Lebensjahr ist jeder Manager gut beraten, sich ein zweites Leben neben dem Berufsleben (wieder) aufzubauen. Freunde außerhalb des Jobs, Hobbys, eine außerberufliche Aufgabe, für die der Einsatz lohnt. Wenn erst abgepfiffen ist, ist es zu spät. Es ist halsbrecherisch, als einzigen Identitätsanker nur den Beruf zu haben. Was nicht heißt, seinen Job nicht mit aller Liebe und Hingabe zu tun. Aber nicht dafür alles zu opfern. Als Angestellter kann keine Firma das zurückgeben, was man als persönlichen Preis bezahlt.
Wie viele ehemalige Vorstände hoffen darauf, dass jemand anruft und sie wieder braucht.
Wollen Sie wissen, was die Welt vermisst, wenn Sie weg sind? Gehen Sie ans Meer, stecken Sie einen Finger ins Wasser, ziehen Sie ihn heraus und schauen Sie in das Loch.
Reinhard Sprenger ist Deutschlands Managementautor Nummer eins (FTD) |
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