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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 12.Apr 2006 19:40 Titel: Dumm oder korrupt |
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Eine Diskussion über deutsches Manipulationswesen in Berlin
Die Fronten waren schnell geklärt: Albrecht Müller, Ökonom und SPD-Politiker, Autor des gerade erschienenen Buches »Machtwahn«, ist ein Verschwörungstheoretiker, ein mittelmäßiger: Ein paar Tatsachen geschnappt, eine Kausalkette geschmiedet und Vermutungen dazu, fertig.
Die Verschwörungstheorie über Verschwörungstheorien trug Christoph Keese, Chefredakteur der Welt am Sonntag und Autor eines Buches mit dem Titel »Rettet den Kapitalismus«, am Dienstag abend im mit mehr als 200 Zuhörern übervollen Palais der Berliner Kulturbrauerei vor – er hatte sie zumeist gegen sich.
Müller hatte zuvor für Konkretes Beifall erhalten. Beispiel: Wer steht auf der Studie des Berlin-Institutes als Auftraggeber?
Antwort: Die DKV, eine der größten deutschen Privatversicherungen.
Das bis dahin relativ unbekannte Institut brachte vor wenigen Tagen die bundesdeutsche Medienlandschaft mit der hochwissenschaftlich, nach jahrelangen Forschungen und Beschäftigung ganzer Computerarmeen erarbeiteten Meldung zu Alarmveitstänzen: Die Deutschen werden zu alt und sterben aus, die gesetzliche Rentenversicherung ist unsicher.
Müllers Kommentar: Wenn die private Versicherungsindustrie der gesetzlichen Rentenversicherung etwa zehn Prozent vom Aufkommen nimmt, bedeutet das eine Umsatzsteigerung von 15 Milliarden Euro.
IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Peters, dritter Diskutant auf dem Podium, ergänzte Müller: Dieselben Ziffern, die heute permanentes Medienrauschen über den Verfall der gesetzlichen Rente erzeugen, lagen Mitte der 90er bei der damaligen Rentenreform von Blüm (CDU) und Dreßler (SPD) vor.
Die Kohl-Regierung sah sich nicht veranlaßt, mit Rentenkürzungen aller Art zu antworten, damit begann Schröder ab 1998.
Peters: Er habe seinen Vorstand 1999 darauf aufmerksam gemacht, daß die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, wesentlich gesponsert von Gesamtmetall, mit 300 Millionen DM ausgestattet sei, um die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik zu manipulieren.
Müller nannte Namen:
die mit einschlägigen Konzernverträgen ausgestatteten »Versicherungsvertreter« Biedenkopf, Raffelhüschen, Rürup, Nina Ruge oder Reinhold Beckmann, der seine ARD-Sendung jüngst dazu nutzte, Norbert Blüm wegen Sozialstaatsanwandlungen zur Rede zu stellen.
Müllers Fazit über Meinungsmacher und politische Entscheider: »dumm oder korrupt«.
Keese reduzierte seine Einwürfe auf: Keine notwendigen Zusammenhänge, ehrenwerte Leute, in meiner Redaktion gibt es keine Geschenke.
Niemand bezeichnete an diesem Abend den Job eines Chefredakteurs bei Friede Springer als Geschenk. Man versicherte sich gegenseitigen Respekts.
Soviel Korruption darf sein. Konzerndummheit stand nicht zur Debatte.
Von Arnold Schölzel
* Albrecht Müller: Machtwahn. Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet. Droemer-Knaur, München 2006, 365 Seiten, 19,90 Euro |
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