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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 20.Okt 2006 14:26 Titel: Ein Rundgang durch die Welt der elektronischen Überwachung |
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An diesem regnerischen Morgen hat sich eine kleine Gruppe der Electronic Frontier Foundation (EFF) in der Innenstadt von San Francisco zu einer Feldexkursion eingefunden. Treffpunkt ist die Bahnstation Montgomery, die zu dem weitläufigen U-Bahn-System gehört, das die vier Millionen Menschen der Bay Area miteinander verbindet. Seth Schoen von der EFF weist darauf hin, dass wahrscheinlich bereits drei Videokameras auf uns gerichtet sind.
Auf dem Weg in den Eingangsbereich der U-Bahnstation findet Seths Kollege Chris eine Art Geigerzähler, der die Aufgänge nach nuklearem Material absucht. Ein Nuklearwaffendetektor mitten in der Stadt ist auch für die kleine Gruppe Experten ein erstaunlicher Fund. Unten weist Seth auf die neuen Fahrscheinautomaten hin, bei denen man nur mit Kreditkarte bezahlen kann. Man bekommt dann eine persönliche Plastikkarte, die mit einem RFID Chip ausgestattet ist. Das hat zwar den Vorteil, dass man ohne in der Schlange warten zu müssen durch die Schranken kommt, aber bei jeder Fahrt erkennt der neue Automat, wer wann, wo und wie lange die U-Bahn benutzt hat. Aus diesen Daten werden dann Bewegungsprofile erstellt, die im Datenzentrum gespeichert und eventuell auch an andere Firmen und staatliche Behörden weiter gegeben werden können.
Im kommerziellen Bereich kennt die USA nur einen kümmerlichen Datenschutz. Anders als in Europa, wo jeder Bürger - zumindest auf dem Papier - das Recht und die Kontrolle über seine Daten behält, hat man dies in den USA schon längst abgegeben. Das ist einer der Gründe dafür, dass Seth kein Handy hat, obwohl das zur Grundausstattung eines urbanen Menschen des 21. Jahrhundert gehört, wie er lachend zugibt. In den modernen Industriegesellschaften wie den USA entscheidet sich inzwischen die gesellschaftliche Teilhabe am elektronischen Gerät und der Art des Zahlungsmittels. Immer häufiger steht man vor verschlossenen Türen, die einem abverlangen, elektronisch registriert zu sein: Man versuche nur, in den USA schnell einen Wagen oder ein Hotelzimmer zu mieten ohne im Besitz einer Kreditkarte, Handynummer oder Emailadresse zu sein, viel Glück! Schleichend ist so die elektronische Beobachtung über die vielen praktischen Helfer in den US-Alltag getreten. Handys geben zum Beispiel im angeschalteten Zustand ihren Standort permanent an die Telefongesellschaften weiter. Und dass die Telefongesellschaften in den USA nicht gut mit den anvertrauten Daten umgehen, weiß die EFF nur zu gut, gerade haben sie At&T, den größten Telefongiganten der Welt, verklagt, weil das Unternehmen zugelassen hat, dass die US-Regierung mittels Geheimdienst NSA die Telefonleitungen anzapft, um Millionen von Telefongesprächen abzuhören, die dann per Computer analysiert werden.
Begibt man sich mit den Mitarbeitern der EFF auf einen Erkundungsstreifzug in die verborgene Welt der Elektroüberwachung, beginnt man zu begreifen, was technisch bereits möglich ist und was hinter verschlossenen Türen von privaten und staatlichen Sicherheitsinstitutionen wohl schon angewandt wird. Und in diesem legalen "Niemandsland des Datenschutzes" werden die Rechte weiter aufgeweicht. Die so genannte digitale Revolution ist weit fortgeschritten. Seit dem 11. September hat sich zudem eine starke Fraktion aus beiden Parteien gebildet, die den Datenschutz der Bürger weiter aushöhlt. Immer öfter wird wiederholt: Wer mehr Sicherheit will, muss Einschnitte in seine Privatsphäre hinnehmen.
"Wie viel muss der Staat wissen, um uns vor uns selbst zu schützen?", fragt man sich in den USA inzwischen spitzfindig. Was bedeutet es konkret, wenn man den Netzwerken der Datenfirmen schutzlos ausgeliefert ist? Die meisten Bürger haben den Überblick bereits verloren, da die allerorts gesammelten Daten von privaten Konzernen gekauft, umsortiert und ausgewertet werden. Immer wieder kommt es dabei auch zu Namensverwechslungen und Computerfehlern. Clinton Brooks arbeitete 35 Jahre lang für die National Security Agency (NSA), den geheimsten und größten der amerikanischen Geheimdienste. Er ist Mathematiker von Beruf und von daher ein Freund der exakten Wissenschaften. Verworrene Verschwörungstheorien sind ihm fremd. In einer Washingtoner Hotellobby gibt er freundlich Auskunft, natürlich nur über Dinge, über die er sprechen darf. Immer wieder fragen ihn Freunde, ob man in den USA Angst vor der staatlichen Überwachung haben soll. Meist gibt er dann eine kleine Geschichte preis: "Viele Leute in den USA sind so naiv zu glauben, wenn sie nichts angestellt haben, hätten sie auch vor dem Staat nichts zu verstecken. Aber stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor: An der Ecke stehen drei Leute, die sich unterhalten. Daneben stehen Sie und nicken oder machen eine andere zufällige Bewegung, die vielleicht missverstanden werden könnte. Wenn diese Typen nun Drogendealer sind oder unter besonderer Überwachung stehen, geraten Sie sofort unter Verdacht, weil diese Geste per Kamera aufgezeichnet wurde. Die Behörden werden Ihr Leben umkrempeln und Sie wissen nicht einmal, weshalb."
Brooks beschreibt, wie man sich als US-Bürger ganz zufällig in den immer engmaschiger ausgelegten elektronischen Netzen verfangen kann. Früher waren die technischen Möglichkeiten beschränkt. Eine Telefonüberwachung war personalaufwändig. Heute ist in den elektronischen Geräten die Datenerfassung bereits eingebaut: Handys melden den Standort an die Telefongesellschaften, Kreditkartengesellschaften speichern den Zahlungsverkehr; selbst Kleidung wird mit RFID-Chips ausgestattet, der am Geschäftseingang von Lesegeräten gescannt werden kann, ohne dass der Träger es bemerkt; Internetsuchmaschinen wie Google speichern das Suchverhalten ihrer Kunden ohne zeitliche Beschränkung. Der Hunger von privaten und öffentlichen Institutionen, zu wissen, was man liest, kauft, wie und wohin man sich bewegt, scheint nicht zu stillen zu sein.
Zu Besuch bei einem der weltgrößten Datenhändler, Lexis Nexis in Dayton, Ohio: Hier enden viele der Datenkabel, die die Welt umspannen. Folgt man dem technischen Direktor Allan D. McLaughlin durch etliche Sicherheitsschleusen, gelangt man ins Allerheiligste: das Datenzentrum. Die Automation hat die Gänge leergefegt. Wenige Mitarbeiter führen die notwendigen Instandhaltungsarbeiten aus: Steckverbindungen überprüfen, die staubfreien Flure wischen. Computer soweit das Auge reicht. Hinter dem Rechnerhorizont leuchtet ein grünliches Licht. Dort befindet sich das Kontrollzentrum - auf einem übergroßen Plasmamonitor mit Weltkarte werden die Datenströme zwischen den Kontinenten überwacht. McLaughlin bemerkt, dass die Analyse der von Menschen produzierten Daten das größte Problem darstellt. Er merkt weiter an, dass die Daten, die sie aus der ganzen Welt empfangen, erst einmal bearbeitet werden, damit sie genutzt werden können. Auch das geschieht vollautomatisch mit Maschinen. Was wir hier sehen, ist vielleicht ein Ausblick auf die Zukunft: Maschinen, die Maschinen bedienen. Automatisierte Analysewerkzeuge, die selbständig mit elektronischen Analogien und Wörterbüchern arbeiten, um die computerisierten Datenlager und Suchmaschinen mit den aufbereiteten Informationen zu versorgen. Innerhalb von fünf Sekunden sollen die Kunden Zugang zu dem enormen Datenlager haben, 1,5 Petabite stehen zur Verfügung, berichtet McLaughlin stolz. Aus dieser digitalen Weltbücherei lässt sich vieles erfahren - es ist nur eine Frage des Geldes.
Die großen Datenkonzerne wie Lexis Nexis, Axiom oder Chioce Point geraten immer wieder in die Schlagzeilen. Trotz des enormen Sicherheitsaufwandes kommt es zu Diebstahl von Millionen sensibler Privatinformationen. Um zum Beispiel Zugang zur Datenbank von Choice Point zu bekommen, muss man einfach einen Fragebogen ausfüllen und ein so genanntes legitimiertes Geschäftsinteresse nachweisen. Eine Firma des organisierten Verbrechens in Los Angeles füllte den Fragebogen aus und gab "Schuldeneintreibung" als Gewerbe an. Sie erhielt daraufhin freien Zugang zum Rechenzentrum. Mit Hilfe einer Internetverbindung konnte sie Daten von 160.000 Bürgern herunterladen; 800 wurden daraufhin Opfer von Identitätsdiebstahl. Die Sache kam eher zufällig heraus, ein Mitarbeiter bei Choice Point schöpfte Verdacht und schaltete das Los Angeles Police Department ein. Mit den gestohlenen Daten kann ein Dieb zum Beispiel Kreditkarten bestellen und im Internet einkaufen. Das Opfer merkt den Betrug oft erst zu spät, da die Abrechnungen an eine neue Adresse geschickt werden.
Identitätsdiebstahl ist das Schreckenswort mit Konjunktur in den USA: Es ist das Verbrechen mit der höchsten Wachstumsrate. Die Steigerung des Identitätsdiebstahls ist das so genannte Identitäts-Klonen: Man übernimmt komplett mit neuen Ausweispapieren die Identität einer Person und begeht unter deren Namen Verbrechen. Bronty Kelly ist so etwas passiert: Vor über zehn Jahren wurde seine Brieftasche mit Ausweispapieren gestohlen; von den desaströsen Konsequenzen ahnte er nichts. 1993 wurde er mit Ehren aus dem Militärdienst in San Diego entlassen und versuchte danach, einen Job zu finden. Es gelang ihm nicht. In den USA führen alle Arbeitgeber so genannte elektronische Backgroundchecks der Bewerber durch. Mit Hilfe der "Schlüssel-Identifikatoren" wie Name, Geburtsdatum und Sozialversicherungsnummer erstellen die Firmen per Computer ein Lebensdossier. Mit einem Mausklick und einer Internetverbindung zu einem der großen Datenhändler liegt den Arbeitgebern dann die gesamte Lebens- und Arbeitsbiografie offen. Da die Arbeitgeber nicht verpflichtet sind, den Bewerbern mitzuteilen, warum sie jemanden ablehnen, tappte Bronty Kelly im Dunkeln eines kafkaesken Schlosses umher.
Erst die Recherchen eines TV-Reporters brachten Licht in die Zusammenhänge: "Auf meinen Namen waren etliche Haftbefehle ausgestellt. Jeder Streifenwagen hätte mich sofort festnehmen müssen: Der Haftbefehl lautete auf bewaffneten Überfall, Diebstahl, Unruhestiftung, Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ich erfuhr, dass die Person, die meine Brieftasche geklaut hatte, Verbrechen in meinem Namen begangen hatte. Jedes Mal wenn er verhaftet wurde, wies er sich mit meinem Führerschein und meiner Sozialversicherungskarte aus. Niemandem bei der Polizei fiel das auf." Aber der Alptraum ist für Bronty Kelly noch nicht zu Ende. Die Bundes-Steuerbehörden und das FBI gaben ihm eine neue Sozialversicherungsnummer und trotzdem fiel er bei jedem Backgroundcheck durch. Die Computer der Datenfirmen stolperten über den Umstand, dass ein 40jähriger keine Eintragungen über Arbeit und Kreditkartennutzung hatte, typisch für die Identität von Ex-Mafiosi, die in Mafiaprozessen ausgesagt haben und sich im Zeugenschutzprogramm befinden. Selbst das mächtige FBI war in diesem Fall nicht in der Lage, die Systeme auszutricksen.
Trotz alledem scheint die Mehrheit in den USA nicht sonderlich beunruhigt darüber, dass das Leben rund um die Uhr elektronisch aufgezeichnet wird. Die Frage bleibt, ob das Sicherheitsempfinden in hochtechnisierten Gesellschaften dadurch überhaupt größer wird. Laut Bruce Schneier, Sicherheitsexperte aus Minneapolis, schafft jedes neue System exponentiell mehr neue Probleme. Das gilt erst recht für computergestützte Sicherheitssysteme. "Um zu überleben, müssen wir abwägen: Risiko gegen Sicherheit. Diesen Tausch machen wir jeden Tag ganz nebenbei und intuitiv: Schließen wir unser Haus ab, auch wenn es Zeit kostet, gehen wir den kürzeren dunkleren Weg runter oder die hellere Straße, jeder Mensch trifft diese Sicherheitsentscheidungen."
Menschen sind meist überzeugt davon, im Abwägen von Sicherheitsentscheidungen gut zu sein. Schneier meint jedoch: "Wenn man es genau betrachtet, sind wir schlecht darin; es ist ein interessantes Paradox der modernen Industriegesellschaft." Seit dem 11. September 2001 herrscht in den USA ein allgemeines Unsicherheitsgefühl, das zusätzlich von Politikern geschürt wird, die wiedergewählt werden wollen. Die Zunahme der elektronischen Überwachungsgeräte aber macht eine Gesellschaft nicht unbedingt sicherer, sondern bringt sie vor allem schneller in die Nähe eines Überwachungsstaats, meint nicht nur Bruce Schneier.
Peter Kreysler |
Wie gut haben wir es doch in D. |
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werner callies .
Anmeldungsdatum: 26.09.2003 Beiträge: 3253 Wohnort: NRW & Spanien
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Verfasst am: 20.Okt 2006 15:27 Titel: |
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Wo fängt es an, wo hört es auf?
Kein Handy, klar, die Überwachung.
Zu Hause kein Telefon, denn es könnte ja angezapft werden.
Auto? Um Gottes Willen, diese elektronische Kennzeichenerfassung...
Post? Auf keinen Fall, niemand bekommt meine Adresse.
Email? Ich habe ja noch nicht mal einen Computer, Angst vor Computerspionage.
Kreditkarten? Schon vor 8 Jahren gekündigt, man wird ja ein gläserner Mensch.
Eine Rabattkarte in der Art von Payback? Ja bin ich denn wahnsinnig?
Da wird ja sofort ein Käuferprofil von mir erstellt! Niemals!
Auch bewege ich mich nur noch zu Fuß über Land, denn mit einem Pferd
könnte es mir ja passieren, dass dieses Krank wird und ich zum Tierarzt muß.
Die öffentlichen Verkehrsmittel werden ausgelassen, da überall Sicherheits-
Kameras installiert sind. Wahrscheinlich sind die Busse auch noch verwanzt!
Mit dem Fahrrad? Nee, damit die an den Profilabdrücken meine Spuren
verfolgen können?
Ich habe die beste Idee: Ich spüle mich gleich selbst im Klo runter, die
Kanalisation ist das einzige Fleckchen, welches noch überwachungsfrei ist.
********
Im Ernst, was kommt danach? Paranoia???
Wer ist denn sooo wichtig, dass er davor Panik haben muß, dass sein
Handy von den Behörden abgehört wird?
Ein Terrorist, ein Schwerverbrecher und dergleichen, die sollten begründete
Angst vor derartigen Spitzeleien haben. Und die nutzen das Internet, Handys,
Kreditkarten usw., um nicht aufzufallen.
Der Verfasser dieses Textes, bzw. der/die darin beschriebenen Personen
gehören allesamt in die Heilanstalt - oder in den Knast! |
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Lutz Spilker * Consulter *

Anmeldungsdatum: 04.05.2004 Beiträge: 1432 Wohnort: Nürnberg
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Verfasst am: 20.Okt 2006 15:34 Titel: |
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Hallo zusammen,
seitdem mein Amt ja nun weiss, dass ich erhebliche Nebeneinkünfte aus
Schutzgelderpressungen einnehme, habe ich in einem meiner 7 Handys
immer so ein seltsames Knacken. Ich glaube, ich werde abgehört...  _________________ sei nicht feige, lass mich hinter'n Baum |
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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 20.Okt 2006 15:37 Titel: |
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Warum der Verfasser?
Der schreibt doch nur über die:
Die großen Datenkonzerne wie Lexis Nexis, Axiom oder Chioce Point, die National Security Agency (NSA), die Telefongesellschaften, Google. |
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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 21.Okt 2006 7:22 Titel: |
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| Wie gut haben wir es doch in D. |
»BigBrotherAwards« verliehen
Die politische Klasse in Deutschland wäre eigentlich selbst ein Fall für den »Verfassungsschutz«, stellte Rolf Gössner in seiner Laudatio fest; ihr »Verfassungsbewußtsein scheint immer mehr zu schwinden«. In diesem Sinne gratulierte er der Innenministerkonferenz und ihrem Vorsitzendem Günther Beckstein (CSU) zum Empfang eines der diesjährigen »BigBrotherAwards«. Die Preise wurden am Freitag in Bielefeld zum siebten Mal an Unternehmen, Organisationen und Politiker verliehen, die »durch ausufernde Kontrolle, Manipulation und Überwachung erheblich die Privatsphäre der Bundesbürger verletzen«, so die Veranstalter.
Die Innenministerkonferenz wurde für die von ihr geplante »Antiterrordatei« ausgezeichnet, in der Daten von »Terrorverdächtigen« gesammelt werden und sowohl Polizei als auch Geheimdiensten zur Verfügung stehen sollen. Damit werde eine »wichtige demokratische Lehre aus der deutschen Geschichte weitgehend entsorgt«, nämlich die verfassungsmäßige Trennung von Polizei und Geheimdiensten. Der BigBrotherAward werde den Innenministern »bewußt präventiv« verliehen, so Gössner, denn noch hat die Antiterrordatei den Bundestag nicht passiert.
Der zweite »Award« in der Kategorie Politik ging an den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, wo seit diesem Jahr »verdachtsunabhängige Tonaufzeichnungen« im öffentlichen Raum erlaubt sind. Außerdem ausgezeichnet wurden das Finanzunternehmen SWIFT für die »Übermittlung von Überweisungsdaten an US-Behörden«, die Kultusministerkonferenz der Länder für ihr Vorhaben, anhand lebenslanger »Schüler-IDs« sämtliche Schülerlaufbahnen zu protokollieren, die Philips GmbH für die Erfindung, mit ihren CD-Brennern automatisch eine zurückverfolgbare Seriennummer auf jede CD zu brennen, sowie die deutsche Versicherungswirtschaft für ihren Austausch von »Warn- und Hinweisdateien« mit Informationen über Millionen Bürger.
Schon in den vergangenen Jahren fanden sich prominente Namen unter den Gewinnern der vom FoeBuD e.V. und anderen Organisationen verliehenen Preise, etwa der Metro-Konzern, das TollCollect-Konsortium, Microsoft, die GEZ und der Exbundesinnenminister Otto Schily (SPD), der sogar doppelter Preisträger ist: Einen BigBrother Award erhielt er 2001 für »sein Eintreten gegen Bürgerrechte« nach dem 11. September, den anderen im Jahr 2005 – für sein Lebenswerk. |
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werner callies .
Anmeldungsdatum: 26.09.2003 Beiträge: 3253 Wohnort: NRW & Spanien
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Verfasst am: 24.Okt 2006 7:55 Titel: Habe dazu noch was passendes gefunden... |
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Tagebuch eines Paranoikers
(leo.org)
26.3. Das Kaufhaus wird mir unheimlich. Als ich heute morgen einkaufen war, hörte ich
zum ersten Mal diese Durchsage: “42, bitte 7.” Was hat das zu bedeuten? Ich legte
schnell die Hundebürste zurück, die ich für meinen Dackelrüden kaufen wollte, und verließ
das Kaufhaus. Überall Kameras. 27.3. Auch in der Lebensmittelabteilung also: “20 bitte,
20!” Rätselhaft: Sofort nach der Durchsage nahm die Wurstverkäuferin die von einer
Kundin reklamierte Dauerwurst widerspruchslos zurück. Zufall?
28.3. Posten in der Stoffabteilung bezogen. Schon nach zehn Minuten konnte ich zwei
Durchsagen festhalten: “15, bitte!” und “13, bitte 2!” Mag sein, daß ich mich bei der letzten
verhört habe. Was soll das? Heisst ‘Fünfzehn’ etwa: “Fräulein Bauer bitte zur Kasse 1”?
‘Dreizehn’ soviel wie “Herr Dr. Mann, bitte zum Chef” und ‘Dreiunddreißig’ “Herr Warnke,
wenn Sie sich noch einmal im Schritt kratzen, während Sie bedienen, fliegen Sie raus!”?
30.3.Ich glaube, hier ist eine fremde, dunkle Macht am Werk. Warum sonst würde man
Codes benutzen? Bislang habe ich 93 verschiedene, teilweise auch mit Buchstaben. Pro
Tag kommen etwa 20 neue hinzu. Ich brauche mehr Zeit.
2.4. Ich habe meinen Job gekündigt.
3.4. Der erste ganze Tag im Kaufhaus. Zwei Stunden Lebensmittel, drei Elektronik, fünf
Autozubehör. Im Cafe kennen sie mich schon. Tarnung?
4.4. Der Hausdetektiv verfolgt mich. Ich habe Angst. Auch andere Kunden scheinen die
Durchsagen wahrzunehmen. Eine ältere Dame zuckte sogar zusammen. Eine ehemalige
Verkäuferin? Ihr verhärmtes Aussehen läßt darauf schließen. Ich folge ihr bis zum Ausgang.
Nichts. (Verströmt das Gebläse am Eingang ein Gas?)
5.4. Die Zahlen werden immer höher. Ich brauche ein neues Notizbuch. Irgendetwas ist im Gange.
6.4. Stasi?! Ich gehe davon aus. Ich muß Erika warnen. Sie kauft hier immer noch arglos ein.
Ich schon seit Tagen nicht mehr. Alles, was ich hier gekauft habe, werfe ich weg. Meine
Geldreserven sind bald aufgebraucht. Ich gehe nicht mehr ins Kaufhaus-Cafe. Vermutlich ist
im Essen eine Droge, die einen die Durchsage überhören läßt.
8.4. Heute morgen war ein Reklamezettel von dem Kaufhaus in der Post. Ohne Absender.
Sie wissen also, wo ich wohne. Anzeige? Erika meint, ich sehe Gespenster. Was soll ich tun?
9.4. “Wollen Sie eine Tüte?” hat mich die Verkäuferin bei meinem Alibieinkauf gefragt. Sie hatte
so etwas Lauerndes im Blick. Natürlich habe ich die Tüte abgelehnt, ich weiß genau, was da drin
gewesen wäre.
10.4.Jetzt wird es ernst: Eine junge, gutaussehende Frau bot mir englisches Mürbegebäck an.
Angeblich weil “britische Aktionstage” im Kaufhaus sind. Ging zum Schein darauf ein. Entfernte
mich rasch und unauffällig und erbrach alles wieder. So leicht kriegen sie mich nicht.
11.4. Bei der Durchsage “72, sofort 3e!” lief ich in Panik hinaus in die Fußgängerzone und nach
Hause. Wenn man meine Anzuggröße zu meinem Alter addiert, ist das Ergebnis“72”. Und was
soll “3e” bedeuten? Natürlich: Dritter Stock, sofort eliminieren! Es geht los.
15.4. Kommissar Böcklin sagte mir heute, daß bei meinem Anschlag niemand getötet wurde.
Lediglich in der Elektroabteilung entstand größerer Sachschaden. Der Kommissar trug am Revers
ein Namensschild. Darauf stand die Nummer 27. Also 72 von hinten gelesen. Ich bin verloren... |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 18.Aug 2008 12:22 Titel: |
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In Österreich wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 durchschnittlich 32 Internetuser pro Tag ausgeforscht. Zudem wurde in diesem Zeitraum täglich der Standort von zwei Handynutzern abgefragt.
Diese ernüchternde Überwachungsstatistik geht aus einer parlamentarischen Anfrage der österreichischen Grünen hervor. "Wenn man sich diese Zahlen vor Augen hält, wird klar, dass Österreich Gefahr läuft, sich zu einem Überwachungsstaat zu entwickeln", kritisiert Marie Ringler, Landtagsabgeordnete der Wiener Grünen,
Vor allem die geplante Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes, die eine Überwachung des User-Datenverkehrs künftig auch ohne richterlichen Beschluss möglich machen würde, stelle laut der Grünen-Abgeordneten ein ernsthaftes Problem dar. Für einige Aufregung sorgt aber auch ein kürzlich stattgefundenes Treffen zwischen Vertretern des Innenministeriums und der Internetprovider-Branche.
Aus Informationen dazu geht eindeutig hervor, dass der Einsatz von sogenannten Spitzelboxen bereits diskutiert wird", stellt Ringler fest. Diese auch "Sniffer" genannten Geräte werden vom Provider installiert, um den Datenstrom der User, beispielsweise den E-Mail-Verkehr, überwachen zu können. "Es ist zwar zur Zeit noch nicht gesagt, dass die Spitzelboxen für ungerechtfertigte Überwachungszwecke missbraucht werden, aber die Chancen dafür sind groß", merkt Ringler an.
Seit dem 1.1.2008 darf die Polizei ohne richterlichen Befehl IMSI-Catcher einsetzen. Bis jetzt hat es nur das GSM-Netz getroffen. Jetzt wird das anders. Dann will das Innenministerium den UMTS-IMSI-Catcher beschaffen: den GA 3G von Rohde & Schwarz. Dann ist kein Netz mehr sicher.
„IMSI“ ist die „International Mobile Subscriber Identity“. Nur mit ihr kann ein einzelner Teilnehmer eindeutig identifiziert werden.
Die IMSI-Nummer ist eine 15-stellige eindeutige Teilnehmernummer. Sie besteht aus:
* Mobile Country Code: 3 Zeichen, z.B. 232 für Österreich
* Mobile Network Code: 2-3 Zeichen, z.B. 01 für A1, 03 für T-Mobile, 05 für One und 07 für Telering
* Mobile Subscriber Identification Number: max. 10 Zeichen
Die IMSI-Nummer wird auf der SIM-Karte gespeichert.
Der IMSI-Catcher ist ein mobiles Gerät, mit dem die IMSI eines Mobiltelefons ausgelesen und der Standort des Benutzers innerhalb einer Funkzelle bestimmt werden kann. Auch das Mithören von Telefonaten ist möglich.
Welche IMSI-Catcher gibt es?
Im Dezember 1996 präsentierte die deutsche Firma Rohde & Schwarz ihren ersten IMSI-Catcher: das Modell GA 090. Der GA 090 kann nur eines: orten. Er erfasst eine IMSI-Nummer und stellt fest, wo sich das Gerät gerade befindet. Dazu muss sich der IMSI-Catcher allerdings bereits in der Nähe des Handys befinden. Inzwischen ist die Ortung durch IMSI-Catcher technisch längst überholt.
Die Polizei nimmt Peilungen über „stille SMS“ vor, mit denen ein Handy überall mit großer Genauigkeit lokalisiert werden kann, ohne dass der Benutzer die Peilung bemerkt.
Das GA 900 kann mehr. Es lokalisiert – und es überwacht Gespräche. Der Catcher nützt die Eigenschaft des Handys, sein Gespräch an die stärkste Funkzelle zu senden. Der Catcher täuscht eine Funkzelle vor und saugt alle Gespräche aus seinem näheren Umkreis an.
Wie täuscht der IMSI-Catcher das Handy?
Der IMSI-Catcher nützt eine Sicherheitslücke im Betriebssystem des GSM-Standards. Hier müssen sich bei jeden Gespräch nur die Handys – aber nicht die Funkzellen – eindeutig identifizieren und autorisieren. Der IMSI-Catcher täuscht gegenüber dem Handy eine Funkzelle und gegenüber der Funkzelle ein Mobile Switching Center (MSC) – den übergeordneten Sender mit der Verbindung zur Datenbank des Providers – vor. So bleibt er von Handy und Funkzelle unerkannt, weil das GSM- System keine Autorisierung verlangt.
Im UMTS-Standard ist diese Sicherheitslücke geschlossen. Das GA 900 kann hier nur mit einem Trick überwachen. Ein UMTS-Störsender zwingt die Funkzellen in der Nachbarschaft, automatisch auf den niedrigeren Standard GSM herunter zu schalten. Dort kann das GA 900 wieder unerkannt eingesetzt werden.
Wenn ganz Österreich mit UMTS versorgt ist, geht die Zeit des GSM-Standards zu Ende. Daher will Rohde & Schwarz einen IMSI-Catcher anbieten, der die G3-SIM-Cards von UMTS überwachen kann: den GA 3G.
Bis heute werden IMSI-Catcher vor der Öffentlichkeit versteckt. Wer das offizielle Produktprogramm von Rohde & Schwarz anfordert, wird keine IMSI-Catcher finden.
Wer im Innenministerium hat IMSI-Catcher?
Die Sondereinheit Observation SEO ist dem Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit entzogen worden und untersteht jetzt dem Bundeskriminalamt. Sie hat nach Angaben des BMI drei IMSI-Catcher: einen veralteten GA 090, der nicht mehr im Einsatz ist; einen GA 900; und seit kurzem einen GA 2G, der erstmals alle Netze erfassen kann.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung BVT hat einen weiteren GA Die parlamentarische Kontrolle funktioniert nicht, weil der ehemalige Innenminister Platter dem geheimen Unterausschuss zur Kontrolle des BVT die Auskünfte verweigerte. Seit Ministerin Fekter im Amt ist hat der Unterausschuss erst gar nicht getagt.
Was darf die Polizei jetzt ohne Richter?
„Ist auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen, dass eine gegenwärtige Gefahr für das Leben oder die Gesundheit eines Menschen besteht, sind die Sicherheitsbehörden zur Hilfeleistung oder Abwehr dieser Gefahr berechtigt, von Betreibern öffentlicher Telekommunikationsdienste Auskunft über Standortdaten und die internationale Mobilteilnehmerkennung (IMSI) der von dem gefährdeten Menschen mitgeführten Endeinrichtung zu verlangen sowie technische Mittel zu ihrer Lokalisierung zum Einsatz zu bringen“.
Das klingt harmlos. Aber Ex-Innenminister Platter, der sich das alles einfallen ließ, wußte genauso wie seine Nachfolgerin, dass es nicht um die Suche nach Verschütteten oder Verirrten geht. Die Rechtfertigung, man wolle Verirrte und Entführte mit IMSI-Catchern orten, ist technisch unsinnig. Der IMSI-Catcher kann nur in der Nähe des Handys eingesetzt werden. Er setzt bereits die Ortung voraus. Wenn IMSI-Catcher über weitere Distanzen zur Ortung verwendet werden, müssen sie über große Räume der stärkste Sender sein. Dazu müssen sie mit einer Leistung strahlen, die großflächig zu Netzausfällen führt.
Genauso unsinnig ist der Einsatz zur Ortung von Lawinenopfern. Ein IMSI-Catcher am Rande eines Lawinenfeldes hätte nur einen Erfolg: von den Lawinenpiepsgeräten bis zu den Handys würde alles ausfallen. Dazu kommt: Schon nach vierzig Minuten sinkt die Überlebenschance von Verschütteten auf fast null. Alle IMSI-Catcher sind in Wien stationiert. Wenn Lawinenopfer auf IMSI-Catcher warten müssten, wäre ihr Schicksal besiegelt.
Warum bevorzugt das Innenministerium IMSI-Catcher?
Der normale Weg zur Überwachung von Gesprächen und zur Bekanntgabe von Verbindungsdaten führt über Richter und Provider. Etwa vierzig Prozent der polizeilichen Anträge werden bereits von den Richtern abgelehnt. Weitere zwölf Prozent der richterlich genehmigten Überwachungen scheitern an den Providern, die sich weigern, gesetzlich ungenügende Anforderungen zu erfüllen.
Das ist der heikle Punkt. Innenminister Platter wußte dies alles. Er wußte, dass IMSI-Catcher zur Ortung von Vermissten und Verschütteten ungeeignet sind. Er wußte aber auch, was IMSI-Catcher können. Wer einen IMSI-Catcher hat, braucht keinen Provider und jetzt, zum ersten Mal, auch keinen Richter. Jetzt kann das Innenministerium direkt auf Nummern und Gespräche zugreifen.
Die Betroffenen werden – im Gegensatz zur klassischen Telefonüberwachung - auch im Nachhinein nicht verständigt. Damit ist jede Kontrolle von außen ausgeschaltet.
Quelle: pressetext |
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