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Hänsel und Gretel
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 08.02.2002
Beiträge: 416
Wohnort: Diese Erde

BeitragVerfasst am: 30.Mai 2002 9:19    Titel: Antworten mit Zitat

Es muss so um 1984 gewesen sein, als ich meinen ersten Rechner bekam. Es war ein ZX81 von Sinclair mit Folientastatur, ohne Festplatte. Eine Festplatte in der Größe der heutigen, kostete seinerzeit soviel, wie ein “Reihenhaus am Chiemsee“. Dafür verfügte das kleine schwarze Teil über einen Kassettendeck-Anschluss zum Sichern der Daten und eine Coaxial-Buchse, zum Anschluss an einen handelsüblichen Fernsehapparat. Gekostet hat er mich “nichts“. Es war das “Dankeschön“ des Verlages, für ein Zeitungs-Abo.

Machen konnte man mit dem Ding, gemessen an den Funktionen der heutigen Rechner, so gut wie nichts. Die Bedienoberfläche auf dem Screen, bestand aus einem weißen Cursor in Zuckerwürfelgröße auf besagtem Fernsehbildschirm mit schwarzem Hintergrund und die eingegebenen Daten, schoben sich zeilenweise von unten nach oben. Jede noch so kleine Programmierung musste per Hand eingetippt werden, da weder ein Disketten-, geschweige ein CD-ROM-Laufwerk, zum Einlesen oder Überspielen der Daten vorhanden war, von einer Maus als Eingabegerät ganz zu schweigen.

Hier lernte ich meine ersten Programmierkenntnisse, wenn man es überhaupt so nennen will, denn die Syntax der eingetippten Zeilen, waren zunächst erst “böhmische Dörfer“. Es war mühselig und bereitete keinerlei Spaß. Die Ergebnisse waren kläglich, schon alleine und aufgrund der groben Bildschirmauflösung in schwarzweißen Blöcken. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Der nächste Rechner war eine Phillips-Konsole und verstand MSX-Basic, verfügte über einen Soundchip in 4-BIT-Qualität (jeder heutige Taschenrechner klingt angenehmer) und besaß zwei Schächte, in die man Kauf-Module mit lustigen Spielchen stecken konnte. Immerhin war der Kasten schon joystickfähig, aber auch nicht der wahre Jakob. Keine Maus, keine Disklaufwerk und überhaupt... Etwas anderes musste also schleunigst her.

Der Commodore C64 war schon 2 Jahre auf dem Markt und erreichte meinen Kaufwunsch mit Überschall. Farbige Darstellung auf Monitor, mit Emulator sogar in 8-Bit-Qualität, also 256 Farben. Diskettenlaufwerk für die großen 5 ¼ “ Lappen und anderen bahnbrechenden Features. Mausanschluss, Soundchip und Soundwege als Sequenzgang, für ein externes MIDI-Interface, zum Anschluss an einen damals noch monophonen Synthesizer. Mit einem solchen C64, hatte Modern Talking Boss Dieter Bohlen seine ersten Demos produziert. Lang, lang ist’s her. Mein Ansprüche wuchsen und ich stellte bald wieder fest, dass ich mich elend langweilte. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Irgendwann so um 1985/’86, brachte ATARI den 1040 E mit Blitterchip auf den Markt. Die Kiste verfügte zwar nur über eine schwarzweiße Darstellung in der höchsten Auflösung von 640 x 480 Pixel, besaß aber von allen, auf dem Markt befindlichen Rechnern, die beste Grafik, ein eingebautes MIDI-Interface, Line-Out, Line-In und war mit 4,8 mHZ der schnellste Rechner. Mit dieser Geschwindigkeit, lag er doch sogar noch vor einem PC und den ersten MAC’s auf Solaris-Basis. Heute lachen wir uns mit 4 gHZ-Taktungen über diese Taktungen kringelig.

Den ATARI 1040 E besaß ich bis zum Erscheinen des ATARI Falcon 030. Dies ließ mir keine Ruhe mehr. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Der FALCON 030 hatte alles, was mein bescheiden getaktetes Herz sich wünschte. Festplatte mit 80 MB. Einen RAM-Speicher von 4 MB. VGA-Darstellung in 16-Bit. Den Motorola-Soundchip in 16-BIT-Qualität und natürlich ein eingebautes MIDI-Interface. MIDI war für mich immer sehr wichtig, denn Musik war mein Hobby. Ich kaufte mir den 24-Spur-Sequencer “Twenty Four“ von Steinberg und konnte zum ersten mal “richtig Gas geben“.

Was ich in den Rechner ’reinspielte, konnte ich absaven und mir am nächsten Tag wieder genauso anhören. Ich konnte eingespielte Fehler korrigieren und alle Spuren so bearbeiten, wie ich es für richtig hielt. Die Anschaffung eines Synthesizers der 3.000,- DM-Klasse, nebst einiger Module und eines Mischpultes war nun gerechtfertigt Ich war begeistert und arbeitete mit dem Gerät bis zu dem Zeitpunkt, als die PC-Technologie, alles andere zu überholen schien, weil für andere Rechner keine neue Software mehr geschrieben wurde. Der Weltmarkt hatte den PC als Renner vor seine Kutsche gespannt. Ich kam nicht umhin, mit der Entwicklung Schritt halten zu müssen. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Mein erster PC war ein Toshiba-Laptop mit dem ersten VGA-Screen. 9,8 mHZ Taktung und 1 MB RAM. Die Festplatte besaß eine Kapazität von 20 MB. Die damalige Windows-Version war auf 7 Disketten erhältlich und benötigte gerade mal 10 MB Platz. Die Programme waren revolutionär und der Horizont der Zukunft schob sich jeden Tag ein Stück weiter aus der Sichtweite. Die Programmvielfalt war überwältigend und ständig löschte man alte Progs, um für neue Platz zu schaffen, denn Festplatten waren nach wie vor sehr preisintensiv und der vorhandene Platz auf der 20 MB-Platte somit knapp.

Es dauerte nicht lange bis ich erkennen konnte, dass dieses Teil zwar recht handlich und für unterwegs als geeignet schien, aber sich als Arbeitsplatzrechner nicht so ganz mit mir anfreunden wollte. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Die Entwicklung ging in Siebenmeilenstiefeln voran. Was man heute kaufte, wurde morgen schon wieder belächelt. Ich entschloss mich einen Rechner zu kaufen, der auch noch “übermorgen“ einsatzfähig sein sollte. Ein Big-Tower mit CD-ROM, CD-Brenner, ZIP-Laufwerk, 3 Festplatten, einer AWE-64-Full-Dublex-Soundkarte mit 12 MB RAM, eine 4 MB Cirrus-Logic Grafikkarte, 64 MB Hauptspeicher am Stück, externes ISDN-Modem von ELSA und einen zusätzlichen LPT. Der Rechner ist ein reiner SCSI-Bolide und das Mainboard wurde mit einem Pro-Prozessor von Intel (Taktung: 200 mHz) ausstaffiert. Davon baute Intel lediglich 50.000 Stück. Der Preis des Rechners inkl. des 17“ Monitors lag bei knapp 12.000,- DM’chen.

Dieser Rechner funzt heute noch in ausnahmslos stabiler Weise. Er stürzt nicht ab, hängt sich nicht auf und muckt nicht eine Sekunde, wobei er täglich 10 Stunden aktiv ist. Nun,- die Rechengeschwindigkeit ist nicht mehr als sensationell zu bezeichnen, aber er wird auch nicht für “Gewalttaten“ benutzt.

Die Anwendungen wurden und werden immer umfangreicher, benötigen eine Menge Platz im RAM-Speicher und die Programmvielfalt ist schier unüberschaubar geworden. Die Anforderungen an den Anwender zur Beherrschung der Softwares ist brachial. Ich kam nicht umhin, mir über einen zweiten Rechner ernsthafte Gedanken zu machen. Unter dem Moto: Schneller, größer, weiter, stand es bald fest. Etwas anderes musste also schleunigst her.

Ein schnellerer Rechner mit einer kleineren Platte fürs Betriebssystem und einer zweiten und größeren, für die Progs, aus Gründen der Sicherheit schön getrennt. Großer Arbeitsspeicher mit 512 MB und einem 19“ Flatscreen, man will schließlich was sehen fürs Geld. Aufwendige Render-Prozesse dauern jetzt nur noch kurze Zeit und Bildverarbeitung im DTP-Bereich, sind Dank großvolumiger Grafik-Karte und ausreichendem RAM, kein Anlass für Stirnfalten. In den CD-Regalen türmt sich Software aller Arten und Sparten für mittlerweile mehr als 50.000,- Euro.

Für 2 bis 3 Jahre ungefähr, dürfte der Status jetzt andauern und ausreichen. Da jedoch die Entwicklung gnadenlos voranschreitet befürchte ich, aus der begonnenen Schleife nicht ohne Weiteres entfliehen zu können. Auch dann trommelt es wieder zur Attacke und etwas anderes muss also schleunigst her.

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