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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5917
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Verfasst am: 1.Nov 2007 9:23 Titel: Europäische Monarchen eine “Clique von Faulpelzen” ? |
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Eine britische Kleinstadt hadert mit einer teuren Toilette für die Queen, Belgier nehmen die Häppchen im Palast ins Visier, und in Spanien stellt der König erstmals einen Buchhalter ein: Europäische Monarchen müssen sich zunehmend für ihre Kosten rechtfertigen.
Anfang September wurde Oscár Moreno Gil zum Buchhalter von König Juan Carlos berufen, dem ersten in der Geschichte. Der Monarch reagierte damit nach Ansicht von Beobachtern auf wachsenden Druck.
Zwar ist bekannt, dass der offizielle Etat des spanischen Königshauses bei 8,29 Mio. Euro liegt. Doch die katalonische Nationalistenpartei ERC klagt derzeit vor dem spanischen Verfassungsgericht darauf, die detaillierten Ausgaben der königliche Familie öffentlich zu machen. Diese musste sich vom baskischen Senator Inaki Anasagasti kürzlich sogar als “Clique von Faulpelzen” beschimpfen lassen.
Dass Katalanen und Basken den König ablehnen, ist nicht neu – wie tief die Abneigung gegen die vermeintlichen Unterjocher in Madrid sitzt, zeigte kürzlich wieder die öffentliche Verbrennung von Königsporträts. Doch an die Stelle eher plumper Proteste tritt verstärkt die spitze Frage, was der Souverän seine Untertanen wirklich kostet.
Ähnlich in Großbritannien. Auch hier gibt es radikale Monarchiegegner wie das “Movement against Monarchy”, das im Logo ein Guillotine führt. Doch prominenter sind dort die Aktivisten vom Bündnis “Republic”, die häufig betriebswirtschaftliche Argumente bemühen. “Sie veröffentlichen ihre Zahlen, aber diese Zahlen sind unglaublich fragwürdig”, sagte “Republic”-Sprecher Graham Smith über den königlichen Haushalt. Die „Civil List“ umfasst für 2007 umgerechnet rund 54 Mio. Euro.
Nach Schätzungen von “Republic” kostet jedoch allein die Bewachung der Royals weitere 140 Mio. Euro, insgesamt sei ein Jahresetat von etwa 215 Mio. Euro somit deutlich näher an der Realität. Welche Zusatzkosten das Königshaus verursachen kann, erfuhr Mitte Oktober das Städtchen Romsey in Südostengland.
Für einen Besuch der Königin musste das Rathaus auf Wunsch von Palastangestellten für 7200 Euro eine ansehlichere Toilette installieren. Diese wurde von der Queen zwar nie genutzt, trotzdem verschlang die gesamte Stippvisite ein Drittel des städtischen Jahresbudgets. Der Bürgermeister von Romsey musste deshalb die Gemeindesteuern um fünf Prozent erhöhen.
Solche Aufrechnungen kontern Monarchie-Anhänger gerne mit einer Förderung des Tourismus durch die Royals, doch davon will man bei “Republic” nichts wissen. Unter den Top 20 der britischen Besuchsziele sei mit Schloss Windsor nur ein königliches Anwesen - und dessen Besucherzahlen lägen immer noch um eine halbe Million unter jenen des nahe gelegenen „Windsor Legoland“. Insgesamt machten Einnahmen aus königlichem Besitz weniger als ein Prozent der jährlichen Einnahmen im Fremdenverkehr aus.
Im Dienste der Wirtschaftsförderung reiste auch der belgische König Albert II in diesem Sommer mit 350 Geschäftsleuten nach China und Hong Kong. Seine Rolle war klar: Türen öffnen, Vertragsabschlüsse beschleunigen. Als der Leiter der belgischen Außenhandelsagentur jedoch vor laufender Kamera gefragt wurde, was die königliche Mission an Kosten verursache, geriet er ins Stottern und antwortete schließlich, dass könne man erst hinterher sagen.
Die Szene war Teil einer TV-Dokumentation mit dem programmatischen Titel „Verdient die königliche Familie zuviel Geld?“ Journalisten des Belgischen Rundfunks gingen darin der Frage nach, welche Kosten Albert II neben seiner offiziellen „liste civile“ von 9,54 Mio. Euro noch verursacht.
Allein die vom Verteidigungsminister bezahlte Flugbereitschaft koste jährlich weitere 400.000 Euro, die Bewachung durch rund 240 Polizisten mindestens 600.000 Euro. Sogar die Kosten für Champagner und Petit Fours bei einem typischen Palastempfang schätzten die Reporter – und kamen mit 7500 Euro auf eine vergleichsweise bescheidene Summe.
Trotzdem: Die Belgier wüssten es gerne genauer und verweisen neidisch auf ihre Nachbarn.
In den Niederlanden untersuchte bereits in den 60er Jahren eine Regierungskommission die königlichen Finanzen. Sie kam zum überraschenden Ergebnis, Königin Juliana sei für die Erfüllung ihrer Pflichten deutlich unterfinanziert. Ihrer Nachfolgerin Beatrix wurde von der Regierung kürzlich das persönliche Gehalt um 3,9 Prozent auf 792.000 Euro erhöht. Hinzu kommen unter anderem 6,1 Mio. Euro für die Hofhaltung, 13 Mio. für die Bewachung der Oranier und rund 35 Mio. Euro für die Instandhaltung ihrer Paläste.
Insgesamt müssen niederländische Steuerzahler damit 2008 rund 84 Mio. Euro für die Königlichen berappen. Doch die Transparenz erhöht offenbar auch das Vertrauen, dass dies keine sinnlose Invesition ist: Beatrix sei “die Generaldirektorin eines straff geführten Unternehmens” lobte etwa das “NRC Handelsblad”.
Dass Oscár Moreno Gil in absehbarer Zeit ähnlich viel Licht in die Finanzen von Juan Carlos bringen wird, ist nicht zu erwarten. Denn Gil ist direkt dem König unterstellt, laut Verfassung gibt es damit keine höhere Ebene, der er Bericht erstatten könnte.
So bleibt es voerst bei Schätzungen wie jener der Zeitschrift „El Economista“. Reale Kosten von 25 Mio. Euro errechnete man dort für den spanischen Hof - und nahm ihn sogleich in Schutz. Die mutmaßlichen Ausgaben des Staatspräsidenten im republikanischen Frankreich seien schließlich fast viermal höher.
Quelle: David Böcking |
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