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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 953
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Verfasst am: 27.Apr 2008 9:47 Titel: Flieger der Welt, schaut auf dieses Flugfeld. |
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Tempelhof sollte erhalten bleiben... meinen ein paar Blogger.
Interessant ist dabei auch, dass einige wegen der ekelhaften Neidkampagne der Rot-rot-grünen Allianz zu dieser Meinung kommen, z.B. Tobias Kaufmann:
“Tempelhof ist ein Gefühl”
Eine der dämlichsten Plakat-Kampagnen, die ich in letzter Zeit gesehen habe, ist die, mit der die Gegner eines Erhalts des Flughafens in Berlin-Tempelhof überzeugen wollen. Ökobestrickte Mutter mit Baby sowie hart arbeitender Mann vom Bau klagen über schrecklichen Fluglärm und betonen: “Ein Flughafen nur für Superreiche? Nein danke”. Da ist alles mit drin. Erstens: Volksverdummung. So als sollte ein NEUER Flughafen in einer bisher ruhigen Gegend eröffnet und nicht etwa ein Flughafen erhalten werden, der schon da war, als es Die Grünen, die mit hinter der Kampagne stecken, noch gar nicht gab. Zweitens: Sozialneid. So als seien Flugzeuge leiser, wenn die Tickets günstiger sind. Drittens: Lüge. Bis vor einiger Zeit flog zum Beispiel die Deutsche BA direkt von Köln nach Tempelhof, und das war nichts für Superreiche, sondern für Billigflieger.
Warum sagen die Gegner von Tempelhof nicht einfach, wie es ist: Der Laden muss dicht gemacht werden, damit zumindest die theoretische Möglichkeit besteht, dass der neue, hochsubventionierte Großflughafen Schönefeld sich irgendwann mal lohnt. Und weil ich den Flughafen Tempelhof, in dessen Nähe wir zwei Jahre lang wohnten, immer sehr mochte und die Kampagne gegen ihn zum Kotzen finde, deshalb verlinke ich hier den sehr schönen Text meines Kollegen Markus Decker, der dem Streit um Tempelhof nachgegangen ist - ohne sich dabei so aufzuregen wie ich gerade: Tempelhof ist ein Gefühl.
oder "Eukenserbe:
Flieger der Welt, schaut auf dieses Flugfeld.
Wenn es nach Rot-Rot geht, sind wundervolle Erlebnisse wie die von Henryk Broder passé. Morgen dürfen wir Berliner unsere Meinung dazu artikulieren. In einem Volksentscheid. Klaus Wowereit hat schon mitgeteilt, was er davon hält: Nichts. Aus angeblich juristischen Gründen soll der Flughafen Tempelhof geschlossen werden. Alles Unsinn.
Die erste Legende betrifft die vermeintliche Unwirtschaftlichkeit des Berliner Traditionsflughafens,. Schon der Textil- und Flugunternehmer Hans-Rudolf Wöhrl hat dem Senat angeboten, den Flughafen zu übernehmen. Er hat kein Geld zu verschenken. Aber mit ihm wurde nicht mal ernsthaft verhandelt.
Gemeinsam mit der deutschen Bahn AG will Ronald S. Lauder das weitgehend brachliegende Gebäude einer neuen Nutzung zuführen. Für 350 Millionen Finanzkapital will der Präsident des Jüdischen Weltkongresses 1000 Arbeitsplätze schaffen. Jeder kann sich seinen eigenen Reim darauf machen, warum der Mann nicht willkommen ist.
Die vermeintlich horrenden Verluste in Tempelhof sind übrigens künstlich herbeigeführt. Denn statt in Tegel und in Schönefeld neue scheußliche, provisorische Mehrzweckhallen zu errichten, hätte man die Jets von Easy-Jet, Germanwings oder Air Berlin einfach auf dem Tempelhofer Flugfeld landen lassen müssen. Schalter, Gepäckanlage, alles da.Schon wären die Tempelhofer Verluste verflogen.
Ein “Zweitflughafen” wäre übrigens auch unter anderen Gesichtspunkten interessant. Als Regierungsflughafen wären die im Falle eines Staatsbesuches abzusperrenden Wege zum Auswärtigen oder Kanzleramt wesentlich kürzer, was weniger Kosten verursacht und den volkswirtschaftlichen Schaden minimiert, wenn irgend ein korrupter afrikanischer Potentat zum Empfang der Entwicklungshilfe ins Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit von 12 weißen Mäusen eskortiert werden muss. Und im Falle eines Flugunfalls auf dem neuen internationalen Großflughafens gäbe es jenseits von Hamburg und Leipzig noch eine Landebahn. Das gilt insbesondere für Terroranschläge, bei denen ja nicht nur eine Startbahn sondern die ganze Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen würde.
Bis der neue Airport in Schönefeld fertig ist, spricht überhaupt nichts gegen die Fortsetzung des Betriebs. Niemand weiß, wann das sein wird. Und auch der Grund für den Planfeststellungsbeschluss ist mittlerweile Geschichte. Damals sollten private Investoren den Neubau in Schönefeld finanzieren. Und die wollten in Tegel oder Tempelhof dann keine weitere unliebsame Konkurrenz. Weil das Ausschreibungsverfahren und die darauf gegründete Entscheidung fehlerhaft war, übernahmen Bund und die Länder Berlin und Brandenburg die Gesellschafterfunktion. Dieser sachliche Grund ist nun entfallen. Und die Tatsache, dass kleine, für die Flughafengesellschaft unprofitable Geschäftsflieger die Slots verstopfen, die auch vom A380 genutzt werden könnten, ist nicht von der Hand zu weisen (auch wenn ich kaum glaube, dass Deutschland neben Frankfurt und München ein drittes Drehkreuz braucht - schon gar nicht eine halbe Stunde vor der polnischen Grenze im ärmlichen Brandenburg).
Es gibt auch kein Angebot für ein schlüssige Nutzung des gesamten Areals, das ohne Start- und Landebahnen auskäme. Die sind nämlich keine Belastung, sondern ein Asset.
Das sieht der ehemalige Tempelhofer Bezirksstadtrat Klaus Wowereit anders. Und initiiert eine ekelerregende Neidkampagne, die die Dinge auf den Kopf stellt. Denn der Geschäftsflughafen Tempelhof würde keine Subventionen kosten und die bisherigen durch den Leerstand anfallenden einsparen. Der Mann hat vielleicht aus seiner frühen Lichtenrader Zeit ein Knalltrauma wegen des Flughafens.
Aber das erklärt die Rigidität nicht. Für den Koalitionspartner ist Tempelhof allerdings ein Symbol der Niederlage. Hierhin wurde schließlich die Luftbrücke geschlagen, die den schnöden Versuch der brüderlichen Sowjet-Union unterband, Berlin durch eine mittelalterliche Belagerung in die Knie zu zwingen, unterband. Daran wird man nicht gerne erinnert, wenn man als Koalitionspartner in einer von Wowereit geführten Bundesregierung ausgerechnet in Tempelhof mit der Flugbereitschaft beim Bundesminister der Verteidigung niedergeht. Denen wünsche ich allerdings einen anderen Niedergang.
Berliner sind also gut beraten, wenn sie für ein Offenhalten des symbolträchtigen Airports stimmen. Zumal dann auch meine Vision Wirklichkeit werden könnte: Auf dem Gelände wäre noch genug Platz für eine komplette Formel 1 Strecke nebst Boxengasse und Tribünen. Und Bernie Ecclestone könnte seinen Privatjet gleich neben dem Motorhome parken. Max Mosley darf das ja nicht mehr.
und Gideon Böss:
Tempelhof den Flugzeugen
Diese ganze Tempelhof-Debatte hat mich bis vor kurzem nicht interessiert. Mich verbindet mit diesem Flughafen kein emotionales Band und ich kenne auch niemanden, bei dem das anders wäre. Tempelhof ist ein Flughafen, der aussieht wie eine zu große Bahnhofsvorhalle, die aussieht wie ein gigantischer Bürokomplex. Lange Flure, verschlossene Türen, keine Menschen - Franz Kafka Verehrer sollten das unbedingt mal gesehen haben.
Am Rande bekam ich also mit, dass Tempelhof den Betrieb einstellen soll, damit das ambitionierte Provinzflughafen-Projekt Airport Berlin-Brandenburg einen Konkurrenten weniger fürchten muss. Außerdem seien Landungen in der Stadt zu gefährlich und die Luftbrücke zwar ein starkes Symbol, aber ja auch schon etwas her. Für mich stand also fest, an der Volksabstimmung nicht teilzunehmen.
Jetzt werde ich aber doch für den Erhalt stimmen. Grund ist die Sozialneid-Kampagne, mit der SPD, Linke und Grüne für ihre Position werben. Die Stadt ist zugeklebt mit alten Damen, die "Ick fliege uff Berlin. Aba nich von Tempelhof" berlinern und jungen Frauen, die mit ernstem Gesicht verkünden "Flughafen für Superreiche? Wir lassen uns nicht auf den Arm nehmen." Dabei halten sie ein Kind, von dem wir die Erde nur geborgt haben, auf dem Arm. Nachdem auf diese Weise also die Rentner und die (alleinerziehenden?) Mütter versorgt sind, proletet sich die Kampagne auch noch an den kleinen Mann, den ehrlichen Arbeiter, ran. Ein Blaumann lässt wissen: "Ick zahl doch nich für'n Vip-Flughafen."
Die Kampagne hofft, Neidinstinkte zu wecken. Die Formel dabei ist einfach: Reiche Menschen sind Verbrecher, weil Reichtum ein Verbrechen ist. Wie schäbig. Ich werde darum zur Abstimmung gehen und ein Kreuz gegen die Neidkultur der GRÜNENLINKENSPD machen.
Interessant an diesem Volksbegehren ist auch, dass ausgerechnet die Parteien, die ansonsten bei jeder Gelegenheit ungefragt "Volkes Stimme" für sich reklamieren, nun gegen die Mehrheit der Berliner stehen, während die gerne als abgehoben verschrieene FDP ausnahmsweise mal keine Minderheitenposition vertreten muss.
Wobei dennoch die Frage bleibt, für was Tempelhof eigentlich betrieben wird? Vor einer Woche habe ich den Flughafen erstmals besucht und fand dort genau die Ruhe und Einsamkeit vor, die man in einer Großstadt so oft vermisst (es gibt Museen, in denen es lauter zugeht). Zeitgleich veranstaltete dort die vierzehnjährige GrüneJugend eine machtvolle Demonstration für die Schließung. Sie spielte dabei Fußball und baute ein Zelt auf. Das persönliche Risiko der Teilnehmer blieb dabei überschaubar, denn die Flieger in die Karibik starten ja nicht von Tempelhof aus. Die Sommerferien auf den Bahamas waren also zu keinem Zeitpunkt gefährdet.
PS: Am meisten überraschte mich aber, dass beinahe alle Flugverbindungen aus Reisen nach Brüssel oder Mannheim bestanden. Ich wusste nicht, dass es in Berlin eine so starke Mannheim-Lobby gibt. |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 953
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Verfasst am: 29.Apr 2008 9:58 Titel: |
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Verdrehte Tatsachen
"Wer heute aufgrund des Abstimmungsergebnisses davon redet, dass die Mehrheit der Berliner für die Offenhaltung von Tempelhof gestimmt hat, verdreht unleugbar die Tatsachen."
Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit laut "Neues Deutschland" über das Ergebnis des gestrigen Volksentscheids in Berlin.
Für die Offenhaltung von Tempelhof hatten 530.231 Berliner gestimmt. Das waren 60,2 Prozent derer, die sich an der Abstimmung beteiligten.
Zum Vergleich: Bei den letzten Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 17.9.2006 erhielt Wowereits SPD die Stimmen von 424.054 Berlinern. Das waren 30,8 Prozent derer, die sich an dieser Wahl beteiligten. |
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