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mhmoeller * Consulter *
Anmeldungsdatum: 20.12.2003 Beiträge: 1263 Wohnort: Bochum
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Verfasst am: 17.Mai 2005 7:42 Titel: Gesellschaft fällt auseinander |
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Trennung und Scheidung machen viele arm: Allein Erziehende verfügen durchschnittlich über weniger als zwei Drittel (61 Prozent) des Einkommens aller Haushalte in Deutschland. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.
2089 Euro brutto haben sie im Schnitt im Monat zur Verfügung - das sind 1365 Euro weniger als alle Haushalte. Die Zahlen stammen aus der ersten Jahreshälfte 2003. «Scheidung und Trennung bedeuten für Frauen meist einen Abstieg in die Armut», sagt der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge.
Ursache sind nach Darstellung von Edith Weiser vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Nordrhein-Westfalen vor allem die Kosten für den zweiten Haushalt und ausbliebende Unterhaltszahlungen. Allein Erziehende - zu 91 Prozent Frauen - arbeiten zudem oft nur Teilzeit - häufig in vergleichsweise schlecht bezahlten Frauenberufen. Fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen machen Vollzeitarbeit unmöglich, ergänzt Butterwegge.
1810 Euro bleiben allein Erziehenden im Monat nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Paare mit einem oder mehreren Kindern verfügen mit 3820 Euro über mehr als das Doppelte, wie die Statistiker berichten.
Viele Frauen fühlten sich von den Vätern ihrer Kinder und von Vater Staat im Stich gelassen, berichtet Weiser. Grund sei der Selbstbehalt, der es Vätern ermögliche, keinen Unterhalt zu zahlen, wenn sie selbst wenig Geld hätten, während die Mutter ihr letztes Hemd mit dem Kind teile. «Wenn das gemeinsame Sorgerecht die Regel ist, sollten Väter auch finanziell und im Alltag ihre Verantwortung übernehmen», fordert Weiser.
«Einer Krankenschwester, die zwei Wochenenden im Monat verlässlich arbeiten kann, ist schon viel geholfen.» Allein Erziehende würden oft nicht eingestellt, weil die Arbeitgeber fürchteten, dass sie häufig fehlten, berichtet Tina Kuhne vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Berlin. Dabei hätten diese Frauen meist ein viel größeres soziales Netz an Beziehungen als Ehepaare. Einige Arbeitgeber wüssten inzwischen die Management-Fähigkeiten dieser Frauen zu schätzen.
Den größten Teil des verfügbaren Einkommens müssen allein Erziehende nach Darstellung der Statistiker für Konsum ausgeben: Mit 88 Prozent haben sie eine deutlich höhere Konsumquote als der Durchschnitt mit 75 Prozent. Zur Deckung der Grundbedürfnisse - Wohnen, Nahrungsmittel und Kleidung - geben allein Erziehende 57 Prozent (906 Euro) ihres Konsumbudgets aus. Der Durchschnitt aller Haushalte liegt bei 52 Prozent oder 1096 Euro. Fast jeder siebte Minderjährige (15 Prozent) lebte im Mai 2003 bei einem allein erziehenden Elternteil.
Die betroffenen Frauen und Männer sparen nach Darstellung Weisers meist an sich, um ihren Kindern Wohlstand und eine möglichst gute Bildung zu bieten. Sie kauften preiswertere Nahrungsmittel, gebrauchte Gegenstände und Kleidung und verzichteten auf eigene Freizeitaktivitäten. «Die Untersuchungen für ihre Kinder nehmen sie wahr, gehen aber selbst spät zu Vorsorgeuntersuchungen.» Typisch sei eine Frau, die ihre Kinder auf eine Waldorfschule schicke, sich selbst aber keine Tasse Kaffee mehr in einem Café leiste.
Zum Sparen bleiben den allein erziehenden Müttern und Vätern durchschnittlich 104 Euro im Monat, wie die Statistiker errechneten. Das ist mit sechs Prozent des verfügbaren Einkommens die niedrigste Sparquote aller Haushalte. Paare mit Kindern hatten mit 14 Prozent die höchste Sparquote. Sie legten im ersten Halbjahr 2003 monatlich mehr als das Fünffache (546 Euro) zur Seite.
«Armut ist mehr, als wenig Geld zu haben», sagt Butterwegge. Die betroffenen Kinder seien gesundheitlich und beim Zugang zu Bildungseinrichtungen im Nachteil. «Wenn sie Nachhilfe brauchen, wird es schwierig.» Außerdem wohnten sie beengter. Manche könnten daher keine Kinder einladen und würden folglich selbst auch nicht eingeladen. Der erhebliche Konsumdruck führe zudem dazu, dass sich viele hoch verschuldeten. «Die Gesellschaft fällt mehr und mehr auseinander.»
Die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen in Politik, Wirtschaft und Bildung ist einer Studie zufolge am ehesten in skandinavischen Ländern und da vor allem in Schweden gewährleistet.
Deutschland liegt an neunter, die Schweiz gar erst an 34. Stelle. Ägypten belegt den letzten Platz. Das geht aus einer Analyse des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Genf hervor.
Allerdings habe es bislang noch kein Land geschafft, völlige Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen. Musterstaaten sind die skandinavischen Länder, die sich die ersten Ränge sicherten.
Die geringste Kluft zwischen Männern und Frauen wurde in Schweden registriert. Auf dem zweiten Platz liegt Norwegen, gefolgt von Island, Dänemark und Finnland. Die Erfahrungen dieser Länder bewiesen, dass langjährige gemeinsame Anstrengungen zu einem bleibenden Erfolg führe, schreibt das WEF. Diese Gesellschaften hätten den Nutzen der Tatkraft von Frauen verstanden. |
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