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Sympathine Newbie
Anmeldungsdatum: 17.04.2006 Beiträge: 14 Wohnort: Lübeck
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Verfasst am: 30.Jun 2006 11:31 Titel: Insolvenz in Deutschland - der moderne Holokaust? |
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Insolvenz in Deutschland – der moderne Holokaust?
(Darstellung eines „Einzel?“-Schicksals)
Einleitung:
Immer wieder hört man, dass die Zahlungsmoral der Deutschen sich sehr verschlechtert habe; dem sei hier ganz energisch widersprochen. Es mag in Ausnahmefällen zutreffen aber auch hier gilt, nicht alle über einen Kamm zu scheren. Es ist wohl weniger die Zahlungsmoral, die sich verändert hat, sondern vielmehr die finanzielle Entwicklung und deren Begleitumstände und die Tatsache, dass es mehr und mehr Menschen einfach nicht mehr möglich ist, die Inflation und die ins Unendliche steigenden finanziellen Belastungen aufzufangen.
Man hört auch immer wieder, dass die Armut in diesem Land erschreckend zugenommen habe und noch immer steigende Tendenzen zeige; diese Aussage spricht wohl sehr vielen aufgrund eigener Erfahrungen aus der Seele! Bei so deutlichen „Alarmsignalen“ sollten endlich die verantwortlichen Politiker auf den Plan gerufen werden, denn hier besteht dringender Handlungs- bzw. Überarbeitungsbedarf im Hinblick auf „soziale Gerechtigkeit“, was hierzulande ja auch bereits zum „Schlagwort“ geworden ist. Es wird nur leider viel zu häufig NUR davon gesprochen ohne dass entsprechende Taten folgen.
Die Entwicklung (in Kürze zusammengefasst):
Man kann wohl davon ausgehen, dass die wenigsten der Insolventen ihre Situation vorsätzlich oder fahrlässig selbst herbeigeführt oder gar verschuldet haben. Hier begann es mit der Trennung aus einer ehelichen Beziehung, in der außer der finanziellen Stabilität nichts mehr stimmte. Der Umzug in eine neue Wohnung war der Anfang vom Ende.
Bereits kurz nach Abschluss des Mietvertrages begann der Betrug. Es wurden Ansprüche (u. a. ein Abstand) geltend gemacht, die vor Abschluss des Vertrages niemals erwähnt worden und auch niemals Vertragsgegenstand waren. Trotz sofortigen schriftlichen Widerspruchs war dieser bei der späteren Eskalation von keinerlei Relevanz. Nachfolgend ergaben sich aus diesem Mietverhältnis Nebenkostenabrechnungen, die auch für Laien auf den ersten Blick von der Höhe her nicht stimmen konnten. Trotz diverser Versuche, hier eine Klärung herbeizuführen, gelang dies bei der „Deutschen Rechtsgrundlage“ nicht und wurde als „Bagatelle“ mit einem Abwinken „erledigt“. Letztlich führte dieser „legale“ Wucher zu Zahlungsschwierigkeiten. Es folgte eine auf mysteriöse Art und Weise zustande gekommene Vollstreckung einer Lohnpfändung über knapp ein Jahr. Doch damit noch lange nicht genug! Die Forderungen gingen weiter mit immer höheren und explosionsartig angestiegenen „Nebenkosten“, die bei Hochrechnung fast die Höhe der „eigentlichen Miete“ erreicht hatten. Ein Wohnungswechsel war in der Hauptsache aus Kostengründen zu dieser Zeit bereits unmöglich. Es kam, wie es kommen musste: Zahlungsverzug, fristlose Kündigung seitens des Vermieters und Forderungen, die nachweislich nicht korrekt waren.
Die reguläre Bedienung der anderen Verpflichtungen (die zum großen Teil durch die Trennung bedingt waren) waren mittlerweile ins Stocken geraten. Wiederum kam es zur Lohnpfändung durch einen Gläubiger, bei dem die Zinsentwicklung nach Kreditkündigung an „Wucher“ grenzte (wobei in der „Deutschen Rechtsprechung“ nicht festgelegt ist, wo Wucher beginnt). Auch die Zinsen der anderen Gläubiger schienen sich ins „Uferlose“ hochzuschrauben. Es blieb nur noch der Weg zur Schuldnerberatung und resultierend der Antrag auf Insolvenz.
Die Begleitumstände bis zu diesem Punkt waren oft so, dass sich mehr als einmal der Gedanke aufdrängte, allen Gläubigern mit ihren überzogenen und unverschämten Forderungen ein Schnippchen zu schlagen, indem man den „Geldhahn“ durch Freitod einfach zudreht.
Statt der „Erleichterung“, die eine Insolvenz letztlich bringen soll, gab es immer wieder Hindernisse, Ärger und Fassungslosigkeit darüber, was in unserem „schönen und sozialen Deutschland“ alles möglich ist. Und immer, wenn man glaubte, dass jetzt alles in der Situation entsprechend „normalen“ Bahnen läuft, folgte der nächste „Tiefschlag“ stehenden Fußes.
Die Situation:
Trotz Vollzeitbeschäftigung (jedoch eher geringem Einkommen bei Anstellung im öffentlichen Dienst) und damit „Zahlungsfähigkeit“ bekommt man durch die Insolvenz einen „Stempel“ aufgedrückt, der dem Betroffenen automatisch das Ansehen eines „kriminellen Asozialen“ verschafft (obwohl zugegebenermaßen der Begriff „asozial“ es doch ziemlich genau trifft). Nach Abzug der pfändbaren Anteile des Lohnes und der laufenden monatlichen Verpflichtungen (Miete, Energie, Telefon etc.) bleibt also in diesem Fall ein Restbetrag für den Lebensunterhalt, der unter dem eines Hartz IV-Empfängers liegt. Bei dem Versuch, Kosten zu sparen, tritt sehr schnell die „brutale Realität“ bei bestehender Insolvenz (allein der Begriff Insolvenz = Zahlungs“un“fähigkeit ist in diesem Fall schon ein Widerspruch in sich) zutage. Durch den „Insolvenz-Stempel“ ist für jedermann erkennbar, dass keine Bonität gegeben ist. So falsch, wie das auch sein mag, niemand zieht eine andere Möglichkeit in Betracht. Niemand scheint die Logik zu begreifen, dass durch Kostenersparnis (günstigere Miete, günstigere Tarife auf verschienen Gebieten) die „Zahlungskraft“ eines Insolventen verbessert werden und alle Beteiligten letztlich davon profitieren könnten. Durch den negativen Eintrag bei der Schufa bekommt man jedoch keine Möglichkeit, seine Lebensqualität durch Kostenersparnis (noch nicht einmal dann, wenn man bereits jahrzehntelanger Vertragskunde bei einem Dienstleister ist) zu verbessern. Kurios ist allerdings, dass, wenn man kostenintensivere Tarife (z. B. auf dem Kommunikationssektor) beantragt, auf Null Widerstand stößt und dies komplikationslos durchgeführt werden kann (??????)!!!!
Für sehr viele Betroffene bedeutet Insolvenz in Deutschland: Leben am Rande des Existenzminimums und immer mit der Angst im Nacken, dass man den nächsten Monat nicht übersteht.
Wenn man zu allem Überfluss dann auch noch einen Treuhänder zugewiesen bekommen hat, den es nicht kümmert, dass man, obwohl man mit der eigentlichen Situation schon sehr belastet ist, von den Gläubigern auch noch „abgezockt“ wird und der eher GEGEN als FÜR seinen „Schützling“ arbeitet, ist das Desaster perfekt.
In diesem konkreten Fall ist es so, dass Ausgehen, ein Friseurbesuch, das Kaufen von Kleidung oder Schuhen (erfreulicherweise besteht hier aufgrund des Bestandes aus vorherigen „guten“ Zeiten noch kein zwingender Bedarf), um nur einige Beispiele zu nennen, seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht mehr „erschwinglich“ sind. Es hapert bereits daran, die Beiträge für den Abschluss der wichtigsten Versicherungen wie Hausrat oder Privathaftpflicht aufbringen zu können. Arztbesuche bei chronischen Erkrankungen bleiben auf das absolut Notwendigste beschränkt, da Folgekosten wie Eigenleistung für spezielle Untersuchungen, Rezeptgebühren, Medikamente oder auch krankengymnastische Therapien oder gar eine Rehabilitationsmaßnahme nicht mehr bezahlbar sind.
Kontakte beschränken sich auf Telefonate oder das Internet, wobei das Telefonieren aufgrund bestehender „teurer Tarife“ auch nicht mehr zur Debatte steht, es sei denn, man wird angerufen.
Für eine große Zahl der Privatinsolventen heißt dies: Rückzug in die Isolation, Ausgrenzung, sich vom System im Stich gelassen fühlen, ungerechte Behandlung gegenüber derer, die keinen Cent Ihrer Verbindlichkeiten zurückführen müssen oder können (bei eigener, vergleichsweise geringer, fast schon lächerlicher Höhe der Gesamtforderungen). Hinzu kommen u. a. die Angst um das nackte Überleben und die Sorge um die gesundheitliche Entwicklung.
Fazit:
® Lebensqualität = Null
® Zunehmender Druck durch immer höher werdende monatliche
Belastungen und Einschränkungen
® Hilflosigkeit – Mutlosigkeit – Kraftlosigkeit – Resignation und die Frage
® Abwarten? Sich so lange quälen, bis es wirklich nicht mehr geht?
Der Blick auf andere europäische Länder, in denen die Dauer einer Insolvenz nur einen Bruchteil der Insolvenz in Deutschland (6 Jahre) beträgt, wirft die Frage auf, wann endlich auch in Deutschland nach europäischem Recht verfahren wird.
Sechs Jahre Martyrium sind eine verdammt lange Zeit!
Hat es jemals jemanden interessiert, wie viele Verzweifelte es bereits gab, die es nicht „durchgehalten“ und nur noch einen Ausweg gesehen haben?
Das wollte ich einfach nur mal los werden. |
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Woytilla Specialist
Anmeldungsdatum: 21.01.2002 Beiträge: 103 Wohnort: Dubai / Berlin
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Verfasst am: 30.Jun 2006 13:15 Titel: |
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@Sympathine,
es waere Einiges an Diskussionsthematik in Deinem Beitrag, u.a. der alte Widerspruch zwischen Freiheitsanspruch und Versorgungsmentalitaet.
Aber ehrlich gesagt, disqualifizierst Du alle interessanten Diskussionsansaetze mit dem Titel Deines Beitrages!!!
Die Situation von "Insolventen" in Deutschland (noch dazu eben und gerade einem Sozialstaat) als "modernen Holocaust" zu bezeichnen, finde ich
hammerhart
voellig schwachsinnig
und
so was von pietaetlos,
in keiner Weise "sympathisch"!
Das wollte ich nur mal los werden, schoenen Tag noch
Woytilla |
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ThoFa Insider
Anmeldungsdatum: 15.04.2003 Beiträge: 649 Wohnort: Rheinland
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Verfasst am: 1.Jul 2006 8:14 Titel: |
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Hallo,
sorry aber Ihr Beitrag ist von Unsachlichkeit geprägt. Sie machen es sich zu einfach, wenn Sie Ihre Situation als die maßgebliche hinstellen. Und ja, ich kann es beurteilen. Nicht einer meiner Kunden empfindet es so wie Sie. Alle bestätigen mir, dass sich Ihre Lebensqualität zu der vor Insolvenz erheblich(!) gesteigert hat.
Der Unterschied liegt in der Beratung. Wer vor und in der Insolvenz gut beraten wird, der hat nicht diese Schwierigkeiten. Dass Sie nicht gut beraten sind, erkennt man schon an der Aussage, dass Sie glauben der Schuldner sei der "Schützling" des Treuhänders. Dem ist nunmal nicht so und ist auch vom Gesetzgeber nicht so gewollt.
Bevor man sich also in dieser Art und Weise - der Titel des Beitrages wurde von einem anderen User ja schon treffenden beurteilt - äußert, sollte man sich zumindest mal ansatzweise mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
MfG
ThoFa |
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Sympathine Newbie
Anmeldungsdatum: 17.04.2006 Beiträge: 14 Wohnort: Lübeck
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Verfasst am: 1.Jul 2006 19:44 Titel: |
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Mag sein, dass der Vergleich mit dem Holokaust zu hart war, dennoch habe ich im Hinblick auf die Bedeutung des Wortes und auch im Hinblick auf meine Situation nicht übertrieben und bevor man mir Pietätlosigkeit vorwirft, möchte ich anmerken, dass auch ich einen nahen Verwandten durch ein KZ verloren habe. Es war mein Großvater und mein Beitrag zielte sicher nicht darauf ab, irgendetwas zu verharmlosen. Es war vielmehr eine Anklage an diejenigen, die nicht hinsehen wollen, wenn Menschen wie Ameisen zertreten werden.
Ich scheine ja wirklich wieder mal die berühmte Ausnahme zu sein aber vielleicht bilde ich mir das alles ja auch nur ein!! |
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ThoFa Insider
Anmeldungsdatum: 15.04.2003 Beiträge: 649 Wohnort: Rheinland
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Verfasst am: 3.Jul 2006 6:30 Titel: |
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Hallo,
Sie bilden sich das ganz sicher nicht ein und Sie sind auch sicherlich keine Ausnahme. Da haben Sie mich falsch verstanden und/oder ich habe mich falsch ausgedrückt. Fakt ist, dass IV teilweise Gott spielen, mangels einer Aufsicht und fehlender Kenntnisse auf Schuldner- und Gläubigerseite kommen Sie damit durch. Deswegen schreibe ich, dass eine gute (!)Beratung unerlässlich ist.
MfG
ThoFa |
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Gast Pathfinder
Anmeldungsdatum: 22.12.2004 Beiträge: 316
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Verfasst am: 14.Jul 2006 11:18 Titel: ... |
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1.
| Zitat: |
Der Begriff Holocaust leitet sich von dem griechischen Wort ολοκαύτωμα (olokáutoma) ab und bedeutet wörtlich vollständig verbrannt oder auch vollständiges Brandopfer, was sich auf die religiöse Opferung von Tieren bezog.
Der Begriff Holocaust fand durch die Übersetzung der Bibel Einzug in den englischen Sprachraum, während Luther die Bibelworte mit Brandopfer übersetzte. Durch die vierteilige Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß von 1979 wurde der Begriff Holocaust in Deutschland bekannt und als Bezeichnung für die planmäßige Vernichtung von Juden während der NS-Zeit gebraucht. marc pentermann |
2.
Sympathine, Sie sind nicht allein, siehe:
http://www.11millionen.de/
http://stellenabbau.i-n.de/
...nennen wir es doch einfach "Die Leute im temporären Speicher - bis der Gesellschaftsumbau vollzogen ist..."
Grüsse und nicht verzweifeln, denn:
Am besten Sie schauen sich die Orte auf der Welt einmal an, wo man am glücklichsten ist. |
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