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Man nannte ihn den "König der Kredithaie"

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6846

BeitragVerfasst am: 3.Jun 2008 15:31    Titel: Man nannte ihn den "König der Kredithaie" Antworten mit Zitat

Das Netz von etwa tausend kriminellen Geldverleihern, das Susumu Kajiyama aufgezogen hat, brachte seiner Bande Yamaguchi-Gumi jährlich 70 Millionen Euro ein.

Die Yamaguchi-Gumi zählt zu den größten Yakuza-Gruppen, wie die japanische Mafia genannt wird. Der 58-jährige Kajiyama sitzt derzeit eine sechseinhalbjährige Gefängnisstrafe ab. Seine Geldverleiher-Bande hatte Wucherzinsen von zehn Prozent pro Tag verlangt, also Jahreszinsen von über 3600 Prozent. Die Schulden trieb die Truppe mit Drohungen und Gewalt ein.

Vor einigen Tagen nun hat die Schweiz 30 Millionen Franken (knapp 20 Millionen Euro) aus Kaijyamas Beute an Japan überwiesen.

Das war die Hälfte des Betrags, den die Zürcher Staatsanwaltschaft auf einem Nummernkonto bei der Großbank Credit Suisse sichergestellt hatte. Das Geld soll den Geschädigten zukommen. Von geschätzt 60.000 Opfern haben aber erst 180 Klage eingereicht.

Bisher haben die japanischen Behörden sich noch nicht auf ein Verfahren zur Verteilung der 30 Millionen Franken festgelegt. Die Kunden von Kredithaien sind meist vielfach verschuldet und oft desorganisiert. Die Wucherfälle geschahen zwischen 1999 und 2002 - viele Opfer werden daher Mühe haben, ihre Ansprüche eindeutig zu belegen. Unklar ist auch, wie hoch der Anteil der von den Yakuza eingetriebenen Wucherzinsen ist, der als verbrecherisch eingestuft wird.

Mit den Erträgen seiner Kredithaie hat Susumu Kajiyama Schuldverschreibungen japanischer Banken gekauft und diese unter anderem an die Hongkonger Filiale der Credit Suisse transferiert. Dergestalt gewaschen, wurde das Geld auf Konten in der Schweiz, in Singapur, in den USA und womöglich noch woanders verschoben. In Kalifornien soll die Yakuza nach Angaben der britischen Zeitung Independent damit sogar eine Bank übernommen haben.

In Japan betreibt die Yakuza hunderte legaler Firmen, unter anderem Baubetriebe, deren Verbindung zur Unterwelt bekannt sind. Sie dienen als Tarnadressen und zur Geldwäsche. Der Buchautor David Kaplan beziffert die Mitgliederzahl der vier größten Gruppen auf über 84.000, von denen viele offen zu ihrer Yakuza-Zugehörigkeit stehen.

Nach Recherchen des Journalisten Jake Adelstein, der in Tokio Polizeireporter des Yomiuri Shimbun war, der größten Tageszeitung Japans, hat die Yakuza einem ihrer Bosse mit dem Geld überdies eine Lebertransplantation in Los Angeles finanziert; und zwar in einer Zeit, in der Spenderlebern sehr knapp waren. Das FBI soll der Yakuza geholfen haben, diese Operation zu organisieren.

Als Gegenleistung verriet der Mafia-Boss der US-Bundespolizei laut Independent die Namen von Yakuza-Tarnfirmen in Amerika. Der FBI-Agent in Tokio, der diesen Deal einfädelte, wurde inzwischen abgelöst. Nach schweren Drohungen der Yakuza - entweder lösche er die Ergebnisse seiner Recherche, oder die Yakuza lösche seine Familie aus - leben der Journalist Adelstein und seine Familie heute unter Polizeischutz.

Anders als die Schweiz haben Hongkong und die USA von Kajiyamas Beute bisher nichts an Japan zurückbezahlt. Und die Spuren der Gelder, die nach Singapur gingen, sind angeblich nicht zu rekonstruieren. Die rund 60 Millionen Franken auf dem Konto bei der Credit Suisse waren von der Zürcher Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden, bevor Japan sein Rechtshilfegesuch einreichte. Die japanischen Ermittler wussten gar nicht, wieviel Geld tatsächlich in der Schweiz lag.

Formaljuristisch handelt es sich bei den 60 Millionen um Erträge aus Geldwäsche, ein "Verbrechen ohne Geschädigte", wie es heißt.

Nach Gepflogenheiten etwa zwischen der Schweiz und den USA teilen sich die Partner-Staaten beschlagnahmte Geldwäsche-Profite meist hälftig. Deswegen hat die Schweiz Japan nur 30 Millionen ausgehändigt. Und nur unter den Bedingungen, dass Japan das Geld den Opfern zukommen lässt und sich verpflichtet, im umgekehrten Fall künftig Geld an die Schweiz zu senden.

Als einzige Alternative, um an ihr Geld zu kommen, hätten die Geschädigten in Zürich Zivilklage einreichen können. Das war praktisch kaum möglich, zumal es sich bei den Opfern um verschuldete kleine Leute handelt. Zur Zeit des Rechtshilfegesuchs hatte Japan noch kein Opferentschädigungsgesetz, was die Rückzahlung verzögerte.

Aber auch in der Schweiz gibt es Streit um die Millionen. Obwohl nach internationalem Recht nicht dazu verpflichtet, war der Bundesrat in Bern bereit, den ganzen Betrag an Japan zurückzugeben. Die Regierung habe aus vergleichbaren Fällen gelernt, berichten Insider. Der Kanton Zürich dagegen wollte das Geld behalten oder höchstens teilen.

Die grundsätzliche Entscheidung, die 30 Millionen nach Japan zu überweisen, fiel im vergangenen Jahr.

In Japan dagegen befürchtet man, es meldeten sich nicht genügend Opfer mit beweisbaren Forderungen. Die 30 Millionen Franken könnten so nicht komplett an Geschädigte verteilt werden. Dann würde das Geld in die Staatskasse fließen, Susumu Kajiyama hatte schließlich auch den Staat um Steuern geprellt. Doch dies würde das Rückzahlungs-Abkommen mit der Schweiz verletzen.
Quelle: kr/SZ
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