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Noch nie so viel Lafontaine

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mhmoeller
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 20.12.2003
Beiträge: 1263
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 4.Jul 2005 10:33    Titel: Noch nie so viel Lafontaine Antworten mit Zitat

Zitat:
Elf Prozent prognostizieren Meinungsforscher der Linkspartei, noch bevor der Gründung beschlossen und das Einverständnis der Basis eingeholt wurde. Welt v. 4.7.2005


Also eines muß man der neuen Linkspartei – wie sie denn schlußendlich auch immer heißen mag – lassen: Sie hat die rhetorisch Besten in ihrer Mitte.

Gysi, Meister der leisen Töne, kann blitzschnell den rhetorischen Degen ziehen und mit wenigen Worten fast jeden Gegner blaß aussehen lassen.

Lauter, populistischer dagegen Lafontaine. Wortgewaltige Mischung aus anachronistischen Vorstellungen, plakative Forderungen – immer in der Gewißheit, sich nie dafür verantworten und diese umsetzen zu müssen. Immer in der Gewißheit mit seinen Phrasen die Lufthoheit an deutschen Stammtischen nach der fünften Runde Bier für sich zu erobern.

Zitat:
So viel Lafontaine wie in dem Programm unter dem Titel "Vertrauen in Deutschland" war seit langem in dieser Partei nicht mehr! Nur 48 Stunden nach seiner Versicherung im Bundestag, er wolle seinen Agenda-Kurs vom Wähler legitimieren lassen, greift der Kanzler auf einem Kutschbock nach den Zügeln, der in die Gegenrichtung fährt. Welt v. 4.7.2004


Was macht die SPD? Sie versucht nun die Linkspartei links zu überholen, dabei die Mitte einzuklammern. Ein Spagat, den sich nur derjenige leisten kann, der genau weiß, er hat keine Chance mehr, die Macht zu halten.

Vergessen wird dabei immer folgendes: Noch ist das Parlament nicht aufgelöst. Noch gibt es keine Neuwahl. Alle Parteien setzen sich über eine anstehende Entscheidung des Bundespräsidenten so hinweg, daß es es den Anschein hat: Er hat so zu entscheiden, wie die Parteistrategen es sich wünschen.

Auch wenn er es tut – dann gibt es noch immer das Bundesverfassungsgericht.

Wer das Wahlkampfgetöse der Parteien richtig verstehen will, dem sei das Polemische Soziallexikon dringenst zur Lektür empfohlen. (Ich übernehme keine Haftung für Zwerchfellkrämpfe!)
http://www.welt.de/data/2006/06/13/731568.html
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Lutz Spilker
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 04.05.2004
Beiträge: 1432
Wohnort: Nürnberg

BeitragVerfasst am: 4.Jul 2005 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich wundere mich prinzipiell über nichts. Weder über Dinge, die sich hier-
zulande abspielen, noch überhaupt. Ebenso wenig wundert es mich dann,
wenn ich die Wahlkampfreden eines Oskar 'Wendehals' Lafontaine verfol-
ge, welche seitens der Zuhörerschaft mit gemischten Gefühlen und ver-
haltenem Applaus signiert werden.

Dieses parolenhafte Herunterbeten offensichtlicher Mängel und die vollmun-
digen Versprechungen für die Zukunft, verstand er auch zu Zeiten seiner
SPD-Angehörigkeit. Was ändert sich, was hat sich geändert, was wird sich
ändern? Ich fürchte nicht viel.

Wer am lautesten brüllt, hat nicht auch gleichsam Recht. Und je lauter uns'
Oskar wird und seine Halsschlagader auf die Zerreisprobe stellt, desto un-
glaubwürdiger steht er da. Jedenfalls vor meiner Ansicht. Die ist zwar nicht
maßgeblich, dessen bin ich mir im Klaren, aber wie schon erwähnt, mich
wundert nichts mehr.
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Ronald
Insider


Anmeldungsdatum: 28.02.2005
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 5.Jul 2005 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Eine schöne Überschrift haben Sie da gewählt, verehrter Kollege.

Es vergeht ja kaum ein Tag an dem nicht Lafontaine Medienthema ist. Müßte eigentlich zum Nachdenken anregen wie und warum auf ihn eingeschlagen wird .

Das Wörtchen " Warum " - eines meiner Lieblinge aus dem Katalog der sieben W- Fragen.

Warum also erhält er eine so große mediale Öffentlichkeit eingeräumt? Hat man Angst vor diesem Mann? Ja.
Spricht er Dinge an, die den Menschen auf den Nägeln brennen? Ja.
Verbiegt er sich nicht, bleibt er seiner Linie seit Jahren treu? Ja.

Also wird er zum Feind erklärt, die Geschütze in Stellung gebracht und los geht's.
Zum Beispiel so: http://zeus.zeit.de/text/2005/26/Oskar_Negt

Hierzu wurde die von der großkoalitionär verdächtigen CSDUSPD gemeinsam herausgegebene, stark an die Diktion von Goebbels erinnernde Anti-Lafo-Wortliste abgearbeitet ("unzuverlässiger, unkalkulierbarer Fremdarbeiter, Schädling der Volksgemeinschaft").

Die Propagandamaschine läuft also auf Hochtouren. Bis in die
Süddeutsche Zeitung hinein erscheinen Hetzartikel mit demagogischen Verdrehungen gegen Lafontaine.
Also schauen wir mal was der von mir geschätzte H.Prantl zu sagen hat:
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m2/deutschland/artikel/357/55302/

Wie in der Propaganda des Dritten Reiches tauchen schlagartig und fast überall in den Medien dämonisierend von unten fotografierte Bilder auf, die Lafontaine unvorteilhaft mit rot-erregtem Kopf und geöffnetem Rednermund zeigen.

Nun schaue ich mal um die Ecke und siehe da - Lafontaine befindet sich im Kreise illusterer Politikgrößen und schimpft nicht weniger.

Ein kleiner Parteitag der Sozialdemokraten hat das 41 Seiten starke Wahlmanifest mit dem Titel "Vertrauen in Deutschland" , das von der Parteispitze allein ausgearbeitet worden war, am Montag einstimmig verabschiedet.

Der designierte Spitzenkandidat des neuen Linksbündnisses,
Oskar Lafontaine, nannte es eine "Verhöhnung" der Wähler und ein "Manifest der Unglaubwürdigkeit".
Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel sprach von einem "Programm der Kraftlosigkeit".
CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, es sei ein "Programm von Lügen und Fantasien".
FDP-Vize Rainer Brüderle erklärte, Reichensteuer und einkommensabhängiges Kindergeld seien "ökonomisch unvernünftig und verfassungsrechtlich unmöglich".

Aha, hier ist man sich also einig und Lafontaine wird in dieser Phalanx wohlig geduldet.
Es ist Wahlkampf, obwohl , warum eigentlich - Hr. Köhler hat doch noch nichts verlauten lassen?

Welches Schwein wird nächstens durch's Dorf gejagt?
Sicher Max Mustermann, sollte dieser sich erdreisten auf der Schaukel der etablierten Parteien nicht im gleichen Takt mitzuschwingen.

Nun denn - dies regt niemanden auf:

"Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."

Quelle: Rede der Vorsitzenden der CDU Deutschlands, Dr. ANGELA MERKEL, MdB, anlässlich der Festveranstaltung '60 Jahre CDU' am 16. Juni 2005, Berlin

Merkel stellt sich nicht zum ersten Mal gegen das Grundgesetz der BRD.
Sie unterstützte Bush im Irakkrieg (der eindeutig völkerrechtswidrig und friedensgefährdend).
Sie begrüsst die generelle Gendatenerfassung der Bundesbürger zwar noch nicht, jedoch bereits bei Bagatelldelikten (siehe auch CSU-Mann Beckstein).
Und sie sagte nun das, das einem glauben lässt, diese Frau hat nicht alle Sinne zusammen: Sie stellt die Demokratie in Frage.

Frau Merkel schrieb die Rede nicht allein. Sie hat eine Spitzenjuristengruppe an ihrer Seite und man kann davon ausgehen, dass diese Redepassage eine gezielte Sache war. Sozusagen ein Testballon.

Und es gibt trotz dieses Eklats kein Aufsehen in den Medien und somit weis auch die Bevölkerung nicht daß Entrüstung angesagt wäre.

Warum also das ganze getue um Lafontaine?

Gibt es nichts wichtigeres zu kolportieren - liebe Medienleute?

Ronald
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P.Wilhelm
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 23.08.2003
Beiträge: 2277
Wohnort: 58730 Fröndenberg

BeitragVerfasst am: 5.Jul 2005 20:54    Titel: aus der Haut... Antworten mit Zitat

Nun, werter Ronald...

Das Problem ist sicher da zu suchen, daß kaum einer aus seiner Haut kann - bzw. will...

Während die Aussagen Deines Kollegen mhmoeller (sofern er nicht gerade die GoMoPa-rtei favorisiert ) in eine klare Richtung zielen, ist es bei Deinen und meinen Aussagen sicherlich nicht anders...

Wichtig ist meiner Meinung nach nur, daß man sich selbst ernsthaft mit den Problemfeldern auseinandersetzt und erkennt, wo die Handlungsbedürfnisse liegen. Wenn man dann noch in der Lage ist, richtige! Erkenntnisse zu transportieren und weiterzugeben, sind / wären! wir alle ein Stück weiter...

Und das ist das Problem...

Um Aussagen zu tranportieren, müßte man an relevanter Stelle (Partei...!) präsent sein. Bist Du das? - Ich bin es nicht...!

Gruß Peter
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tropico
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 17.12.2003
Beiträge: 1126
Wohnort: Belize City

BeitragVerfasst am: 5.Jul 2005 21:33    Titel: wiederholt sich die Geschichte ? Antworten mit Zitat

Es wäre sicherlich unangemessen, den beiden Demagogen Gysi und Lafontaine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Aber wenn ich diese beiden Irren höre, und ich höre Ihnen schon seit langer Zeit aufmerksam zu (ich bin NICHT masochistisch veranlagt!), muß ich unweigerlich an Goebbels und Hitler denken, insbesondere seit kurzem !
Bleibt nur noch abzuwarten, ob sich nicht noch die NPD zu diesem politischem Bodensatz hinzugesellt !

Lernt denn dieses Land NIEMALS hinzu ?

Irritierte Grüße

tropico
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mhmoeller
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 20.12.2003
Beiträge: 1263
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 5.Jul 2005 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

@ tropico

Werter Tropico,

ausnahmsweise muß ich Ihnen einmal vehement widersprechen.

Zitat:
diese beiden Irren höre


Sowohl Gysi wie Lafontaine sind bei weitem keine Irren – wenn sie sich auch mit ihren politischen (? ideologischen) Ansichten auf einem – allerdings inzwischen weit verbreiteten – Irrweg befinden.

Ihr Vergleich mit Hitler und Goebbels – auch wenn beide es energisch bestreiten werden – ist insofern nicht verkehrt, als das gesamte Quartett das rhetorische Handwerk bestens beherrscht.

Unbestritten fehlen heute in der politischen Landschaft Menschen wie Pater Leppich, Strauß, Wehner, Brandt – und in Teilen auch Schmidt.

Doch Rhetorik, Charisma sind „nur“ Handwerk – und damit auch lern- und erfahrbar – am besten durch Erfahrung – also regelmäßige Wiederholung.

Der beste Rhetoriker mit dem größten Charisma bleibt allerdings wirkungslos, wenn seine Thesen, Behauptungen, Feststellungen, Visionen nicht auch den Gesetzen der Memetik folgen.

Und dafür hat(te) dieses unheilvolle Quartett eine gewisse Intuition. Die Frage, die immer gestellt werden muß, ist die: Hat dieser Gedanke in dieser Zeit die (memetischen) Voraussetzungen, sich zu verbreiten? Und dieses Quartett hat intuitiv den „richtigen Gedanken“ in der „richtigen Zeit“ in der „richtigen Art“ ausgesprochen. Das „richtig“ bezieht sich nur auf die Wirkung – nicht auf die Inhalte.

Und ehe ich mißverstanden werde: Ich unterstelle weder Gysi noch Lafontaine die verbrecherische und menschenverachtende Art von Goebbels und Hitler. Aber ich glaube schon, daß diese Republik inzwischen so gefestigt ist, daß man wertneutral „handwerkliche“ - sprich in diesem Fall demagogische – Fähigkeiten vergleichen darf.

Gysi und Lafontaine sind auch Beispiele für gleiche Wirkung bei gegensätzlichem Auftreten.

Lafontaine – der Marktschreier, laut, plakativ, mit vor Zorn bebenden und schier platzenden Halsschlagadern, das Gegenüber überrollend.

Gysi – der Leise, Feingeist, mit schneller Auffassungsgabe und einem Gespür für Stimmungen, der mit wenigen, leisen, gewählten Worten sein Gegenüber wie mit einem Skalpell seziert.

Und genau diese Gegensätzlichkeit in der Darstellung bei gleichen Inhalten macht dieses Duo so gefährlich. Und dieses Duo hat sich jetzt auch noch mit Peter Sodan zum Trio erweitert. Peter Sodan, der nette Typ von nebenan.

Zitat:
Es wäre sicherlich unangemessen, den beiden Demagogen Gysi und Lafontaine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.


Man kann ihnen meiner Ansicht nach nicht genügend Aufmerksamkeit widmen – um ihre wirren Inhalte und ihre Methoden zu entlarven. Leider fehlen auf der anderen Seite Vertreter, die diese Techniken beherrschen.
Wie stellte User Trader in einem anderem Threat so trefflich fest: „Wir Kapitalisten sind wohl doch die besseren Sozialisten“ - Recht hat er – bloß fehlen die Vertreter, die es so wirkungsvoll wie Gysi und Lafontaine verständlich machen.
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Ronald
Insider


Anmeldungsdatum: 28.02.2005
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 8.Jul 2005 9:12    Titel: Antworten mit Zitat

Lafontaine weiter Medienthema - hier eine Sichtweise, die eigentlich meinen obigen Beitrag stützt.

Zitat:

Die deutsche Einheitspartei, die mit mehr als 98 Prozent im Bundestag »Hartz IV« und Auslandseinsätze der Bundeswehr im Durchwinkverfahren verabschiedet, hat selbstverständlich auch eine Einheitspresse. Die ist dazu da, zum fälligen Krieg die fällige Überzeugung herbeizuschreiben, daß z. B. Serbien oder Afghanistan bombardiert werden »müssen«. Sie ist dazu da, solange von leeren Staatskassen, schlapper deutscher Wirtschaft, Globalisierung und »Volk ohne Jugend« zu schwadronieren, bis jeder Niedrigverdiener, Arbeitslose, Kranke und Rentner davon überzeugt ist, daß bei ihm gespart werden »muß«.

Klappt aber nicht immer. Manchmal gibt es Renitenz in der Bevölkerung, der alles gründlich erklärt wurde. Darauf reagiert der heimische Qualitätsjournalist fassungslos: Wer gegen einen deutschen Krieg oder das Ausplündern von Krankenversicherten und Arbeitslosen öffentlich protestiert, kann nur Extremist, mit hoher Wahrscheinlichkeit Antisemit und Antiamerikaner sein und ist auf jeden Fall im »Gewerkschaftsstaat« hängengeblieben, den es hier mal gegeben haben soll.

Neuerdings häufen sich Fälle von notorischer Unüberzeugtheit unter Medienkonsumenten. Daß Leute gegen »Hartz IV« vor einem Jahr auf die Straße gingen, ohne von Springer-, Holtzbrinck-, Gruner + Jahr-, ARD-, ZDF- oder RTL-Angestellten motiviert worden zu sein, war völlig daneben. Und jetzt: Im Osten sehen die Umfragen das Bündnis von PDS und WASG derzeit bei 30 Prozent, im Westen bei elf Prozent. Die Reflexe kamen schneller als es Pawlow vorgesehen hat: Lafontaine wurde vor zwei Wochen in der Zeit in »Oskar Haider« umbenannt, am gestrigen Donnerstag kam auch der amtierende Außenminister endlich auf diese Metamorphose, und esoterisch wie der Spiegel veranlagt ist, konnte sich dort ein Beschreiber Lafontaines vorstellen, wie die Menschen am Ende der Weimarer Republik »verhext« wurden. Froschkönig und Hitler sind fast dasselbe.

Der Mitteldeutsche Rundfunk, dieses possierliche Heile-Welt-Propagandagärtchen der CSU im Osten, kann Peter Sodann nicht als linken Bundestagsabgeordneten aushalten – hat dabei möglicherweise formal sogar allgemeine ARD-Regeln auf seiner Seite.

(aus JW/08.07.05)
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Anmeldungsdatum: 28.02.2005
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 8.Jul 2005 9:13    Titel: Antworten mit Zitat

Lafontaine weiter Medienthema - hier eine Sichtweise, die eigentlich meinen obigen Beitrag stützt.

Zitat:

Die deutsche Einheitspartei, die mit mehr als 98 Prozent im Bundestag »Hartz IV« und Auslandseinsätze der Bundeswehr im Durchwinkverfahren verabschiedet, hat selbstverständlich auch eine Einheitspresse. Die ist dazu da, zum fälligen Krieg die fällige Überzeugung herbeizuschreiben, daß z. B. Serbien oder Afghanistan bombardiert werden »müssen«. Sie ist dazu da, solange von leeren Staatskassen, schlapper deutscher Wirtschaft, Globalisierung und »Volk ohne Jugend« zu schwadronieren, bis jeder Niedrigverdiener, Arbeitslose, Kranke und Rentner davon überzeugt ist, daß bei ihm gespart werden »muß«.

Klappt aber nicht immer. Manchmal gibt es Renitenz in der Bevölkerung, der alles gründlich erklärt wurde. Darauf reagiert der heimische Qualitätsjournalist fassungslos: Wer gegen einen deutschen Krieg oder das Ausplündern von Krankenversicherten und Arbeitslosen öffentlich protestiert, kann nur Extremist, mit hoher Wahrscheinlichkeit Antisemit und Antiamerikaner sein und ist auf jeden Fall im »Gewerkschaftsstaat« hängengeblieben, den es hier mal gegeben haben soll.

Neuerdings häufen sich Fälle von notorischer Unüberzeugtheit unter Medienkonsumenten. Daß Leute gegen »Hartz IV« vor einem Jahr auf die Straße gingen, ohne von Springer-, Holtzbrinck-, Gruner + Jahr-, ARD-, ZDF- oder RTL-Angestellten motiviert worden zu sein, war völlig daneben. Und jetzt: Im Osten sehen die Umfragen das Bündnis von PDS und WASG derzeit bei 30 Prozent, im Westen bei elf Prozent. Die Reflexe kamen schneller als es Pawlow vorgesehen hat: Lafontaine wurde vor zwei Wochen in der Zeit in »Oskar Haider« umbenannt, am gestrigen Donnerstag kam auch der amtierende Außenminister endlich auf diese Metamorphose, und esoterisch wie der Spiegel veranlagt ist, konnte sich dort ein Beschreiber Lafontaines vorstellen, wie die Menschen am Ende der Weimarer Republik »verhext« wurden. Froschkönig und Hitler sind fast dasselbe.

Der Mitteldeutsche Rundfunk, dieses possierliche Heile-Welt-Propagandagärtchen der CSU im Osten, kann Peter Sodann nicht als linken Bundestagsabgeordneten aushalten – hat dabei möglicherweise formal sogar allgemeine ARD-Regeln auf seiner Seite.

(aus JW/08.07.05)
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