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Österreich: Organisierte Schlepperkriminalität Bericht 2006

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 5911

BeitragVerfasst am: 28.Apr 2007 6:08    Titel: Österreich: Organisierte Schlepperkriminalität Bericht 2006 Antworten mit Zitat

Wie schon in den Jahren zuvor, versuchen jährlich hunderttausende illegale Migranten aus Osteuropa, Asien und Afrika nach Westeuropa zu gelangen, wobei Österreich unter anderem aufgrund seiner geografischen Lage überproportional dem Migrationsdruck ausgesetzt ist. Österreich ist sehr oft der Eintrittspunkt in den „Schengenraum“ und dient häufig als Transitland, ist aber auch ein Zielland.
Weit mehr als die Hälfte von den illegalen Migranten nehmen die Hilfe von professionellen Schleppern in Anspruch. Diese international agierenden Schlepperorganisationen verzeichnen Umsätze in Milliardenhöhe.

Eine besondere Gefährlichkeit dieser Form der Organisierten Kriminalität, liegt nicht nur in der Verbringung einer großen Anzahl illegaler Fremder und der oftmals damit einhergehenden Entstehung von Subkulturen und Parallelgesellschaften, sondern auch durch die engen Verbindungen dieser Kriminalitätsform mit anderen Deliktsfeldern z. B. Dokumentenfälschung, Prostitution, Korruption, Drogenhandel, Betrugsdelikten, Geldwäsche etc.

Schlepperei im großen Stil funktioniert nur unter Zuhilfenahme von Organisationen oder Netzwerken, welche eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Im Wesentlichen lassen sich unten angeführte Typen unterscheiden:

• Bei kriminellen Netzwerken stehen die Interessen der Organisation im Vordergrund. Die Preise sind überhöht, versprochene Leistungen werden oft nicht erbracht, die „Kunden“ werden getäuscht. Den Migrationswilligen werden Arbeitsmöglichkeiten in den Zielländern in Aussicht gestellt. Junge Frauen, die als Kindermädchen und Haushaltshilfen angeworben wurden, enden oftmals in der Prostitution. Drohungen und Zwangsmassnahmen gegen nicht kooperative oder zahlungsunfähige Personen sind die Regel.

• Private Netzwerke umfassen die (Groß-) Familie, Angehörige desselben Clans, Bekannte und Nachbarn. Diese helfen mehr oder weniger uneigennützig und erwarten lediglich Aufwandsentschädigungen.

• Agenturen und spezielle Reisebüros, die eine breite Palette von Dienstleistungen, welche eine illegale oder halblegale Aus-, Durch- und Einreise ermöglichen, an. Die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage, dem gewünschtem Komfort und dem Schwierigkeitsgrad der erbrachten Dienstleistung.

• Politische Netzwerke. Diese ermöglichen es Personen mit gleichem ideologischem Hintergrund, sich in einen Ruheraum zurückzuziehen oder sich in einen neuen Wirkungsraum zu begeben (z.B. PKK-, Ennahda- oder Al Kaida-Angehörige) – Im Zusammenhang mit organisierter Schlepperkriminalität von untergeordneter Rolle, jedoch aus staatspolizeilicher Sicht (Terrorismusbekämpfung) von Relevanz.

• Humanitäre Netzwerke. Personen, die aus ihrer ethischen Überzeugung und oftmals falsch verstandener Humanität heraus Menschen helfen und (Wirtschafts-) Flüchtlingen einen Zugang zum Asylverfahren ermöglichen wollen.

Von den 26.321 festgestellten rechtswidrig eingereisten/aufhältige Personen im Jahr 2006 stellten rumänische Staatsangehörige mit 21.29 Personen (81%) die mit Abstand größte Gruppe dar.
Bei den Grenzübertrittsländern zu Österreich führt Italien mit 46,7% deutlich vor Deutschland mit 10,3%. Dazu wird angemerkt, dass Italien als Grenzübertrittsland im Zusammenhang mit Schlepperei de facto eine untergeordnete Rolle spielt. Der statistische Spitzenwert Italiens als Grenzübertrittsland erklärt sich aus den oben angeführten Heimreisenr umänischer Staatsangehöriger über Italien.

Der überwiegende Teil der Aufgriffe von fast 35.000 Personen erfolgte von Beamten der Bundespolizei. Von den in Burgenland und Niederösterreich im Assistenzeinsatz befindlichen Bundesheer wurden 2.382 Personen und von den ausländischen Organen 2.035 Personen aufgegriffen.

Bei allen TOP-10 der Geschleppten des Vorjahres kam es zu Rückgängen. So sind bei den Staatsangehörigen aus dem vormaligen Serbien-Montenegro, der Russischen Föderation, Moldawien, Ukraine, Georgien, der Türkei, Indien, Mongolei sowie China zum Teil deutliche Rückgänge zu verzeichnen.

Zu erwähnenswerten Anstiegen kam es bei Aufgriffen von geschleppten Staatsangehörigen aus dem Irak, Algerien, Marokko und Ägypten. Der „typische“ Geschleppte ist zu 69 % männlich und zwischen 19-40 Jahre alt.

Auf der Homepage des Bundeskriminalamtes ist der vollständige Jahresbericht 2006 abrufbar.
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