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money-baer Insider
Anmeldungsdatum: 28.02.2002 Beiträge: 779 Wohnort: /Mfr.
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Verfasst am: 12.März 2003 22:22 Titel: Politik und Börse, wer macht wen nervös?? |
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Mittwoch, 12. März 2003
Gerüchte im nervösen Markt
von Jochen Steffens
"Osama bin Laden has been captured in Pakistan, according to a report picked up from Iranian radio by the BBC's global monitoring service. No further details were currently available" (AFX)
Diese Meldung tickerte über die Ticker ... Kaufpanik im Dax. 40 Punkte geht es innerhalb weniger Augenblicke nach oben, fast 2 %. Dann wurde dementiert: Bin Laden doch nicht gefasst. Darauf brach der Dax fast noch schneller wieder in sich zusammen: Und wieder 40 Punkte runter. Das "Osama Bin Laden ist gefasst" Gerücht hat schon häufiger an den Börsen für Trubel gesorgt, bis jetzt hat es sich nie bewahrheitet.
Unter meinen Traderkollegen kam trotzdem die Diskussion auf, ob der Nachricht selbst oder dem Dementi zu glauben sei. Sicher, ein Fang von Osama Bin Laden käme den Amis im Moment mehr als ungelegen. Ein weiterer Kriegsgrund könnte wegbrechen. Und wie ich bereits schrieb: Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges. Ich glaube nicht, dass wir unbedingt erfahren würden, dass Bin Laden gefasst oder tot ist. So bleibt alles Spekulation.
Ein weiteres Gerücht geisterte heute durch den Markt: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, leiden besonders die Versicherer unter der aktuellen Situation. Sie stecken in einem verzwickten Teufelskreis. Die Versicherer haben immer noch große Aktienpositionen. Vereinfacht ausgedrückt: Fallen die Aktien, dann drückt das auch auf die Ergebnisse der Versicherer. Um diese Verluste abzufedern, müssen die Versicherer Aktien verkaufen. Dadurch verstärkt sich wiederum der Verkaufsdruck an den Märkten: Die Aktien fallen weiter.
Im Zusammenhang mit dieser Situation entstand heute das Gerücht, dass die Allianz sich von weiteren BASF-Anteilen trennen will. Die Allianz hatte ihren Aktienanteil schon von zuvor 11 % auf nun 6 % gesenkt. Das Gerücht wurde zwar direkt wieder dementiert, der Kurs der BASF litt natürlich trotzdem darunter.
Der Dax hat gestern zum dritten Mal kein Umkehrsignal generiert, er schloss unterhalb seines Anfangskurses. So richtige Verkaufspanik ist das im Dax zwar noch nicht, aber es geht langsam in die Richtung. Dabei gefallen mir die amerikanischen Indizes gar nicht. Sie stehen kurz davor, wirklich wichtige Marken nach unten zu brechen. Das sähe charttechnisch gar nicht erfreulich aus. Zumindest die Februartiefs sollten halten. Während ich das schreibe fällt der Markt weiter und weiter. Vielleicht erreichen wir ja heute doch noch Sell-Off Niveau.
Der Euro geriet heute wieder kurz unter die 1,10 Dollar Marke. Der Rat, nicht aufzuspringen, hat sich bis gerade zumindest mal wieder bestätigt.
Interessantes war mal wieder von Rumsfeld zu hören. In seiner so bekannt undiplomatischen Art hat er es nun geschafft, selbst den Briten vor den Kopf zu stoßen. Er sagte, dass solange die neue Resolution nicht angenommen sei, die Amerikaner nicht wissen, wie die Rolle der Briten in einem Irak-Krieg sein werde. Damit bezog er sich auf die Probleme von Blair innerhalb der eigenen Partei. Später relativierte er seine Statement mit der Aussage, er habe keinen Zweifel an der Unterstützung der Briten.
Eins hat diese Äußerung jedoch gezeigt: Die Amerikaner sind durchaus bereit selbst ohne die Briten in einen Krieg zu ziehen. Dazu passt, dass Bush heute noch einmal bekräftigte, keine Verzögerung zu dulden. So soll nun bis zum Ende dieser Woche eine Entscheidung im UN-Sicherheitsrat gefällt werden. Immer offensichtlicher wird dabei, dass den Amerikanern der Inhalt dieser Entscheidung nicht wirklich wichtig ist. Diese Nachrichten führte heute an den Börsen zu weiteren Verlusten.
Zunächst schein diese Meldung wenig börsenrelevant: Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic ist heute Opfer eines Attentats geworden. Aus großer Entfernung haben ihn zwei Schüsse aus einer großkalibrigen Waffe getroffen. Djindjic stand an der Spitze der friedlichen Revolution, aufgrund derer Milosevics zum Rücktritt gedrängt wurde. Zudem soll er maßgeblich an der Auslieferung Milosevics an das Haager Kriegsverbrechertribunal im Juni 2001 beteiligt gewesen sein. Insgesamt war Djindjic eine Hoffnungsträger für Demokratie und Stabilisierung in der Region.
Und hier wird es doch wieder börsenrelevant: Sollte sich diese Region nun wieder destabilisieren, könnte das langfristig, im aller schlechtesten Fall, auch zu einem erneuten Balkan-Konflikt führen. Doch ist das im Moment noch ein wenig zu schwarz gesehen.
Quelle: Investor`s Daily |
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